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Über dieses Buch

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.
Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.
Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress - mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.
Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Stresskommunikation im Alltag

Zusammenfassung
„Mach kein‘ Stress“; ‚neudeutsch‘ für „Geh mir nicht auf die Nerven“; bzw. in ‚ganz ehrlich‘ „Belaste mich nicht!“ und eigentlich, wenn auch unkommuniziert, die Kern-Ich-Botschaft „Ich bin selbst voll (=erschöpft/an der Aufnahmegrenze oder darüber hinaus) und kann deinen Ballast gerade nicht gebrauchen“ ist eine Möglichkeit, das Wort Stress zu gebrauchen.
Kathrin Marter

2. Oh, Du meine Psyche, Du mein Herz!

Zusammenfassung
Aus dem Altgriechischen (psȳchḗ (ψυχή)) (die griechische Göttin Psyche, siehe ◘ Abb. 2.1) wird das Wort ‚Psyche‘ unter anderem mit Hauch, Atem, Leben & Lebenskraft übersetzt (Pfeifer et al. 1993a). Vielleicht, weil unsere Psyche (unter anderem das, was wir denken und fühlen) über das Stresssystem direkt unseren Atem beeinflusst, wenn wir z. B. Angst haben oder wütend sind.
Kathrin Marter

3. Oder wisset ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel […] ist […]!

Zusammenfassung
In der Regel verhalten wir uns als Reaktion auf einen äußeren Reiz, das kann ein Ton sein, die Mimik einer Person, ein Wort, die Farbe oder Form von Schuhen oder Eiern usw. usf. Auch ein innerer Reiz: ein Gedanke, ein Schmerz oder eine Emotion kann Verhalten auslösen.
Kathrin Marter

4. Die Antwort unseres fantastischen Körpers auf unsere Stressoren ist eine (emotionale) Antwort unseres zauberhaften Nervensystems

Zusammenfassung
Unsere Körper sind fein regulierte, absolut erstaunliche Wunderwerke der Natur, die es kennenzulernen, wertzuschätzen, zu pflegen und zu schützen gilt. Physisch bestehen wir unter anderem aus mehreren Billionen!!! von Zellen (Spektrum.de 2020b). Jede Einzelne dieser Billionen von Zellen hat eine spezifische Aufgabe, ist sozusagen Expertin, und meist mit anderen Expertinnen für diese spezifische Aufgabe in spezifischen Teams, den Geweben, in hochspezialisierten Abteilungen, den Organen, angestellt, die wiederrum, sozusagen als Institute, komplexe Systeme bilden, die eine übergeordnete Funktion in der ‚Organisation Mensch‘ inne haben. Jede Einzelne dieser Billionen von Zellen arbeitet dabei sehr sorgfältig und bemüht twenty-four-seven an der Bewältigung ihrer Aufgabe, damit wir, als Gesamtkunstwerk, unserem, im Vergleich zu diesen Leistungen, mehr oder weniger trivialem Alltag nachgehen können. Um sich einen Überblick über dieses riesige, beeindruckende Gesamtkunstwerk zu verschaffen, könnten Sie in einem ‚Meeting mit mir selbst‘ ein Organigramm dazu erstellen!
Kathrin Marter

5. Und wie du wieder aussiehst!

Zusammenfassung
Sätze wie „Du sollst es zu etwas bringen!“ und „Was soll bloß aus dir werden?“ haben viele von uns häufig von Erziehenden und Lehrenden gehört. Wir (um hier explizit die Schuld von diesen in der Regel besorgten, es gut mit uns meinenden, liebenden, [in Sachen Erziehung, Biologie und Psychologie in der Regel noch unaufgeklärterer, selbst unversorgten] Menschen früherer Generationen zu nehmen) haben uns entschieden, diese Sätze zu übernehmen, nach ihnen zu streben und zu leben.
Kathrin Marter

6. Die Fliege, die Biene und der Mensch – über Langzeitgedächtnis-Bildung zu stressauslösenden, negativen Glaubenssätzen und Leid

