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Über dieses Buch

Der Band versteht sich als ein soziologisch orientiertes Einführungs- und Lehrbuch zum Thema Trinkwasser, das bei zunehmender und facettenreicher werdender Relevanz sozial und sozialwissenschaftlich zunehmend fokussiert wird. Auf der Basis einer ausführlichen programmatischen Einführung von Herbert Willems versammelt der Band Beiträge, die in einem auch globalisierungstheoretisch umfassenden und zugleich differenzierenden Sinne sozio-kulturelle Realitäten von Trinkwasser behandeln. Die Beiträge sind im Rahmen eines Master-Seminars am Institut für Soziologie der Universität Gießen entstanden. Ergänzend enthält der Band eine systematische Literaturrecherche zum Thema Trinkwasser.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung: Auf dem Weg zu einem soziologischen Verständnis der Realitäten des Trinkwassers

Zusammenfassung
Wasser bzw. Trinkwasser scheint schon seit einiger Zeit nicht nur buchstäblich in aller Munde zu sein. ‚Man‘ spricht auch offenbar zunehmend darüber und kennt im Allgemeinen – vor allem durch die Massenmedien – vielerlei Aspekte des (Trink-)Wassers und Wassertrinkens. ‚Man‘ weiß heute typischerweise etwa um seine Gesundheitsaspekte und seine gesundheitliche Notwendigkeit, aber auch um seine Gefährdung durch allerlei Verschmutzungen und ‚Umweltgifte‘, und ‚man‘ weiß auch darum, dass es nicht überall auf der Welt so selbstverständlich zu haben und als Trinkwasser im Allgemeinen so hochwertig ist wie bei uns (in Mitteleuropa). Neuerdings ist auch häufiger die (mediale) Rede von regionalen und globalen ‚Wasserkrisen‘, von ‚Klimaflüchtlingen‘ und sogar von drohenden Kriegen, die um die – global gesehen – vielerorts knappe und immer knapper werdende Ressource Trinkwasser geführt zu werden drohen (vgl. Winterberg 2007: 41ff.).
Herbert Willems

Wasserkonsum – Eine empirische Studie zu Geschmack, Qualität und Preis von Wasser

Zusammenfassung
Wasser ist für das Überleben und die Gesundheit des Menschen unabdingbar. Im Zuge des gesellschaftlichen Wandels haben sich die Anforderungen an das Trinkwasser jedoch stark verändert. Im Wasserkonsum spiegeln sich heute grundlegende soziale Mechanismen, welche in der Nahrungskultur insgesamt wirksam sind. Menschen legen zunehmend einen hohen Wert auf qualitativ hochwertiges Trinkwasser und bringen dies mit einem bewussten und gesunden Leben in Verbindung. In den westlichen Gesellschaften ist das Wasser nicht mehr nur lebensnotwendig, es hat sich auch zu einer Art Genussmittel entwickelt. Wasser in diesem Sinne ist nicht gleich Wasser. Das zu einer Ware gewordene Wasser ist kein frei verfügbares und kostenloses Gut mehr. Daher stehen Qualität und Geschmack des Wassers immer mehr im Fokus der Konsumenten. Die meisten Deutschen beziehen ihr Wasser in abgefüllten Flaschen, die von einer großen Wasserindustrie über den Einzelhandel vertrieben werden. Getränkemärkte bieten eine Vielzahl von unterschiedlichen Mineralwässern. Weiterhin ist eine mediale Vermarktung von Wasser zu beobachten, bei der bspw. auch das Design einer Flasche eine Rolle spielt.
Diese Arbeit verfolgt auf der Basis von qualitativen Interviews und einem Experiment Fragen wie: Welches Wasser wird gekauft und welche Erwartungen haben die Konsumenten? Wie wirkt sich der Preis auf die Erwartungen der Konsumenten aus? Die Studie bezieht sich somit auf drei zentrale mit dem Wasserkonsum verbundene Aspekte: den Preis, den Geschmack und die Qualität.
Beşgül Coskun, Madita Zöller

Image von Trinkwasser in der Gastronomie im Vergleich von Deutschland und Großbritannien

