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Über dieses Buch

Die Beiträge des Bandes zeigen und diskutieren das Potenzial einer mikrosoziologischen, prozessorientierten – qualitativen – Ungleichheitsforschung. Sie spüren Praktiken sozialer Besser- und Schlechterstellung in den Bereichen Bildung, Arbeit, soziale Beziehungen und Migration auf. Mit der interpretativen, handlungstheoretischen oder praxissoziologischen Perspektive machen sie das „Doing Inequality“, die Gemachtheit und die Vollzugswirklichkeit sozialer Ungleichheit sowie die Rolle von Akteuren bei der Herstellung, der Reproduktion und dem Wandel von sozialen Ungleichheiten zentral. Soziale Ungleichheiten ergeben sich aus der regelmäßig ungleichen Verteilung „wertvoller Güter“ einer Gesellschaft. Doch wie werden diese zugeteilt, angeeignet oder vorenthalten?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Prozesse sozialer Ungleichheit aus mikrosoziologischer Perspektive – eine Metaanalyse qualitativer Studien

Zusammenfassung
Der Beitrag skizziert ein Programm des ‚doing inequality‘, zeigt Potenziale der qualitativen Ungleichheitsforschung auf und stellt eine Typologie mikrosoziologischer Ungleichheitsprozesse vor, deren Bedeutung für die Ungleichheitsforschung abschließend diskutiert wird. Allgemein gesprochen beschäftigt sich Ungleichheitsforschung mit den Ursachen und Konsequenzen der asymmetrischen Ressourcenverteilung in Gesellschaften. Als Ausgangspunkt für dieses Ungleichheitsverständnis argumentiert der Beitrag, dass soziale Ungleichheit keine reine objektive Tatsache der sozio-ökonomischen Lage ist, sondern vielmehr das Ergebnis des aufeinander bezogenen Handelns von Menschen. Auf Grundlage einer Metaanalyse qualitativer Ungleichheitsstudien (2000–2015) machen wir mit einer Typologie von Prozessen der Ungleichheitsgenese einen Vorschlag zur Theoretisierung. Die inhaltliche Ausarbeitung und Benennung von Prozessen orientierte sich an der Bildung empirisch begründeter Kategorien. Studienergebnisse werden einem Prozesstyp danach zugeordnet, auf welche Weise (durch welche Handlungen, Praktiken oder Deutungen) eine Ungleichverteilung von Ressourcen oder Positionen zwischen den Akteuren zustande kam. So können wir zwischen vier Prozessen unterscheiden: Kategorisieren, Bewerten, Teilhaben und Weitergeben.
Laura Behrmann, Falk Eckert, Andreas Gefken

Qualitative Verfahren und die Untersuchung sozialer Benachteiligung

Zusammenfassung
Der Beitrag behandelt die spezifische Beziehung zwischen der interpretativen Sozialforschung und der Untersuchung sozialer Ungleichheit, wie sie vor allem in Bezug auf Armut und soziale Ausgrenzung besteht. In einem ersten Schritt wird die ursprüngliche Verbindung zwischen dem interpretativen Paradigma und der Erforschung sozialer Benachteiligung herausgestellt: Die frühen explorativen Studien in unterprivilegierten Milieus können als Ausgangspunkt interpretativer Ungleichheitsforschung betrachtet werden, auch wenn sie heute in anderen „speziellen Soziologien“ auf- und dabei fast untergehen. In einem zweiten Schritt werden die qualitativen Methoden selbst auf ihr „doing classes“ hin erörtert, wie es insbesondere bei offenen Interviews, aber ebenso bei ethnografischen Feldaufenthalten unterstellt wird. Diskutiert wird, ob dies der Grund dafür ist, warum qualitative Forschung in unterprivilegierten Milieus zwar ihren Anfang nahm, aber (in Deutschland) heute kaum noch praktiziert wird. Oder sind eigene Verhaltens- und Status-Unsicherheiten qualitativer Sozialforscher_innen für ihr nachweisliches Unbehagen bei der Anwendung offener Verfahren in unteren Schichten verantwortlich?
Daniela Schiek

Bildung – Differenzerzeugung und ihre Folgen

Frontmatter

„Doing equality“ als „doing inclusion“. Kulturvergleichende Rekonstruktionen schulischer Normen der Anerkennung

Zusammenfassung
Der Beitrag qualitativer Forschung zur Analyse von Prozessen der Herstellung und Reproduktion von Bildungsungleichheit wird in diesem Artikel mit dem Fokus auf die Frage nach der dieser innewohnenden Chance, Relationen zwischen alltäglichen pädagogischen Praktiken und den diese rahmenden sozio-kulturellen Bedingungen aufzuzeigen, diskutiert. Insbesondere wird hierbei auf den Vorgang des Vergleichens als Möglichkeit der Transzendenz einer Mikroperspektive eingegangen. Am Beispiel einer anerkennungstheoretisch gerahmten, kulturvergleichend angelegten Rekonstruktion von Praktiken der Inklusion, bzw. Exklusion an einer Berliner und einer Londoner Grundschule werden die Chancen und Grenzen einer kulturvergleichend angelegten Bildungsungleichheitsforschung ausgelotet.
Bettina Fritzsche

Doing Difference beobachten – Selbstständigkeit als Leistung im individualisierten Unterricht

Zusammenfassung
Die Frage nach der sozialen Konstruktion von Ungleichheit lässt sich aus Perspektive der qualitativ-ethnografischen erziehungswissenschaftlichen Unterrichtsforschung zur Frage danach wenden, wie welche Unterschiede zwischen SchülerInnen im Unterricht sozial hergestellt und in Bezug auf Leistung bedeutungsvoll werden. Dieser Beitrag nimmt den Trend zur Individualisierung des Unterrichts im Zuge der aktuellen Sekundarschulreform in den Blick. Er skizziert das darin eingelassene Verhältnis von Selbstständigkeit und Leistung und zeigt, wie ‚Doing Difference‘ im Unterrichtsgeschehen rekonstruiert werden kann. Anhand ethnografischen Datenmaterials aus dem individualisierten Unterricht einer heterogenen Sekundarschulklasse wird exemplarisch dargestellt, wie leistungsrelevante Differenzen zwischen SchülerInnen entlang der Norm ‚Selbständigkeit‘ (re)produziert werden. Daran anschließend wird diskutiert, was dieses Vorgehen der Analyse von Doing Difference im individualisierten Unterricht für eine nach Doing Inequality fragende Ungleichheitsforschung leisten kann.
Julia Steinwand, Anna Schütz, Anna Gerkmann

Überlegungen zum Bildungsselbst Geringqualifizierter auf der Grundlage von Oevermanns Modell von Krise und Routine

Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich dem Phänomen und Begriff der Bildungsarmut sowie dem zugehörigen akademischen Diskurs als Teilbereich der Ungleichheitsforschung aus strukturaler Perspektive. Hierbei wird der sinnlogisch universale Anspruch des Bildungsarmutsbegriffs problematisiert. Zu diesem Zweck stützt sich der Artikel auf die bildungstheoretischen Argumente Oevermanns in Verbindung mit dem für seine Arbeiten zentralen Begriff der Lebenspraxis sowie dem zugehörigen Modell von Krise und Routine. Diese werden auf ihre Implikationen hinsichtlich des Bildungsbegriffs befragt und mit dem Konzept des Bildungsselbst (Wernet 2012) kombiniert. Daran anknüpfend wird der Vorschlag gemacht, den Forschungsgegenstand konzeptionell in den umfassenden Rahmen einer Theorie der Bildung des Subjekts zu stellen.
Eike Wolf

Erwerbsarbeit und soziale Position

Frontmatter

Doing Inequality at Work. Zur Herstellung und Bewertung von Ungleichheiten in Arbeit und Betrieb

