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Über dieses Buch

Digitale Daten gelten sowohl als Quelle für Wirtschaftswachstum, Innovation und Arbeitsplätze wie auch als Treiber der datenbasierten Reorganisation praktisch aller gesellschaftlichen Bereiche („Datafizierung“). Die datenökonomisch befeuerten Transformationsprozesse des Sozialen werfen dementsprechend vielfältige Fragen auf: Welche Daten sollen von wem wie verwertbar sein? Wie lässt sich legitime Verfügungsmacht gestalten? Usw. Der Band behandelt diese Fragen aus interdisziplinärer Perspektive.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung: Die Zukunft der Datenökonomie. Zwischen Geschäftsmodell, Kollektivgut und Verbraucherschutz

Zusammenfassung
Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche und führt zu einem tiefgreifenden Strukturwandel von Wirtschaft und Gesellschaft. Permanent erzeugen Verbraucher*innen in den hochgradig vernetzten Infrastrukturen des alltäglichen Lebens Daten, und ein Ende der datengetriebenen Dynamiken scheint kaum absehbar. Von der Selbst-Konstitution („Quantified Self“) über die Gruppenbildung (Soziale Netzwerke) und Partnerwahl (Datingplattformen) bis zu Wissensgenerierung (Computational Social Science) und Arbeitswelt (Industrie 4.0) werden immer mehr, z. T. grundlegende soziale Vorgänge, unter Rückgriff auf Techniken der digitalen Datenverarbeitung gestaltet.
Thomas Hess, Jörn Lamla

Datenökonomische Geschäftsmodelle

Frontmatter

Personenbezogene Daten in der digitalen Ökonomie – Eine wirtschaftliche und juristische Betrachtung

Zusammenfassung
Es ist wohl unumstritten, dass personenbezogene Daten in der heutigen, digitalen Zeit einen immer größer werdenden Stellenwert einnehmen. Viele der neu entstehenden Geschäftsmodelle basieren auf den Daten ihrer Nutzer und wie lukrativ diese Modelle sein können, demonstrieren die finanziellen Erfolge von den großen Akteuren wie beispielsweise Google und Facebook. Und nicht nur datenbasierte Unternehmen vertrauen auf die „Macht der Daten“, mittlerweile sammeln und analysieren fast alle Unternehmen die Daten ihrer Nutzer oder kaufen Datensätze auf sog. Datenmarktplätzen ein. Personenbezogene Daten werden in der Wirtschaft also in verschiedensten Praktiken verwendet, mit mehr oder weniger starker Akzeptanz ihrer Nutzer. Fraglich bleibt dabei, wem die Daten eigentlich „gehören“, also ob es eine Art Eigentumsrecht an personenbezogenen Daten formal überhaupt geben kann, zu wessen Gunsten und wie dieses ausgestaltet sein könnte. Die Erkenntnisse zu dieser rechtswissenschaftlichen Fragestellung sowie der wirtschaftlichen Perspektive werden in diesem Beitrag gegenübergestellt und diskutiert.
Nora Wessels, Anne Laubach, Peter Buxmann

Daten als „Einnahmen“ von Nutzern urheberrechtlich geschützter Werke und Leistungen

Zusammenfassung
Daten – der „Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ – werden zunehmend als Gegenleistung erhoben. Eine anschließende Frage ist, welchen wirtschaftlichen Wert diese Daten haben. Das kann insbesondere für diejenigen von Bedeutung sein, die Ansprüche haben, deren Höhe vom Wert der Gegenleistung abhängt. Der Beitrag illustriert die damit zusammenhängenden Fragen am Beispiel des Vergütungsanspruchs von Verwertungsgesellschaften. Die ökonomische Problematik, den Wert von Daten zu bestimmen, könnte rechtlich im Wege von Schätzungen und Pauschalierungen aufgefangen werden.
Karl Riesenhuber

