Skip to main content
main-content

14.07.2021 | Digitale Währungen | Nachricht | Onlineartikel

EZB startet Projekt zum digitalen Euro

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 Min. Lesedauer

Die EZB will in einem Projekt untersuchen, wie ein digitaler Euro in Zukunft aussehen könnte. Ein Ja zur Einführung des digitalen Zentralbankgeldes ist das noch nicht. Dabei wünscht sich ein Großteil der deutschen Unternehmen laut Bitkom dieses E-Geld.

"Wir beginnen jetzt damit, zu untersuchen, wie ein digitaler Euro aussehen könnte. Diese Untersuchungsphase fängt im Oktober 2021 an und wird rund zwei Jahre dauern", kommentiert die Europäische Zentralbank (EZB) ihre aktuelle Entscheidung, in einem Projekt das digitale Zentralbankgeld, auch Central Bank Digital Currency (CBDC) genannt, auf Herz und Nieren zu prüfen. Zugleich stellt das Institut klar, dass dieses Projekt nicht automatisch zum digitalen Euro führen muss.

Das Institut wolle vielmehr prüfen, "wie ein digitaler Euro gestaltet und an Händler und Privatpersonen verteilt werden könnte". Zudem werden die Auswirkungen auf den Markt und notwendige Änderungen europäischer Rechtsvorschriften untersucht. "Sobald die Untersuchungsphase abgeschlossen ist, werden wir entscheiden, ob wir mit der Entwicklung eines digitalen Euro beginnen", heißt es weiter. Für mögliche Lösungen und die Testphase will die EZB im Anschluss mit Banken und Unternehmen zusammenarbeiten, die die Technologie und die Zahlungsdienstleistungen bereitstellen könnten. Insgesamt werde Einführung eines digitalen Euro mindestens fünf Jahre dauern, schätzt das Institut. 

E-Geld-Bedarf in der deutschen Wirtschaft

Das ein entsprechender Bedarf in der Wirtschaft vorhanden ist, davon ist der Digitalverband Bitkom überzeugt. Eine aktuelle, repräsentative Telefon-Umfrage im Auftrag des Verbands unter mehr als 650 Verantwortlichen für digitale Technologien beziehungsweise Blockchain in Unternehmen ab 50 Mitarbeitern in Deutschland hat ergeben, dass "drei Viertel (78 Prozent) aller Unternehmen wollen, dass die EZB einen digitalen Euro einführt. Nur jedes Fünfte (20 Prozent) hält nichts von solchen Plänen."

"Andere Nationen sind bei digitalem Zentralbankgeld schon weiter und haben bereits Pilotprojekte gestartet. Wir müssen unser Tempo erhöhen, um diesen Vorsprung aufzuholen", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. "Europa sollte bei digitalem Zentralbankgeld eine weltweit führende Rolle anstreben. Der digitale Euro ist ein ganz zentrales Element einer digital souveränen EU."

Deutsche Kreditwirtschaft ist mit EZB-Plänen nicht zufrieden

Auch die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) betrachtet den digitalen Euro als unerlässlich für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und seiner Unternehmen. In einem aktuellen Statement heißt es: "Ein digitaler Euro wie ihn die EZB andenkt, reicht dafür nicht aus. Es braucht zusätzlich sowohl tokenisiertes Giralgeld als auch tokenisiertes Zentralbankguthaben, um unsere Volkswirtschaft sicher in die Zukunft zu begleiten." 

Die Banken und Sparkassen nehmen laut Joachim Schmalzl, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) und aktueller Federführer der DK, "eine zentrale Rolle im Wirtschaftskreislauf" ein. Diese stabile Liquiditätsversorgung könne nur erhalten bleiben, wenn die EZB alle drei heutigen Geldarten in das Projekt einbezieht. 