Zusammenfassung
Mit einer Perspektive „von unten“ auf Ungleichheit in Arbeit und Betrieb rückt der Beitrag die Bedeutung aktiver Deutungsprozesse und Handlungsorientierungen von Beschäftigten ins Zentrum. Der Begriff der Legitimität dient hierbei als konzeptioneller Schlüssel für die Vermittlung zwischen ökonomischen und organisationalen Strukturen einerseits und den Deutungspraktiken und Handlungsorientierungen der konkreten Akteure andererseits. Auf Basis qualitativ-empirischer Forschungsergebnisse skizzieren wir zentrale Muster von Legitimitätsansprüchen und fragen nach ihrer Bedeutung für die Herstellung und Kritik von Ungleichheiten in Arbeit und Betrieb. Die Beurteilung sozialer Ungleichheiten nimmt nicht nur Bezug auf bestimmte Anspruchsmuster, sondern erfolgt immer vor dem Hintergrund bestimmter Vergleichsordnungen. Diese Vergleichsordnungen sind gegenwärtig, so die These, durch eine Abwärtsentwicklung geprägt, wodurch die eigenen Ungleichheitserfahrungen relativiert werden.
Wolfgang Menz, Sarah Nies

Gesellschaftliche Marginalisierung und Selbst-Positionierungsweisen angelernter Arbeiter in der ‚Wissensgesellschaft‘

Zusammenfassung
Die Wissenssoziologische Diskursanalyse (Keller 2005) verknüpft Michel Foucaults Diskurs- und Subjektkonzeptionen mit dem Interpretativen Paradigma der Soziologie (Keller 2012a) und schließt an die Methoden der qualitativen Sozialforschung an. Dieses wissenssoziologisch fundierte Forschungsprogramm wird durch eine Subjektivierungsheuristik (Bosančić 2014, 2016) erweitert, die es ermöglicht, sowohl die klassischen Dimensionen der empirischen Erforschung menschlicher Subjektivitäten (wie Habitus, Milieu oder Biographie) als auch diskursiv konstituierte Subjektpositionen und Identitätsmodelle in den Blick zu nehmen. Subjektivierung wird dabei als doppeltseitiger Prozess verstanden: einerseits werden in Diskursen Subjekt- und Identitätsmodelle erzeugt, die an empirische Subjekte adressiert sind. Andererseits nehmen die so Adressierten im Rahmen dieser ‚Anrufungen‘ Selbst-Positionierungen vor. Die Anwendung der Subjektivierungsheuristik wird am Beispiel einer empirischen Untersuchung über angelernte Arbeiter demonstriert. Die Angelernten wurden im Zuge von ökomischen Transformationsprozessen marginalisiert und es stellt sich die Frage, inwiefern die Selbst-Positionierungen der Angelernten durch die gegenwärtig randständige und benachteiligte gesellschaftliche Stellung und die dominanten Diskurse über Arbeit, Markt und Qualifikation, beeinflusst sind. Dabei wird deutlich gemacht, welche erweiterten Forschungsperspektiven sich durch das heuristische Modell der Subjektivierung für die Analyse der Prozesse sozialer Ungleichheit ergeben.
Saša Bosančić

Armut als relationales Konstrukt: Die (Re-)Produktion sozialer Ungleichheiten durch Stigmatisierung und Kontrollversuche in sozialen Netzwerken

Zusammenfassung
Der Aufsatz geht der Frage nach, inwiefern Stigmatisierung nach Erving Goffman als ein Mechanismus der Entstehung und Reproduktion sozialer Ungleichheiten beschrieben werden kann. Die Literatur zum Umgang mit Arbeitslosigkeit und Armut zeigt einerseits, dass Stigmatisierungsprozesse zum Verlust von Respektabilität und gesellschaftlicher Anerkennung führen können. Andererseits gibt es Anzeichen für die Möglichkeit der Kompensation dieser Verluste in sozialen Netzwerken. In unserer Analyse finden wir sowohl Hinweise auf eine disziplinierend wirkende Stigmatisierung als auch auf individuelle Handlungsspielräume im Umgang mit Armut und Arbeitslosigkeit. Umgangsweisen mit Stigmatisierung können in Abhängigkeit der sozialen Einbindung und den daraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten in Netzwerkdomänen dazu führen, dass Statusungleichheiten (teilweise) kompensiert werden. Unser Ansatz zeigt, dass insbesondere der Rückgriff auf die Theorie von Identitäten und Kontrolle von Harrison White und dem darin enthaltenen Fokus auf soziale Netzwerke, den wir empirisch umgesetzt haben, für die Forschung fruchtbar ist.
André Knabe, Hagen Fischer, Andreas Klärner