Datenschutzregulierung als Eingriff in Wertschöpfungsmodelle

Zusammenfassung
Das Kopplungsverbot verbietet, die Nutzung einer Dienstleistung von der Erteilung einer nicht für die Leistungserbringung erforderlichen Einwilligung abhängig zu machen. Personalisierte Werbung wird hierdurch erheblich erschwert. Anbieter können jedoch durch Bereitstellung eines alternativen, einwilligungsfreien Zugangs zu derselben Leistung ihren Dienst datenschutzkonform anbieten. Ein solcher Zugang muss nicht zwingend in Form eines fixen Entgelts gestaltet sein. Vielmehr ist es datenschutzrechtlich in gewissem Umfang zulässig, Preise unter Einbeziehung personenbezogener Daten dynamisch zu gestalten.
Alexander Golland

Kollektivgut und Gemeinwohl in der Datenökonomie

Frontmatter

Open Metadata: Nutzerzentrierte wettbewerbliche Datenverwertung mit offenen Rahmendaten

Zusammenfassung
Im Fokus von Forschung und Diskurs zur Datenökonomie stand lange Zeit das Verhältnis zwischen zwei Kräften, Datenurhebern und Datenverwertern, die oft die Rollen von Dienstnutzern und Dienstanbietern einnehmen. Auf der Tagung Zukunft der Datenökonomie, welche der vorliegende Band protokolliert, rückte als dritte Kraft die Öffentlichkeit in den Blickpunkt, indem Daten auch als potenzielles Kollektivgut thematisiert wurden. Da die gleichrangige Betrachtung aller drei genannten Kräfte relativ neu ist, widmet ihr dieser Beitrag erheblichen Raum. Dazu werden die Vor- und Nachteile beleuchtet, die mit der Übertragung maßgeblicher Datenhoheit an jeweils eine der drei Kräfte verbunden sein können. Zum tieferen Verständnis muss anschließend das Spannungsfeld zwischen Privatheitsschutz und Big Data beleuchtet werden, bevor ein neuer Vorschlag namens Open Metadata skizziert werden kann. Dieser Vorschlag versucht eine neuartige Balance zwischen den drei genannten Kräften herzustellen; abschließend werden die damit verbundenen Herausforderungen diskutiert.
Max Mühlhäuser

Privatheitsschutz durch Open Data und Trusted Third Parties: Plädoyer für die öffentliche Kontrolle sozialer Daten

Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden auf Basis der Betrachtung der Potentiale und Probleme bei der Verwendung von Social-Media-Daten in der Forschung Überlegungen zur Bedeutung datenökonomischer Dynamiken und Strukturen im akademischen Bereich angestellt. Die Schwierigkeiten beim Zugang und Teilen der Daten werden ebenso betrachtet wie die Rolle von Plattformbetreibern und die Möglichkeiten zur Archivierung von in der Forschung genutzten Daten zum Zwecke der Ermöglichung von Sekundärnutzung und Nachvollziehbarkeit von Analyseergebnissen.
Katharina Kinder-Kurlanda

Globale Netzwerke, Plattform-Kapitale und Überlegungen zu multiplen Demokratien

Zusammenfassung
Wahrnehmungs- und kommunikationsgebundene Demokratie-Bedingungen stehen derzeit massiv unter Änderungsdruck. In den nutzungsintensiven Online-Offline-Clustern verändern sich alle klassischen Funktionsbenennungen und deren normative Regelwerke. Teilnahme (participation), Datenkommunikation (in Nano-/Femto-Sek.), Beratung, Beeinflussung (cookies, Cambridge Analytica, Sprinkler et.al.), Meinungsformung und -kontrolle (Scoring und das Super Scoring der VR China), (errechnete, automatisierte) Entscheidungen, Verabredungen, Milliarden von Interfaces (Benutzeroberflächen), digitale Sensoren und Operatoren erzeugen permanent virtuelle Nahräume. Abo-Demokratie, Cookies-Democracy, errechnete Demokratie. Diese werden als direkte Beteiligung erlebt und genutzt.
Der klassisch-moderne institutionelle Körper der kontinuierlichen Repräsentation, darstellbar z. B. durch die Speicher-, Zugriffs-, Sitz-, Zeit- und Gesprächs-ordnung eines Büros, wird durch die transklassischen Datenkörper der immer neuen Zustandsrechnungen verdrängt, ersetzt. Mensch kann jetzt überall, zu jeder Zeit, Bürobesuche absolvieren, online, kann zeitaufwendige Interessen-Demokratie durch rasche Click-/Meinungs-Demokratie beschleunigen. Zugleich lösen sich modern-ethische Konzepte von Gemeinwohl oder Allgemeinheit auf.
Manfred Faßler

