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2022 | Buch

Diesseits und jenseits der Ökonomie

Kurzsichtige Krisenverwaltung oder weitsichtiger Neuanfang

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Über dieses Buch

Weltwirtschaftskrisen sind immer auch Gesellschaftskrisen! Treibende ökonomische Kräfte verfolgen als »homo oeconomicus« rücksichtslos isoliert exzessive Wachstumsziele mit einem skurrilen Tanz ums »goldene BIP-Kalb« – auf Kosten aller anderen Gesellschaftsinteressen und unter Inkaufnahme massiver Umweltzerstörungen. Das Paradoxe dabei ist, dass sich die Ökonomie amüsanterweise als naturwissenschaftlich geprägt sieht, obwohl sie zutiefst den Sozialwissenschaften zuzurechnen ist.

Der scheinbar unaufhaltsame Trend einer diesseitigen Ökonomie erfordert angesichts sich häufender sozialer und ökologischer Probleme einen einschneidenden Richtungswechsel. Dieser kann nur darin bestehen, dass eine jenseitige Ökonomie die Interessen aller Gesellschaftsteinehmer, im engen Verbund mit dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage stärkt und fördert. Während eine diesseitige (mono)kausale Ökonomie konfliktträchtige Ziele verfolgt, ist eine jenseitige Ökonomie geprägt durch eine vorausschauende systemische Perspektive nachhaltiger gesellschaftlicher Weiterentwicklung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Drei große Weltwirtschaftskrisen – Maßlosigkeit und Zivilisierung
Zusammenfassung
Die Mitte des 19. Jahrhunderts, eine Zeit, in der tiefgreifende Veränderungen in wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen durch die 1. Industrielle Revolution, dem Zeitalter der Dampfmaschine, verstärkt die Gesellschaft spaltete, führte auch zu enormen Auswirkungen auf das Finanzsystem – weltweit. Die 1. Weltwirtschaftskrise war geboren. Rund 70 Jahre später, Ende der 1920er Anfang der 1930er Jahre folgte die 2. Weltwirtschaftskrise, beginnend in den USA. Aufgrund eines stürmischen Konjunkturaufschwungs, ungleichen Vermögensverteilungen, Krediten in Milliardenhöhe u. a. m. führte die gesellschaftliche und Bankenkrise schließlich zu einem Kurssturz an der New Yorker Börse, dem sogenannten Schwarzen Freitag am 25. 10. 1929 und damit zu einer enormen Vernichtung von Vermögenswerten. Weitere 80 Jahre später führte 2007/2008 auf dem US-Immobilienmarkt das Platzen einer Spekulationsblase zu außerordentlichem Vermögensverlust rund um den Erdball, wobei Banken eine ausnehmend unrühmliche Rolle spielten. Die 3. Weltwirtschaftskrise war geboren und hält bis heute noch an! Der Kapitalismus zeigt damit ein überaus gebrechliches Gesicht. Das abschließende Wort dieses Kapitels kommt einer Kritikerin des Kapitalismus zu, die mit ihren 12 Thesen zur Zivilisierung des Kapitalismus aufruft.
E. W. Udo Küppers
Kapitel 2. Fatale diesseitige Ökonomie
Zusammenfassung
Was eine so postulierte, fatale diesseitige Ökonomie zu bieten hat, wird durch renommierte Wirtschaftswissenschaftler, unter ihnen auch mehrere Nobelpreisträger, auf den kommenden Seiten deutlich. Ihre Erfahrungen, praktischen Arbeiten und daraus entstandene Kritik an den gängigen Wirtschaftswissenschaften zeigen in letzter Konsequenz, dass ein fehlgeleitetes »Weiter so« im kapitalistischen Wirtschaftssystem – trotz gewisser Erfolge – auch enorme Risiken und Katastrophen produziert. Eine Wirtschaftswissenschaft auf unstreitig sozialer Grundlage, die unter anderem durch den Ansatz einer naturwissenschaftlichen Mathematisierung versucht Vorteile zu generieren, und doch nur durch eine „inhaltlich leuchtende Irrelevanz“ glänzt, ist keine – zumindest keine zukunftsfähige! Dennoch glauben Heerscharen von Ökonomen und Unternehmern seit Jahrzehnten an einen »goldenen« Fetisch: dem Götzenbild eines Homo oeconomicus. Mit welcher Hartnäckigkeit und Irrationalität nicht nur Wirtschaftswissenschaftler auf den Homo oeconomicus, den rationalen Menschen