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Über dieses Buch

Öffentlichkeit und öffentliche Kommunikation bleiben auch in der digitalen Ära konstitutiv für die moderne, demokratische Gesellschaft. Allerdings ist die Öffentlichkeit einem fundamentalen Wandel ausgesetzt. Dieser Band beschäftigt sich aus einer sozial-, medien- und kommunikationswissenschaftlichen Sicht mit dem digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit. Er stellt die Frage nach der historischen Bewertung und den gesellschaftlichen Konsequenzen des digitalen Öffentlichkeitswandels, aber auch danach, mit welchen theoretischen Konzepten digitale Öffentlichkeiten adäquat modelliert werden können.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Dem digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit auf der Spur – Zur Einführung

Zusammenfassung
Nachdem das Mediensymposium in der Vergangenheit immer wieder grundlegende Fachdebatten etwa zum Begriff der „Mediengesellschaft“ animieren konnte, stellte es in seiner letzten Tagung das Thema digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit zur Diskussion. Der digitale Transformationsprozess der öffentlichen Sphäre sollte historisch verortet und es sollte kritisch reflektiert werden, inwieweit bestehende Modelle und Theorien von „Öffentlichkeit“ noch tragen. Es interessierte, wie sich die öffentliche Kommunikationslogik als Folge von Datafizierung und Algorithmisierung verändert, welche Folgen sich daraus für die kommunikative Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit ergeben und wie diese Veränderungen empirisch erfasst werden können. In dieser Einleitung werden die wesentlichen Erträge dieses Sammelbandes zusammengefasst.
Mark Eisenegger

Perspektiven und Modelle von Öffentlichkeit im digitalen Strukturwandel

Dritter, digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit als Folge der Plattformisierung

Zusammenfassung
Als wesentliche Ursache des in diesem Beitrag elaborierten dritten, digitalen Strukturwandels der Öffentlichkeit werden nicht Prozesse der Digitalisierung per se gesehen, sondern eine spezifische Facette derselben, nämlich die sogenannte Plattformisierung. Unter dem Begriff wird der gesellschaftliche Bedeutungsaufstieg digitaler Tech-Plattformen (u. a. Google, Facebook) seit den 2010er Jahren verstanden sowie der damit verbundene Prozess des fortschreitenden Eindringens infrastruktureller und regelsetzender Plattform-Elemente in die Internet-Ökosysteme, was nicht nur die Medienöffentlichkeiten einem fundamentalen Transformationsprozess aussetzt, sondern auch die Gesellschaft insgesamt. In diesem Beitrag wird der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit als Folge der Plattformisierung beschrieben und ein theoretisches Modell der Plattform-Öffentlichkeit entwickelt.
Mark Eisenegger

Öffentlichkeitswandel durch Social Media – Auswirkungen der Plattformisierung auf die gesellschaftliche Vermittlungsstruktur

Zusammenfassung
Institutions matter: Ob man entweder publizistische Medien oder den Journalismus als jeweils eigene Institutionen oder beide als eine (integrale) Institution begreift, das ist in der Kommunikationswissenschaft zwar umstritten, aber Journalismus wie Medien werden grundsätzlich als Institutionen verstanden. Und sie werden als Institutionen aufgefasst, die die Strukturen der Öffentlichkeit prägen und gesellschaftliche Kommunikationsprozesse maßgeblich – vielleicht sogar dominant – beeinflussen. Oder muss es nun richtiger heißen: Geprägt wie beeinflusst haben? Der mit dem Internet beginnende technische Medienwandel, konkret: die Plattformisierung, zeigt immer mehr sozio-kulturelle wie sozio-politische Folgen: neue Akteure, neue Prozesse und neue Öffentlichkeitsstrukturen.
Otfried Jarren

Die Öffentlichkeit der Plattformen: Wechselseitige (Re-)Institutionalisierung von Öffentlichkeiten und Plattformen

Zusammenfassung
Dieser Beitrag schlägt vor, den gegenwärtigen tiefgreifenden Wandel der gesellschaftlichen Kommunikation als einen Prozess zu verstehen, der maßgeblich durch die wechselseitige (Neu-)Institutionalisierung von Öffentlichkeiten und Plattformen geprägt ist. Es wandeln sich in diesem Prozess nicht nur Medienstrukturen und Öffentlichkeiten, sondern auch die Plattformen. Die neuen Plattformen selbst sind kontingent - mit anderen Worten: Sie könnten auch anders sein. Im Beitrag wird zunächst eine institutionentheoretische Perspektive auf Medienwandel und Plattformen eingeführt, die an die jüngere Wiederentdeckung der Institutionentheorie in der Kommunikationswissenschaft anknüpft. Mithilfe dieses Rahmens wird dann zuerst knapp die intensive und umfassende Forschung zum Öffentlichkeitswandel resümiert und die von Plattformen mitgestaltete Neu-Institutionalisierung von Öffentlichkeit rekonstruiert. Darauf folgt die andere Facette der wechselseitigen Institutionalisierung: Die Institutionalisierung von Plattformen wird nachgezeichnet als nicht-linearer Prozess, der nicht allein von technischen und ökonomischen Überlegungen der Plattformen abhängt, sondern ebenso von politischen und gesellschaftlichen Kontroversen.
Christian Katzenbach

Öffentlichkeit als dynamisches Netzwerk

Zusammenfassung
Durch die Verbreitung von Social Media-Plattformen und ihren Funktionalitäten zur Vernetzung von Akteuren liegt es nahe, die im Internet entstehenden Formen öffentlicher Kommunikation als Netzwerk zu verstehen. Darauf aufbauend soll unser Aufsatz zeigen, dass die Netzwerköffentlichkeit keineswegs auf Online-Plattformen beschränkt ist, mehr als eine eingängige Metapher ist sowie als Basis für eine theoretische und empirische Analyse verschiedener Kommunikationsformen hilfreich ist.
Thomas N. Friemel, Christoph Neuberger

Worum geht es? Die Bedeutung von Themen für den Strukturwandel der (digitalen) Öffentlichkeiten

Zusammenfassung
Analysen des Strukturwandels von Öffentlichkeiten gehen üblicherweise von der technologisch-ökonomischen Struktur aus, sie konzentrieren sich auf die technischen Geräte und Infrastrukturen sowie die daraus sich ergebenden Veränderungen bis hin zu neu entstehenden Organisationen und Institutionen. Im Fokus stehen dann beispielsweise die digitale Netzstruktur und die Plattformbetreiber wie Facebook, Twitter und Youtube. Mit diesem Beitrag soll eine andere Perspektive eingenommen werden: Im Vordergrund der Beobachtung des Strukturwandels der Öffentlichkeiten stehen Themen.
Klaus-Dieter Altmeppen, Tanja Evers

Die Rückkehr der Gemeinschaft im digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Der Beitrag plädierte dafür, trotz seiner definitorischen Unschärfe das Konzept der Gemeinschaft und die sie konstituierende Kommunikation zum Ausgangspunkt neuer Perspektiven und Modelle von Öffentlichkeit zu machen. Die durch die Digitalisierung verstärkte Ausdifferenzierung öffentlicher Kommunikation lässt sich, so die These, ohne Bezüge zu Identitäten, Wir-Gefühlen, gemeinsamen Normen und Werten nicht beschreiben.
Patrick Donges

Öffentlichkeit als ,Moving Target‘: Die Komplexität der Teilhabe an politischer(n) Öffentlichkeit(en) im digitalen Zeitalter

Zusammenfassung
Digitalisierungs- und Datafizierungsprozesse transformieren nicht nur die Vielzahl gesellschaftlicher(n) Öffentlichkeit(en) und ihre alltägliche Beobachtbarkeit, sondern auch die wissenschaftliche(n) Beobachterperspektive(n) und damit auch die theoretische Modellierung von Öffentlichkeit. Die kommunikationswissenschaftliche Öffentlichkeitsforschung muss sich also der doppelten Herausforderung stellen, dass sie nicht nur ein ‚Moving Target‘ infolge der Transformation von Öffentlichkeit durch Digitalisierung, sondern vielmehr ein ,Changing Target‘ infolge der Veränderung von Beobachtung und Beobachtbarkeit durch Digitalisierung fokussiert.
Das im Beitrag vorgestellte Öffentlichkeitsmodell rekonstruiert Öffentlichkeit als gesellschaftlichen Selbstverständigungsprozess, ohne dass auf der Mikroebene des Subjektbezugs oder der Makroebene der Systemfunktion die alleinige Kausalität verortet wird. Die Partizipationspotentiale des digitalen Zeitalters machen transparent, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Dimensionen und Kontexten von Öffentlichkeit nicht starr festgelegt ist, sondern immer neue Konstellationen hervorbringen kann.
Jeffrey Wimmer

Foren öffentlicher Kommunikation im Netz – Zur Anwendbarkeit des Arenenmodells im digitalen Zeitalter

Zusammenfassung
Aufgrund des digitalen Wandels rückt Öffentlichkeit wieder verstärkt in den Fokus der kommunikationswissenschaftlichen Fachdiskussion. In dieser Auseinandersetzung mit dem Gegenstandsbereich des Faches und seiner zukünftigen Ausrichtung zeigt sich deutlich der zentrale Stellenwert von Öffentlichkeit als Fluchtpunkt für die Erklärung gesellschaftlicher Phänomene aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Wenn nun Öffentlichkeit wieder in den Mittelpunkt des Faches rückt, stellt sich erneut – und aufgrund der immer stärker voranschreitenden Digitalisierung noch drängender – die Frage, wie Öffentlichkeit zu beschreiben und zu erfassen ist.
Michael Wild

Öffentlichkeit als Differenzierungsderivat – Anmerkungen zu einem soziologischen Grundbegriff im Zeitalter der Digitalisierung

Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird vorgeschlagen, den Begriff der Öffentlichkeit von dem Begriff des Netzwerkes zu unterscheiden und als Derivat sozialer Differenzierung zu begreifen: Um füreinander anschlussfähig zu sein, müssen sich Personen, politische Gruppen oder Organisationen in einer differenzierten Umwelt an einer gemeinsamen und in diesem Sinne öffentlichen Verständigungsebene (lingua franca) orientieren. Aus diesem Begriffsverständnis folgt, dass politische Gruppierungen im Netz bestimmten Mechanismen der Selbstzensur unterliegen, sobald sie versuchen, politischen Einfluss innerhalb wie außerhalb der Netzwelt auszuüben. In meinem Beitrag prüfe ich diese Hypothese am Beispiel der amerikanischen Alt-Right.
Teresa Griebau

Irritationsgestaltung in der Plattformöffentlichkeit

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag diskutiert die Frage, welche veränderten Irritationspotenziale für zivilgesellschaftliche Initiativen mit der zunehmenden informationstechnischen Durchdringung der Gesellschaft verbunden sind. Der erste Abschnitt diskutiert die sich wandelnden soziotechnischen Infrastrukturen der öffentlichen Kommunikation. Der zweite Abschnitt beleuchtet anhand empirischer Fallskizzen, welche Problemstellungen der zivilgesellschaftlichen Irritationsgestaltung sich in diesem veränderten Umfeld unkomplizierter überwinden lassen und welche Probleme neu entstehen. Daran anknüpfend expliziert der Beitrag die These, dass trotz des medientechnischen Infrastrukturwandels basale Selektionsschwellen in der gesellschaftlichen Gegenwartsbeschreibung erhalten bleiben, deren Überwindung ein hohes Maß an kommunikativer Persistenz verlangt.
Jan-Felix Schrape

Öffentlichkeit als Zeichenorganisation: Strukturwandel von 1.0 bis 4.0?