Ökosystem innovativer Geldformen

Dabei hat die DK ganz konkrete Vorstellungen für ein Ökosystem innovativer Geldformen, das sie Anfang Juli 2021 in einem Grundlagenpapier zusammengefasst hat. Demnach müsse das E-Geld für Verbraucher funktionieren wie eine digitale Banknote. "Wie Bargeld sollte er weder verzinst noch programmierbar sein. Auch sollte ein digitaler Euro offlinefähig sein, sodass Zahlungen ohne Internetzugang erfolgen können", lauten die DK-Forderungen. 

Der digitale Euro sollte den Menschen in Europa durch Kreditinstitute über elektronische Portemonnaies, sogenannte CBDC-Wallets, zur Verfügung gestellt werden. "Dabei sollte die Menge an digitalen Euros durch eine Obergrenze pro Wallet limitiert werden, die sich beispielsweise am typischen Zahlungsbedarf orientieren könnte." Nicht zuletzt müsse die EZB in ihrem Projekt die Anonymität des digitalen Euro betrachten, die Verbraucher am Bargeld sehr schätzen.  

E-Euro ist einfaches und sicheres Zahlungsmittel

Laut Zentralbank würde "ein digitaler Euro sicherstellen, dass die Menschen im Euroraum weiterhin kostenlosen Zugang zu einem einfachen, allgemein akzeptierten, sicheren und verlässlichen Zahlungsmittel haben", heißt es auf dem Portal der EZB. Der E-Euro sei das digitale Pendant zu physischen Banknoten. "Er würde als Geld in elektronischer Form vom Eurosystem (der EZB und den nationalen Zentralbanken des Euroraums) ausgegeben und könnte gleichermaßen von Privatpersonen und Unternehmen verwendet werden", heißt es weiter.

Ziel sei es aber nicht, das Bargeld durch digitales Geld zu ersetzen. Mit dem E-Euro werde lediglich eine weitere Zahlungsart zur Auswahl stehen, die "das Bezahlen einfacher machen und so zu Verfügbarkeit und Inklusion beitragen" soll. Die bisherige praktische Erprobung, die eine spezielle Task Force im Herbst 2020 übernommen hatte, habe gezeigt, dass es keine größeren technologischen Beschränkungen hinsichtlich der Einführung eines digitalen Euros gibt, und dass viele Gestaltungsmöglichkeiten bestehen. 

Unternehmen ziehen E-Euro anderen Digitalwährungen vor

Unternehmen in Deutschland geben dem digitalen Euro im Vergleich zu anderen staatlichen oder privaten Digitalwährungen den Vorzug, da diese europäische Werte untergraben könnten (78 Prozent). Zwei Drittel (69 Prozent) schätzen zudem, dass damit auf dem künftigen Kapitalmarkt mit tokenisierten Wertpapieren nahtlose Zahlungs- und Abwicklungsprozesse möglich werden. 64 Prozent sehen außerdem einen Vorteil darin, dass auch bei abnehmender Bedeutung von Bargeld im digitalen Zeitalter den Bürgern der direkte Zugang zur Zentralbank erhalten bleibt. 

Sechs von zehn befragten Unternehmen erwarten, dass ein digitaler Euro es der EZB in Krisenzeiten ermöglicht, neue geldpolitische Instrumente wie etwa Negativzinsen effektiver umzusetzen. Und immerhin 40 Prozent sehen den Bedarf für einen digitalen, programmierbaren Euro in der Industrie, um Zahlungsprozesse zu automatisieren. "Damit könnten sich zum Beispiel Machine-to-Machine-Zahlungen im Internet of Things umsetzen lassen", so der Bitkom. Nur elf Prozent sind der Meinung, ein digitaler Euro habe überhaupt keine Vorteile.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.02.2021 | Strategie | Ausgabe 2-3/2021

Digitaler Euro braucht noch Zeit

01.03.2021 | Kurz kommentiert | Ausgabe 3/2021 Open Access

Wie steht es um den digitalen Euro?

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise