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Über dieses Buch

Die Beiträge des Bandes befassen sich mit Medialität und Digitalität als Faktoren eines aktuellen und tiefgreifenden sozialen Wandels. In Wechselwirkung damit ändern sich auch individuelle und insbesondere soziale Bezüge auf Vergangenes, also soziale und kollektive Gedächtnisse. Dieses Feld weiter zu erschließen, ist das Ziel dieses Bandes. Das gilt neben theoretischen Überlegungen insbesondere für drei Aspekte der Medialität und Gedächtnissoziologie: erstens »digitale Plattformen«, auf denen mediale Formen gebündelt werden, zweitens ein seit Beginn des 20. Jahrhunderts zentrales Medium moderner Gesellschaften, der Film, und drittens (hyper-)textuelle und bildhafte Medienformen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Unsere Vorstellungen von entfernten Orten derWelt sind neben wennigen eigenen Erfahrungen von Berichten und Bildern geprägt, die Kinooder Fernsehproduktionen, Reiseführer oder die Urlaubsfotos anderer auf Facebook und Instagram uns nahebringen. Ähnliches gilt für unser Wissen von vergangenen Zeiten, das nicht selten durch Spielfilme, Romane oder narrative Formen anderer Art beeinflusst wird. Auch unsere Kenntnisse des Zeitgeschehens sind oft Produkt von Zeitungslektüre, TV- und Internet-Nachrichten oder von medialen Formen politischer Bildung wie etwa Ausstellungen oder Schulbüchern.
Marie-Kristin Döbler, Gerd Sebald

THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN

Frontmatter

(Digitale) Medien und Gedächtnis – aus der Perspektive einer Gedächtnissoziologie

Der Beitrag entwickelt einen gedächtnissoziologischen Zugang und versucht, das neue Forschungsfeld der digitalen Medien aus den inhärenten Vergangenheitsbezügen, also aus der Veränderung der unterschiedlichen Gedächtnisse heraus zu erschließen. Nach der Skizzierung der gedächtnissoziologischen Perspektive werden die Kennzeichen der digitalen Technologie und der digitalen Medien herausgearbeitet, bevor abschließend einige wichtige Aspekte des Forschungsfeldes digitale Medien und Gedächtnis gelistet werden.
Gerd Sebald

Mediatisierte Erinnerungen. Medienwissenschaftliche Perspektiven für eine Theoretisierung digitaler Erinnerungsprozesse

In den Memory Studies herrscht Konsens darüber, dass die Digitalisierung ähnlich einschneidende Veränderungen in sozialen Erinnerungsprozessen bewirkt, wie die Einführung der Schrift oder der Buchdruck. Die These, die ich in meinem Beitrag verfolge, ist die, dass das Konzept der Mediatisierung Leerstellen der Memory Studies auf fruchtbare Weise auffüllen kann, da es insbesondere für den durch die Digitalisierung bestimmten Medienwandel mögliche theoretische Anknüpfungspunkte liefert, um das Verhältnis digitaler Medien und von Erinnerungsprozessen zu reflektieren.
Vivien Sommer

DIGITALE PLATTFORMEN

Frontmatter

Gedächtnisproduktion als webbasierte Aneignungspraxis. Populäre Songs und ihre Neuinterpretation auf Youtube

Der Artikel nimmt Rezeptionsphänomene populärer Musik auf der Plattform Youtube in den Blick die auf musikalisch-schöpferischen Handlungen beruhen und das Aktivische und Kreative in betonen. Gemeint sind die Neuinterpretation von populären Songs, auch Covern genannt. Er beschreibt und analysiert dieses Phänomen als eine kollektive Gedächtnisleistung, auch als Gegengewicht zu institutionalisierten Formen des kollektiven Vergegenwärtigens musikalischer Erzeugnisse. Dafür entwickelt er sowohl institutionelle als auch fanbasierte Formen (pop)musikbezogener Gedächtnisproduktion und untersucht vor diesem Hintergrund die eigentümliche Gedächtnisfunktion von musikalischen Aneignungspraktiken, wie sich in den auf Youtube veröffentlichten Coverversionen von Popmusik zeigen.
Christofer Jost

The Political Reality of the (Mass) Media? Twitter-Discourse on the Eighth Republican Presidential Primary Debate 2016 and the Effects on the Social and Public Memory