Zusammenfassung
In diesem Beitrag geht es um die Frage, wie Öffentlichkeit als kommunikatives Organisationsprinzip politischer Ordnung sich mit den digitalen Medien ändert. Es ist insofern buchstäblich ein Beitrag, da die Beantwortung dieser Frage äußerst komplex ist und noch weiter sowohl in ihren theoretischen Bezügen als auch empirisch untersucht werden muss. Hier geht es zunächst darum, die mit den neuen Medienformen zusammenhängenden Organisationsprinzipien analytisch in den Blick zu nehmen. Mein Ausgangspunkt ist dabei ein dynamisches Konzept zur Analyse von Öffentlichkeit.
Kornelia Hahn

Strukturwandel der Öffentlichkeit aus der Perspektive einer Theorie der Spätmoderne

Zusammenfassung
Dieser Beitrag möchte die gesellschaftstheoretisch fundierte Diskussion des neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit fortführen und dabei einen neuen Ansatz aufgreifen, der von dem Kultursoziologen Andreas Reckwitz unter dem Titel „Die Gesellschaft der Singularitäten – Zum Strukturwandel der Moderne“ vorgelegt wurde. Dazu wird dieser Theorieentwurf vorgestellt, diskutiert und auf seine Potenziale für eine Theorie von Öffentlichkeit unter Bedingungen eines neuerlichen Strukturwandels hin geprüft. Im Fokus steht die Frage, welche Einsichten durch die Unterscheidung der sozialen Logiken des Allgemeinen und Singulären (sowie die damit verbundene These ihrer Umstellung) gewonnen werden können – und wie sie sich mit derzeitigen Überlegungen in der Öffentlichkeitstheorie verbinden lassen. Darüber hinaus wird ein Vorschlag unterbreitet, wie der theoretischen Herausforderung begegnet werden kann, derzeitige Strukturveränderungen von Gesellschaft und Öffentlichkeit aus einer fachlichen Tradition heraus angemessen zu beobachten und zu beschreiben, die sich begrifflich und theoretisch in der industriellen Moderne entwickelt hat.
Christian Strippel

Der digitale Strukturwandel aus zeitgeografischer Perspektive

Zusammenfassung
Im Roundtable 1 des Mediensymposiums wird die Frage aufgeworfen, ob der derzeitig beobachtbare digitale Transformationsprozess als Vertiefung der ökonomischen Eigenlogik des Systems, also des zweiten Strukturwandels der Öffentlichkeit, beschrieben werden kann oder ob wir es mit einem dritten Strukturwandel zu tun haben, bei dem die Logik der Algorithmen eine Fundamentalzäsur darstellt. Dieser Beitrag möchte diese Frage anhand von Überlegungen zum Faktor Zeit und Zeitgestaltung durch Anbieter und Rezipienten von Medieninhalten beantworten. Die Bedeutung der Zeit im Kommunikationsprozess lässt sich mit Rückgriff auf Norbert Elias begründen, für den jegliches Medienhandeln auch Zeithandeln ist, und zwar sowohl auf Seiten der Rezipienten als auch auf Seiten der Kommunikatoren.
Olaf Jandura

Intermediäre Öffentlichkeit als Epochenbruch: Zeitvergleich mit Öffentlichkeitsmodellen

Zusammenfassung
Der Beitrag konzentriert sich auf den Strukturwandel von Öffentlichkeit und sucht eine Antwort auf die Frage, ob es sich beim digitalen Transformationsprozess um eine fundamentale Zäsur in der Öffentlichkeitsgeschichte handelt. Die Antwortsuche führt über einen medien- und öffentlichkeitssoziologisch ausgerichteten Langzeitvergleich von Öffentlichkeitsstrukturen beginnend ab archaischen Gesellschaften bis in die digitale Gegenwart. Maßgebend für die Deutung als Epochenbruch ist, dass sich mit der (digitalen) intermediären Öffentlichkeit die Möglichkeiten Informationsangebote zu produzieren und zu nutzen und damit die öffentlichkeitpolitischen Erwartungsstrukturen bzw. das politisch einforderbare Demokratisierungspotenzial von Öffentlichkeit grundlegend verändert haben.
Edzard Schade

