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Über dieses Buch

Nach der Bundestagswahl 2017 entflammte die Diskussion über das erneut schwache Abschneiden der SPD. Unbeirrt von Krisen-Erzählungen wagte die Partei die Flucht nach vorn: Mit dem zweijährigen Reformprojekt #SPDerneuern sollten fortan digitale Instrumente und Strukturen die Sozialdemokratie anschlussfähiger, offener und moderner machen. Jung, weiblich und digital wolle man werden. Mit Generalsekretär Lars Klingbeil an der Spitze ernannte sich die SPD zur digitalen Mitmachpartei: Vernetzte Parteiarbeit sei jetzt zeitgemäß über Debattenportal, Online-Umfragen und einen Telegram-Kanal möglich. Wie erklärt sich, dass die SPD lange vor der Corona-Pandemie massiv auf digitale Kommunikation und Beteiligung setzte? Welche Ziele verfolgte die neue Parteiführung und an welchen Stellen zeigte die Partei Widerstand im Reformprozess? Diesen und weiteren Fragen geht die Studie auf die Spur und gibt bislang unbekannte Einblicke in die innerparteiliche Organisation, in Führungsstrategien und die Parteikultur. Auf Basis einer Vielzahl von Experteninterviews, Parteidokumenten und Hintergrundgesprächen wurde dieser bislang nur schwer einsehbare Bereich hinter den Kulissen der SPD ausgeleuchtet. In der Frühphase des vernetzten Zeitalters zeigt sich so eindrucksvoll das Wechselspiel zwischen Politik und voranschreitender digitaler Transformation.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Ist die SPD noch zu retten? Viel wurde spekuliert, ob die „Krise der SPD“ nach der Bundestagswahl 2017 als Versagen der Parteiführung im harten Parteienwettbewerb zu interpretieren sei oder ob es sich um einen unaufhaltsamen Niedergang aufgrund des gesellschaftlichen Strukturwandels handele (Jun 2020; Merkel 2019). Vor dem Hintergrund einer „Parteiendemokratie in Bewegung” (Korte et al. 2018) wird in dieser Studie nachgezeichnet, wie sich die SPD mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen auseinandersetzt. Traditionell spielt eine solche Analyse mit Blick auf künftige Wahlerfolge eine Rolle (Jun 2020, S. 94–98), allerdings bedarf die hierfür herangezogene Erzählung des gesellschaftlichen Wandels, mit dem die Parteien sich konfrontiert sehen, dringend einer aktualisierten Fortsetzung. Einer der massivsten gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit fristet in der Parteienforschung noch immer ein Nischendasein (Borucki 2019, S. 125): Die Rede ist von der digitalen Transformation aller Lebensbereiche. Daher wird in dieser Studie der digitale Wandel der SPD-Parteiorganisation von 2017–2019 untersucht.
Dennis Michels

Kapitel 2. Forschungsstand der digitalen Parteienforschung

Zusammenfassung
Der Forschungsstand dient der Kontextualisierung des Untersuchungsgegenstands. Das Forschungsvorhaben wird außerdem durch den Forschungsstand begründet, indem die Forschungslücken aufgezeigt werden, die die Studie füllt. In drei Abschnitten wird die relevante Literatur beschrieben, um daran anschließend die adressierten Forschungslücken zu benennen: Es geht um die historische Entwicklung des Forschungsfelds digitale Parteienforschung, fallspezifische Erkenntnisse aus dem In- und Ausland und Erkenntnisse zum Organisationswandel der SPD.
Dennis Michels

Kapitel 3. Theoretische Grundlagen digitalen Parteienwandels

Zusammenfassung
Zweck der folgenden Ausführungen ist, die theoretische Perspektive zu verdeutlichen, die der empirischen Analyse zu Grunde liegt. Obwohl die qualitative Studie von großer Offenheit gegenüber dem Untersuchungsgegenstand geprägt ist und theoretisches Wissen aus den Daten heraus erarbeitet wird, ist sie wie jede interpretativ angelegte Studie durch empirisches und theoretisches Vorwissen geprägt. Das ist mit Blick auf eine potenziell zu starke Prägung der Ergebnisse der Studie durch dieses Vorwissen allerdings nicht problematisch, solange methodisch sichergestellt wird, dass den Daten mit der größtmöglichen Offenheit begegnet wird. Konkret geht es hier um das Begriffsverständnis von Wandel, Partei und Reform, um Parteistrukturen, die das Handeln der Akteur*innen leiten, um das theoretische Verhältnis von Parteien und Digitalisierung sowie um den Forschungszugang, mit dem die Konstruktion des Wandels analysiert wird.
Dennis Michels

Kapitel 4. Methodologie und methodisches Vorgehen

Zusammenfassung
Im Folgenden steht das methodische Vorgehen im Forschungsprozess im Zentrum. Ausgangspunkt der Analyse ist die Konstruktion der Parteireform durch die Parteiakteur*innen. Das Forschungsdesign ist daher geprägt von der interpretativen Rekonstruktion (Nullmeier 2019; Franke und Roos 2020) des Reformprozesses, die auf der Annahme eines Prozesscharakters sozialer Wirklichkeit basiert. Nicht nur für das Verständnis der Konzepte Parteienwandel oder Parteireformen als interaktiv konstruierte Prozesse hat das theoretische Grundverständnis des sozial konstruierten Prozesses eine Bedeutung, sondern auch für die Forschungspraxis, d. h. für das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung und Auswertung. Erster Ansatzpunkt für die Analyse eines sozial konstruierten Wandlungsprozesses ist „Wissen und Handeln der Beteiligten“, das als „Handeln aufgrund von guten Gründen“ (Nullmeier 2019, S. 165) verstanden wird. Als Datengrundlage wurden daher Experteninterviews, Parteidokumente und Medieninterviews verwendet, die über einen zweifachen Kodierprozess interpretativ analysiert wurden. 
Dennis Michels

Kapitel 5. Ergebnisse der Analyse: Die Konstruktion digitaler Parteistrukturen

Zusammenfassung
Im nun folgenden Ergebniskapitel werden in Anlehnung an die fünf Fragestellungen der Studie Analyseergebnisse aus fünf Teilbereichen präsentiert. Dieser eher deskriptiven Darstellung der Ergebnisse folgt eine Diskussion ihrer Bedeutung in Bezug auf das theoretische Vorwissen im Abschlusskapitel. Die fünf Teilbereiche dieses Ergebniskapitels behandeln die Chronologie des Reformprozesses, Begründungsmuster der Parteiführung und der mittleren Parteiebene, Bedeutung und Zweck, die die digitalen Instrumente laut Parteiführung erfüllen sollen, Erwartungen der mittlere Parteiebene an eine Digitalisierung der Partei sowie Folgen der Digitalisierung, die sich in der technisch vermittelten Willensbildung der Partei zeigen. 
Dennis Michels

Kapitel 6. Beantwortung der Forschungsfragen, Fazit und Schlussfolgerungen

Zusammenfassung
Diese Studie analysierte den digitalen Organisationswandel der SPD zwischen 2017 und 2019. Die Digitalisierung der SPD wurde als digitaler Reformprozess der SPD mit Fokus auf die Einführung neuer digitaler Instrumente verstanden. Im Fokus standen die Fragen, wie sich die Partei wandelte, warum sich die Partei wandelte, in welche Richtung sich die Partei wandelte, welche Alternativen es gegeben hätte und welche Folgen des Wandels erkennbar wurden. Die Fünf Forschungsfragen werden hier beantwortet und hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Forschungsstand digitaler Parteienforschung diskutiert.
Dennis Michels

Backmatter

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