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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Theorie, Funktionswandel und zivilgesellschaftliche Perspektiven des Dritten Sektors/Dritten Systems — eine Einleitung

Theorie, Funktionswandel und zivilgesellschaftliche Perspektiven des Dritten Sektors/Dritten Systems — eine Einleitung

Zusammenfassung
In den letzten Jahren rückten Dritte-Sektor-Organisationen immer stärker in das Blickfeld von Politik und Öffentlichkeit. Dabei sind es nicht allein die spektakulären konfrontativen Aktionen wie z.B. die Besetzung der BrentSpar-Bohrplattform, der Aufruf zum Verbraucherboykott gegen den Shell-Konzern durch Greenpeace oder das Anprangern von Menschenrechtsverletzungen in verschiedenen Ländern durch Amnesty International. Gerade auf der lokalen Ebene fallen die Gründung und Etablierung von Elterninitiativen zur verbesserten Betreuung von Kindern und Jugendlichen auf. Einrichtungen wie die lokalen Tafeln versorgen täglich sozial Bedürftige mit Nahrungsmitteln und leisten damit einen Beitrag gegen Hunger und Armut. Selbsthilfeorganisationen tragen besonders im Bereich von Erkrankungen und eingeschränkter Gesundheit zur gegenseitigen Unterstützung und Verhinderung von Isolation bei. Und selbst die oft gescholtenen traditionellen Sport- und Geselligkeitsvereine erfüllen wichtige Funktionen zur Integration des Einzelnen und bereichern die Freizeitgestaltung.
Karl Birkhölzer, Ansgar Klein, Eckhard Priller, Annette Zimmer

Entwicklungslinien der internationalen Zivilgesellschaft

Entwicklungslinien der internationalen Zivilgesellschaft

Zusammenfassung
Die internationale Zivilgesellschaft ist spätestens seit Anfang der 1990er Jahre in das Blickfeld politischer wie sozialwissenschaftlicher Debatten gerückt, die überaus ausgedehnt und kontrovers geführt werden. Trotz der sehr unterschiedlichen Auffassungen über Reichweite, Funktionen, Potenziale und Voraussetzungen einer internationalen Zivilgesellschaft (Keane 2001; Klein 2001; Frantz 2002) lassen sich quer durch das Spektrum der verschiedenen theoretischen Konzeptualisierungen einige Gemeinsamkeiten ausmachen. So wird sie nahezu durchweg positiv besetzt (Zimmer 2002), wenngleich sich eine Auseinandersetzung über die Legitimität der Zivilgesellschaft im Prozess der internationalen Entscheidungsfindung ausmachen lässt (Klein 2000). Die Zivilgesellschaft gilt als Hoffnungsträger im Kampf gegen eine zügellos verlaufende Globalisierung, in der sich die Probleme sozialer und ökonomischer Ungleichheit dramatisch zuspitzen (Altvater 2000). Im Rahmen von Global-GovernanceAnsätzen wird die internationale Zivilgesellschaft mit vormals klassischen Staatsaufgaben etwa im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit verknüpft, wo sie für effektiver und effizienter als staatliche Akteure gehalten wird (Meyers/Frantz 2002). Schließlich spielt sie in der demokratietheoretischen Diskussion eine wichtige Rolle, wird ihr doch das Potenzial zugeschrieben, das Problem der mangelnden Legitimation von Entscheidungsfindungsprozessen im internationalen Raum zu überwinden, indem sie eine gesellschaftliche Einbettung internationaler Politik durch direkt-demokratische Rückkopplungen herstellt (Altvater 1998; Roth 2001).
Helmut K. Anheier, Matthias Freise, Nuno Themudo

Theorie zum Dritten Sektor/Dritten System

Frontmatter

Dritter Sektor/Drittes System im Spiegel von Theorie und Praxis — eine Einführung

Zusammenfassung
Lässt sich das vielfältige Spektrum der Organisationen jenseits von Markt und Staat, das selbstverwaltete Betriebe und gemeinnützige Genossenschaften ebenso einschließt wie Selbsthilfegruppen, Öko-Initiativen, Sport- und Hobbyvereine, Wohlfahrtsverbände oder Gewerkschaften, auf einen theoretischen Nenner bringen? Und welche Relevanz haben der Sektor und seine Organisationen für die Überwindung aktueller gesellschaftlicher wie ökonomischer Probleme? Diese Fragestellungen standen im Zentrum des ersten Panels des Workshops, die dezidiert aus zivilgesellschaftlicher Perspektive betrachtet wurden. Jenseits definitorischer Abgrenzungen von Drittem Sektor und Sozialwirtschaft dient „Zivilgesellschaft“ spätestens seit dem Abschlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Zur Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ als breit genug angelegte Klammer für die unterschiedlichen Bereiche, Handlungsfelder und -logiken der Organisationen jenseits von Markt und Staat (Strachwitz/Zimmermann 2001: 9). Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Die Ergebnisse der Diskussion zur theoretischen Fundierung der Debatte um bürgerschaftliches Engagement, Zivilgesellschaft und Dritten Sektor/Drittes System waren interessant und richtungweisend. Eine aktive Zivilgesellschaft als intermediärer Bereich jenseits einer reinen Marktwirtschaft und jenseits eines rein hierarchisch steuernden Staates ist zweifellos eine notwendige Bedingung für die Vertiefung und Weiterentwicklung der Demokratie sowie gerade auch für die Erneuerung unserer sozialen Marktwirtschaft. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Politik derzeit die Weichen primär in Richtung einer Nichtberücksichtigung des Bereichs jenseits von Markt und Staat gestellt hat. Es herrscht derzeit in Berlin ein neoliberaler Kurs, der sich pragmatisch gibt, jedoch die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Fundierung und gesellschaftlichen Abfederung durch die Politik verkennt. Insofern sind die Beiträge dieses Kapitels einerseits von Verwunderung geprägt, warum in Deutschland das dem Sektor innewohnende Chancenpotenzial nicht erkannt wird. Andererseits gehen die Beiträge davon aus, dass aufgrund der doch ganz anders gearteten Wahrnehmung des Sektors und seiner Organisationen im internationalen Kontext die derzeitige Ignoranz nicht von Dauer sein kann.
Karl Birkhölze, Eckhard Priller, Annette Zimmer

Der Dritte Sektor im aktuellen Diskurs

Zusammenfassung
Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Veränderungen sind dringend erforderlich. Dies gilt für die sozialen Sicherungssysteme ebenso wie für die Situation auf dem Arbeitsmarkt und hinsichtlich jener Kräfte, die Integration und den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft sichern. Bekanntlich hat die Politik lange Zeit Veränderungswillen vermissen lassen. Inzwischen zeichnet sich zwar eine Trendwende ab, doch es scheint, als ob ausschließlich der Rotstift regiert. Die derzeitigen Reformen sowie die angedachten Konzepte und Zukunftsperspektiven sind nicht gesellschaftlich abgefedert. Der aktuellen Reformagenda fehlt die gesellschaftspolitische Fundierung, und insofern mangelt es ihr an Überzeugungskraft und Legitimation. Abgesehen von dem Appell, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen, sowie dem Hinweis, dass es so nicht mehr weitergehen kann, erschöpfen sich die gesellschaftsrelevanten Ausführungen der aktuellen Politik auf Durchhalte- und Sparparolen.
Annette Zimmer, Eckhard Priller

Drittes System und Soziale Ökonomie im europäischen Kontext

Zusammenfassung
In der Diskussion um die künftige Ausgestaltung einer europäischen Sozialunion sind die Begriffe Soziale Ökonomie und Drittes System zunehmend zum Hoffnungsträger geworden. Die Erwartungen reichen von der Integration sozial ausgegrenzter Personengruppen (vgl. Defourny/Favreau/Laville 1998; Spear u.a. 2001) über die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze (vgl. Betzelt/Bauer 2000; Borzaga/Santuari 1998; Campbell 1999a, b) bis zu demokratischeren Formen der Bürgerbeteiligung (vgl. Enquete-Kommission 2002a, b). Je nachdem, welche Erwartungshaltung vorherrscht, wird das Thema mal mehr unter sozialpolitischen, mal mehr unter beschäftigungspolitischen oder gesellschaftspolitischen Vorzeichen diskutiert. In einem merkwürdigen Gegensatz dazu stehen allerdings die Unschärfe und verwirrende Vielfalt sich teils überschneidender, teils widersprechender Begriffe, mit der diese Diskussion geführt wird.
Karl Birkhölzer