Digitale Kommunikationslogiken und ihre gesellschaftlichen Folgen

Von der Logik der Öffentlichkeit zu Mechanismen öffentlicher Kommunikation

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag verfolgt zwei miteinander verbundene Problemstellungen. Zum einen verfolgen wir die Frage, welche veränderten medialen und sozialen Aspekte bestehende Modelle öffentlicher Kommunikation für eine Analyse der Folgen des Medienwandels stärker in den Blick nehmen sollten. Zum anderen gehen wir der Frage nach, in welcher Form bestehende Modelle öffentlicher Kommunikation für die Analyse dieser Veränderungen anwendbar und übertragbar sind bzw. an welchen Stellen Erweiterungen notwendig erscheinen.
Udo Göttlich, Martin R. Herbers

Maßlos überschätzt. Ein Überblick über theoretische Annahmen und empirische Befunde zu Filterblasen und Echokammern

Zusammenfassung
Seit einigen Jahren sind zwei einprägsame Metaphern im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs allgegenwärtig – Filterblasen und Echokammern. Beide beschreiben plakativ die Gefahr, dass Menschen sich in eine Welt zurückziehen oder in sie befördert werden, in der sie nur noch Themen, die sie interessieren, und Meinungen, die sie selbst vertreten, zur Kenntnis nehmen (müssen). Bei der Entstehung solcher Enklaven wird algorithmisch gesteuerten Informationsquellen (insbesondere sozialen Medien und Suchmaschinen) eine Schlüsselrolle zugewiesen. Der Beitrag gibt einen Überblick über theoretische Annahmen und empirischen Forschungsstand zu Filterblasen und Echokammern. Er macht deutlich, dass die pauschalisierenden Annahmen beider Metaphern der tatsächlichen Komplexität politischer Meinungsbildungsprozesse nicht gerecht werden und dass die impliziten Personalisierungsmechanismen von Algorithmen bisher überschätzt wurden.
Birgit Stark, Melanie Magin, Pascal Jürgens

Die Lüge im digitalen Zeitalter – Simmel und die „geheime Gesellschaft“

Zusammenfassung
Dieser Beitrag widmet sich einer theoretischen Herleitung des Desinformations-Begriffes, unter Berücksichtigung von Georg Simmels Ausführungen zur „Psychologie und Soziologie der Lüge“ (Simmel 1992 [1899]) und dem „Geheimnis und die geheime Gesellschaft“ (Simmel 1968 [1908]). Dabei geht es erstens darum, den Begriff der Desinformation zu schärfen, und zweitens die potenziellen Folgen derselben für die soziale Ordnung und die Demokratie zu erörtern.
Lisa Schwaiger

Neue Öffentlichkeitsdynamiken: Zu selbstverstärkenden, plattformübergreifenden Effekten von ‚Popularität‘

Zusammenfassung
Dieser Beitrag entwickelt einen konzeptionellen Rahmen, der die Unterscheidung verschiedener Dimensionen von Datafizierung sowie die Beobachtung von deren Ineinanderwirken ermöglicht. Um dies zu veranschaulichen, wird das entwickelte Analyseschema auf ein Fallbeispiel angewendet: den US-amerikanischen Wahlkampf 2016 und insbesondere die Kommunikation über die Präsidentschaftsdebatten.
Silke Fürst

Die Vierte Gewalt reloaded – Kontrolle, Kritik und Initiative in der digitalen Gesellschaft

Zusammenfassung
Vierte Gewalt wird standardmäßig über die beiden Funktionen der Kontrolle und Kritik definiert. Dabei wird eine dritte Funktion unterschlagen, die noch am Beginn der Diskussionen um Vierte Gewalt im Deutschsprachigen gleichberechtigt war: die Initiative. Der Beitrag verknüpft diese historische Bestimmung mit gegenwärtigen Entwicklungen, indem er aktuelle Initiativen, die „Mächtigen der Welt“ einzuhegen, beleuchtet.
Marc Mölders

Demokratische Internet-Öffentlichkeit?

