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31.10.2019 | Digitale Währungen | Im Fokus | Onlineartikel

BdB fordert zügige Entwicklung des digitalen Euros

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
5 Min. Lesedauer

Braucht Europa den digitalen Euro? Ja, meint der Bankenverband und legte nun ein Positionspapier zum Thema vor. Vor allem die Prozesse der Industrie 4.0 benötigen eine digitale Währung und das möglichst schnell, meint BdB-Chef Andreas Krautscheid. 

"Der Libra ist der Lackmustest für die globale Regulatorik des Finanzsystems. Wo Banking drin ist, sollte selbstverständlich für ein level playing field auch eine dafür geltende Regelsetzung gelten und kontrolliert werden, auch ohne das Argument der Systemrelevanz", fordert Dirk Solte, Chefredakteur der Versicherungswirtschaft, in seinem Kommentar in der September-Ausgabe

"China kündigt just in dieser Situation eine eigene Kryptowährung an. In einer Zeit, in der zunehmend das nationale Eigeninteresse an erster Stelle des politischen Anspruchs formuliert wird, ist es nicht auszuschließen, dass die Nationalität der Macher von Libra einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung in der G20 haben wird", so Solte.

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Bankenverband legt Positionspapier zum digitalen Euro vor

Und der Bundesverband deutscher Banken (Bankenverband, BdB) will nicht warten, bis die Entscheidung, ob, wie und wann E-Geld in der Wirtschaft relevant wird, von anderen getroffen wird. Das hat die Interessenvertretung Ende Oktober in einem Positionspapier klargestellt. Anlässlich der Vorstellung des elf Punkte umfassenden Katalogs forderte BdB-Chef Andreas Krautscheid eine europaweite E-Geld-Lösung, an der neben den nationalen Notenbanken und der EZB auch die Politik und die Wirtschaft mitarbeiten müssen. 

"Die digitale Souveränität Europas steht auf dem Spiel", warnte Krautscheid vor Journalisten. Und selbst wenn Libra nicht in der von Facebook angekündigten Form realisiert werde, arbeiteten andere US-Konzerne an ähnlichen Kryptowährungen. Auch aktuelle Entwicklungen in China mahnten zum schnellen Handeln. Acht Jahre, die die Branche zur Umsetzung der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 hatte, stünden in diesem Fall nicht zur Verfügung. 

Als besondere Treiber nannte Krautscheid vor allem die digitalen Entwicklungen in der Industrie, die einen digitalen Euro zur Steigerung der Prozesseffizienz nötig mache. "Wir brauchen ein solches Instrument für die Industrie 4.0 und das Internet of Things", so der BdB-Hauptgeschäftsführer. Insbesondere Smart Contracts, an und mit denen die Industrie bereits vorgeschritten arbeitet, seien ein wichtiger Treiber. "An diesen sind meist Zahlungsvorgänge geknüpft, zu der die aktuelle Zahlungswelt in Europa und Deutschland nicht passt." 

Erste E-Geld-Projekte in der Automobilwirtschaft 

Als Beispiel diente ihm Daimlers "Truck Wallet". Die Lkw-Sparte des Autobauers arbeitet daran, Lkw zu befähigen, selbstständig mit anderen Maschinen zu kommunizieren und dabei rechtsverbindlich Transaktionen wie Bezahlvorgänge durchzuführen. In einem Pilotprojekt hat das Unternehmen dazu die digitale Truck-ID und die dazugehörige Truck Wallet entwickelt. Gemeinsam mit Partnern, darunter auch Main Incubator, die F&E-Einheit der Commerzbank, entwickelte und führte das Unternehmen bereits einen automatischen Bezahlvorgang an einer Elektro-Ladesäule erfolgreich durch. 

"Unser Ziel ist, Lkw zukünftig in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen zu eigenständigen Akteuren zu machen. Fahrer können sich dadurch stärker auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren und Transportunternehmen profitieren von einer deutlichen Reduktion des Administrationsaufwands und sichereren Prozessen", erläuterte Projektleiter Helge Königs von Daimler Trucks, bereits im August die Idee hinter dem Projekt.

Politik muss Rahmen für digitales Geld schaffen

Das Beispiel zeige, so Krautscheid, wie wichtig es sei, sich nicht in Abhängingkeiten von Dienstleistern zu begeben, die außerhalb Europas sitzen. Dabei sieht der BdB-Chef die Banken in der Pflicht, Lösungen zu entwickeln und sich an laufenden Diskussionen zu beteiligen. "Aber wir können keine Rahmenbedingungen setzen." Das müssen Regulatoren in die Hand nehmen, um die notwendige Rechtssicherheit zu gewährleisten. Innerhalb dieses Rahmens seien dann auch kundenspezifische Entwicklungen möglich, ohne das es zu einem "Flickenteppich von proprietären E-Geld-Lösungen" komme. 

Vorerst kein E-Euro für Jedermann

Eine Absage erteilte der Verband vorerst allerdings einer Einführung eines digitalen Euros auch für Privatleute, wie er zum Beispiel in Schweden forciert wird. Dort arbeitet die schwedische Reichsbank an der sogenannten E-Krona. Bargeld wird in dem skandinavischen Land ohnehin kaum genutzt und so testet die Notenbank bereits seit einigen Monaten die Einführung einer Kryptowährung auf Blockchain-Basis. 

Doch auch in Schweden agierte die Reichsbank nicht aus eigenen Antrieb, wie Andreas Hanl und Jochen Michaelis im Beitrag "Digitales Zentralbankgeld als neues Instrument der Geldpolitik" der Zeitschrift Wirtschaftsdienst (Ausgabe 5 | 2019) schreiben. "Der Vormarsch elektronischer Zahlungsmittel geht häufig mit einer Privatisierung der Zahlungsinfrastruktur einher", so die Autoren. In Schweden haben zum Beispiel fünf große, nationale Institute die App "Swish" konzipiert. "Zahlungen via Swish werden in einem eigenen Clearing-System bearbeitet, die Zahlungsströme laufen zur Gänze an der schwedischen Zentralbank (...) vorbei. Die Reichsbank sah und sieht sich damit doppelt herausgefordert", sagen Hanl und Michaelis. Und das Institut habe die Herausforderung angenommen. Die Autoren führen aus: 

Fast alle maßgeblichen Zentralbanken weltweit beschäftigen sich derzeit mit dem Pro und Contra des digitalen Zentralbankgelds, jedoch ist Schweden, neben Uruguay, Vorreiter bei der Konkretisierung und Umsetzung der Pläne. Dieser Beitrag skizziert die Konzeption des digitalem Zentralbankgelds und diskutiert seine Eigenschaft als zusätzliches geldpolitisches Instrument."

Industrie hat dringendsten Bedarf an E-Geld-Lösungen

In Deutschland gehen die Ideen laut Krautscheid allerdings nicht so weit, jeden Bürger mit digitalem Geld zu versorgen. Er bezeichnete das Risiko für die Stabilität des Finanzsystems als zu groß. Ungeklärt sei, wie Private in den Besitz des digitalen Notenbankgeldes kommen sollen. Anders als in der Industrie, wo digitales Geld jetzt schon notwendige Erfordernisse innerhalb der Wertschöpfungsketten erfüllen könne, gebe es in der Privatwirtschaft kaum sinnvolle Einsatzgebiete, da etwa Instant-Payment-Angebote beispielsweise im Handel gut funktionieren. "Es lässt sich aber nicht ausschließen, dass es in der ferneren Zukunft dazu kommt. Aber dieser Schritt würde das Bankensystem grundlegend verändern", so Krautscheid. 

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