Verfügungsmacht in der Datenökonomie

Frontmatter

Governance der Datenökonomie – Politökonomische Verfügungsmodelle zwischen Markt, Staat, Gemeinschaft und Treuhand

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht vier Formen der Governance der Datenökonomie, die beanspruchen, eine Alternative zu gegenwärtigen Geschäftsmodellen der Plattformindustrie zu leisten. Darin werden Daten (1) als privates Gut mit Mikrozahlungen (Lanier), (2) als öffentliches Gut (Morozov), (3) als Allmendegut (Ostrom) und (4) mittels Treuhandschaft (Winickoff) verwaltet und bewirtschaftet. Diese vier Modelle werden diskutiert und kritisch gewürdigt.
Ingrid Schneider

Selbstbestimmte Selbst-Bestimmung? Wie digitale Subjektivierungspraktiken objektivierte Datensubjekte hervorbringen

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag befasst sich empirisch mit dem Status von Selbstbestimmung vor dem Hintergrund der voranschreitenden Datafizierung, indem er am exemplarischen Fall einer Health- und Fitness-Plattform mit ethnographischen Mitteln das Zusammenspiel der Diskurse und Nutzungspraktiken am Front-End der Plattform mit den Datenanalyse- und Wertabschöpfungspraktiken am Back-End untersucht. Auf diese Weise wird nicht nur das Ineinandergreifen sozialer, technischer und ökonomischer Logiken auf der Plattform sicht-, sondern auch die Tatsache greifbar, dass Daten Handlungspotentiale zur Verfügung stellen. Eben dies erlaubt es den Plattformbetreibern, die auf der Plattform vollzogenen, datenbasierten Subjektivierungspraktiken in objektivierte Datensubjekte zu übersetzen. Daraus ergeben sich politische Implikationen, die abschließend andiskutiert werden.
Carsten Ochs, Barbara Büttner

Autonomie oder Heteronomie – Welchen Weg geht das Datenschuldrecht?

Zusammenfassung
Mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat der europäische Gesetzgeber auf die ubiquitäre Verarbeitung von personenbezogenen Daten reagiert. Der Schwerpunkt der DSGVO liegt auf der Abwehr von Eingriffen in die Privatsphäre und dem Schutz personenbezogener Daten. Allerdings werden personenbezogene Daten zunehmend kommerzialisiert. Derzeit wachsen gerade solche Geschäftsmodelle sehr dynamisch, die digitale Inhalte anbieten und als Gegenleistung keine Geldzahlung, sondern (zusätzlich) den Zugang zu personenbezogenen Daten nachfragen. Dieser Beitrag macht einen Vorschlag, wie diese Entwicklung aus privatrechtlicher Perspektive mit der DSGVO in Einklang gebracht werden kann.
Andreas Sattler

Handlungsspielräume in der Datenökonomie

Frontmatter

Das verdatete Selbst – Medientechnologie und Subjektivierung

Zusammenfassung
Der Beitrag beschäftigt sich aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive mit dem Zusammenhang von Subjektivierung und Medientechnologien sowie den damit einhergehenden Anforderungen. In einem ersten Schritt werden dazu Problemstellungen und gegenwärtige Herausforderungen konturiert, bevor im zweiten Schritt ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte verschiedener Medientechnologien geworfen wird. Im Zentrum steht dabei die Genealogie eines verdateten Selbst, als einer gegenwärtigen Subjektivierungsform, deren ambivalente Anforderungen im dritten und letzten Schritt dargestellt werden.
Andreas Spengler

Auf dem Weg in eine Diktatur der Wahrscheinlichkeit? Fragen nach der Verantwortung beim Einsatz von Prognosesoftware

