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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Beantwortung der Frage, in welcher Form und in welcher Stärke sich die Erhebung einer Steuer im Verhalten von der Besteuerung betroffener Individuen niederschlägt, zählt seit jeher zu den zentralen und für die Beurteilung finanzpolitischer Entscheidungen wichtigsten Vorhaben der Finanzwissenschaft. Ausgangspunkt jeder theoretischen Auseinandersetzung mit den Wirkungen der Besteuerung ist die Beobachtung, daß mit dem steuerbedingten Ressourcenentzug konfrontierte Haushalte Strategien entwickeln, die zu leistende Steuerzahlung durch Ausweichhandlungen zu vermeiden: So gut wie jede Steuer beeinflußt das Gefüge relativer Preise einer Ökonomie und führt zu Substitutionsprozessen zugunsten nicht oder geringer besteuerter Aktivitäten. In der Folge besteht eine der wichtigsten Erkenntnisse einer finanzwissenschaftlichen Beschäftigung mit den Steuerwirkungen darin, daß die schiere Existenz solch durch preisliche Verzerrungen bedingter Substitutionseffekte über die eigentliche Zahllast der Steuer hinausgehende Nutzenverluste auf Seiten der besteuerten Haushalte bewirkt. Es ist unvermeidlich, daß die Wohlfahrt steuervermeidender Haushalte sinkt.
Hannes Schellhorn

2. Theorie der Steuervermeidung

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Steuervermeidungsverhalten von Haushalten, deren Einkommen der Besteuerung unterliegt. In einer sehr allgemeinen Definition versteht diese Arbeit unter dem Begriff der Steuervermeidung sämtliche Handlungen eines Individuums, die als Reaktion auf den steuerlichen Eingriff in relative (Konsumgüter) Preise auf legale Weise in einer Verringerung des zu entrichtenden Steuerbetrags resultieren.
Hannes Schellhorn

3. Steuervermeidung in Deutschland

Zusammenfassung
Als Grundlage der im folgenden vorgestellten empirischen Untersuchung zum Steuervermeidungsverhalten deutscher Haushalte dient das Einkommensteuer-Panel des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW), Tübingen. Dieser Datensatz enthält den größten Teil der Veranlagungsdaten einer identischen Gruppe von Steuerpflichtigen, die in den Veranlagungsjahren 1988 bis 1991 ununterbrochen zur veranlagten Einkommensteuer herangezogen wurden. Die ursprüngliche Auswahl der im Datensatz enthaltenen Steuerfälle erfolgte auf Basis einer Zufallsstichprobe aus allen baden-württembergischen Steuerpflichtigen, deren Steuerschuld des Jahres 1988 im Rahmen der veranlagten Einkommensteuer ermittelt wurde.67
Hannes Schellhorn

4. Elastizität des zu versteuernden Einkommens: Literatur

Zusammenfassung
Die Frage, in welcher Form und in welcher Stärke sich die Erhebung einer Steuer im Verhalten der besteuerten Individuen niederschlägt, steht seit jeher im Mittelpunkt der empirisch orientierten finanzwissenschaftlichen Literatur. Dieser Abschnitt gibt einen selektiven Überblick über Vorgehen und Ergebnisse vorliegender Untersuchungen zu der Intensität, mit der Steuerpflichtige auf die Besteuerung persönlicher Einkommen durch Strategien zur Minderung der deklarierten Bemessungsgrundlage reagieren. Der erste Teil beschäftigt sich mit dem methodisch “traditionellen” und bis Mitte der 1990er Jahre dominierenden Strang der relevanten Literatur, der sich meist auf die Effekte einer einzelnen steuerlichen Verzerrung relativer Preise und einer einzelnen Form der Steuervermeidung — typischerweise (aber nicht nur) auf die Wirkung steuerbedingt gesunkener Nettolohnsätze auf das individuelle Arbeitsangebot — konzentriert.
Hannes Schellhorn