Zur Zugänglichkeit von Information in der digitalen Medienwelt
Zusammenfassung
Ausgehend von den Wahlerfolgen „rechtspopulistischer“ Parteien wie AfD, SVP und FPÖ orientiert sich die Argumentation an der Frage, ob der durch den Umbruch der Parteienlandschaften angezeigte Verfall demokratischer Kultur durch den digitalen Strukturwandel von Öffentlichkeit aufgehalten oder beschleunigt wird. Im ersten Schritt wird aus fachhistorischer Perspektive die These begründet, dass der Widerspruch zwischen anpreisender (politischer) Werbung und PR auf der einen und kritischem Journalismus auf der anderen Seite seit langem die Legitimität von Demokratie in Überflussgesellschaften unterhöhlt. Danach wird gefragt, ob der digitale Strukturwandel von Öffentlichkeit diesem Delegitimierungsprozess entgegenwirkt. Die Digitalisierung erhöht zwar die Zugänglichkeit von Informationen aller Art, aber die Analyse nach den Kriterien Richtigkeit, Relevanz, Aktualität und Rationalität zeigt, dass in der digital gewachsenen Öffentlichkeit Informationen an Bedeutung gewinnen, an denen kaum öffentliches Interesse besteht. Abschließende Thesen zu Handlungsoptionen in dieser für die demokratische Kultur bedrohlichen Situation zielen auf historisch sensible Medienbildung, öffentliche Unterstützung des Journalistenberufs, Festhalten an grundlegenden Öffentlichkeitstheorien und eine neue, stärker am Gemeinwohl orientierte Kommunikationsordnung.
Horst Pöttker

Von kollektiver zu konnektiver Logik? Mediennutzung und politisch-gesellschaftliche Beteiligung im Zeit- und Ländervergleich

Zusammenfassung
Die sozialen Medien haben keinen guten Ruf. Sie werden in der öffentlichen Debatte häufig mit Fake News, Hate Speech und einer kurzfristig aufflammenden Erregungskultur assoziiert. Andererseits lassen allein die radikal reduzierten Kommunikationskosten – auch jenseits einer überspannten Erwartung einer deliberativen Öffentlichkeit im Internet – eine partizipationsfördernde Wirkung vermuten.
Maren Beaufort, Josef Seethaler

Dominante Strukturen und Akteure der Digitalisierung: von „Digital Divide“ auf Mikro-Ebene zu „Digital Inequality“ auf Makro-Ebene

Zusammenfassung
Die rasche Verbreitung des Internets in den meisten westlichen Ländern ging mit verschiedenen Phänomenen des ungleichen Zugangs zum Internet und der unterschiedlichen Nutzung des Internet einher. Der Beitrag befasst sich im ersten Teil mit der Entwicklung der wichtigsten theoretischen Perspektiven und empirischen Befunde für digitale Unterschiede auf Mikroebene wie Klüfte bezüglich Bildung, Alter, Geschlecht oder ethnischer Herkunft. Der zweite Teil fokussiert auf die politökonomische Makro-Perspektive der globalen Akteure, Strategien und Auswirkungen des Plattform- und Überwachungskapitalismus im digitalen Strukturwandel der Gesellschaft. Abschließend werden politische Implikationen diskutiert und Empfehlungen formuliert.
Heinz Bonfadelli, Werner A. Meier

Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit in einer „liquid society“