Der Artikel »The Political Reality of the (Mass) Media? Twitter-Discourse on the Eighth Republican Presidential Primary Debate 2016 and the Effects on the Social and Public Memory« diskutiert vor dem Hintergrund des aktuellen Medienwandels Luhmanns Konzeptualisierung der Massenmedien im Verhältnis zum politischen System. Die sozialen Medien werden als intervenierender Faktor zwischen diesen beiden Systemen eingeführt. Untersucht wird der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf 2016, wobei der Schwerpunkt der Analyse auf Twitter liegt. Dieser Kurznachrichtendienst stellt ein dynamisches Archiv dar, das eine fluktuierende öffentliche Sphäre und ein öffentliches Gedächtnis ausbildet. Diese sich entfaltenden Diskurse können soziale Systeme beobachten und in ihren Anschlusskommunikationen darauf Bezug nehmen.
Laura Vorberg

#MediatedMemories: Twitter und die Terroranschläge von Paris im kollektiven Gedächtnis

Der Text »#MediatedMemories: Twitter und die Terroranschläge von Paris im kollektiven Gedächtnis« fragt nach grundsätzlichen Funktionslogik von Social-Media-Plattform. Twitter wird als Forum für Krisenkommunikation dargestellt, das stark von Verknappung im Sinne zeitlicher Simultanität und des ökonomischen Gebrauchs von Text geprägt ist. Damit ist Twitter auch ein kollektiv les- und verstehbares Bindeglied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und so ein Medium für kollektive Gedächtnisse. Anhand einer Analyse der Twitter-Kommunikation zu den Pariser Anschlägen vom November 2015 wird gezeigt wie bereits existierende Inhalte kollektiver Wissensbestände aktualisiert und reaktiviert werden, wie sich das gegenwärtige Ereignis wiederum als neue Referenzfolie in diese Bestände einschreibt oder gar partiell überschreibt und welche prospektiven Auswirkungen für zukünftige Ereignisse sich innerhalb dieser Prozesse bereits zeitigen.
Anna Zeitler

Wie wird kommunikatives zu kulturellem Gedächtnis? Aushandlungsprozesse auf den Wikipedia-Diskussionsseiten am Beispiel der Weißen Rose

In dem Beitrag wird die Online-Enzyklopädie Wikipedia untersucht, genauer ihre Artikel zu historischen Ereignissen, die sie als Teil des kulturellen Gedächtnisses sehen. Da sich dieses Lexikon dem Transparenzgedanken des Social Web verpflichtet fühlt, ist es der Leserschaft möglich, alle Veränderungen an den Artikeltexten wie auch die inhaltlichen Diskussionen zu ihnen nachzuvollziehen. Diese technische Funktion erlaubt es, die Aushandlungsprozesse sichtbar zu machen, in denen darüber entschieden wird, welche Aspekte der gesellschaftlichen Vergangenheit im kulturellen Gedächtnis präsent bleiben und wie einzelne historische Ereignisse über die Zeit (unterschiedlich) interpretiert werden. Den Sozialwissenschaften bietet sich somit die Gelegenheit, die Interaktion zwischen den einzelnen Sphären kollektiver Erinnerung, Mikro-, Meso- und Makroebene, ohne Intervention bei den Beteiligten zu erforschen. Am Fallbeispiel des Stichwortes zur Widerstandsgruppe der Weißen Rose wird gezeigt, wie in der Enzyklopädie über gesellschaftlich relevantes Wissen zur Geschichte gesprochen wird und wie Aushandlungsvorgänge gestaltet werden.
Horst-Alfred Heinrich, Julia Gilowsky

Gedächtnis – Medien – Rituale. Postmortale Erinnerungs(re)konstruktion im Internet