Soziale Beziehungen und Sozialkapital

Frontmatter

Soziale Beziehungen, soziale Ungleichheit und Erträge qualitativer Studien

Das Beispiel schichtspezifische Freundschaften
Zusammenfassung
Thema des Beitrags sind soziale Beziehungen und soziale Ungleichheit und die Erträge qualitativer Studien. Das Kapitel beginnt mit einigen Bemerkungen zur Bedeutung persönlicher Sozialbeziehungen (Familien-, Freundschaftsbeziehungen und Bekannten) für die Reproduktion sozialer Ungleichheit. Im Anschluss gebe ich einen Überblick über die spezifischen Erträge interpretativer Verfahren der empirischen Sozialforschung. Diese liegen vor allem im Bereich der Transformation von sozialem in kulturelles Kapital, der Wirkungsweise und Aktivierung von Sozialkapital und der Konstitution und Veränderung sozialer Beziehungen. Am Beispiel von schichtspezifischen Freundschaften wird genauer auf die Beiträge qualitativer Studien zur Erklärung der Genese und Dynamik von Beziehungen eingegangen. Das Kapitel schließt mit einem kurzen Fazit zu Herausforderungen bei der qualitativen Untersuchung von Fragen sozialer Ungleichheit.
Betina Hollstein

Freundschaft und sozialstrukturelle Differenzierung. Eine Berliner Fallstudie

Zusammenfassung
Ausgehend von zwei unterschiedlichen Perspektiven auf Freundschaft als schichtabhängiges und schichtloses Phänomen fragt der Beitrag nach den Anforderungen an die Freundschaftsführung heute. Grundlage bildet eine empirische Untersuchung zur Bedeutung und Funktion von Frauenfreundschaften im Kontext gesellschaftlicher Anforderungsstrukturen. Im Kontrast zur hohen ideellen Bewertung von Freundschaft, etwa wenn vom Zeitalter der Freundschaft (Honneth, Das Recht der Freiheit: Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit, Suhrkamp, Berlin, 2011) oder von Freundschaft als drittem Weg zwischen Wohlfahrtsstaat und Familie (Bude, Mittelweg 36:6–16, 2008) die Rede ist, werden Freundschaften in ihrer sozialen Realität und praktischen Umsetzbarkeit betrachtet. Dabei werden sowohl schichtspezifische Freundschaftsvorstellungen und Praktiken als auch schichtübergreifende Gemeinsamkeiten der Anforderungen an Freundschaften aufgezeigt. Als schichtübergreifend zeigt sich, dass Ausdifferenzierung und Pluralisierung von Alltagswelten und Lebenspraxis die Herstellung von Gemeinsamkeiten in der Freundschaftsführung der Frauen erschweren, da weder ausreichend Überschneidungsfelder, noch miteinander geteilte Inhalte entstehen, womit ein besonderer Typus von Freundschaft, die fragmentierte Freundschaft, aufkommt.
Erika Alleweldt

Stabilität und Dynamik persönlicher Beziehungen in prekären Lebenslagen

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt die Ergebnisse einer Fallkontrastierung zweier prekär beschäftigter Arbeitnehmerinnen vor. Untersucht wird die Frage, ob eine anhaltend unsichere Erwerbssituation zu einer Schwächung sozialer Bindungen im Privaten führt oder ob und unter welchen Bedingungen das persönliche Netzwerk über soziales Kapital eine stabilisierende Rolle im Lebenszusammenhang einnimmt. Das Grounded-Theory geleitete Vorgehen kombinierte leitfadengestützte Interviews mit dem Einsatz von Netzwerkkarten, die während des Interviews vom Interviewpartner erstellt wurden. Die Kontrastierung zeigt, dass in beiden Fällen die Beziehung zur eigenen Herkunftsfamilie in der Prekarität eine derart zentrale Rolle einnimmt, dass die Qualität und Aufrechterhaltung nicht-familiärer Beziehungsformen (z. B. Freundschaften) von dem Verhältnis zur eigenen Familie in starke Abhängigkeit geraten.
Andreas Gefken

