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18.01.2022 | E-Government | Im Fokus | Online-Artikel

Woran es bei der Digitalisierung in Deutschland hapert

verfasst von: Anja Schüür-Langkau, Alexander Ebert

2:30 Min. Lesedauer
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Wo Deutschland beim Thema Digitalisierung im internationalen Vergleich aktuell steht und wo es Nachholbedarf gibt, hat eine Studie des Ifo-Instituts ermittelt. 

Die Innovationsfähigkeit Deutschlands liegt im Vergleich zu anderen Ländern nach wie vor im Mittelfeld. Dies liegt unter anderem an der niedrigen und seit Jahren rückläufigen Gründungsrate. Auch bei E-Government scheidet Deutschland weiterhin unterdurchschnittlich ab, wobei es vor allem bei den Themen Nutzerfreundlichkeit, behördlichem Datenaustausch und digitalen Verwaltungsangeboten für Unternehmen Nachholbedarf gibt.  

Zu diesen Hauptergebnissen kommt die Studie "Benchmarking – Digitalisierung in Deutschland". die das ifo-Institut im Auftrag der IHK München und Oberbayern durchgeführt hat. Die Untersuchung basiert im Wesentlichen auf Literaturstudien, liefert aber auch Vergleiche mit Digitalsierungs-Vorbildern wie Dänemark, Estland, Israel, England und den USA. Analysiert wurden in der Studie der IKT-Sektor, plattformbasierte Geschäftsmodelle, digitale Kompetenzen, Einstellungen zu Digitalisierung, digitale Infrastruktur, E-Government und vorbildliche Digitalisierungsstrategien verschiedener Länder. 

Digitale Kompetenzen im Mittelfeld

Fachkräfte im IKT-Sektor, aber auch Schülerinnen und Schüler in Deutschland schneiden der Studie zufolge im internationalen Vergleich mittelmäßig ab.  Einen Grund dafür sehen die Studienverantwortlichen in den Defiziten bei der IKT-Ausstattung in den Schulen und fehlenden Kompetenzen bei den Lehrkräften. 

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Digitale Infrastruktur besser als erwartet

"Überraschenderweise zeigen die Daten der UN, der OECD und der EU, dass sich Deutschland bei der digitalen Infrastruktur im oberen Mittelfeld bewegt, heißt es in der Studie. Im Vergleich mit anderen EU- und OECD-Ländern schneide Deutschland überdurchschnittlich ab und befinde sich bei vielen Indikatoren im oberen Drittel. Dabei gebe es teilweise kein "Angebots- sondern ein Nachfrageproblem, denn "wo leitungsgebundene und mobile Internetanschlüsse verfügbar sind, wird ihr Potenzial oft nicht ausgeschöpft und schnelles Internet nicht nachgefragt".

Nachholbedarf im E-Government 

Bei Thema E-Government hat die Studie mehrere Problemfelder aufgezeigt. So hapert es unter anderem an der Nutzerfreundlichkeit und dem Vertrauen in digitale öffentliche Dienstleistungen, am fehlenden Datenaustausch zwischen den Behörden sowie fehlenden öffentlichen Dienstleistungen für Unternehmen. 

Als Hauptursachen nennt die Studie fehlende Entscheidungskompetenzen in den föderalen Strukturen, die Beschaffung im öffentlichen Sektor, fehlende digitale Kompetenzen in der Verwaltung sowie zu geringen Datengrundlagen. Zwar seien in den vergangenen Jahren die rechtlichen Grundlagen für eine moderne Verwaltung vorangetrieben und einige Projekte auf Bundes- und Landesebene angestoßen worden, um die Bereitstellung digitaler öffentlicher Dienstleistung zu verbessern. Allerdings sei die Umsetzung der Projekte zumeist schleppend und ineffizient. 

Bürgerinnen und Bürger als Treiber

Unstrittig ist, dass die Digitalisierung die notwendigen Veränderungen in der Verwaltung massiv vorantreiben. Allerdings seien es vor allem die Bürgerinnen und Bürger, "die den Veränderungsprozess der Verwaltung vorantreiben",  schreibt Springer-Autor Franz-Rheinhardt Habbel in seinem Beitrag "Wie Digitalisierungsstrategien die Verwaltung verändern" (S. 120).  "Bürgerinnen und Bürger nutzen neue Dienstleistungen, wie zum Beispiel Navigation, Umweltinformationen, verbesserte Sicherheit durch Videoüberwachung, die in verstärktem Maße von privaten Dienstleistern im Wettbewerb angeboten werden."

Für die Kommunen bedeute diese Entwicklung, sich verstärkt dem Bereich der E-Daseinsvorsorge zu widmen und die lokalen und regionalen Infrastrukturen mit digitalen Komponenten zu versehen (Internet of Things). Es seien die Daten, die in Zukunft die gesamte Infrastruktur steuern würden. Habbel: "Mit dem datengetriebenen 2D-Government" (Data Government) ist ein Paradigmenwechsel verbunden, der in seinen Auswirkungen noch nicht ansatzweise erkannt worden ist". 

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