In dem Text »Gedächtnis – Medien – Rituale. Postmortale Erinnerungs(re)konstruktion im Internet« um die Prozesse der Vergangenheitsbewältigung in Todesfällen und die Frage, was wie erinnert wird und warum. Er setzt jedoch durch das Lob des Vergessens einen spezifischen Fokus und beklagt die Dominanz der Fehlannahme, dass einzig Erinnern Vorteile aufweist und Vergessen stets als defizitär verstanden wird. Am Beispiel des Umgangs mit dem Tod wird gezeigt, dass Medien keine bloßen Hilfsinstrumente zur Vergegenwärtigung sind, sondern Instrumente der Aufhebung im doppelten Sinne. Medien sind Mittel, die gleichzeitig bewahren und aufgrund ihrer inneren dialektischen Strukturen negieren. Beispielhaft am Diskurs um Tod, der sich an der Schnittstelle von Bildhaftigkeit, Körperlichkeit und Erinnern formiert, zeigt der Autor diesen Zwiespalt auf und macht deutlich, dass das mediale Gedächtnis negative Erinnerung durch Ver(sinn)bildlichung und Veröffentlichung zu bewältigen helfen kann.
Thorsten Benkel

FILM

Frontmatter

Der Spielfilm als soziales Gedächtnis?

Der Text »Der Spielfilm als soziales Gedächtnis?« fragt nach dem Zusammenhang von Film und Gedächtnis und will die bisher prävalenten kulturwissenschaftlichen Überlegungen aus einer soziologischen Perspektive ergänzen. Dazu wird in einem ersten Schritt das Konzept des sozialen Gedächtnisses umrissen. Danach wird skizziert, inwiefern Spielfilme bisher gedächtnistheoretisch interpretiert wurden und wie sich eine Interpretation vor dem Hintergrund gedächtnissoziologischer Überlegungen ausmacht. Die These ist, dass Filme, von wenigen Ausnahmen, etwa manchen Kunst- oder Experimentalfilmen, abgesehen, grundsätzlich Vergangenheit vergegenwärtigen. Gedächtnishaftigkeit und Erinnerungsfunktion verweisen auf medienvermittelte Formen der Wissensgenese. Der analytische Mehrwert einer soziologischen Erweiterung filmmedialer Bezugnahmen auf Vergangenheiten liegt darin, dass in (Spiel-)Filmen generell Momente sozialer Ordnung symbolisch perpetuiert und über ihre mediale Vermittlung zu gesellschaftlicher Wirklichkeit werden.
Oliver Dimbath

Film as frame. Frame as part of social memory

Der Artikel »Film as frame. Frame as part of social memory« untersucht am Beispiel der James Bond Reihe, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen Filme als Rahmen fungieren (können) sowie in welchem Verhältnis verschiedene Erinnerungsrahmen (Halbwachs) und auf Gedächtnisleistungen basierende Interaktionsrahmen (Goffman) zueinander stehen. Hierbei gelten in diesem Artikel Filme weniger als Medien, die Vergangenheit speichern oder konservieren und so in der Zukunft zugänglich machen, sondern eher als Medien für Gedächtnisprozesse: Mit Halbwachs und Goffman wird vermutet, dass Rahmen, u.a. in Form von Filmen, Selektionsvorgänge anleiten, die zwischen Erinnern und Vergessen unterscheiden und dadurch gegenwärtiges Deuten und Handeln beeinflussen. Nach einer allgemeinen theoretischen Auseinandersetzung mit Gedächtnis, Erinnern und Vergessen sowie den Rahmenkonzepten Halbwachs‘ und Goffmans, untersucht der Artikel den Zusammenhang zwischen Rahmen und sozialen Gedächtnissen sowie die Bedeutung dessen für die Entstehung und den Erhalt von Kollektiven. Abschließend wird das Fazit gezogen, dass Filme wie die der Bond-Reihe als Rahmen funktionieren können, dass Filme die Funktionsweise von gedächtnishaften Rahmen illustrieren können und die Bedeutung von Rahmen bzw. sozialen Gedächtnissen für Gruppen- oder Kollektiv-Formationsprozessen näher bestimmen lassen.
Marie-Kristin Döbler

Die Kino-Wochenschau als Quelle der Erinnerung: Die Berichterstattung über den Prozess gegen Adolf Eichmann 1961

