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Über dieses Buch

Sebastian Kessler macht in seiner Analyse des Ungleichheitsdiskurses für den Zeitraum von 1975 bis 2009 auf zwei Entwicklungen aufmerksam: Soziale Ungleichheit in der Gesundheit ist ein wissenschaftliches Konzept, das ab 1975 einen neuen Blick auf die Wirklichkeit eröffnet. Es lassen sich nun gesellschaftliche Differenzen von Krankheit und Tod identifizieren und als Problem darstellen. Mit der politischen Aneignung dieses Konzeptes überträgt sich jedoch die Verantwortung für die Gesundheit von der gesamten Gesellschaft auf Institutionen wie die Krankenversicherungen oder auf den Einzelnen. Damit wird das Wissen über Ungleichheit zu einem Mittel der Verwaltung der Gesellschaft. Um der Kostenexplosion im Gesundheitswesen entgegenzuwirken findet durch die Konstruktion des Wissens über Ungleichheit eine Regulierung des Lebens in den Ungleichheitsverhältnissen statt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Die differierende Verteilung von Krankheit und Tod in der Gesellschaft wird als soziale Ungleichheit in der Gesundheit bezeichnet. Seitdem Wilfried Schönbäck diese im Jahr 1975 zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg in einer deutschsprachigen Publikation thematisierte (Schönbäck 1975), hat sie sich beständig erhöht. Heute sterben in Folge der Reform der Sozialgesetzgebung vor zehn Jahren und der Einführung von ‚Hartz IV‘ Menschen mit geringem Einkommen wieder früher als vor der Reform (Deutscher Bundestag 2011).
Sebastian Kessler

Chapter 2. Methode Eine von der wissenssoziologischen Diskursanalyse inspirierte Vokabularanalyse

Die folgende Untersuchung stützt sich auf die sozialkonstruktivistischen Überlegungen von Peter L. Berger und Thomas Luckmann. Damit wird in der Tradition von Alfred Schütz die sprachliche Vermittlung der Wirklichkeit angenommen (Berger und Luckmann 1980 [1966]: 69). Die Analyse der Wissensverhältnisse sozialer Ungleichheit in der Gesundheit untersucht daher sprachliche Prozesse.
Sebastian Kessler

Chapter 3. Quellenkorpus und quantitative Auswertung

Die Grundlage der Untersuchung bildet der Diskurs zur sozialen Ungleichheit in der Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland. Das Textkorpus umfasst drei Teildiskurse, die aufeinander verweisen und im Folgenden einzeln analysiert werden: einen wissenschaftlichen (siehe 3.1), einen politikberatenden (siehe 0) und einen politischen Teildiskurs (siehe 0). Sie bilden die Arenen in denen sich die Sprecherpositionen der an dem Ungleichheitsdiskurs teilnehmenden Akteure konstituieren.
Sebastian Kessler

Die historische Entwicklung des Vokabulars sozialer Ungleichheit in der Gesundheit. Die Entstehung und Übertragung des Konzeptes

Frontmatter

Chapter 4. Skizze der allgemeinen historischen Entwicklung

Durch die Methodik- und die Quellenauswahl erwächst ein Problem für die Darstellung: Es gilt sowohl eine Chronologie der Ereignisse im Untersuchungszeitraum von 1975 bis 2009 aufzuzeigen als auch diese Entwicklung getrennt für jeden Einzelnen der drei Teildiskurse zu verfolgen. Daraus erwachsen notgedrungen Redundanzen, die zur Erschließung des Erkenntnisinteresses in Kauf genommen werden. Um dem Leser eine Orientierungshilfe an die Hand zu geben, wird zunächst die allgemeine historische Entwicklung skizziert, in deren Rahmen sich die Ereignisse einfügen, die in den Analysen der Teildiskurse beschrieben werden.
Sebastian Kessler

Chapter 5. Ungleichheit im wissenschaftlichen Teildiskurs

In der folgenden Analyse wird die Konstruktion des Ungleichheitsvokabulars in der Wissenschaft nachvollzogen. Dazu wird zunächst auf die zwei in den Artikeln veröffentlichten Herkunftsnarrative der Sozialepidemiologie eingegangen, welche die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Frage ungleicher Verteilung von Krankheit und Gesundheit rechtfertigen sollen (siehe Abschnitt 5.1). Anschließend werden die Deutungsmuster von Ungleichheit, insbesondere die der sozialen und gesundheitlichen Ungleichheit herausgearbeitet. Diese thematisieren Ungleichheit im Sinne gesellschaftlicher Differenzen der Prävalenz von Gesundheit und Krankheit (siehe Abschnitt 5.2).
Sebastian Kessler

