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Über dieses Buch

Social Media eröffnen Kommunikationsräume, in denen Wissenschaftsaktivisten und Wissenschaftsskeptiker aufeinanderprallen und in unterschiedlichen Konstellationen fortwährende Grenzkämpfe ausfechten. Andreas Wenninger analysiert anhand von drei Fallanalysen die Formen solcher Auseinandersetzungen. Er identifiziert Dynamiken, Muster und Funktionen dieser digitalen Grenzarbeit. Unter einer wissenssoziologischen, differenzierungstheoretischen und poststrukturalistischen Perspektive werden die empirischen Ergebnisse reflektiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung, Forschungsgegenstand und Fragestellung

Im Kern kann man Weblogs als „regelmäßig aktualisierte Websites“ kennzeichnen, „deren Inhalte – meist Texte, aber auch Bilder und Videos – in umgekehrt chronologischer Reihenfolge dargestellt werden“ (Katzenbach 2008: 27). Ein Blog setzt sich üblicherweise aus verschiedenen Elementen zusammen (vgl. Schmidt 2006; Katzenbach 2008) und bietet Möglichkeiten der Verlinkung mit anderen Webangeboten. Das Innovationspotential von Blogs kann auf drei spezifische Eigenschaften zurückgeführt werden. Erstens beinhalten Blogs Funktionen, die einen kommunikativen Austausch mit dem Publikum und zweitens eine Vernetzung mit anderen Webseiten ermöglichen.
Andreas Wenninger

Kapitel 2. Das Abgrenzungsproblem der Wissenschaft und das Konzept von wissenschaftlichen Grenzziehungsprozessen (Boundary-Work-Ansatz)

In der oft gebräuchlichen Metapher eines Elfenbeinturms kommt zum Ausdruck, dass hinter dessen Mauern Wissenschaftler (oder Literaten) – praxisfern und abgekoppelt von Öffentlichkeit und Gesellschaft – ihrer intellektuellen (oder künstlerischen) Tätigkeit nachgehen. In der Verwendung von Online-Medien durch Wissenschaftler liegt eine große Hoffnung der Veränderung und Aufhebung dieses scheinbar problematischen Verhältnisses von Wissenschaft und Gesellschaft. Mit Online-Medien würden ‚neue Fenster im Elfenbeinturm‘ geschaffen, so eine wiederholt geäußerte Meinung (vgl. Nentwich 2010).
Andreas Wenninger

Kapitel 3. Echte und falsche Wissenschaft: Zur Reaktualisierung einer Unterscheidung im Internet

Thomas F. Gieryn sieht die Gründe für Grenzziehungsprozesse überwiegend in den bewusst-strategischen Interessen von bestimmten Akteuren (Kap. 2). Er spricht bspw. von „praktisch nützlichen Ideologien“. Vermutlich wird man aber dem Phänomen „Boundary-Work“ nicht ganz gerecht, wenn man dessen Auftreten zu stark auf die Interessen von Akteuren zurechnet. In einer stärker kommunikationstheoretischen Perspektive kommt die Frage auf, was das Zustandekommen der jeweiligen Interessen begünstigt.
Andreas Wenninger

Kapitel 4. Empirischer Teil: Praktiken der Grenzziehung in Scienceblogs

Rekonstruktive Verfahren zeichnen sich im Unterschied zu subsumtionslogischen oder hypothesenprüfenden Vorgehensweisen dadurch aus, dass sie die dynamischen Prozesse und Strukturen rekonstruieren, welche ihre Forschungsgegenstände hervorbringen und charakterisieren. Rekonstruktion kann allgemein als Versuch gewertet werden, methodisch kontrolliertes, deutendes Verstehen im Sinne der Interpretation von sinnstrukturierten Gegenständen (vgl. Wernet 2006: 11) zu erreichen. Wie Reiner Keller treffend auf den Punkt bringt, ist das Ziel interpretativer Verfahren die „Analyse der sozio-kulturellen Sinngebungen, ihrer Stabilisierung und Transformation auf unterschiedlichsten gesellschaftlichen Ebenen, in den verschiedensten situativen, medialen und organisatorischen Kontexten“ (Keller 2012: 8).
Andreas Wenninger

Kapitel 5. Grenzziehungen Revisited: Sozialtheoretische Bezüge und Überlegungen zur Funktion des Boundary-Work in wissenschaftlichen Weblogs

Dieses Kapitel eröffnet im Anschluss an die Fallanalysen verschiedene sozialtheoretische Anschlussmöglichkeiten. Es geht im Folgenden weniger um eine theoretische „Erklärung“ des Beobachteten, sondern um den Versuch, Wege aufzuzeigen, über das Boundary-Work sozialtheoretisch nachzudenken. Aus meiner Sicht sind diese Überlegungen in zweifacher Hinsicht fruchtbar: Zum einen kann eine sozialtheoretische Perspektive den Fokus auf eine allgemeinere Ebene legen, indem nach sozialen Funktionen gefragt wird, die das wissenschaftliche Boundary- Work haben kann.
Andreas Wenninger

Kapitel 6. Fazit

Die drei untersuchten Fälle machen auf ein spezifisches Problem aufmerksam, das in einer verwissenschaftlichten Gesellschaft zunehmend sichtbar wird: Einerseits stellt Wissenschaft die notwendige Grundlage für immer mehr Gesellschaftsbereiche dar (Wissensgesellschaft, Verwissenschaftlichung der Gesellschaft), andererseits ist das, was Wissenschaft ausmacht und die Grenzen ihres Geltungsbereichs, nicht eindeutig feststellbar (Demarcation Problem, vgl. Kap. 2). Die Grenzarbeit in den Fällen ist ein Indikator für die Reflexivwerdung der Notwendigkeit, Wissenschaft und ihren Geltungsbereich laufend kommunikativ stabilisieren zu müssen. Das Internet als neuer Kommunikationsraum im Allgemeinen und Social Media im Speziellen forcieren, beschleunigen und diversifizieren diese Reflexivwerdung. Zwar kommt es bereits im Rahmen klassisch-medialer Verhältnisse regelmäßig zu Irritationen in Hinblick auf wissenschaftliches Wissen und zu entsprechenden Aushandlungsprozessen (Kap. 2 und 3).
Andreas Wenninger

Backmatter

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