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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

8. Die weise Zukunft der Heim-Automatisierung

verfasst von: Gerhard Leitner

Erschienen in: Weise statt Smart

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Dieses Buch begann mit den mehr als zweitausend Jahre alten Ideen von Aristoteles, welche die Vision von Werkzeugen widerspiegelten, die selbständig handeln können. In den folgenden Jahrhunderten finden sich viele weitere visionäre Arbeiten zu selbständig agierenden Werkzeugen und Technologien, bis hin zu jenen des leider viel zu früh verstorbenen Mark Weiser. Selbst in der Dichtung konfrontiert Goethe seinen Zauberlehrling mit selbsttätigen Werkzeugen in Gestalt von Geistern, allerdings mit dem allseits bekannten Ergebnis, dass man sie einmal gerufen „...nicht mehr los wird“. Es ist nicht diese Vision, die wir uns in der Zukunft im Zusammenhang mit der Interaktion mit Werkzeugen oder Technologie wünschen, dass uns unsere Werkzeuge auf diese Weise entgleiten. Entwicklungen der KI werden jedoch in diesem Sinne kritisch betrachtet, auch wenn ich der Meinung bin, dass das diesbezügliche Gefahrenpotenzial (noch) überschaubar ist. Wünschenswerter wäre Mark Weisers Vision von Technologien, die sich so in unser Leben einweben, dass ihre Benutzung so erfrischend ist „wie einen Spaziergang im Wald“. Am Beginn des Buches sollte aufgezeigt werden, dass heutige Technologie die Stufe der unkontrollierbaren Geister zwar noch nicht erreicht hat, aber trotzdem Gefahr läuft, in eine negative Richtung zu gehen, wenn die in den letzten Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, vorherrschende Fokussierung auf die technischen Möglichkeiten beibehalten wird. Wir sind diesbezüglich noch sehr weit von einem Status entfernt, in dem sich Technologie reibungslos in unseren Alltag einwebt. Wenn man sich Entwicklungen im Zusammenhang mit Smartphones ansieht, so hat Technologie einen Stellenwert erreicht, der sich sehr stark vom Mittel zum Zweck (Technologie als Werkzeug) zum Selbstzweck verschoben hat. Das müsste nicht so sein, es gibt auch einige Ausnahmen, welche die Möglichkeiten aktueller Technologie dazu nutzen, eingespielte Abläufe mit dem aktuellen Stand entsprechender Technologie aufzuwerten, zu verbessern. Wie an dem Beispiel der Kombination aus digitalem Stift und Papier in Kap. 7 gezeigt, könnte Konventionelles mit Neuem gut miteinander kombiniert, wenn der Willen dazu da ist. Leider sind solche Tendenzen bei anderen Technologien, von denen man annehmen kann, dass sie eine höhere Relevanz für unser Leben haben, wie beispielsweise Smart Home Technologien, noch nicht in großem Umfang erkennbar. Hersteller von einschlägigen Produkten auf dem Endverbrauchermarkt versuchen noch immer, die Produkte aus der Perspektive der technischen Möglichkeiten und marktstrategischer Überlegungen an den Mann und die Frau zu bringen. Wenn man sich die diesbezüglichen Websites und Broschüren ansieht, so fokussieren diese anscheinend auf eine Zielgruppe, die in vollständig druchdesignten, meist relativ neuen Wohnumgebungen lebt, dem Personentyp eines Managers und dessen gut situierter Familie entspricht und mit modernster Technik auf Du und Du ist. Es stellt sich die Frage, für wie viele von uns dieses Lebens-Modell zutrifft. Statistiken zeigen (siehe z. B. [21]), dass die typischen Lebensumstände – beispielsweise bezogen auf die Art und das Alter der Wohngebäude – gänzlich andere sind. Die überwiegende Mehrheit der Menschen wohnt im Altbau, und auch ihr Lebensstil unterscheidet sich vermutlich mehr oder weniger stark von den vermarkteten Rollenmodellen. Smarte Technologie muss sich nicht nur in der Vermarktung von dem Verständnis verabschieden, dass Menschen sich ihr anpassen sollten. Aktuelle Entwicklungen auf der Software-Ebene, speziell offene Smart Home Plattformen wie OpenHAB sind positive Beispiele dafür, wie sich das Smart Home in Zukunft in eine bessere Richtung entwickeln könnte um schließlich zu einem Wise Home zu werden. Auf dieser Basis eröffnet sich eine Vielzahl an Möglichkeiten, smarte Technologie stärker an die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen anzupassen und diese Form von IKT stärker als Werkzeug zur Erreichung eines guten Lebens einsetzen zu können. Ich habe im Laufe des Buches, speziell in Kap. 7 versucht Beispiele aufzuzeigen, die illustrieren was bereits aktuell schon möglich ist und in welche Richtung die Entwicklungen gehen könnten. Eine wichtige Anforderung an die Zukunft ist jene, es auch Laien zu ermöglichen ihr eigenes Smart Home handzuhaben, zu warten und programmieren zu können. Diesbezügliche Möglichkeiten zeigt ein Konfigurator-Werkzeug, das im Rahmen der Arbeit von Pum [11] entwickelt wurde (siehe Abb. 8.1).
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Metadaten
Titel
Die weise Zukunft der Heim-Automatisierung
verfasst von
Gerhard Leitner
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36617-9_8