Zusammenfassung
Gegenstand meiner Untersuchung ist das Image von Trinkwasser in der Gastronomie im Vergleich von Deutschland und Großbritannien. Zu diesem Zweck wurden GastronomInnen sowie RestaurantbesucherInnen eines vergleichbaren Alters und Berufsstandes mit Hilfe von Online-Umfragen bezüglich ihres Trinkwasserkonsums in Gaststätten in Deutschland und Großbritannien befragt. Eine weitere Grundlage war eine Online-Umfrage von 18- bis 20-jährigen jungen Erwachsenen in Deutschland zu ihrem Konsum von Trinkwasser in der Gastronomie, so dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Wasserkonsum der verschiedenen Generationen erfasst werden konnten. Wie auch in der einschlägigen Literatur dargestellt, hat sich in Deutschland und in Großbritannien eine jeweils spezifische Trinkwasserkultur entwickelt. So ist der Konsum von Trinkwasser in Deutschland eher unüblich, wohingegen RestaurantbesucherInnen in Großbritannien Trinkwasser durchaus in Lokalen verzehren. Anhand der durchgeführten Online-Umfragen wurde eine derzeit generell ansteigende Akzeptanz von Trinkwasser als Alltagsgetränk in der Öffentlichkeit festgestellt. Dennoch wird diesem lebensnotwendigen Gut in seiner Funktion als Lebensmittel in Europa immer noch eine eher geringe Wertschätzung entgegengebracht, da scheinbar ausreichende Mengen an Trinkwasser für eine unbedenkliche Wasserversorgung der Menschen verfügbar sind. Zukünftig wird die Notwendigkeit bestehen, das Image von Trinkwasser als lebensnotwendige Ressource zu verbessern, weil es zu einer Verknappung dieses Gutes kommen wird.
Miriam Cathlin Singer

Trinkwasser als Lifestyle-Produkt: Wie Wasser zum Luxusartikel wurde

Zusammenfassung
Wasser ist das lebenswichtigste Grundnahrungsmittel des Menschen. Doch darüber hinaus hat sich der Verkauf von Wasser in den letzten Jahren weltweit zu einem hervorragenden und äußerst lukrativen Marketingunternehmen entwickelt. Es setzt auf symbolische (Image-)Mehrwerte von Wasser, die sich ökonomisch auszahlen. So gibt es inzwischen Wasser für Superreiche oder Wasser für den „besonders männlichen Mann“. Mit Preisen von bis zu 51 Euro für 0,7 Liter besteht kein Zweifel daran, dass diese Marketingstrategien funktionieren. In dieser Arbeit werde ich zunächst einen kurzen Überblick über die Vermarktung von Mineralwasser geben und mich einer Reihe von grundlegenden Fragen zuwenden. Wann begann die kommerzielle Vermarktung von Wasser und in welchem Umfang? Wie haben sich die Marketingstrategien in der Folgezeit entwickelt? Wie hat sich die Werbung für Wasser in den zurückliegenden 25 Jahren verändert? Dieser Rückblick dient vor allem dazu, die Vielfältigkeit der heutigen Werbestrategien zu verdeutlichen, die dann den Kernpunkt der Arbeit bildet. Es wird untersucht, wie und mit welchen Mitteln der Kaufreiz des Kunden geweckt wird, damit das Wasser für den Endverbraucher besonders „schmackhaft“ wirkt und wird. Im Zuge dessen werden einige Wassermarken vorgestellt, die besonders starke Marketingmittel verwenden.
Tara Kaiser

Die Darstellung von Lebensstilen in der Tafel- und Mineralwasserwerbung – eine Analyse

Abstract
Tafel- und Mineralwassermarken sind nicht nur die Ergebnisse einer großen und expandierenden Industrie, sondern auch intensiver Aktivitäten des Marketings und der Werbung. Dabei spielen inszenierte Lebensstile eine große Rolle. Diese Untersuchung beschäftigt sich mit der Darstellung von Lebensstilen in den Werbeanzeigen von Tafel- und Mineralwassermarken. Es wird der Frage nachgegangen, ob die aktuelle Werbung derzeit bestehende Lebensstile aufgreift und für sich nutzt oder ob sie vielmehr neue Lebensstile generiert und bestehende verändert. Hierzu werden zunächst ausgewählte Werbeanzeigen von (laut Konsumentenumfragen) beliebten und unbeliebten Tafel- und Mineralwassermarken hinsichtlich ihrer Symboliken und Textinhalte untersucht. In einem weiteren Schritt werden etwaige Konstruktionen und Potentiale der analysierten Werbeanzeigen herausgearbeitet. Die Fragestellungen werden auf der Grundlage der durchgeführten Analyse, ausgewählter Konzepte des soziologischen Lebensstil-Diskurses und der entsprechenden Fachliteratur diskutiert.
Tanja Heckmann

„Irish Water“ und gesellschaftlicher Widerstand in Irland – Einstellungswandel zum Wasser im Zuge der Krise?