Zusammenfassung
Der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit befördert eine umfassende Auflösung von gewohnten Grenzen. Es bilden sich neue hierarchische Machtgefüge heraus, die einen kapitalistischen und auch absolutistischen Sog mit spezifischen „Capture“-Effekten ausüben. Die Digitalisierung als Treiberin des technischen Wandels und die Plattformisierung als Treiberin des kommunikativen Wandels bewirken eine kontinuierliche Transformation der Gesellschaft und implizieren eine Veränderung des öffentlichen Diskurses sowie der Beobachtungsinstanz Journalismus. Die Konstante ist der ständige Wandel, wobei sich die Bedingungen (automatisierte Entscheidungsprozesse; Predictive Analytics, Tracking-Prinzipien etc.) nicht selten wieder ändern, kaum hat man sich auf sie eingestellt. Der Soziologe Zygmunt Bauman definiert dies als Ausdruck einer „liquid society“. „Liquidity“ ist für ihn ein wegleitendes Merkmal, das die (Post-)Moderne beschreiben hilft – bis hin zur „liquid surveillance“, der vor allem datengetriebenen Überwachung der Gesellschaft. Der Beitrag erläutert Begrifflichkeiten und Effekte der „liquidity“ von Gesellschaft, Demokratie und Journalismus, sowie „Capture“-Effekte durch die Plattformisierung der Öffentlichkeit. Auf dieser Basis wird entlang von Beispielen analysiert, inwiefern eine erneuerte Art des öffentlichen Diskurses und der Gesellschaftsbeobachtung in einem Umfeld sich verschiebender Grenzen („liquid boundaries“) erwachsen kann. Als Fazit folgt eine mediengeschichtliche Einordnung der Entwicklungen von Demokratie, Medientechnologien und Medienlandschaften.
Marlis Prinzing

Gegenstand der Medien- und Kommunikationswissenschaft in der digitalen Ära

Frontmatter

Artificial Companions, Social Bots und Work Bots: Kommunikative Roboter als Forschungsgegenstand der Kommunikations- und Medienwissenschaft

Zusammenfassung
Wir leben in Zeiten tiefgreifender Mediatisierung. Damit ist gemeint, dass unsere heutigen Gesellschaften mit digitalen Medien und Infrastrukturen so durchdrungen sind, dass diese konstitutiv geworden sind für die soziale Welt. Indem digitale Medien auf Software basieren, sind sie nicht nur Mittel der Kommunikation, sondern auch der fortlaufenden Datengenerierung und -auswertung geworden. Ausgehend von diesen Überlegungen wird in diesem Beitrag das Phänomen der kommunikativen Roboter als einem an Relevanz gewinnenden Gegenstand der Kommunikations- und Medienwissenschaft näher betrachtet. In einem ersten Schritt werden Artificial Companions, Social Bots und Work Bots als Beispiele kommunikativer Roboter beleuchtet, um so zu einer Grundlage der Beschreibung des Phänomens zu gelangen. Dies dient in einem zweiten Schritt dazu zu fassen, was die Herausforderungen einer kommunikations- und medienwissenschaftlichen Beschäftigung mit kommunikativen Robotern sind. Ausgehend hiervon wird dann deutlich gemacht, dass kommunikative Roboter an der Schnittstelle von automatisierter Kommunikation und kommunikativer Automatisierung zu sehen sind.
Andreas Hepp

Wie kann die Kommunikations- und Medienwissenschaft auf den Medienwandel reagieren?

Zusammenfassung
Im Zuge der Digitalisierung hat ein grundlegender Medienwandel stattgefunden. Gleichzeitig hat die Nutzung digitaler Kommunikation zulasten anderer Kommunikationsformen zugenommen. Innerhalb der Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW) dürfte weitgehender Konsens darüber bestehen, dass dieser Wandel stattgefunden hat und noch nicht abgeschlossen ist, dass er theoretisch berücksichtigt werden muss und empirische Forschung zukünftig verstärkt auf digitale Methoden angewiesen sein wird. Kein Konsens besteht darüber, 1) wie das Fach darauf reagieren sollte – etwa mit einem weiterentwickelten (ausgeweiteten?) Selbstverständnis.
Alexander Haas, Hans-Bernd Brosius

Die Sichtbarkeit des Journalismus in der digitalen Welt – Überlegungen zum Gegenstand der Kommunikationswissenschaft

Zusammenfassung
„Öffentliche Kommunikation“ war bisher eng mit journalistischen Publikationen verbunden. Unter den heutigen Bedingungen hat sich die Zahl und Heterogenität der Textproduzenten jedoch erhöht. Im Beitrag wird untersucht, ob sich mit Hilfe textimmanenter „Marker“ journalistische von anderen Texten unterscheiden lassen.
Anna Maria Theis-Berglmair

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