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29.08.2017 | Echzeitsysteme | Interview | Onlineartikel

Künstliche Intelligenz kann auch intuitiv handeln

Autor:
Andreas Burkert

Zu wissen, was als nächstes zu tun ist, ist eine Eigenschaft der Intelligenz, erklärt Professor Hermann Hauser in einem Interview mit Springer Professional. Eine Eigenschaft, die von Künstlichen Intelligenzen zum Beispiel im autonomen Straßenverkehr auch bald beherrscht werden wird.

Dass sich die weltbesten Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz in einer ehemaligen Werkshalle von Swarovski treffen, ist nichts Außergewöhnliches. Kreativität braucht Freiräume und einen Mentor, der sie fördert. Auch deshalb unterstützt Hauser mit seinem Institute for Entrepreneurship Cambridge-Tirol (I.E.C.T.) ausgesuchte Entrepreneure und Start-ups. Anlässlich der dritten I.E.C.T.-Veranstaltung "The State of A.I. – Riding the 6th Wave of Computing – or drown?", die in Wattens, Österreich, stattfand, trafen wir den KI-Experten Hauser, der gemeinsam mit Alois Saria, dem österreichischen Leiter des Human Brain Project der EU sowie Robert Trappl, Chef des österreichischen Forschungscenters für Künstliche Intelligenz, über eine sich radikal ändernde Digitalisierung sprach. 

Springer Professional: Herr Professor Hauser, wenn schon die Frage nach der Intelligenz eines Menschen zu keiner klar definierten Antwort führt, wie gelingt es denn hinsichtlich der Künstlichen Intelligenz von Maschinen?

Hermann Hauser: Zu wissen, was als nächstes zu tun ist, ist eine Eigenschaft der Intelligenz. Beim Menschen spielt dabei Tatsache eine Rolle, dass er sich seine Ziele selbst definieren kann. Allerdings mit dem Manko, dass der Mensch sehr schlecht darin ist, sich das richtige zu wünschen.

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Jeder kennt sie. Smartphones, die mit uns sprechen, Armbanduhren, die unsere Gesundheitsdaten aufzeichnen, Arbeitsabläufe, die sich automatisch organisieren, Autos, Flugzeuge und Drohnen, die sich selber steuern, Verkehrs- und Energiesysteme mit autonomer Logistik oder Roboter, die ferne Planeten erkunden, sind technische Beispiele einer vernetzten Welt intelligenter Systeme. 


Da kommt dann die Intuition ins Spiel?

Zum Beispiel. Vermutlich würden Künstliche Intelligenzen bessere Entscheidungen treffen als Menschen, denen das "Genie-Problem" im Weg stehen würde.

Genial, so haben Sie es erklärt, war aber auch der Spielzug von AlphaGo beim chinesischen Nationalspiel Go. Von dem meinen Sie, dass er aufgrund seiner Außergewöhnlichkeit mit einer intuitiven Handlung gleichzusetzen ist. Was, wenn dieses Verhalten im Automobil zur Anwendung kommt und diese sich im Straßenverkehr gegenseitig ausspielen?

Ich halte das für ein künstliches Konstrukt. Dass sich die Künstlichen Intelligenzen untereinander ausspielen, wer da etwa als erster über die Straße fährt, ist kein reales Problem. Das lässt sich übrigens mit der Spieltheorie verhältnismäßig leicht auflösen.

Auch jenes Problem, wie die künstliche Intelligenz im unausweichlichen Fall eines Unfalls entscheidet: Fahre ich das Kind oder aber die Personengruppe an?

So etwas werden Sie im realen Verkehr nie erleben. Ein Mensch wird sich nie die Frage stellen, töte ich jetzt das Kind oder die fünf Personen. In der Praxis ist es aber so, dass autonom fahrende Automobile wesentlich sicherer sein werden als die Menschen. Und das ist ja kein besonders hohes Niveau oder großes Problem.

Wenn künstliche Intelligenzen zumindest auf den Straßen das Leben sicherer machen, warum warnt Elon Musk vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz? Wie er fordern auch Sie vor diesem Hintergrund ethische Regeln.

Werden die Modelle trainiert, ist es kaum mehr möglich die Entscheidung nachzuvollziehen. Damit wären auch unethische, möglicherweise diskriminierende Verhaltensmuster möglich. Und darum sollten wir über ethische Regeln nachdenken. Aber ich bin da ein Optimist. Ich glaube, dass wir mit den künstlichen Intelligenzen koevolvieren werden. Das autonome Automobil ist da ein gutes Beispiel. Weil jeder annimmt, dass die Umstellung vom Selberfahren zum autonomen Autofahren eigentlich schön langsam und recht geordnet vollzogen wird. 

Das Ausstatten von Fahrzeugen mit vielen Kameras ist eine Sache. Die andere ist, im Bereich der Künstlichen Intelligenz ganz vor mitzuspielen. Und da scheinen US-amerikanische IT-Unternehmen besser aufgestellt als deutsche Automobilhersteller.

Das ist so. Das sehe ich auch als Problem.

Ihr Rat an die deutsche Automobilbranche? 

Sie sollte sich viel intensiver mit der Software auseinandersetzen, sich mit den führenden autonomen Softwarefirmen zusammentun. Ob dies aber gelingen wird, ist im Automobilbereich derzeit nicht klar. 

Gelingt es denn den chinesischen Unternehmen?

Wenn Sie es ganz speziell auf das autonom fahrende Automobil beziehen, da muss man natürlich schon akzeptieren, dass es bei weitem mehr elektrisch angetriebene Fahrzeuge in China gibt als in Amerika  und Europa. Und ich nehme auch an, dass autonome Fahrzeuge in China wahrscheinlich früher existieren können als in Europa und den USA. 

Warum?

Weil die genauso gescheite Ingenieure haben und sehr schnell auf neue Industriezweige einsteigen. Darin sehe ich eine Gefahr wie auch eine Herausforderung für die europäische und amerikanische Automobilindustrie.

Nun lassen sich grob geschätzt weit über 90 Prozent der Situationen im Straßenverkehr durch Künstliche Intelligenz und Big Data abschätzen und beherrschen. Wie aber werden restlichen Sonderfälle (Long Tail) betrachtet? 

Solche Fälle lassen sich nie ganz ausschließen. Bedenken Sie aber, dass autonom fahrende Automobile derzeit bereits über bis zu 16 Kameras verfügen. Die erfassen damit das Umfeld wesentlich genauer, als das es ein Mensch kann. Und dennoch wird es Unfälle auch mit der künstlichen Intelligenz geben. Nur meine Erwartung ist, dass es im Schnitt weniger Unfälle geben wird als durch den Menschen.

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Quelle:
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