Migration und die Frage nach Integration

Frontmatter

Migration, Wissen und Ungleichheit. Grenzziehungen und Anerkennungsverhältnisse im Kontext wechselnder sozialer Felder

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt zur Diskussion, wie sich mit einer wissenssoziologisch fundierten qualitativen Analyse soziale Ungleichheiten infolge einer Migration einzelner oder ihrer Familien beobachten lassen. Ohne Migration per se als ungleichheitsrelevant vorauszusetzen, fragt er nach konstitutiven Bedingungen für soziale Ungleichheiten im Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit. Eine Analyse mit den zur Diskussion gestellten rekonstruktiven Verfahren setzt ein theoretisch-konzeptionelles Verständnis sozialer Ungleichheit voraus, das die Sinnwelten der sozial Handelnden einbezieht. Inwieweit ein Migrationshintergrund für eine soziale Positionierung von Bedeutung wird, diskutiert der Beitrag auf dieser Grundlage einerseits mit Blick darauf, welche Grenzziehungen und klassifizierenden Zuschreibungen in einer Bildungs- und Berufsbiografie erfahren werden. Er fragt andererseits danach, wie die Erfahrung von Grenzziehungen für die Strategien einer Positionierung der sozial Handelnden von Einfluss wird. Unter Berücksichtigung eines relationalen Begriffs des kulturellen Kapitals Bourdieus und einer feldtheoretischen Perspektive zeigt er auf, wie Grenzziehungen im Kontext wechselnder sozialer Felder für die Herstellung oder den Abbau sozialer Ungleichheiten in Verbindung mit einem Migrationshintergrund beitragen.
Karin Schittenhelm

Zur Produktion sozialer Ungleichheit in der Migrationsgesellschaft: Integrationsdiskurs im Kontext von Interaktion und Biographie

Zusammenfassung
Soziale Ungleichheit wird meistens aus einer Makroperspektive, nämlich als Strukturdimension des Sozialen untersucht. Die Ebene der Herstellung sozialer Ungleichheit als auch die Ebene der Erfahrung und Verarbeitung sozialer Ungleichheit in der Alltagsinteraktion sind bislang unterbelichtet geblieben. Soziale Ungleichheit wird in diesem Kapitel unter einer Handlungsperspektive betrachtet und diskutiert; insbesondere ist im Fokus die Frage der diskursiven Herstellung sozialer Ungleichheit. Es wird davon ausgegangen, dass im intersubjektiven Interaktionskontext soziale Ungleichheit zwischen ethnischen Gruppen durch den Bezug auf öffentliche Diskurse hergestellt wird. Am Beispiel des neueren öffentlichen Integrationsdiskurses, der sich durch das Buch von Thilo Sarrazin (2010) „Deutschland schafft sich ab“ zugespitzt hat, wird der Herstellungsprozess sozialer Ungleichheit analysiert. Anhand der biographischen Narration eines griechischen Arbeitnehmers der zweiten Generation wird analysiert, wie dieser neuere Integrationsdiskurs die Herstellung von Ungleichheit in der Interaktion durch das „Doing Difference“ von InteraktionspartnerInnen ermöglicht und Prozesse des „Undoing Difference“ in der Interaktion und in der biographischen Perspektive in Gang setzt.
Maria Kontos

Die „neuen Gastarbeiter“ – Zur Bewertung von erwünschten Zuwanderern

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht anhand einer wissenssoziologischen Diskursanalyse über den Zeitraum von 2008 bis 2014 wie im öffentlichen Einwanderungsdiskurs die gewünschten Zuwanderer mit dem Label der „neuen Gastarbeiter“ sozial konstruiert werden. Das Label bezeichnet die mobilen, (hoch) qualifizierten Zuwanderer, die anders als die erste Generation von Gastarbeiter/-innen als problemlos integrierbar wahrgenommen werden. Die Bewertung der gewünschten Zuwanderer gibt einen Einblick in die Bedingungen der Ein- und Ausgrenzung von Immigrant/-innen in Deutschland: Das Scheitern des sogenannten „Rotationssystems“ der Zuwanderung erweist sich als funktional, um eine legitime Grenzziehung zwischen erwünscht und unerwünscht zu konstruieren.
Christian Ulbricht
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