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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Modelle deliberativer und diskursiver Politik werden in der politischen Theorie seit einiger Zeit eingehend diskutiert. Solche Ansätze grenzen sich meist von dem vorherrschenden liberalen Politikverständnis ab, dem vorgeworfen wird, dass es den Fokus zu sehr auf Abstimmungen richte, ohne das Potenzial von Kommunikation zu berücksichtigen (Bohman/Rehg 1997; Chambers 1999). Deliberative oder diskursive Politik setzt hingegen voraus, dass politische und gesellschaftliche Akteure nicht einfach vorbestimmte Präferenzen und isolierte Interessen artikulieren und durch deren Aggregation statische Mehrheiten generieren. Vielmehr sollen die Akteure ihre Positionen nachvollziehbar begründen, sich gegenseitig respektieren und grundsätzlich bereit sein, ihre anfänglichen Präferenzen und Positionen im Lichte anderer Argumente zu überdenken und gegebenenfalls zu revidieren.
Markus Spörndli

2. Diskursive Politik

Zusammenfassung
Der Idealtypus einer deliberativen Demokratie kann mit Cohen (1989: 17, 21) charakterisiert werden als eine Gemeinschaft, deren Angelegenheiten durch eine alle Mitglieder einschließende, öffentliche Beratung geregelt werden — eine Gemeinschaft also, deren Mitglieder „share a commitment to the resolution of problems of collective choice through public reasoning, and regard their basic institutions as legitimate in so far as they establish the framework for free public deliberation“. Von solch umfassenden Vorstellungen, die zuweilen einen republikanischen oder kommunitaristischen Hintergrund haben, können bescheidenere Konzeptionen abgegrenzt werden, die einzelne Elemente deliberativer Demokratie auch in liberal geprägten Demokratien für realisierbar und teilweise bereits verwirklicht halten (Habermas 1992; Müller 1993; 1999; Sunstein 1997; Nelson 2000). Die vorliegende Studie bewegt sich in der Reichweite solcher Ansätze und stützt sich auf kommunikationszentrierte Verfahren, die auf der habermasschen Diskursethik basieren.
Markus Spörndli

3. Diskursive Entscheidungen

Zusammenfassung
In der Forschungsliteratur ist man sich überwiegend einig, dass diskursive und deliberative Verfahren zu einer erhöhten Legitimität politischer Entscheidungen führen. Doch was diese Legitimität genau ausmacht, und was die eigentliche Qualität solcher Entscheidungen anbetrifft, ist die Theorie entweder sehr unspezifisch, oder sie ist sich uneins. In diesem Kapitel versuche ich, aufgrund der diskursiven Demokratietheorie mögliche Einflüsse von diskursiver Politik auf zwei Dimensionen einer politischen Entscheidung zu formulieren: einer formalen und einer inhaltlichen Dimension.
Markus Spörndli

4. Forschungsdesign

Zusammenfassung
Um die Hypothesen, dass sowohl die formale als auch die substanzielle Dimension einer Entscheidung von der Diskursqualität der vorangehenden Debatte beeinflusst wird, zu testen, soll nun ein Forschungsdesign entwickelt werden. Dazu lege ich zuerst die grundlegende Forschungsstrategie dar, deren Plausibilität wiederum auf dem Handlungsrahmen des akteurzentrierten Institutionalismus beruht (Abschnitt 4.1). Dabei wird sich eine vergleichende Untersuchung innerhalb einer einzigen politischen Organisation als optimale Forschungsstrategie entpuppen. Im zentralen Abschnitt 4.2 begründe ich dann, dass sich der bundesdeutsche Vermittlungsausschuss als Untersuchungskontext für diese Studie besonders gut eignet, da er ein relativ hohes diskursives Potenzial aufweist. Schließlich lege ich dar, wie ich die Fälle — die zu analysierenden Debatten — auswähle (Abschnitt 4.3).
Markus Spörndli

5. Operationalisierung

Zusammenfassung
Als letzter und wichtigster Schritt zur Vorbereitung der empirischen Analysen werden in diesem Kapitel die bisher eher generell definierten, teilweise latenten Variablen durch eine adäquate Operationalisierung in direkt beobachtbare Indikatoren überführt. Das betrifft vor allem die Elemente der Diskursqualität als zentrale unabhängige Variablen (Abschnitt 5.1) und die beiden Dimensionen einer Entscheidung als abhängige Variablen (Abschnitt 5.2). Danach definiere ich mehrere Kontrollhypothesen und entsprechende Variablen, die ebenfalls operationalisiert werden (Abschnitt 5.3).
Markus Spörndli

6. Die Debatten in der Übersicht

Zusammenfassung
Die Analysen der nächsten Kapitel sind, obwohl sie sich grundsätzlich auf statistische Methoden stützen, relativ stark fallorientiert. Deshalb sollen in diesem Kapitel die Debatten, die den empirischen Tests zugrunde liegen, beschrieben werden. Die Debatten sind mittels des in Abschnitt 4.3 beschriebenen Verfahrens ausgewählt worden. Es konnten so 20 Debatten und ihre Entscheidungen eruiert werden — eine Zahl, die einigermaßen überblickbar ist, gleichzeitig aber keine ausladenden Fallbeschreibungen erlaubt.
Markus Spörndli

