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Über dieses Buch

Geld bzw. Entgelt gewinnt mit der Durchsetzung der kapitalistischen Wirtschaftsgesellschaft eine herausragende Bedeutung. So spiegelt sich in der Höhe des Entgelts gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung, gesellschaftlicher Status und Sozialprestige des Erwerbstätigen wider. Mit dem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft entwickeln sich in der Bundesrepublik Deutschland personenbezogene Dienstleistungen zu einem wachsenden Segment des Arbeitsmarktes, in dem überwiegend Frauen mit vergleichsweise geringem Einkommen beschäftigt sind. Die Studie untersucht aus unterschiedlichen Perspektiven die Gründe dafür. Sie präsentiert als Ergebnis ein komplexes Erklärungsmuster für diese niedrigen Verdienste: Thematisiert werden in historischer und aktueller Sicht das Verständnis von Dienstleistung sowie die gesellschaftlichen und kulturellen, die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diskutiert werden ferner die traditionellen Verfahren der Arbeitsbewertung und ihre aktuellen Reformen. Als Alternative dazu wird das qualifikationsorientierte Entgelt als ein zukunftsweisendes Modell erörtert. Schließlich werden solche sozialen Sachverhalte aufgegriffen, die ergänzend zu der zuvor geführten Debatte einen höheren Verdienst ebenfalls legitimieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Dass das Thema „Entgelt und personenbezogene Dienstleistungen“ als Gegenstand der Forschung vordringlicher wird, hat mehrere Gründe: Entgelt bzw. Geld nimmt in modernen Erwerbsgesellschaften eine zentrale Stellung ein und wird zu einer Schlüsselkategorie. Schon vor hundert Jahren schrieb Georg Simmel (1858-1918): Geld bindet „die Menschen unweigerlich zusammen, denn nun arbeitet Jeder für den Anderen, und erst die Arbeit Aller schafft die umfassende wirtschaftliche Einheit, welche die einseitige Leistung des Individuums ergänzt“ (Simmel 1992: 182).
Irene Raehlmann

2. Grundlagen

Zusammenfassung
Die Gesellschaft, die sich nach langen, vielfältigen Auseinandersetzungen und tief greifenden Konflikten aus dem überkommenen Feudalsystem entwickelte, hatte ihre ständischen Fesseln abgeworfen, d. h. die Menschen waren frei, um in der neuen erwerbswirtschaftlichen Ordnung selbstständig ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie stellten ihre Arbeitskraft einem unternehmerisch tätigen Bürger, einem Kapitalisten, gegen Entgelt zur Verfügung. In einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung erweist sich „das Streben nach Einkommen“, etwa in Gestalt von Lohn und Gewinn, als „die unvermeidliche letzte Triebfeder alles wirtschaftlichen Handelns“ (Weber 1964: 153).
Irene Raehlmann

3. Entgelt – Voraussetzungen und Verfahren

Zusammenfassung
Die Höhe des Entgelts und seine Gestaltungsgrundlagen werden heute in unterschiedlichen Arenen paritätisch zwischen einzelnen Unternehmen oder Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, ferner zwischen dem Management und den Betriebs- oder Personalräten verhandelt und nicht wie im 19. Jahrhundert vom Arbeitgeber einseitig, autoritär festgesetzt. Als klassische Instrumente gelten der Abschluss von Tarifverträgen und Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen, die der Gesetzgeber durch das Tarifvertragsgesetz (1949, 1969) und das Betriebsverfassungs- (1952, 1972, 2001) bzw.
Irene Raehlmann

4. Entgeltsysteme als Gegenstand eines zukunftsorientierten Diskurses

Zusammenfassung
Kalkulierende Verfahren sind kein neues Phänomen. Allerdings ist ihre beschleunigte Zunahme ein charakteristisches Merkmal der neuzeitlichen, die gesamte Gesellschaft erfassenden Rationalisierungsprozesse und mithin ein herausragendes Kennzeichen der Moderne. Kalkulationen beziehen sich auch auf soziale Phänomene und sind somit Ausdruck sozialer Praxis. Uwe Vormbusch spricht in diesem Zusammenhang von „Soziokalkulation“ als einem hochselektiven Mechanismus, dessen Funktion darin besteht, durch „gezielte Reduktion und Konstruktion (…) klar strukturierte(r) Verhandlungs- und Entscheidungssituationen mit modellhaftem Charakter“ zu erzeugen.
Irene Raehlmann

5. Höheres Entgelt für personenbezogene Dienstleistungen – eine überfällige Korrektur?

Zusammenfassung
Arbeitsbewertungssysteme und Eingruppierungsgrundsätze, die zuvor thematisiert wurden (vgl. Kap. 3.3 bis 3.6), werden in Rahmentarifverträgen geregelt, und sie können zu einer Erhöhung, aber auch zu einer Absenkung der Entgelte führen. Bei der Mehrzahl der Vereinbarungen handelt es sich hingegen um Vergütungs- bzw. Entgelttarifverträge, die zumindest zu einer nominellen Erhöhung, in der Regel jedoch zu einer realen Anhebung der Einkommen führen sollen (vgl. Müller-Jentsch 1997: 225 ff.). Diese beiden Tarifverträge stellen sozusagen die zwei Seiten einer Medaille dar, d. h. sie bestimmen, wenn auch in unterschiedlicher Weise, die jeweilige Entgelthöhe.
Irene Raehlmann

6. Fazit

Zusammenfassung
Der wirtschaftliche und sozio-kulturelle Wandel beschert dem Thema „Entgelt und personenbezogene Dienstleistungen“ eine herausragende Relevanz. Die über den Tag hinaus gehende Aktualität signalisiert, dass die gesellschaftliche Umsetzung einer qualifikations- bzw. lernorientierten Entgeltermittlung, die im Ergebnis auch zu einem höheren Verdienst führen kann /soll, vermutlich ein langwieriger und konfliktreicher Prozess ist. Auf der politischen Agenda steht ein wichtiger Bereich der Arbeitsgesellschaft. Personenbezogene Dienstleistungen als Arbeit mit und am Menschen sind ein Arbeitsmarktsegment, in dem vornehmlich Frauen erwerbstätig sind.
Irene Raehlmann

Backmatter

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