Zusammenfassung
Die irische Gesellschaft sah sich als Folge der Eurokrise mit diversen tiefgreifenden Reformmaßnahmen konfrontiert. Anders als in anderen europäischen Ländern, die von der Krise stark betroffen waren, riefen die Austeritätsmaßnahmen in Irland kaum Protestwellen in der Bevölkerung hervor. Dies sollte sich jedoch drastisch ändern, als die irische Regierung als Maßnahme im Rahmen des Water Services Act ein Unternehmen mit dem Namen Uisce Éireann (Englisch Irish Water) gründete, das von nun an die allgemeine Verantwortung und somit das Management für die Wasserversorgung des Landes übernehmen sollte. Da zuvor die Wasserversorgung unter der Obhut der Kommunen lag und aus Steuergeldern finanziert wurde, bedeutet dieser Wandel für die Bevölkerung Irlands, dass die Kosten für Wasser nun von jedem Haushalt individuell getragen werden müssen. Dem öffentlichen Diskurs zufolge passiert diese Transformation, ohne dass sich die bisher ohnehin schon schlechte Qualität des Trinkwassers selbst mit der Übernahme des Unternehmens und dem gleichzeitigen Entstehen von substantiellen Mehrkosten für die Bürger zu ändern scheint.
Im Rahmen meiner Arbeit soll der derzeit geführte öffentliche Diskurs über Trinkwasserkosten und die Entstehung der Korporation „Irish Water“ in Irland dargestellt werden. Das Vorhaben besteht darin, einen gesellschaftlichen Problemdiskurs über das Wasser nachzuzeichnen und zu analysieren. In diesem Zusammenhang spielen insbesondere die Proteste eine tragende Rolle, die durch eine allgemeine gesellschaftliche Beunruhigung über die zukünftige Bereitstellung von Wasser ausgelöst wurden. Welche Wandlungsdynamiken sich im Zuge dessen innerhalb der irischen Gesellschaft abspielen, soll am Ende dieser Arbeit herausgestellt werden.
Sarah Kempf

Waschen und Baden in den monotheistischen Weltreligionen

Zusammenfassung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen (immer wasserbezogenen) Wasch- und Reinigungsriten in den monotheistischen Weltreligionen. Es wird zuerst der Frage nachgegangen, welche Bedeutung die Wasch- und Reinigungsriten im sozialen Kontext haben. Im zweiten Schritt wird auf die Wassersymbolik und die Ambivalenz des Wassers in den Religionen eingegangen. Abschließend werden die Bedeutungen der Wasch- und Reinigungsriten im Judentum, im Christentum und im Islam untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es außerdem zu klären, ob es diesbezügliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen gibt. Im Ergebnis wird deutlich, dass die alltäglichen Waschriten einen Identitätscharakter angenommen haben und somit eine weitere Funktion erfüllen als die der bloßen Reinigung. Die Waschriten der Weltreligionen gehen alle von einer magischen Quelle „Wasser“ aus. Auch wenn sie unterschiedliche Praktiken nutzen, ist ihnen mindestens eines gemeinsam: die „rituelle Reinigung“. Bezüglich der Symbolik des Wassers liegen die monotheistischen Weltreligionen auf ein und derselben Deutungsebene. Wasser gilt sowohl im Christentum als auch im Judentum und im Islam als Lebensquelle und als Tod, als Belohnung und als Strafe; immer hat es göttliche Bezüge.
Murat Şahin

