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17.07.2019 | Dieselmotor | Fahrbericht + Test | Onlineartikel

Der Dieselmotor im Audi S4 passt zum sportlichen Topmodell

Autor:
Marc Ziegler

Der Audi S4 hat eine umfassende Überarbeitung bekommen. Ab sofort wird er von einem Selbstzünder mit 255 Kilowatt Leistung und 700 Newtonmeter Drehmoment angetrieben.

Andere hätten es einfach ein neues Modell genannt, doch für Audi ist der aktuelle A4 einfach nur ein umfassendes Facelift, bei dem eben etwas mehr getan wurde, als gemeinhin üblich. Mit Ausnahme der Motorhaube und dem Dach wurde jedes Karosserieteil angefasst und verändert. So wurde der Singleframe-Grill an der Front des A4 flacher und breiter, dazu gab es neue LED-Hauptscheinwerfer. 

Die Seitenlinie wird nun von unterbrochenen Linien untergliedert, auf den Radläufen soll das Breite suggerieren. Und weil man schon dabei war, wurde auch noch die D-Säule im Winkel angepasst, was die Sportlichkeit unterstreichen soll. Am Heck gab es einen neuen Diffusor und klare, horizontale Linien.

Motor + Antriebstechnik

Der 3,0-l-Sechszylinder-Dieselmotor im S4 kommt dank VTG-Lader und elektrischem Verdichter auf beeindruckende 255 Kilowatt Maximalleistung und ein Spitzendrehmoment von 700 Newtonmeter. Der elektrische Verdichter sitzt getrennt vom Turbolader an der linken Motorseite direkt hinter dem Ladeluftkühler. Durch die örtliche Trennung vom eigentlichen Turbolader kommt es zu keinen thermischen Problemen. Die Maximaldrehzahl des Elektromotors des Zusatzverdichters liegt bei 65.000 Umdrehungen pro Minute bei einer Spitzenleistung von sieben Kilowatt, die für maximal drei Sekunden zur Verfügung stehen, um den größer ausgelegten Abgasturboladen in Bereichen mit geringem Ladedruck zu unterstützen. So wird das Anfahrverhalten und das Ansprechen des Motors auf Gasbefehle verbessert.

Als einziges Getriebe kommt eine Achtgangautomatik bei allen Sechszylindern zum Einsatz. Während der Motor enorm schnell anspricht, leistet sich der Automat einen Gedenkmoment, in dem die Gänge neu sortiert werden. Wer sportlich unterwegs sein möchte, kann freilich im Sportmodus das sonst frühe Hochschalten verhindern. Auf der Langstrecke stören die leichten Schaltverzögerungen nicht. Wer es darauf anlegt, kann mit der S4 Limousine in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h begrenzt.

Hybridisierung + Batterie

Der S4 hat einen Riemenstartergenerator (P0) mit einer maximalen Rekuperationsleistung von acht Kilowatt und eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 0,5 Kilowattstunden an Bord. Aufgrund der höheren Leistung und der damit verbundenen thermischen Belastung wird der Generator flüssigkeitsgekühlt. Anders als alle anderen A4-Modelle ist das Hauptbordnetz statt auf 12 auf 48 Volt ausgelegt, ein DC/DC-Wandler, der wie Starter- und Zusatzbatterie im Kofferraum untergebracht ist, versorgt die 12-V-Systeme wie Entertainment und Navigation mit passender Netzspannung. Die P0-Architektur ermöglicht vor allem im Stadtverkehr nennenswerte Einsparungen, wo der Motor schon beim heranrollen an eine Ampel abgestellt werden kann und dank der hohen Kapazität der Batterie länger deaktiviert bleiben kann, ohne auf Komfortfunktionen wie die Innenraumklimatisierung verzichten zu müssen. Über den Gesamtzyklus sollen gesamt 0,4 Liter Kraftstoff im Durchschnitt eingespart werden können.