7. Der Diskursqualitätsindex

Zusammenfassung
Ziel dieses Kapitels ist es, anhand der empirischen Ausprägungen der Diskursqualitätsindikatoren einen Index der generellen Diskursqualität (Diskursqualitätsindex oder kurz: DQI) zu konstruieren. Das wird die zentrale unabhängige Variable der folgenden statistischen Analysen sein. Um zu eruieren, welche Indikatoren für eine Indexbildung in Frage kommen, werden sie zuerst auf der Individualebene statistisch deskriptiv überblickt (Abschnitt 7.1). Auf dieser Grundlage kläre ich mittels Korrelations- und Hauptkomponentenanalysen, inwiefern ein Diskursqualitätsindex machbar und sinnvoll ist; als Resultat davon werden ein 4-Elemente-DQI und ein 3-Elemente-DQI konstruiert, für jede Debatte aggregiert und vorgestellt (Abschnitt 7.2). Ein Fazit schließt das Kapitel ab (Abschnitt 7.3).
Markus Spörndli

8. Determinanten der formalen Entscheidungen

Zusammenfassung
In diesem Kapitel soll die erste zentrale Hypothese H1 überprüft werden: Je höher die Diskursqualität einer Debatte, desto wahrscheinlicher wird die darauf folgende Entscheidung von allen Beteiligten in Form einer Einigung getragen. Ermöglichen also rationale Diskurse tendenziell Konsense oder Kompromisse? Das führt auch zur Überprüfung der Folgehypothese H1.1, wonach bezüglich der formalen Entscheidungsdimension die konstruktive Politik, der gegenseitige Respekt und die Begründungsrationalität die entscheidenden Elemente der Diskursqualität sind. Die Zusammenhänge werden unter Kontrolle anderer Einflussvariablen getestet, wie ich sie in Abschnitt 5.3 formuliert habe.
Markus Spörndli

9. Determinanten der substanziellen Entscheidungen

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird die zweite zentrale Hypothese H2 überprüft: Je höher die Diskursqualität einer Debatte, desto wahrscheinlicher werden in der darauf folgenden Entscheidung egalitaristische Gesichtspunkte berücksichtigt. Das führt auch zur Überprüfung der Folgehypothese H2.1. Demnach ist bezüglich der substanziellen Entscheidungsdimension die diskursive Qualität der inhaltlichen Begründung entscheidend: Je mehr egalitaristische Begründungen in einen Diskurs eingebracht werden, desto wahrscheinlicher werden in der darauf folgenden Entscheidung egalitäre Gesichtspunkte berücksichtigt; diese Begründungen müssen jedoch mit einer genügenden Begründungsrationalität vorgebracht werden, und es muss ihnen genügend Respekt von der gegnerischen Seite entgegengebracht werden. Die Zusammenhänge werden unter Kontrolle weiterer Einflussvariablen getestet, wie wie ich sie in Abschnitt 5.3 formuliert habe. Das methodische Vorgehen dieser Analysen ist derselbe wie in Kapitel 8, weshalb die Aussagen in Abschnitt 8.1 auch hierfür gelten.
Markus Spörndli

10. Integrative Analyse

Zusammenfassung
Im abschließenden Analysekapitel werden die beiden Entscheidungsdimensionen und deren Determinanten ergänzend aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Zuerst überprüfe ich die Hypothese H3, dass die formale und substanzielle Dimension positiv zusammenhängen (Abschnitt 10.1). Danach gehe ich noch einmal auf den Machtkontext ein, und zwar diesmal als potenzieller Einfluss auf die Diskursqualität (Abschnitt 10.2.1). Auch wird geprüft, ob die Länge von Debatten und Wortmeldungen — die Kommunikationsquantität — Auswirkungen auf die Diskursqualität hat (Abschnitt 10.2.2). Dann gehe ich in einer qualitativen Analyse verschiedenen diskursiven Phänomenen nach, wie sie sich in den untersuchten Debatten manifestierten und die Entscheidungsfindung beeinflussten (Abschnitt 10.3). Ein Fazit fasst die Analyseresultate zusammen (Abschnitt 10.4).
Markus Spörndli

11. Schlussbetrachtung

Zusammenfassung
Hat in Debatten repräsentativer Politik das Ausmaß an Diskurs einen direkten Einfluss auf die nachfolgende Entscheidung, und ist ein allfälliger Einfluss im Sinne der normativen Ansprüche der Theorien diskursiver Politik? So lautet die grundlegende Fragestellung dieser Studie, die in den vorangehenden Kapiteln beleuchtet wurde. Ich will nun die Resultate der Studie in einen breiteren Zusammenhang stellen. Dazu werden im ersten Abschnitt die empirischen Ergebnisse zusammengefasst. Danach reflektiere ich das methodische Vorgehen dieser Studie und dessen Bedeutung für die Validität der Resultate (Abschnitt 11.2). Dann schlage ich einen Bogen zurück zu den Theorien diskursiver Politik und zeige einige demokratietheoretische Implikationen der Studie auf, die zum Teil auch die praktische Diskussion um die Implementierung von Aspekten diskursiver Politik betreffen (Abschnitt 11.3). Sowohl im zweiten als auch im dritten Abschnitt zeige ich weitere Hypothesen auf, die durch diese Studie generiert werden und somit für die zukünftige Forschung im Raum stehen.
Markus Spörndli

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