Körperhygiene im Wandel der Zeit

Zusammenfassung
Wasser spielt seit Menschengedenken eine Rolle für die Körperhygiene der Menschen. Die Denkweise über das Element Wasser und die ihm zugesprochenen Eigenschaften beeinflussen dabei maßgeblich den Gebrauch oder Nichtgebrauch von Wasser bei der Reinigung des Körpers. In dieser Arbeit wird herausgearbeitet, wie sich das Gedankengut zum Verhältnis von Wasser und Hygiene seit dem Mittelalter bis in das 21. Jahrhundert gewandelt hat. Hierfür wird zum einen die Theorie des Zivilisierungsprozesses von Norbert Elias herangezogen, zum anderen aber auch Daten und Fakten des 21. Jahrhunderts, die beispielsweise dokumentieren, wie viel Wasser die Deutschen für ihre tägliche Hygiene verbrauchen. Des Weiteren werden ausgewählte aktuelle Ratgeber verglichen, um den Trend der Reinigungspraktiken der Deutschen herauszuarbeiten sowie die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen. Die Ergebnisse werden dann in Beziehung zu dem geschichtlichen Verlauf der Körperhygiene gesetzt.
Schirin Jensch

Wasser in der Kunst an den Beispielen niederländischer und impressionistischer Malerei

Zusammenfassung
Wasser als Element ist fast überall in der Kunst zu finden. Ob als pigmentverdünnendes Malmittel in der Acryl- und Aquarellmalerei oder inhaltlich in den Bildern selbst dargestellt. Da dem Dargestellten in der Kunst nicht selten eine Bedeutung zukommt, ist dies sicherlich auch bei Wasser der Fall. So lassen sich anhand von Bildern aus den verschiedenen Epochen und Gattungen der Kunstgeschichte auch diverse Bedeutungen von Wasser in der Gesellschaft ableiten. Wasser taucht bei den Ägyptern beispielsweise als Zeichen für den Nil auf und steht sogar für einen personifizierten Gott. In der frühchristlichen Kunst deutet Wasser oft auf Ereignisse wie beispielsweise die Sintflut und Begriffe wie Taufe und Reinigung hin. In Da Vincis Werken wird Wasser als der Grundstein des Lebens und als ein die Welt formendes und dynamisches Element dargestellt. In den sogenannten Vanitas-Stillleben dient es hingegen als Symbol für die Vergänglichkeit bzw. das „Verfließen“ des Lebens. In Gemälden von Caspar David Friedrich verweist Wasser auf die Erhabenheit der von Gott geschaffenen Natur. Bei späteren Impressionisten, wie etwa Claude Monet, spielt die Beschaffenheit des Wassers, die sich durch die zahlreichen Spiegelungen und Reflexionen der Umgebung sowie den Licht- und Schattenspielen äußert, eine große Rolle. Sie macht den Reiz der Darstellung aus. Die vorliegende Arbeit wird speziell auf die Zeit des Impressionismus und die niederländische Malerei eingehen, da an diesen Genres besonders gut zu sehen ist, welchen Stellenwert das Wasser in der Gesellschaft hatte und mit welchem Bewusstsein die Künstler mit diesem Thema umgegangen sind.
Julian Becker

Wasser in der Zukunft – Gefahren und Chancen im Rahmen von Bevölkerungswachstum, Klimawandel und globaler Ökonomie

Zusammenfassung
Wenn man sich Bilder von unserem „Blauen Planeten“ aus dem All ansieht, scheint es unvorstellbar, dass Wasser in Zukunft eine bedrohte Ressource für die Menschen sein könnte. Doch im Zuge der weltweiten Industrialisierung und Globalisierung werden sämtliche natürliche Rohstoffe der Erde immer weiter ausgebeutet und drohen, noch in diesem Jahrhundert zu verknappen – so auch das Wasser. Denn auch wenn das globale Wasservorkommen immens ist, beträgt der Anteil an trinkbarem Süßwasser lediglich 0,3 Prozent – Tendenz fallend. Grund für diesen Trinkwasserschwund sind neben der Grundwasserausbeutung die Auswirkungen des Klimawandels sowie des weltweiten Bevölkerungsanstiegs. Eine große Frage dieses Jahrhunderts wird demnach die nach der künftigen Wasserverteilung sein. Viele wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Konflikte oder gar Kriege um Wasser in der Zukunft nicht unwahrscheinlich sind. Anhand verschiedener wissenschaftlicher Prognosen für die kommenden Jahrzehnte soll die Dringlichkeit der Problematik aufgezeigt werden. Denn Wasser ist kein Thema für sich; es durchdringt vielmehr sämtliche Lebensbereiche und betrifft alle Menschen auf der Erde gleichermaßen.
Laura Schermuly

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