5. Elastizität des zu versteuernden Einkommens: Diff-in-Diff-Berechnung

Zusammenfassung
Im Mittelpunkt der empirischen Teile vorliegender Arbeit steht die Frage nach der Sensitivität, mit der deutsche Steuerpflichtige auf die Besteuerung ihres Einkommens durch Steuervermeidung reagieren, d. h. die empirische Schätzung der Elastizität des zu versteuernden Einkommens in der Bundesrepublik. In Anlehnung an die verwandte und in Abschnitt 4.3 beschriebene Literatur interpretiert unsere in den folgenden Abschnitten vorgestellte Untersuchung die Steuerreform 1990 als quasi-natürliches Politikexperiment, in dessen Verlauf Grenzsteuersatz und Residualrate der Steuerpflichtigen einer aus ihrer Sicht exogenen Änderung in substantiellem Umfang unterlagen. Die empirische Strategie macht sich den Längsschnittcharakter der im IAW-Steuerpanel enthaltenen Veranlagungsdaten zunutze und identifiziert die Intensität des individuellen Steuervermeidungsverhaltens in der Änderung des zu versteuernden Einkommens, das von der reformbedingten Änderung ihrer Residualrate in unterschiedlichem Ausmaß betroffene Steuerpflichtige im Veranlagungsjahr 1990 — im Vergleich zur Situation vor Durchführung der Reform — deklarierten. Dieser Abschnitt stellt zunächst die wichtigsten Bestandteile der Steuerreform 1990 vor und beschreibt, welchen Änderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen sich die Steuerpflichtigen — unter der Annahme, sie hätten das vor Durchführung der Reform gezeigte Verhalten beibehalten — im Veranlagungsjahr 1990 gegenübersahen.
Hannes Schellhorn

6. Elastizität des zu versteuernden Einkommens: Fixed Effects-Modell

Zusammenfassung
In Abschnitt 5 dieser Arbeit haben wir die Ergebnisse einer Schätzung der Elastizität des zu versteuernden Einkommens deutscher Steuerpflichtiger vorgestellt, die auf der Verwendung einer an Feldstein (1995a) orientierten Variante der difference-in-differences-Methode beruht. Das Ergebnis bestand darin, daß die durch diff-in-diff-Berechnungen ermittelten Elastizitäten allgemein sehr gering ausfallen und ganz überwiegend — abgesehen von Experimenten, die ausschließlich Steuerpflichtige mit Einkünften aus selbständiger Arbeit oder Steuerpflichtige mit negativen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung einbeziehen — negative Werte annehmen.
Hannes Schellhorn

7. Zusammenfassung

Zusammenfassung
Nimmt man die Wirkungen einer Einkommensteuer auf das Verhalten der besteuerten Individuen in den Blick, beschränkt sich die finanzwissenschaftliche Perspektive traditionell ganz uberwiegend auf diejenigen Effekte, die von der Besteuerung auf die Zahl der von Lohnempfängern angebotenen Arbeitsstunden ausgehen. In dieser Sichtweise ist die Einkommensteuer einer partiellen Konsumsteuer aquivalent: Der Preis unbesteuert bleibender Freizeit verringert sich im Vergleich zum Preis aller übrigen und aus versteuertem Einkommen erworbener Guter. Das steuerlich verzerrte Preissignal motiviert zu Substitutionsprozessen zugunsten des praierentiell behandelten Konsumguts, und der Haushalt wird versuchen, einen Teil der zu leistenden Steuerzahlung durch Erhöhung seiner Freizeitnachfrage bzw. durch Verminderung seines Arbeitsangebots zu vermeiden. In ihrer gronen Mehrzahl gelangen empirische Schatzungen individueller Arbeitsangebotsfunktionen zu der Auffassung, daß bei den meisten Beschtiftigten nur eine sehr geringe Sensitivitat der geleisteten Arbeitsstunden gegenfiber steuerlichen Anreizen besteht. In der Konsequenz stiinde dem Fiskus mit der Besteuerung des (Lohn-)Einkommens eine attraktive Form der Finanzierung staatlicher Aufgaben zur Verfiigung, die ein geringes Ausmaß wohlfahrtsmindernder Substitutionseffekte mit einer gegenüber der Möhe der steuerlichen Belastung weitgehend unelastischen Bemessungsgrundlage vereint.
Hannes Schellhorn

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