bauen, der nicht anderes im Sinn hat, als seinen ökonomischen Nutzen zu maximieren, können Sie nach Lesen des Kapitels am Ende erahnen. Wenn einerseits sowohl die Herstellungskosten eines Fahrzeuges, andererseits auch die Fahrzeugreparaturkosten und Heilungskosten für potenziell verunglückte Menschen bei einem Unfall den ökonomischen „heiligen“ Faktor BIP (Bruttoinlandsprodukt) steigen lassen, womit die Wirtschaftsleitung eines Landes gemessen wird, kann jeder ermessen, auf welch tönernem Fundament eine fatale diesseitige Ökonomie aufbaut. Wege, heraus aus dieser Art fatalen Ökonomie zu gehen und eine zukunftsweisende Ökonomie im ursprünglichen, (forstwirtschaftlichen) nachhaltigen Sinn zu beschreiten, werden Sie in den Kapiteln 3 und 4 kennenlernen.
E. W. Udo Küppers
Kapitel 3. Transformation der Ökonomie
Zusammenfassung
Wie kann es gelingen, sich von einer fatalen diesseitigen Ökonomie Schritt für Schritt zu lösen und diese in eine zukunftsweisende Ökonomie mit realistischen und risikovorbeugender Zukunftsperspektive zu lenken? Hierzu gibt dieses Kapitel 3 Auskunft. Renommierte Wissenschaftler aus Wirtschaft, Naturwissenschaft, Sozialwissenschaft etc., die sich seit Jahrzehnten mit einer neuen Art Ökonomie – der Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Georgescu-Roegen stellt dazu das Gebiet der Ökologischen Ökonomie vor – geben vielversprechende praktische Vorschläge, wie diese Transformation gelingen kann.
Nicht zuletzt beginnt diese Ökonomie-Transformation in der Ausbildung von Studierenden, bei den Lehrbuchinhalten der Wirtschaftswissenschaften, von denen nicht wenige vorausschauende Fachleute, mit Blick auf irrelevante Lehrbuchinhalte und den indirekt ableitbaren Folgen in der Praxis, behauptet, dass »die Ökonomie-Lehrbücher insgesamt die Note ungenügend verdienen«!
E. W. Udo Küppers
Kapitel 4. Systemische Organisation – Basis für ein zukunftsweisendes ökonomisches Denken und Handeln
Zusammenfassung
Wie könnte eine zukunftsweisende Ökonomie gestaltet werden und gesellschaftlich wirken, jenseits der über Jahrhunderte gewachsenen Ökonomie mit ihren »fatalen« Folgen? Sicher ist, angesichts der weiterhin fehlgeleiteten, weil in komplexer Umwelt isolierten Wirtschaftsstrategien, dass ein »Weiter so« keine Option ist, die vorhandenen, menschengemachten Katastrophen und Schäden an der Natur zu mindern und den gesellschaftlichen kooperativen Zusammenleben zu stärken! In diesem Kapitel beschreiben wir drei markante Praxisstrategien, Lebende Unternehmen LU, Lernende Organisation LO und hochzuverlässige Organisation HRO, die einzeln und gemeinsam das Potenzial besitzen, eine neue ganzheitliche Ökonomie in Gesellschaften zu etablieren. Die gemeinsame Basis für alle drei Praxisstrategien ist eine neue aggregierende Organisationsstruktur mit Organisationsabläufen, die komplexe Zustände in unserer Umwelt fundamental und systemorientiert berücksichtigen, statt sie zu ignorieren oder rücksichtslos, fehleranhäufend zerstückeln und dabei den – für Fehlervermeidung enorm wichtigen – vernetzten Gesamtzusammenhang aus den Augen verlieren. Der zentrale Treiber einer neuen ganzheitlichen Ökonomie ist demzufolge systemisches Denken und Handeln. Alle drei herausgestellten Praxisstrategien für eine zukunftsweisende jenseitige Ökonomie beinhalten diesen systemischen Lernprozess. Ergänzt werden die drei Praxisstrategien durch einen vierten, evolutionären organisationalen Ansatz, den eines Bionischen Organisationsmanagement BOM. Die belebte und unbelebte Natur entwickelten über Jahrmilliarden ein vernetztes System höchster individueller und kollektiver Qualitäten, mit herausragenden sozialen und ökonomischen Leistungen von unübertroffener Effektivität und Effizienz. Natürliche Prozesse sind daher besonders für bionische Praxisansätze geeignet, die den sozialen, ökologischen und nicht zuletzt ökonomischen Entwicklungsfortschritt in Unternehmen oder Gesellschaften nachhaltig stärken wollen.