Die organisationssoziologische Entgrenzung des Dritten Sektors. Zur Handlungskoordination und -logik gemeinnütziger Organisationen

Zusammenfassung
Die internationalen Debatten über den Dritten Sektor kreisen um die grundlegende Frage, wie moderne Gesellschaften soziales Handeln, insbesondere in seiner wirtschaftlich relevanten Form, organisieren. Vor diesem Hintergrund ist der Dritte Sektor im Gefüge zwischen Markt und Staat als dritte produktive Kraft zu verorten, der spätestens seit den 1970er Jahren auch in wissenschaftlichen Debatten eine wachsende Bedeutung beigemessen wird (vgl. Powell 1987; Rose-Ackerman 1986; Weisbrod 1988). Die Ideen und Konzepte der Dritte-Sektor-Forschung sind schwerpunktmäßig in den USA entstanden und im Wesentlichen durch zwei Zugänge gekennzeichnet: Aus einer politisch-normativen Perspektive wird der Dritte Sektor in erster Linie als independent sector angesehen, womit seine Staatsferne bzw. Unabhängigkeit in den Vordergrund gerückt wird — trotz des bemerkenswerten empirischen Befunds, dass staatliche Zuwendungen einen Großteil der Finanzmittel des independent sector ausmachen (vgl. Salamon 1995). Die zweite Forschungsperspektive ist überwiegend ökonomisch geprägt und untersucht selbst Non-Profit-Organisationen vorrangig im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Bedeutung und Dynamik (vgl. Hansman 1987; Weisbrod 1988). Im Kern handelt es sich hierbei um empirische ökonomische Untersuchungen, die jedoch das Selbstverständnis des Dritten Sektors als unabhängiger Sektor theoretisch nicht reflektieren (vgl. zum Stand der Rezeption in Deutschland auch Arnold/Maelicke 2003).
Holger Backhaus-Maul, Gerd Mutz

Ist der „Dritte Sektor“ theoriefähig? Anmerkungen über Heterogenität und Intermediarität

Zusammenfassung
Jenseits lebensweltlich-informeller Zusammenhänge existieren formelle Institutionen, die entweder dem privat-kommerziellen Unternehmensbereich angehören oder dem politisch-administrativen System. Auf die Frage, warum und wozu diese besondere Kategorie von Organisationen existiert, erwiderte Wolfgang Seibel vor gut einem Jahrzehnt: „Es gibt keine Theorie‚des‘ Dritten Sektors, die diese Frage beantworten würde“ (Seibel 1992: 39). Allenfalls gebe es zahlreiche Hypothesen über die Existenzgründe von Organisationen neben oder zwischen Markt und Staat sowie über organisatorische Differenzierungen in diesem Bereich. Jedoch seien diese Erklärungsansätze in vielerlei Hinsicht bruchstückhaft und einer Systematisierung noch schwerer zugänglich als Theorien über staatliche Bürokratien und private Unternehmen. Bezogen auf die zahlreichen Hypothesen stellte Seibel fest: „Sie unterscheiden sich danach, welchem Organisationstypus sie vorrangig gewidmet sind, ferner nach der historischen Zeitspanne, die die Betrachtung umfasst, nach disziplinären Denkgewohnheiten und ‚herrschenden Lehren‘, schließlich danach, ob sie deskriptiv oder normativ angelegt sind“ (ebenda). Aus solchen Versatz-und Bruchstücken ergebe sich jedoch keine in sich geschlossene Theorie des „Dritten Sektors“.
Rudolph Bauer

Wandel von Funktion und Dynamik von Dritte-Sektor-Organisationen

Frontmatter

Wandel von Funktion und Dynamik von Dritte-Sektor-Organisationen — eine Einführung