Reichweite + Verbrauch

Insgesamt soll das sportliche Topmodell lediglich 6,3 Liter Kraftstoff im kombinierten Fahrzyklus verbrauchen. Wer die vollen 255 Kilowatt nicht ausreizt, sondern die guten Segeleigenschaften des Audi auf der Langstrecke nutzt, könnte wohl zumindest in die Nähe dieses Wertes kommen. Etwas unter sieben Liter erscheinen uns nach unserer eher kurzen Ausfahrt und aus Vergleichsfahrten mit ähnlich großen Motoren durchaus realistisch. Das Tankvolumen beträgt beim S4 grundsätzlich 58 Liter, nach Zyklus sollte das also für eine Reichweite von 920 Kilometer ausreichen. Wie realitätsnah das tatsächlich ist, muss aber ein ausführlicher Test zeigen.

Fahrwerk + Sicherheit

Grundsätzlich wird die Antriebskraft des Dieselmotors auf alle vier Räder verteilt. Anders wären die 700 Newtonmeter vermutlich auch nicht sinnvoll umsetzbar. Im Fahrbetrieb verschiebt der Allrad die Traktionsgrenzen und damit den Grenzbereich derart nach oben, das selbst bei widrigen Bedingungen enorme Kurvengeschwindigkeiten erreicht werden können. Allerdings ist der Grenzbereich entsprechend klein. Hier tendiert der Audi dann leicht zum Untersteuern.

Serienmäßig kommt der S4 mit einem um 23 Millimeter tiefergelegten Fahrwerk zum Kunden. Optional kann es um eine Dämpferregelung erweitert werden. Grundsätzlich ist der Federungskomfort gut. Selbst in der sportlichsten Einstellung verfügt der Audi über einen angenehmen Restkomfort. Die Elektromechanische Lenkung informiert passabel über den Fahrbahnzustand und ist stets angenehm direkt aber nicht zu straff übersetzt. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Lenkübersetzung angepasst. Auch über das Audi drive select, bei dem verschiedenen Fahrmodi ausgewählt werden können, kann man Einfluss auf die Unterstützung nehmen.

Bedienung + Konnektivität

In Sachen Bedienung hat sich im Vergleich zum Vorfacelift-Modell nicht allzu viel getan. Neu ist die Möglichkeit der Car-to-X-Kommunikation, die zum Beispiel innerhalb der Audi-Familie Daten austauscht und so präzise Stauwarnungen erzeugen kann, Verkehrszeichen abgleicht und sogar Ampelinformationen abrufen kann, mit denen es möglich ist, Grünphasen besser zu nutzen. Zudem können zusätzliche Funktionen über das Internet zugebuchen werden. Dazu zählen laut Pressemappe das MMI Navigation plus, Digitalradio DAB+ und das Audi Smartphone Interface, für die verschiedene Laufzeiten zur Verfügung stehen.

Kosten + Nutzen

Der Audi S4 startet im Herbst in Deutschland zu Preisen ab 62.600 Euro für die Limousine und 64.250 Euro für den Avant. Die Serienausstattung umfasst neben elektrisch verstellbaren Sportsitzen und optischen Finessen auch LED Hauptscheinwerfer. Dennoch ist die Liste möglicher Sonderausstattungen Audi-typisch enorm lang.

Kritik + Fazit

Neben der etwas mageren Serienausstattung des Topmodells gibt es nicht viel am S4 zu meckern. Die Optik hat sich im Vergleich zum Vorfacelift-Modell massiv gewandelt, man bekommt also gefühlt ein neues, eigenständiges Fahrzeug. Der Diesel passt, wie vorher schon beim SQ5 hervorragend zum sportlichen Topmodell und eröffnet dem Fahrzeug ganz neue Käuferschichten, für die ein Benzinmotor bisher aufgrund hoher Jahreskilometer-Leistungen schlicht nicht infrage kamen. Der eilige Vertreter, der bisher eher mit dem 2,0-l-TDI im Rückspiegel auftauchte, könnte also in naher Zukunft deutlich stärker motorisiert unterwegs sein.

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