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08.07.2020 | E-Payment | Im Fokus | Onlineartikel

Die Zukunft des Zahlungsverkehrs gehört dem M2M-Payment

Autor:
Michael Titsch
3 Min. Lesedauer

Durch die rasante Weiterentwicklung des Internet of Things entstehen Milliarden autonom zwischen Maschinen getätigter Transaktionen. Die Chancen und Herausforderungen für Finanzdienstleister beschreibt Michael Titsch.

Morgens 7 Uhr: Der Kaffee ist durchgelaufen und die Milch ist alle – ärgerlich. Wäre es nicht eine schöne Vorstellung, dass der Kühlschrank die Milch rechtzeitig ordert? Im Internet of Things (IoT) kann das schnell Wirklichkeit sein. Aktuell würde das Beispiel allerdings scheitern, denn um die Milch zu bezahlen, ist eine menschliche Autorisierung notwendig. Geht diese in der Tageshektik unter, bleibt der Kaffee am nächsten Morgen schwarz. Die Lösung sind autonome Zahlungen zwischen Maschinen, also Machine-to-Machine(M2M)-Payments. Das Marktpotenzial dafür ist enorm, bis 2027 ist mit bis zu 85 Milliarden zusätzlicher Transaktionen alleine im Euroraum zu rechnen. Zahlungsdienstleister tun gut daran, sich möglichst bald auf diesen neuen Markt einzustellen.

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01.12.2019 | Editorial | Ausgabe 6/2019

IoT Best Practices

Das Internet der Dinge (Internet of Things – IoT) ist längst Realität. Mehr oder weniger intelligente Dinge messen, analysieren und kommunizieren weltweit, verbunden über das Internet, mit anderen Dingen. Was als Spielerei im Privaten begann, ist heute ernstzunehmender Wettbewerbsfaktor für unzählige Unternehmen.

Noch fehlen Rahmenbedingungen für M2M-Payments

Zunächst ist aber auch die Politik gefragt. Die muss zwei grundlegende Problemkreise lösen. Zum einen fehlt es Maschinen bisher an einer eigenen Rechtspersönlichkeit sowie den damit einhergehenden Regelungen zu Haftung und Authentifizierung. Zum anderen ist die Schaffung rechtsverbindlicher Maschinenidentitäten notwendig. Die Verwendung digitaler Zertifikate dürfte hier der Normalfall sein. Um diesen universelle Gültigkeit zu verschaffen, sind neutrale Instanzen gefragt, beispielsweise die Bundesdruckerei oder Globalsign.

Finanzdienstleister sollten aber nicht warten, bis alle Antworten zu diesen Grundsatzfragen vorliegen. Sie müssen selbst anfangen, Lösungen für eine ganze Reihe einzelner Aspekte zu entwickeln. Dazu gehören:

Sicherheit der Maschinen

Offene Schnittstellen, Datenaustausch mit Drittanbietern, ein hoher Vernetzungsgrad und vielfach einfache Software bieten Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Der potenzielle Schaden durch unbefugt ausgelöste M2M-Zahlungsströme ist enorm. Hier sind vor allem die IoT-Betreiber gefragt, in enger Abstimmung mit den Zahlungsdienstleistern einer potenziellen Vertrauenserosion vorzubeugen.

Digitales Onboarding

Die Anmeldeverfahren zu M2M-Payments für eine erste Gerätegeneration ließen sich vielleicht noch manuell bewältigen, bei einer millionenfachen Etablierung autonomer Maschinen ist dies aber nur noch digital und vollautomatisiert zu bewältigen.

Compliance-Prüfungen für Maschinen

Hieß es bislang "Know your customer" (KYC), wird zukünftig "Know your object" (KYO) wichtig. Finanzdienstleister müssen Prüf- und Dokumentationsprozesse hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit und wirtschaftlichen Zuordnung einer Maschine entwickeln.

Identifikation von Maschinenzahlungen

Die Zahlungsverkehrssysteme müssen um Felder und Funktionen zur eindeutigen Zuordnung einer Maschine erweitert werden, etwa deren Autorisierungsmethode oder das Identitätszertifikat.

Verarbeitung von Rückinformationen

Maschinen müssen – je nach genutztem Zahlverfahren – auch in der Lage sein, prozessuale und technische Störungen zu verarbeiten. Das umfasst insbesondere Fälle wie

  • Dispositionsprüfung mit negativem Ergebnis,
  • fehlende Zahlungseingangsbestätigungen,
  • Widerruf von Zahlungen,
  • technische Unterbrechungen in der Zahlungskette,
  • Angriffe auf die Maschine und
  • Erkennen von Betrugsfällen.

Komplexes Reporting

Die Aufbereitung und Abrechnung von maschinellen Nutzungsdaten sowie die zusätzlichen Informationen über die Maschinen muss für unterschiedliche Reportings konfiguriert sein. Entsprechend hohen Anforderungen unterliegt die Datenstruktur.

Auswirkungen auf das Gesamtbanksystem

Daneben hat die Einführung von M2M-Payments weitreichende Folgen für die Institute insgesamt. So nimmt die Bedeutung geschlossener Ökosysteme zu, beispielsweise in Form autonomer Automobilflotten einzelner Anbieter. Darauf sollte sich der Vertrieb einstellen. Jeder Zahlungsdienstleister muss zudem entscheiden, ob er als reiner Infrastrukturanbieter auftritt oder selbst Kundenlösungen und datenbasierte Geschäftsmodelle entwickelt. Für beides gibt es gute Argumente.

In jedem Fall müssen Zahlungsdienstleister ihre Systeme auf die neuen maschinellen Teilnehmer in der Payments-Landschaft vorbereiten. Die Anforderungen an die Lastfähigkeit der Infrastruktur steigen enorm, genauso wie die Bedeutung von 24/7/365-Betriebsmodellen und die Abwicklung von Geschäften in Echtzeit. Neue Identitäten und Zertifikate, Prozessanpassungen sowie Milliarden zusätzlicher Transaktionen werden europäische, historisch gewachsene Systemlandschaften endgültig an ihre Grenzen bringen.

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