Zusammenfassung
Dritte-Sektor-Organisationen zeichnen sich zwar durch das ihnen allen gemeinsame Vorhandensein der spezifischen Handlungslogik „Solidarität“ aus, sie lassen sich aber in ihrer Gesamtheit nicht auf eine Funktionslogik reduzieren. So werden ihnen als intermediären Organisationen aus demokratietheoretischer Sicht wichtige Funktionen der Bündelung und Artikulation von Interessen zugewiesen. Aus der Perspektive der politischen Soziologie übernehmen Dritte-Sektor-Organisationen als freiwillige Vereinigungen ganz maßgeblich integrative Funktionen, wobei sie wesentlich zur gesellschaftlichen Partizipation beitragen. Aus verwaltungswissenschaftlicher Sicht wird dagegen primär die Funktion von alternativen Dienstleistern gegenüber Markt und Staat thematisiert. Außerdem kommen ihnen wichtige arbeitsmarktpolitische Funktionen zu, da sie bereits gegenwärtig mit ihrem Beschäftigungspotenzial sowie durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze einen wichtigen Beitrag zur Minderung der Massenarbeitslosigkeit leisten. Sie werden als künftige Wachstumsbranche des Arbeitsmarktes gehandelt und in diesem Sinne auch als Alternativlösung zu traditionellen Beschäftigungsverhältnissen angesehen (vgl. Zimmer/Priller 2004).
Eckhard Priller, Annette Zimmer

Der Dritte Sektor in gesellschaftsvertraglicher Sicht

Zusammenfassung
In diesem Beitrag geht es darum, mit Hilfe des gedanklichen Konstruktes des Gesellschaftsvertrags etwas Licht auf die Rolle von Organisationen zu werfen, die manchmal — zu Recht oder zu Unrecht — einem so genannten Dritten Sektor zugeordnet werden. Gesellschaft wird dabei als System von Individuen, Dingen, Beziehungen der Individuen zueinander und zu den Dingen sowie von Institutionen verstanden, die diese Beziehungen regeln. Das Netzwerk von Verträgen, mit welchem die Individuen zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen werden, kann als Gesellschaftsvertrag bezeichnet werden. Mit diesen Verträgen werden auf den verschiedenen Ebenen einer Gesellschaft die Rechte und Pflichten festgelegt, die deren Mitgliedern zuerkannt werden. Eine ganz besondere Rolle kommt dabei dem nationalstaatlichen Gesellschaftsvertrag zu.
Antonin Wagner

Bürgergesellschaft und sozialer Zusammenhalt. Theoretische Überlegungen und empirische Befunde zu den Integrationsleistungen von freiwilligen Vereinigungen im Dritten Sektor

Zusammenfassung
Die Frage nach den Perspektiven des gesellschaftlichen Zusammenhalts hat in den letzten Jahren die Diskussion über die deutsche Gesellschaft nachhaltig geprägt. Fürchteten schon die Klassiker der Soziologie beim Übergang von traditionalen zu modernen Gesellschaften den Verlust des sozialen Zusammenhalts, so kulminierte die Diskussion in der Frage, ob vermeintlich hochindividualisierte, postmoderne Gesellschaften „überhaupt noch integrierbar“ seien (Beck/Beck-Gernsheim 1994: 33).
Sebastian Braun

Zur arbeitsmarktpolitischen Funktion des Dritten Sektors

Zusammenfassung
„Sämtliche Akteure auf regionaler und lokaler Ebene einschließlich der Sozialpartner müssen für die Umsetzung der europäischen Beschäftigungsstrategie mobilisiert werden“(Europäischer Rat 2002: A4). Mit diesen Worten verweisen die Beschäftigungspolitischen Leitlinien für das Jahr 2002 auf die wichtige Rolle der lokalen Akteure — bzw. auf die Bedeutung der „Partnerschaften mit allen Akteuren — auch mit den Vertretern der Zivilgesellschaft“und fügen hinzu, es gehe dabei darum, „Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und des Vermögens der Sozialwirtschaft, mehr und qualitativ hochwertigere Arbeitsplätze zu schaffen — insbesondere das Anbieten von Waren und Dienstleistungen, durch die ein vom Markt noch nicht abgedeckter Bedarf befriedigt wird...“(ebenda).
Dietmar Dathe, Ernst Kistler

Die ‚dunkle Seite‘ von Dritte-Sektor-Organisationen. Funktionen, Effekte und Konsequenzen

