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Über dieses Buch

Dieses Buch gibt einen umfassenden Überblick über Potenziale und Herausforderungen von eHealth im deutschen Kontext. Aus interdisziplinärer Sicht werden zunächst die Grundlagen und Voraussetzungen dargestellt, wie z. B. technische Standards, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Aspekte in Bezug auf Qualität und Finanzierung von eHealth-Anwendungen.

Bei der Beschreibung wichtiger Anwendungsfelder wird neben allgemeinen eHealth-Anwendungen insbesondere auf die Telemedizin als einem zentralen Instrument von eHealth eingegangen. Dabei werden Anwendungsmöglichkeiten und Anforderungen an die Telemedizin aus unterschiedlichen fachlichen Disziplinen aufgezeigt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die onlinebasierte Gesundheitskommunikation, wobei das Internet im Mittelpunkt der Diskussion steht; dieses nimmt für die Bevölkerung einen immer höheren Stellenwert beim Erwerb von (gesundheitsbezogenen) Informationen ein.

Die Zielgruppen

Das Buch wendet sich sowohl an Wissenschaftler und Studierende unterschiedlicher Fachdisziplinen, u.a. der Gesundheitswissenschaften, Medizin, Informatik und Kommunikationswissenschaften, als auch an Praktiker wie z.B. Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Medizintechnik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundlagen und Voraussetzungen für eHealth

Frontmatter

Kapitel 1. eHealth: Hintergrund und Begriffsbestimmung

Zusammenfassung
Digitalisierung erlangt eine zunehmende Bedeutung im Gesundheitswesen. Dies ist auf unterschiedliche gesellschaftliche Wandlungsprozesse zurückzuführen. Das Themenfeld „eHealth“, welches sich durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Rahmen von gesundheitsbezogenen Aktivitäten auszeichnet, ist sehr heterogen. Dies bezieht sich auf die bestehenden Begriffsdefinitionen, Anwendungsfelder sowie Nutzergruppen. Die übergreifende Zielsetzung besteht jedoch in der Sicherung und Verbesserung der Qualität in der Gesundheitsversorgung. Um das Themenfeld und die Bedeutung von eHealth besser fassen zu können, wird in diesem Beitrag eine begriffliche Einordnung und Abgrenzung vorgenommen sowie auf die Ziele und Anforderungen von eHealth eingegangen.
Florian Fischer, Violetta Aust, Alexander Krämer

Kapitel 2. Technische Standards bei eHealth-Anwendungen

Zusammenfassung
Standards stellen eine unabdingbare Voraussetzung für gelebte Interoperabilität dar. Unter Interoperabilität wird die Fähigkeit verschiedener Systeme zur möglichst nahtlosen Zusammenarbeit verstanden. Insbesondere das Zusammenwirken der Standards auf verschiedenen Ebenen ist wichtig. Zum Verständnis dieser Standards wird ein Überblick über technische Aspekte von eHealth in Deutschland gegeben. Für viele Teilbereiche existieren bereits etablierte Standards, die weiter gepflegt und miteinander verbunden werden müssen.
Bernhard Breil

Kapitel 3. eHealth: Rechtliche Rahmenbedingungen, Datenschutz und Datensicherheit

Zusammenfassung
Das Kapitel befasst sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen für eHealth-Angebote im Allgemeinen und Angeboten der Telemedizin (wie Telediagnostik, Telekonsile, Telematikplattformen, Telemonitoring) im Speziellen. Neben dem allgemeinen Vertragsrecht, insbesondere dem Behandlungsvertrag zwischen Arzt/Ärztin und Patient/Patientin, wird auch das E-Health-Gesetz behandelt. Ferner werden die werberechtlichen Vorgaben und die Probleme von ärztlichem Rat und Laienrat im Internet erläutert. Zudem werden die Grundlagen des Datenschutzes und der Datensicherheit ausgeführt, wobei auch die Vorgaben der Europäischen Datenschutzgrundverordnung vorgestellt werden. Den Abschluss bilden Leitlinien für die Ausgestaltung von internetbasierten gesundheits- bzw. krankheitsbezogenen Informationsangeboten. Dadurch werden konkrete Hilfestellungen gegeben, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für eHealth-Angebote auch in der Praxis sicher umzusetzen.
Andreas Leupold, Silke Glossner, Stefan Peintinger