Chapter 6. Ungleichheit in der institutionalisierten Politikberatung

In diesem Kapitel wird die Entwicklung des Ungleichheitsvokabulars im politikberatenden Teildiskurs untersucht. Dazu werden die Gutachten des Sachverständigenrates analysiert. Dieser ist die offizielle Institution zur Politikberatung in Fragen der Gesundheitspolitik. Es ist zu erwarten, dass sich ein Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Politik über die Analyse des Sachverständigenrates abbilden lässt.
Sebastian Kessler

Chapter 7. Ungleichheit im politischen Teildiskurs

In diesem letzten Kapitel des Teil I wird wie Entwicklung des Ungleichheitsvokabulars im politischen Teildiskurs untersucht. Wie bereits aus der Analyse der Gutachten des Sachverständigenrates deutlich wurde, wird der Ungleichheitsbegriff auch im politischen Teildiskurs nicht allein mit Bezug auf gesundheitliche Differenzen verwendet. Hier existieren drei voneinander getrennte Extensionen.
Sebastian Kessler

Die diskursanalytische Ebene sozialer Ungleichheit in der Gesundheit. Die Aneignung und Modifizierung des Wissens um Ungleichheit

Frontmatter

Chapter 8. Die Verantwortung für die Ungleichheit Subjektkonstruktionen zwischen Individuum und Gesellschaft

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird die diskursanalytische Ebene des Konzeptes sozialer Ungleichheit in der Gesundheit untersucht. Dafür baut diese Analyse auf der im ersten Teil nachgezeichneten historischen Entwicklung des Ungleichheitsvokabulars auf. Die dort festgestellte Übertragung des Konzeptes aus dem wissenschaftlichen Teildiskurs in die politikberatende und politische Auseinandersetzung wird kritisch geprüft.
Sebastian Kessler

Chapter 9. Interventionstypen zur Reduktion der Ungleichheit

In diesem letzten Analyse-Kapitel werden die im Diskurs vorgebrachten Vorschläge zur Lösung des Problems soziale Ungleichheit in der Gesundheit rekonstruiert. In der Untersuchung zeigt sich ein Inventar an diskursgenerierten Modellpraktiken. Diese „Muster für Handlungen, die in Diskursen für deren Adressaten konstituiert werden“ (Keller 2008: 228) bieten Entwürfe an, wie mit dem Problem der sozialen Ungleichheit in der Gesundheit verfahren werden soll.
Sebastian Kessler

Chapter 10. Fazit: Zur historischen Entwicklung des Ungleichheitsvokabulars

Seit 1975 fällt die Ökonomisierung sozialer Ungleichheit in der Gesundheit auf, denn obwohl das Wissen um Ungleichheit eine Gegenposition zum haushaltspoltischen Primat formuliert, verändert es sich mit seiner Produktion und Reproduktion. Im Verlauf der historischen Entwicklung wird es von dem Anspruch der Kostensenkung im Gesundheitswesen durchdrungen. Diese Verwirtschaftlichung der Ungleichheit der Menschen vor Krankheit und Tod erwächst aus der Medikalisierung der Wissensordnung, die eine Individualisierung der Subjektpositionen, aber auch eine neue Konzeption von Gruppen mit sich bringt.
Sebastian Kessler

Chapter 11. Diskussion Die Verwaltung der sozialen Ungleichheit in der Gesundheit

Die historische Entwicklung des Ungleichheitsvokabulars resultiert in der Verwaltung der sozialen Ungleichheit. Die Analyse der sozialen Ungleichheit in der Gesundheit verweist auf vier Wissenspolitiken, mit denen die Akteure ihre Interessen und Strategien in die Ordnung des Wissensverhältnis sozialer Ungleichheit in der Gesundheit einbringen und diese dadurch verändern oder festigen. Diese vier Wissenspolitiken befördern die Sozialisierung, die Medikalisierung, die Individualisierung und die Nichtbeachtung der Ungleichheit (siehe Abbildungen 15 und 16).
Sebastian Kessler

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