Zusammenfassung
Bienen sind wahre Meisterinnen im Lernen. Sie leben in einem Bienenstock, der als Superorganismus zu bezeichnen ist, das heißt als Zusammenleben einer Vielzahl von Einzelorganismen, die voneinander abhängig (und als Einzelorganismen nicht überlebensfähig) sind und insgesamt eine selbstregulierende Einheit bilden. (Spektrum 2020d) Bienen sind eusoziale Insekten. Eu- bedeutet gut. Sie leben sozusagen in einem Mehrgenerationenhaushalt mit strenger Arbeitsteilung. Der Fleiß jeder einzelnen Biene trägt dabei zum Erhalt der Art bei. Der ‚soziale‘ Druck auf die ausfliegenden Sammlerinnen Nektar heim zu bringen, um das Überleben des Stockes, den Erhalt des Superorganismus, im Winter zu sichern, ist hoch. An der Blüte assoziieren sie unter anderem den Duft der Blüte mit dem Blütennektar und bilden, wenn attraktiv, ein Gedächtnis dafür. Dieses Lernphänomen machten und machen Wissenschaftler*innen sich im Labor in klassischen Konditionierungsexperimenten (Pawlow 1927; Watson 1913) zu Nutze, um die Grundlagen von Lernen und Gedächtnis zu erforschen. Wie der Pawlowsche Hund auf das Futter mit Speichelfluss reagiert, reagiert die Biene mit dem Ausstrecken ihres Rüssels, wenn ihre Antennen oder Teile der Mundwerkzeuge mit Zuckermolekülen in Berührung kommen. Dieses angeborene Verhalten (PER → Proboscis Extension Respone; Rüsselantwort) lässt sich im Labor messen. (z. B. Kuwabara 1957; Matsumoto et al. 2012) Um den Bienen im Labor etwas Neues ‚beizubringen‘, haben ich (und viele andere) Nelkenduft benutzt (vgl. Marter et al. 2014). Nelkenduft ist recht intensiv und es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Bienen im Frühjahr und Sommer, wenn sie in Deutschland draußen unterwegs sind und Nektar sammeln in Kontakt mit Nelkenduft kommen. Sie sind diesem Duft gegenüber im Labor naiv. Das lässt sich auch im ersten Training testen: Wenn sie zum ersten Mal in Kontakt mit dem Nelkenduft kommen, sollten sie den Rüssel nicht rausstrecken. Bienen, die das doch tun, werden aus dem Experiment ausgeschlossen. Es könnte sein, dass sie übermotiviert waren, oder aufgrund von früheren Erfahrungen (im botanischen Garten oder auf Balkonen) schon ein Gedächtnis für den Nelkenduft hatten.
Kathrin Marter

7. Habe ich es denn nun geschafft?

Zusammenfassung
Stark gefestigte negative Glaubenssätze und erlernte ungesunde Gewohnheiten führen dazu, dass wir uns dauerhaft zu viel zumuten und zu wenig auf die Bedürfnisse unserer Psyche und unseres Körpers hören und nicht mit unseren Gefühlen verbunden sind. Das digitale Zeitalter gibt uns durch die Feeds, die wir abonnieren, die Filme, die wir schauen, allgegenwertige Werbung, Spam, Filteralgorithmen und vielem mehr nun reichlich Möglichkeit in diesem Schema zu bleiben.
Kathrin Marter

8. Was in unserem Körper passiert, wenn er gestresst ist

Zusammenfassung
Die Steuerung unseres autonomen Nervensystems, das heißt auch unserer körperlichen Stressantwort, beginnt zentral, recht mittig im Inneren unseres Gehirns, im Hypothalamus. Ja genau, dem Hypothalamus, welcher über den Tageslichteinfall und seine direkten Nervenverbindungen mit der Netzhaut unserer Augen auch unsere zirkadiane Uhr und diese unseren Hormonhaushalt, Schlaf-Wach-Zyklus, unsere Körpertemperatur usw. beeinflusst.
Kathrin Marter