Zusammenfassung
Anfang der 1970er Jahre formulierte der US-Soziologe Amitai Etzioni in seinem Beitrag „The Third Sector/Domestic Missions“(1973) Kritik an der Leistungsfähigkeit marktlicher und staatlicher Lösungen und machte erstmals auf das Reform- und Innovationspotenzial des Dritten Sektors zur Lösung gesellschaftlicher Probleme aufmerksam. Auch in Deutschland wird heute dem Dritten Sektor von Wissenschaft und Politik ein solches Reform- und Innovationspotenzial zugeschrieben. Freiwilliges Engagement und gemeinnützige Organisationen gelten als Garantie der Gemeinwohlsicherung und als Motor gesellschaftlicher Innovation (Zimmer/Nährlich 2000; vgl. zur Übersicht Braun 2001a). Doch ist nicht dort, wo Licht ist zugleich auch Schatten?
Christina Stecker, Stefan Nährlich

Soziale Ökonomie und Arbeit im Dritten Sektor bzw. Dritten System

Frontmatter

Soziale Unternehmungen wirtschaften anders — eine Einführung

Zusammenfassung
Nach den mehr theoretischen und funktionsanalytischen Erörterungen hatte sich das abschließende Panel eine mehr praxisorientierte Sicht auf die inneren Strukturen im Dritten Sektor bzw. im Dritten System zum Ziel gesetzt. Ausgehend von der These, dass sich im Dritten Sektor bzw. im Dritten System eine spezifisch andere, aber gleichwohl innovative Art und Weise des Wirtschaftens entfaltet, sollten konkrete Fragen der Arbeits- und Unternehmensgestaltung, insbesondere in Sozialen Unternehmungen im Mittelpunkt stehen. Dabei sollte es auch darum gehen, die — je nach Standpunkt — hohen Erwartungshaltungen oder auch Befürchtungen mit der alltäglichen Praxis zu konfrontieren. Das betrifft die Qualität der Arbeits- und Sozialbeziehungen, den spezifischen Charakter der Betriebswirtschaft, einschließlich der Finanzierungsstrategien, die Bedeutung förderlicher oder hemmender Rahmenbedingungen und nicht zuletzt die kritische Überprüfung der Leistungsbilanz, insbesondere im Hinblick auf Beschäftigungswirksamkeit und soziale Integration. Letzteres betrifft nicht nur die Erhebung von Daten, sondern auch die Entwicklung geeigneter Formen der Leistungsmessung und -berichterstattung.
Karl Birkhölzer

The Role of Social Capital in the Social Economy

The Work of the CONSCISE Project
Mel Evans

Betriebliche und unternehmenspolitische Strategien für soziale Unternehmungen

Das EQUAL-Projekt BEST 3S als zivilgesellschaftlicher Ansatz zum Erhalt und zur Schaffung von Arbeitsplätzen
Zusammenfassung
Wir stellen hier ein EU-gefördertes Projekt vor, das von sozialen Unternehmungen in der Bundesrepublik für eine Laufzeit von fünf Jahren konzipiert wurde. Dieses Projekt umfasst fünf Kernpartner aus der ARGE 3. System1 und elf strategische Partner aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor. Es handelt sich letztlich um eine zivilgesellschaftliche Initiative von Unternehmungen der Sozialen Ökonomie bzw. des Dritten Systems, die unter Nutzung ihres sozialen Kapitals Instrumente entwickeln, die dauerhafte Beschäftigung für besonders benachteiligte Personengruppen und Langzeitarbeitslose schaffen und sichern helfen.
Günther Lorenz

Zur alltäglichen Gratwanderung eines sozialen Unternehmens im Dritten System

Zusammenfassung
Die „Werkstatt gGmbH“ ist ein Partner der EQUAL-Entwicklungspartnerschaft BEST 3S „Betriebliche und unternehmenspolitische Strategien für soziale Unternehmen (BEST 3S)“. Bereits von Dezember 1997 bis Oktober 1999 hat sich die „Werkstatt gGmbH“ im Rahmen des Pilotprojektes „Drittes System und Beschäftigung“, ebenfalls gefördert durch die EU, mit der „Umsetzung und Auswertung betriebswirtschaftlicher Entwicklungsstrategien in Abhängigkeit von kommunalen Konzepten zur Beschäftigungssicherung im Dritten Sektor“ beschäftigt. Die EQUAL-Entwicklungspartnerschaft BEST 3S ist somit eine konsequente Fortführung unseres Ansatzes, Marktorientierung und Produktivität mit sozialer und gemeinnütziger Orientierung zu verknüpfen.
Ulrike Kalb

Haushaltswirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen zur Förderung sozialer Unternehmen im Dritten System

Zusammenfassung
Weder die kapitalistische Privatwirtschaft als Erstes System noch hervorragende Anstrengungen der öffentlich-rechtlichen Wirtschaft als Zweites System sind, trotz traumhafter Steuersenkungen, in der Lage, Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung und Armut zu überwinden. Selbst unter optimalen Bedingungen finden viele Menschen im Spannungsfeld von Markt und Staat keine dauerhafte Arbeit. Deshalb brauchen wir das „Dritte System“.
Lothar Binding

„Integrationsarbeit“ jenseits von Markt und Staat. Was leisten soziale Unternehmen im Bereich der Beschäftigungsförderung?

Zusammenfassung
Die Feststellung, derzufolge die moderne Organisationsgesellschaft nicht allein aus marktlichen und staatlichen Organisationen besteht, sondern zugleich eine Vielzahl intermediärer (Nonprofit-und gemeinwohlorientierter) Vereinigungen hervorgebracht hat, kommt mittlerweile einem Gemeinplatz gleich. Ebenso geläufig ist, dass diese Vereinigungen einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration leisten. Die Forschung zu diesem intermediären Bereich hat allerdings noch viele Leerstellen. Ein Defizit der vorherrschenden Perspektive auf Nonprofit-Organisationen besteht darin, dass ihre zivilgesellschaftliche Verankerung losgelöst von ihren sozialen und v.a. losgelöst von ihren wirtschaftlichen Leistungen betrachtet wird, was umgekehrt bedeutet, dass die Vielfalt von Zielen und Ressourcen, die diese Organisationen prägen, unterbelichtet bleibt. Diesem Defizit lässt sich mit einem — von den dominanten Ansätzen der Dritte-Sektor-Forschung abweichenden — Konzept entgegentreten, das intermediäre Organisationen als „soziale Unternehmen“ begreift. In diesem Beitrag soll dies am Beispiel von Trägern der Beschäftigungsförderung demonstriert werden. Dabei handelt es sich um einen (auch) in Deutschland weit verbreiteten Typ nicht-gewerblicher Organisationen, deren „offizielles” Hauptziel die Integration erwerbsloser Personen in den so genannten Ersten Arbeitsmarkt darstellt.
Ingo Bode, Adalbert Evers, Andreas Schulz

Spezifische Merkmale und Potenziale der Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen des Dritten Systems im Kulturbereich in den MOE-Staaten. Aspekte einer empirischen Untersuchung

Zusammenfassung
Bei sozialen Unternehmen im Dritten System handelt es sich um Institutionen, deren spezifischer Charakter sich erst im Vergleich mit Entitäten des Ersten (profitorientierten) und Zweiten (öffentlichen) Systems offenbart und deren Funktion nur unter Berücksichtigung ihrer Stellung im jeweiligen konkreten gesamtgesellschaftlichen Rahmen sichtbar wird.2 Insofern zielt die Forderung Donatis (1998: 13ff.), innovative Strategien für die Förderung des Dritten Systems zu entwickeln, um die Konstruktion einer neuartigen Zivilgesellschaft zu ermöglichen, konsequenterweise nicht bloß darauf ab, die Stellung sozialer Unternehmen im Verhältnis zu Markt und Staat zu festigen, sondern gerade auch darauf — bezogen auf die Gesamtgesellschaft, die Autonomie des Dritten Systems zu stärken:
„Il problema della regolazione coincide con il problema dell’autonomia del terzo settore a fronte delle autonomie degli altri settori nella loro reciproca interdipendenza. In questa cornice occore perseguire una duplice idea: a) che il ruolo residuale del terzo settore possa e debba essere sostituito da un ruolo istituzionale, che lo veda in una posizione simmetrica rispetto agli altri due; b) che il terzo settore, da oggetto di tutela nell’ordinamento giuridico che lo configura di fatto in un ruolo subordinato rispetto al mercato e allo Stato, divenga soggetto di una vera e propria autonomia sociale.“ (Donati 1998: 21f.)3
Patrick Ostermann, Karen Voigt

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