E. W. Udo Küppers
Kapitel 5. Die vierte Welt(wirtschafts)krise – Teufliche Regelkreise zwischen Ökonomie, Pandemie und Politik
Zusammenfassung
Eigentlich ist die oft postulierte Weltwirtschaftskrise eine Weltsozialkrise. Warum? Weil Sie auf vielfältige Art die gesellschaftlich gewachsenen Strukturen und Abläufe – wovon die Wirtschaft nur ein Teil ist – unvorstellbar durcheinanderwürfelt. Das gesellschaftliche Leben, wie es z. B. die Industrienationen in jahrzehntelangen Friedenszeiten kannten und pflegten, wird durch die SARS-CoV-2-Pandemie weltweit neue Wege finden müssen, um ähnlichen Krisen – die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgen werden – robuster als bisher zu begegnen! Unstreitig ist, dass Regierungen in Industrienationen mit enormen Geldflüssen bzw. zusätzlichen Schuldenaufnahmen versuchen, den durch die Pandemie betroffenen Unternehmen, Gewerbe, Theater, Kinos, Schulen, Krankenhäuser usw. im gesetzlich verordneten »Shutdown« und »Lockdown« Hilfestellung fürs Überleben bereitzustellen. Ob das letztlich bei allen Betroffenen gelingt, wird erst die Zukunft zeigen können. Ebenso unstreitig ist, dass die Ärmsten der Armen und Armen in sogenannten Entwicklungsländern oder in «Auffanglagern« für Kriegsflüchtlinge, wie auf der griechischen Insel Lesbos, doppelt durch die Pandemie zu leiden haben. Schuld daran sind nicht zuletzt die Kausalitäten der gegenwärtig andauernden fatalen Ökonomie als schrecklich einseitiger Treiber ihrer eigenen kurzsichtigen wirtschaftlichen Ziele. Menschliche und sachlichen »Kollateralschäden« werden billigend in Kauf genommen! Es wird – nicht zuletzt mit Blick auf den scheinbar unaufhaltsamen globalen Drang der Menschen, die Natur für Ihre Zwecke zu »vergewaltigen« – eher früher als später zu neuen gesellschaftlichen und ökonomischen Wegen kommen müssen. Die Zerstörungen der Lebensgrundlage von Myriaden Lebewesen, in direkter Verknüpfung mit der Klimaveränderung, lässt uns eigentlich keine andere Wahl, wollen wir unseren Kindern und deren Kinder eine halbwegs selbstgestaltete Zukunft hinterlassen. Das bedeutet aber nichts weniger als den Umsturz des ökonomischen exzessiven Wachstumsdogmas und das Loslassen von dem völlig unrealistischen Götzenbild des Homo oeconomicus! Ein zentraler Leitgedanke, der zu einem neuen Homo oecologicus führen kann – ja muss –, wäre die konsequente Befolgung des Prinzips der ökonomischen und gesellschaftlichen fehlertoleranten Vorsorge, statt der unheilvollen ökonomischen und gesellschaftlichen Nachsorge. Erst wenn diese Kraftakt gelingt, Ökonomie und Ökologie als gleichberechtigte (!) Partner die gesellschaftliche Zukunft mitbestimmen und der Wert eines Menschen als Ganzheit gewürdigt wird und nicht wie so oft nur als Mittel zum ökonomischen Zweck, können wir hoffen, unser Leben auf dieser bereits stark zerstörten Erde halbwegs weiterzuleben. Die teuflischen Regelkreise in Ökonomie und Gesellschaft, die zur Zeit unser Leben dominieren, müssen Schritt für Schritt in nachhaltig wirkende Regelkreise transformiert werden, bzw. beide Regelkreise in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Das ist unser eigentliches zukunftsweisendes kybernetisches Ziel. Die Natur beherrscht es seit langem. Wir Menschen sind noch in der Findung und weitgehend gefangen in unseren Mono-Kausalitäten.
E. W. Udo Küppers
Kapitel 6. Anhang: Antworten zu den Kontrollfragen am jeweiligen Kapitelende
Zusammenfassung
In Kapitel 6 sind mögliche Antworten auf die den Kapiteln 1 bis 5 zugeordneten Verständnisfragen zusammengestellt.
E. W. Udo Küppers
Backmatter
Metadaten
Titel
Diesseits und jenseits der Ökonomie
verfasst von
Dr. E. W. Udo Küppers
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-34593-8
Print ISBN
978-3-658-34592-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-34593-8