9. Von der (Ohn-)Macht über unsere Emotionen

Zusammenfassung
Die zentrale, an der Stressantwort beteiligte Gehirnstruktur, unser Hypothalamus, ist eine Informationen-integrierende, in etwa Daumennagel-große, steuernde Schaltzentrale im Innern unseres Gehirnes. Er ist Stellvertretende*r sowohl für das zahme Kätzchen, als auch des*der Tiger*in in uns. Unser Hypothalamus reguliert unsere Körperphysiologie und unser Verhalten im Sinne der Anpassung von Körper und Psyche an die jeweilige Umwelt (z. B. Regulation des Schlafes im Tag- und Nachtrhythmus). Er ‚weiß‘ so ziemlich alles über uns, auch die Dinge, die wir selber bewusst über uns noch nicht wissen. Wir können ihn nicht belügen. Er erhält, über neuronale Verschaltungen von nahezu jeder anderen Substruktur unseres Gehirns (so auch aus dem visuellen, olfaktorischen, viszeralen und emotionalen [limbischen] System, dem Hirnstamm und dem Frontalcortex) Informationen und verschaltet auch in diese zurück. Außerdem kommuniziert er mit unseren Organen, indem er neuronale Signale in hormonelle umwandelt und über das Blutsystem zu den Zielorganen schickt. Die hormonelle Kommunikation funktioniert auch vice versa. (Squire et al. 2008) Es gibt nahezu täglich neue wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Biomolekülen aus dem Gehirn, häufig auch im Zusammenhang mit dem Hypothalamus, die in irgendeiner Weise unsere Physis, unser Verhalten, oder unsere Emotionen steuern.
Kathrin Marter

10. Chronischer Stress & die Pathologie des Erfolgs

Zusammenfassung
Es gibt sicher Menschen in unseren Umfeldern, die uns glauben lassen wollen, dass mit uns bzw. unserer Psyche etwas nicht in Ordnung ist, wenn wir körperliche Stresssymptome haben. Dies sind häufig Menschen, denen gegenüber wir weisungsgebunden oder doch in irgendeiner Weise emotional verbunden sind (was nicht unbedingt bedeutet, dass sie Macht über uns haben). Menschen, welche uns glauben lassen wollen, dass mit uns etwas nicht in Ordnung ist, oder wir ‚nicht in Ordnung‘ sind, sorgen häufig für weiteren Stress in uns. In einem Umfeld auf Augenhöhe, in dem ich akzeptiert, wertgeschätzt und verstanden bin, kann ich mich sicher fühlen. Es gäbe dann keinen Grund für eine dauerhafte Stressantwort. Die Stressantwort spiegelt in Situationen, in denen wir vermeintlich ‚nicht in Ordnung‘ sind, häufig auch tatsächliche Bedrohungen. Wir reagieren ja schließlich nicht umsonst emotional mit Angst oder Wut und körperlich mit Flucht oder Kampf aus früheren Erfahrungen heraus. Das Bemerken lädt uns dann ein, eine Situation oder gar ein System besser zu verlassen oder uns zumindest vorzusehen und achtsam zu sein.
Kathrin Marter

11. Gesunde Lebensplanung, Naschis & Schlussworte

Zusammenfassung
Eine rückblickende, reflektierende Auseinandersetzung mit der jeweiligen stressauslösenden Situation und das Wissen um die beteiligten Stressoren hilft, die Situation besser zu verstehen, aus den gemachten Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen (zu lernen) und das eigene Stresslevel so langfristig und nachhaltig zu verstehen und kontrollieren zu können. Das fällt uns allerdings sehr schwer. Es fehlt häufig eine gute Anleitung. Das liegt auch daran, dass Stress sehr individuell ist und es deshalb keine allgemeinen Lösungen für individuelle Menschen mit individuellen Biografiekurven (mit entsprechenden Gedanken und Gewohnheiten), system- und situationsabhängigen Bedürfnissen und individuellen Herausforderungen geben kann. Individuelle Anleitung durch Festigung von neuem Wissen (hin zu neuen Langzeitgedächtnissen mit positiveren Inhalten) und neuen Gewohnheiten erarbeiten wir, jede*r individuell und in Eigenverantwortung, in dem wir uns regelmäßig und langfristig mit uns und unserem Stresslevel beschäftigen, uns selbstliebende Reflexionsräume geben und Freude, Spaß, Bewegung und Entspannung suchen. Gesunder, zufriedener, bewegter, entspannter, fokussierter, angstfreier Alltag kann nach einiger Zeit und einiger Übung spielerisch! wie in ◘ Tab. 11.1 dargestellt, gelebt werden.
Kathrin Marter

Backmatter

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