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15.07.2021 | E-Payment | Gastbeitrag | Onlineartikel

Payment-Champions brauchen Schnittstellen und Märkte

Autor:
Nicolas Mackel
4:30 Min. Lesedauer

Die Harmonisierung und die Integration zusätzlicher Dienstleistungen prägen die Entwicklung des europäischen Payment-Marktes. Sie sind Herausforderung und Chance für Banken wie für Finanzplätze. Dabei kommt es vor allem auf eine gute Vernetzung an.

"Keine Kartenzahlung möglich" - noch gibt es diese Schilder gerade in Deutschland. Aber sie werden seltener. Corona hat das elektronische Bezahlen weiter nach vorne gebracht. Mit bleibendem Effekt: Laut Umfragen der Europäischen Zentralbank wollen fast 90 Prozent der Bürger der Eurozone auch nach Ende der Pandemie wahrscheinlich oder absolut sicher weniger in bar zahlen. 

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Große Unterschiede bei den Bezahlpräferenzen

Was die genaue Präferenz des Zahlungsweges angeht, bestehen zwischen den einzelnen Ländern Europas aber weiter große Unterschiede, wie eine Untersuchung der Emerging Payments Association EU (EPA) aus dem vergangenen Jahr zeigt. Dominieren in einem Land die traditionellen Kreditkarten bei den Zahlungen, sind anderswo E-Wallet-Lösungen für viele das Verfahren der Wahl. Zwischen- und Mischlösungen lassen die Vielfalt der in Europa eingesetzten Verfahren und Systeme in die Hunderte gehen.

Auch auf der Anbieterseite ist der Markt für Zahlungsdienstleistungen in Europa nach wie vor fragmentiert. Daran haben auch der einheitliche Europäische Zahlungsraum (SEPA) und der durch die erste Zahlungsdienstleisterrichtlinie (PSD1) bereits 2007 geschaffene einheitliche Rechtsrahmen für bargeldlose Zahlungen in der EU nichts geändert. Gleichzeitig sind Zahlungsdienstleistungen ein gutes Beispiel dafür, wie sich durch Größenvorteile und Skaleneffekte die Effizienz steigern und zusätzliche Services entwickeln lassen. Vieles spricht daher für eine Konsolidierung des Marktes. 

PSD2 ist wichtiger Treiber im Payment

Der Markt steht erst am Anfang der Entwicklung. Für die stärkste Veränderung am Payment-Markt sorgt indes die zweite europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, die 2018 in Kraft getreten ist. Die Vorgabe, dass Banken bei entsprechender Genehmigung seitens des Kunden über geeignete Schnittstellen für Drittanbieter einen direkten Zugang zu den Konten und Daten ihrer Privatkunden gewähren müssen, hat das Potenzial, die Art wie Menschen ihre Finanzen verwalten, grundlegend zu verändern. 

Und sie definiert das Verständnis von Zahlungsdienstleistungen neu. In der Vergangenheit bedeutete Payment, möglichst schnell und reibungslos Zahlungen von A nach B abzuwickeln. Heute ist es ein zentrales Element für Plattformen, um Daten etwa für eine elektronische Identifizierung, zur Vermögensverwaltung oder für ein gezieltes Marketing effektiv zu nutzen und zu monetarisieren. 

Vernetzung ist im Payment bestimmend

Ein echter europäischer Markt auch im Zahlungsverkehr ist das erklärte Ziel der Regulierung auf europäischer Ebene. Dank des Passporting-Systems können in einem Land lizensierte Anbieter ihre Leistungen in der gesamten EU anbieten. Das hat dazu geführt, dass sich in Europa Zentren für E-Payment und E-Money-Dienstleistungen gebildet haben. Luxemburg ist eines davon. 

Dort haben sich seit Mitte der 2000er-Jahre Anbieter wie Paypal, Amazon Pay oder Rakuten angesiedelt. Im Zuge des Brexit kamen weitere hinzu, darunter Alipay oder Airbnb. Sie finden im Großherzogtum das passende Öko-System: eine technologische Infrastruktur, Experten für den gesamten europäischen Markt, eine Aufsicht, die Erfahrung mit der Kontrolle grenzüberschreitender Geschäfts hat, sowie Anschluss an Unternehmen aus den unterschiedlichen Finanzsektoren. 

Dere Finanzplatz ist bereits seit langem auf grenzüberschreitende Finanzprodukte und -dienstleistungen spezialisiert, was insbesondere für globale Unternehmen ein wichtiger Faktor ist. Mit der Einführung von PSD2 hat sich Luxemburg auch als Standort einer der größten offenen Bankplattformen in Europa mit spezialisierten Anbietern von API-Gateways etabliert, die auf den Bedarf von Banken zugeschnitten sind.

Wettbewerb definiert Rolle der Banken 

Vernetzung und Integration werden weiter die Entwicklung des Payment-Marktes in Europa charakterisieren. Erstens durch eine weitere Verknüpfung der einzelnen Systeme auch über Ländergrenzen hinweg und zweitens durch die Integration weiterer Dienstleistungen in den Payment-Prozess. Auch die Retail Payment-Strategie der Europäischen Union spiegelt diese doppelte Stoßrichtung wider. Sie sieht die Förderung grenzüberschreitender, europaweiter Lösungen für den Zahlungsverkehr vor und unterstützt den Open-Banking-Gedanken. 
Für den Finanzsektor folgt daraus: Der Wettbewerb durch neue, vor allem technologiegetriebene Anbieter hoch bleibt. 

Waren Zahlungsdienstleistungen in der Vergangenheit eine der Kernkompetenzen von Banken, stehen diese heute im Wettbewerb mit spezialisierten Dienstleistern und Tech-Unternehmen. So haben E-Commerce-Anbieter elektronische Verfahren längst in ihre Systeme integriert und Akteure wie Google oder Apple haben ihre jeweiligen Ökosysteme in den Zahlungsverkehr ausgeweitet. 

Für Banken bedeutet das, sie laufen Gefahr, ihre Schnittstelle zum Kunden zu verlieren und mit ihr den Zugang zu den Daten. Sie brauchen ein überzeugendes Angebot mit integrierten Mehrwertleistungen etwa über Kooperationen mit Drittanbietern, um Privatkunden zu begeistern und langfristig an das eigene Haus zu binden. In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Capgemini haben entsprechend mehr als zwei Drittel der befragten Banken den Verlust bestehender oder künftiger Kundenbeziehungen als größte Gefahr im Zusammenhang mit der digitalen Transformation bezeichnet. 

Neue Payment-Lösungen verändern Finanzdienstleistungsmarkt

Die Entwicklung der Payment-Lösungen wird Charakter und Möglichkeiten zentraler Finanzdienstleistungen in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Um eigene Lösungen und starke Anbieter in einem konsolidierten Markt hervorzubringen, braucht Europa einen wirklich integrierten Markt. Europäische Champions im Payment-Markt können – wie in fast jeder innovativen Industrie – besonders gut in Clustern wachsen. Diese Finanzplätze zeichnen sich durch Infrastruktur, Vernetzung mit Technologieunternehmen wie Finanzinstituten und den Zugang zum gesamteuropäischen Markt aus und ermöglichen die Integration von Services entlang der Customer Journey und Skalierung der Payment-Plattformen ermöglichen. 


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