Kapitel 4. Ethische Aspekte von eHealth

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag erläutert, wie eine ethische Bewertung von eHealth-Anwendungen in einer systematischen Art und Weise durchgeführt werden kann. Als ein spezieller Teilbereich der normativen Ethik muss eine ethische Bewertung von eHealth-Anwendungen zwei Hauptelemente umfassen: 1) Ein Begründungsverfahren zur Gewinnung der normativen Maßstäbe für die Bewertung und 2) ein klar definiertes methodisches Vorgehen, wie die gewonnen Kriterien zur Bewertung der eHealth-Anwendung eingesetzt werden sollen. Vorgeschlagen wird hier eine kohärentistisch begründete ethische Bewertungsmatrix, die normative Kriterien für die ethische Beurteilung von eHealth-Anwendungen enthält. Sodann wird ein methodisches Vorgehen für die ethische Bewertung vorgeschlagen, das sechs Schritte umfasst: 1) Beschreibung der eHealth-Technologie, 2) Spezifizierung der Bewertungskriterien, 3) Einzelbewertung, 4) Übergreifende Bewertung (Synthese), 5) Erarbeitung von Empfehlungen und 6) Monitoring. Das Vorgehen erlaubt eine systematische Erfassung der ethischen Implikationen von eHealth-Anwendungen und soll damit einen Beitrag zu einer ethisch vertretbaren Entwicklung und Anwendung der eHealth-Technologien leisten.
Georg Marckmann

Kapitel 5. Finanzierung und Evaluation von eHealth-Anwendungen

Zusammenfassung
Obwohl eHealth großes Potenzial beigemessen wird, bleibt die (flächendeckende) Diffusion hinter den Erwartungen zurück. Als eine der größten Hürden werden fehlende Geschäfts- und Finanzierungsmodelle gesehen. eHealth-Lösungen können grundsätzlich in allen Sektoren, also im stationären wie im ambulanten Bereich, über den gesamten Versorgungsprozess eingesetzt werden, allerdings werden sie jeweils nach unterschiedlichen Systematiken und unterschiedlich schnell erstattet. Da es keine eHealth-spezifische Vergütung gibt, müssen die Lösungen je nach Art und Einsatzort durch die bestehenden Vergütungssystematiken dargestellt werden. Eine weitere Hürde stellt die adäquate (gesundheitsökonomische) Evaluation dar, da eHealth-Lösungen Besonderheiten aufzeigen, die Standardevaluationsmethoden bisher nicht ausreichend berücksichtigen. Daher werden in diesem Beitrag die Möglichkeiten und Anforderungen an die Finanzierung und Evaluation von eHealth-Anwendungen dargestellt.
Florian Leppert, Wolfgang Greiner

Kapitel 6. Qualität und eHealth

Was nicht messbar ist, kann man nicht steuern
Zusammenfassung
eHealth-Anwendungen und Gesundheitsleistungen haben vieles gemeinsam. Beide sind sehr heterogen, beinhalten komplexe Konzepte und sollen möglichst umfassend auf die Verbesserung der Patientenversorgung ausgerichtet sein. Der folgende Beitrag richtet seinen Fokus auf die Qualitätsmessung von eHealth-Anwendungen als essenzielle Grundlage für ein professionelles Qualitätsmanagement. In methodischer Hinsicht werden einschlägige und neuere Theorien sowie Modelle der Qualitätsmessung auf den eHealth-Bereich übertragen. Abschließend wird der Versuch unternommen, eine Systematik zu entwickeln, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch handhabbar für Lehre und Praxis ist. Mit Blick auf die hohe Komplexität der Thematik nimmt letztes eine nicht zu unterschätzende Bedeutung ein.
Anke Simon