Der Artikel »Die Kino-Wochenschau als Quelle der Erinnerung: Die Berichterstattung über den Prozess gegen Adolf Eichmann 1961« fragt danach, wie deines der wichtigsten Nachrichtenmedien in der Nachkriegszeit mit dem Ereignis ›Eichmann-Prozess‹ umging: d. h. das zur Verfügung stehende Filmmaterial nutzte und filmische Mittel einsetzte, um diesen Prozess in Szene zu setzen und zu rahmen. Dabei wurde an Zeiten erinnert, die bis dahin verdrängt worden waren. Solche Erinnerungsprozesse durch Filme, die als Komposition aus montierten Bildern und Sound (Geräuschen, Musik und Stimme) einen ›realistischen‹ Eindruck vermitteln, entfalten eine hohe emotionale Wirkung und wirken so auf soziale Gedächtnisse. Die Wochenschau als mediale Form und ihre Herstellungsweise zu analysieren, ist nicht nur (medien-)historisch relevant, sondern nach wie vor aktuell, weil Filmsequenzen und Wochenschau-Bilder immer noch häufig in historischen Fernseh-Formaten eingesetzt werden.
Sigrun Lehnert

TEXT UND BILD

Frontmatter

Rahmungen von Erinnerung: Zur Metapher des Paratexts

Dem Text »Rahmungen von Erinnerung: Zur Metapher des Paratexts« liegt die Beobachtung zugrunde, dass historische Texte und Artefakte, denen eine Erinnerungsfunktion zugeschrieben wird, oftmals von Texten begleitet werden, die den sozialen Bezugsrahmen und die erwünschten Deutungsmuster explizit werden lassen. Diese Paratexte sollen die Deutung von Texten und Artefakten durch ihre Rahmungen stabilisieren. Insbesondere in den digitalen Medienformen des Internet, das durch seine hypertextuelle Struktur eine Vielzahl verschiedener, vom Input der Benutzer_innen abhängiger Verknüpfungen von Texten, Bildern und Videos ermöglicht, ist das jedoch schwierig. Das wird anhand von zwei Webseiten gezeigt, die Paul Celans Todesfuge darstellen und rahmen. Hier zeigt sich, dass die Trennung von Text und Paratext nicht eindeutig ist und dass nicht-textuelle Elemente in die Analyse einbezogen werden müssen, wodurch die Bezugsrahmen von Erinnerungen sich verändern.
Jasmin Pfeiffer

Gedächtnismedium Ausstellung. Zur Konstruktion von Geschichte im Rahmen eines staatlichen Erinnerungsangebots

Ausgehend von einer Schau, wie sie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 2014 präsentierte, interessiert sich der Beitrag grundsätzlich für die mediale Repräsentation von Zeitgeschichte. Ausgestellt wurden Fotografien, die sich in Kombination mit Texten zu spezifischen Mythen fügten. Neben der Frage nach der ontologischen wie epistemologischen Qualität primär visuell konstruierter Geschichte wird das Zusammenspiel verschiedener Medien und mit ihnen verknüpfter Modi im Rahmen des Gedächtnismediums Ausstellung eruiert. In Erweiterung der fotoanalytischen Überlegungen von Roland Barthes, wie sie eine Spielart postkonstruktivistischen Denkens darstellen, führt der Beitrag exemplarisch die Dekonstruktion eines multimedialen wie multimodalen Arrangements vor. Ausgehend von einer Fotografie Lenins wird gezeigt, wie Polysemie beschränkt und eine sogenannte Quelle sukzessive politisiert wird.
Kristina Chmelar

Kontext, Form und Funktion der Selbstdarstellung in aktuellen Autobiographien der Wirtschaftselite

Der Text »Kontext, Form und Funktion der Selbstdarstellung in aktuellen Autobiographien der Wirtschaftselite« nimmt klassische Medien, in denen soziale und kulturelle Gedächtnis›arbeit‹ geleistet wird, in den Blick, insbesondere gedruckte Autobiographien. Wenn Autobiographien als Kommunikationsformate gefasst werden, können die Fragen danach beantwortet werden, wie in Autobiographien lebensgeschichtliches Material choreographiert wird, wie sich ein Mensch in diesem spezifischen Kontext medialer Öffentlichkeit kommuniziert und wie es mittels Autobiographieanalyse gelingen kann, Milieus einer Gesellschaft über ihr kommunikatives Repertoire zu untersuchen. Eine solche Analyse wird anhand von Autobiographien von Topmanagern und Führungskräften der Wirtschaft durchgeführt. In solchen medialen und sozialen Gedächtnisleistungen wird der Erfolg jenseits von Leistung und Leistungsverausgabung begründet und somit abgelöst von Leistungssemantiken zur Demonstration von Status und eigener Exzeptionalität gebraucht.
Renate Liebold

Backmatter

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