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28.06.2024 | Digital Leadership | Gastbeitrag | Online-Artikel

Mit Agile Leadership den digitalen Umbruch wuppen

verfasst von: Katja Koch, Katharina Vollus

4:30 Min. Lesedauer

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Agile Leadership dient als Lösungsansatz für Führungskräfte in Transformationsprozessen, um Innovation zu fördern, die eigene Resilienz zu stärken und Mitarbeiter langfristig zu motivieren und zu binden.
 

Die Digitalisierung hat einen revolutionären Wandel ausgelöst. Neue Marktchancen entstehen, während etablierte Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt werden. Dieser Megatrend ver­langt mehr als eine oberflächliche Anpas­sung bestehender Unternehmen - er erfordert tief­gehende Transformationsprozesse.

Führungskräfte spielen in diesem Wandel eine ent­scheidende Rolle, da sie den Erfolg einer Transfor­mation maßgeblich beeinflussen. Sie sind aber auch selbst von den Veränderungen betroffen, da klassische Führung in komplexen Prozessen an ihre Grenzen stößt. Hier setzt Agile Leadership an, ein Lösungsansatz, der Führungskräften in komplexen, hochdynamischen Geschäftsumfeldern langfristig Erfolg verspricht. Voraussetzung ist, dass Führungskräfte bereit zur eigenen Weiterentwicklung sind und vor allem hierarchisch geprägte Unternehmen schrittweise und gezielt bei der Implementierung vorgehen.

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2022 | Buch

Agile Leadership in Practice

Applying Management 3.0

This book illustrates the agile transformation journey of a consulting organization. It consists of nine main chapters, each focusing on specific aspects of transformation. 

Zeit für neue Führungsansätze

Agile Leadership ist ein Denk- und Vorgehensmodell, um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen in einem volatilen Umfeld zu sichern. Es schafft durch den Einsatz agiler Praktiken und durch achtsame Kommunikation einen Rahmen, innerhalb dessen Fachexperten eigenständig entscheiden dürfen. Im Gegensatz zur klassischen Führung, die auf Hierarchien und fixen Zielvorgaben beruht, fördert dieses Modell agile Netzwerkstrukturen, in denen rasche Anpassungsfähigkeit möglich ist. 

Das heißt nicht, dass in agilen Unternehmensbereichen keine Zielvorgaben existieren. Im Gegenteil: Agile Führungskräfte sorgen für eine inspirierende Vision und klare Ziele. Sie lassen aber ihre Mitarbeitenden die Ziel-­ und Strategieentwicklung mitgestalten. Indem Führungskräfte ihre Teams befähigen, mehr Verantwortung im operativen Tagesgeschäft zu übernehmen, entlasten sie nicht nur sich selbst, sondern entsprechen auch dem Wunsch talentierter Nachwuchskräfte nach Selbstverwirklichung und sinnstiftenden Aufgaben.

Agiles Führungsverständnis entwickeln

Mit Agile Leadership geht eine Skill-­ und Verhaltenserweite­rung auf persönlicher Ebene sowie eine Mitarbeiter­- und Wertstromorientierung auf der Team­- und Organisationsebene einher. Agile Führung sollte daher stets ganzheitlich betrachtet werden. Das AQAL­-Quadrantenmodell von Ken Wilber hilft, die verschiedenen Perspektiven zu berücksichtigen. Also sowohl die nach außen sichtbare Ebene, dazu gehören die Struktur und Prozesse sowie die Rollen und Skills in einer Organisation, als auch die unterschwellig spürbare Ebene, welche die Haltung und Einstellung von einzelnen Mitarbeitenden sowie die Kultur und Beziehungen im Kollektiv umfasst.

Die richtige Haltung hat dabei einen besonderen Stellenwert. Führungskräften fällt es häufig schwer, ihre bisherigen Denkmuster zu durchbrechen, bewusst umzudenken und agile Führungspraktiken in ihren Alltag zu integrieren. Durch die Arbeit mit dem Herzstück des modernen Führungsansatzes, den agilen Führungswerten, können sich Führungskräfte an Agile Leadership annähern. Die Werte orientieren sich einerseits an den Werten aus dem Scrum Framework wie Mut, Offen­heit, Respekt, Commitment und Fokus. Andererseits beziehen sie aber auch die individuellen Werte jedes Einzelnen mit ein.