Zusammenfassung
Karrieren, Kredite, Gesundheitsmaßnahem, Verbrechensvorbeugung etc. – immer mehr Entscheidungen fallen anhand algorithmisch gesteuerter Mustererkennung in großen Datensätzen. Der Beitrag stellt automatisierte und menschliche Entscheidungsprozesse einander gegenüber, greift zurück auf Hannah Arendts Überlegungen zur Struktur menschlichen Entscheidens und erläutert am auch empirisch ausgeführten Beispiel von in der Polizeiarbeit eingesetzter Vorhersagesoftware: Automatisiertes Entscheiden in für eine demokratische Gesellschaft grundlegenden Kontexten muss in menschliches Abwägen eingebettet, transparent sowie durch eindeutig zugewiesene Verantwortungen fassbar und steuerbar sein.
Marlis Prinzing

Dynamische und personalisierte Preise zwischen Vertragsfreiheit und Willkür

Zusammenfassung
Dieser Beitrag betrachtet dynamische und personalisierte Preise aus der Perspektive des Verbrauchers, der sich mit derartigen Preissetzungsstrategien konfrontiert sieht. Er fragt nach den ökonomischen und psychologischen Wirkungen dynamischer und personalisierter Preise und nach möglichen Gegenstrategien einzelner Verbraucher und diskutiert – vor dem Hintergrund der gefundenen Ergebnisse – rechtliche Möglichkeiten, die Verwendung dynamischer und personalisierter Preise einzudämmen oder zumindest transparent zu machen.
Peter Rott

Gestaltung der Datenökonomie

Frontmatter

Kritische Theorie des Lifeloggings als Prüfstein möglicher Gestaltungsperspektiven der Datenökonomie?

Zusammenfassung
Lifelogging (LL) ist eine prototypische Form der Lebensführung unter Bedingungen des digitalen und flexiblen Kapitalismus und kann mit Hilfe einer integrativen kritischen Theorie analysiert werden. Zunächst deuten wir die Erzeugung von Datendoubles in der individuellen Interaktion mit der digitalen LL-Technik als Verdinglichung. Dann verknüpfen wir die durch LL-Technik ermöglichte extensive und intensive Überwachung gesellschaftlicher Praxen mit der Produktion gesellschaftlicher Ungleichheit durch Ausbeutung. In einem dritten Schritt vermitteln wir die individuellen Motivationslagen zum LL mit einem Begriff gesellschaftlich erzeugter ‚falscher‘ Bedürfnisse, bevor wir in einem letzten Schritt die intersubjektive Ambivalenz des LL zwischen Autonomiegewinn und Entfremdungserfahrung diskutieren. Abschließend skizzieren wir vor dem Hintergrund unserer kritischen Analyse des LL, in welche Richtung aus unserer Sicht eine Gestaltung und Transformation der Datenökonomie in Angriff genommen werden sollte.
Peter Schulz, Sebastian Sevignani

Jenseits der puren Datenökonomie - Social-Media-Plattformen besser designen

Zusammenfassung
Social-Media-Plattformen sind für die Vermittlung von personalisierten Werbeanzeigen an die eigenen Nutzer optimiert. Um dies zu gewährleisten, treffen sie eine Reihe spezifischer Entscheidungen bezüglich der Ausgestaltung der Benutzeroberflächen. Diese Entscheidungen jedoch gehen einher mit der Entstehung einer Vielzahl negativer Medienwirkungen, welche von der starken Verbreitung von Fake-News über die Erzeugung von suchtartiger Mediennutzung bis hin zur Entstehung von Kommunikationsstress reichen. Um diese und andere Medienwirkungen einzudämmen, können wiederum gezielte Veränderungen am Design der Plattformen vorgenommen werden. Welcher Art diese Designveränderungen sind, soll im folgenden Aufsatz genauer beschrieben werden.
Thilo Hagendorff

Spannende Gestaltungsperspektiven durch offene Verwaltungsdaten

Zusammenfassung
Ausgehend von den Potenzialen offener Daten (Open Data) und offener Verwaltungsdaten (Open Government Data) in der Datenökonomie werden deren Gestaltungsperspektiven für eine Geschäftsfeldentwicklung und Wertschöpfung aus staatlicher Sicht sowie für eine Verbesserung des Gemeinwohls dargestellt. Dies führt Staat und Gesellschaft sowohl zu urbanen Datenräumen als auch zu einem offenen Regierungs- und Verwaltungshandeln (Open Government).
Jörn von Lucke
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