In verschiedenen Rollen führen

Für agile Führungskräfte sind verschiedene Rollen von besonderer Bedeutung, die sie je nach Situation einnehmen. Dazu gehört beispielsweise die Rolle als Unternehmer, Coach und Kommunikator. In diesen Rollen wird von ihnen erwartet, frühzeitig den Transformationsbedarf von Prozessen, Strukturen und ganzen Geschäftsmodellen zu erkennen. Sie sollten sich dabei bewusst sein, dass jede Änderung bei sich selbst beginnt und sie maßgeblich dafür verantwortlich sind, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Veränderungsprozesse zu führen. Agile Leader zeichnen sich demnach durch ein grundlegendes Verständnis von Change­ Management aus.

Zudem wird erwartet, dass sie sowohl ihre Bedürfnisse als auch die der Mitarbeitenden im Blick behalten. Ein achtsamer Umgang mit den eigenen Ressourcen, die bewusste Selbstreflexion und ein empathischer Umgang mit dem Team rücken immer stärker in den Fokus. Der Ansatz der psychologischen Sicherheit der Professorin Amy Edmondson gewinnt dabei an Bedeutung. Die agile Führungskraft lebt es vor, über Fehler zu sprechen und sorgt damit für gegenseitiges Vertrauen. Durch Reflexion, zum Beispiel in Form von Retrospektiven, wird eine nachhaltige Lernkultur gefördert.

Durch gründliche Analyse geeignete Stellen identifizieren

Bevor Entwicklungsmaßnahmen für Führungskräfte umgesetzt werden, ist es wichtig zu verstehen, in welchem Kontext die Führungskraft agiert, wie agil die Organisation aufgestellt ist und welches Führungsverständnis bereits vorhanden ist. Neben dem AQAL-Quantenmodell von Ken Wilber sind Interviews, Assessments, Retrospektiven oder sogenannte Gemba Walks mögliche Formate zur Bestimmung des Ist­-Stands der sichtbaren und spürbaren Dimension einer Organisation. 

Sind Strukturen crossfunktional oder hierarchisch, herrscht im Unternehmen eine Angst- oder Vertrauenskultur; was ist der Führungskraft persönlich wichtig und werden Leadership-Rollen gelebt sind Fragen, die eine ganzheitliche Standortbestimmung beantwortet. Dabei kann auch herauskommen, dass Führung in agilen Unternehmensbereichen auf mehrere Schultern verteilt werden könnte: in eine fachliche und eine diszipli­narische Verantwortung oder eine Mischform.

Auf diesen Ergebnissen basierend wird ein Zielbild für die zukünftige Führungsrolle entwickelt. Davon abgelei­tet werden modulartige Lernprogramme für die Führungskräftebefähigung aufgesetzt, wobei sich eine Kombination aus personalisierten Entwicklungsmaßnahmen und bewährten Methoden empfiehlt. Dazu gehören Trainings zu agilen Grundlagen, Workshops und Simulationen zur Teamentwicklung sowie Coachings und Mentorings zur Reflexion des Führungsverhaltens, welche die Kompetenzen der Führungskraft umfassend erweitern.

Handlungsempfehlung

Der Agile-Leadership-Ansatz bietet Führungskräften und Organisationen im Transformationsprozess viele Vorteile: Sie werden produktiver, anpassungsfähiger und innovativer. Trotz allem ist es wich­tig, diesen Führungsansatz nicht als den alleinigen Königsweg zu sehen. Nach wie vor muss das bestehende Geschäft mit bewährten Führungspraktiken gesichert werden. In komplexen Arbeitsumfeldern mit hohen Abhängigkeiten, wie in den Bereichen digitale Produktentwicklung und Innovationen in der Automobilbranche, ist agiles Arbeiten und Führen jedoch sinnvoll. Einzelne Methoden sollten hier wohlüberlegt ergänzt und Führungskräfte eng begleitet und unterstützt werden.

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