eHealth-Anwendungen

Frontmatter

Kapitel 7. eGesundheitskarte

Zusammenfassung
Nach zahlreichen Erprobungsschwierigkeiten und Verzögerungen wurde die elektronische Gesundheitskarte (eGK) Anfang des Jahres 2015 in Deutschland eingeführt. Allerdings decken ihre aktiven Funktionsbereiche bislang nur ein Minimum der eigentlichen Möglichkeiten ab. Derzeit verhindert eine Vielzahl an Problemfeldern den Gesamterfolg des Projekts eGK. Zu diesen zählen die widersprüchlichen Interessen der Anspruchsgruppen im Gesundheitswesen, eine breite Öffentlichkeit, die dem Thema Datenschutz bzw. -sicherheit im Zeitalter der Digitalisierung kritisch gegenübersteht, sowie ungeklärte Finanzierungsfragen.
Arno Elmer

Kapitel 8. Prozessorientierte Krankenhausinformationssysteme

Aktuelle Konzepte und zukünftige Herausforderungen
Zusammenfassung
Die effiziente und effektive Unterstützung der klinischen Behandlungspfade von Patientinnen und Patienten steht im Krankenhaus immer mehr im Mittelpunkt. Entsprechend gilt es, tradierte funktionsorientierte Denkweisen durch Prozessorientierung zu ersetzen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dafür sind Potenziale der unterstützenden Informations- und Kommunikationssysteme. Hier gilt es, einerseits entlang des Behandlungspfades zu unterstützen und darüber hinaus möglichst alle Subsysteme zu integrieren. Je höher der Grad der Integration, desto effizienter lassen sich Arbeitsabläufe und Ressourcen organisieren. Auch bieten Informations- und Kommunikationssysteme umfassendere Potenziale, mehr (Kosten-)Transparenz zu schaffen und auch ein geeignetes Reporting bereitzustellen. Voraussetzung ist die systematische Gestaltung im Rahmen des Hospital-Engineering.
Thomas Lux

Kapitel 9. Einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten

Zusammenfassung
Zur Verbesserung von Patientensicherheit, Qualität, Rechtzeitigkeit von Interventionen, Effektivität und Versorgungsgerechtigkeit muss die Sektorierung des Gesundheitswesens überwunden und eine patientinnen- und patientenzentrierte Versorgung implementiert werden. Ein wesentliches Instrument hierfür sind einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten (eEPA), in denen die verteilt erhobenen und gespeicherten Behandlungsinformationen zusammengeführt und sachgerecht den beteiligten Akteurinnen und Akteuren auf Basis eines differenzierten Rechtemanagements zur Verfügung gestellt werden. Struktur und Semantik solcher Aktensysteme müssen in hinreichender Weise die Gegebenheiten der medizinischen Domäne berücksichtigen. Die Funktionalität muss über die reine Verwaltung von Informationen hinausgehen und zum Beispiel das Behandlungsprozess- und Case-Management oder die Entscheidungsfindung unterstützen. Letztendlich sollte eine eEPA auch integriert die Arzt-Patient-Kooperation unterstützen und als Basis für Zweitmeinungseinholungen zur Verfügung stehen.
Peter Haas

Kapitel 10. Ambient Assisted Living

Zusammenfassung
Das Anwendungsfeld Ambient Assisted Living (AAL) beschreibt technische Systeme zur Unterstützung hilfsbedürftiger Personen im Alltag. In den vergangenen Jahren wurde in Deutschland und Europa viel in die Entwicklung und Erprobung von Technologien zur Unterstützung in der häuslichen Umgebung investiert, jedoch häufig ohne nachhaltige Effekte am Markt. Ein fehlender Aspekt war häufig die mangelnde Involvierung aller notwendigen Parteien. In diesem Kapitel werden die Potenziale assistiver Technologien beleuchtet, eine Studie zur Akzeptanz derartiger Technologien bei Senioren vorgestellt sowie ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich präsentiert.
Andreas Braun, Florian Kirchbuchner, Reiner Wichert

Kapitel 11. eLearning in der medizinischen Aus-, Weiter- und Fortbildung

Zusammenfassung
Nicht nur das Gesundheitswesen muss auf die veränderten Rahmenbedingungen und Herausforderungen der Digitalisierung reagieren, sondern auch die medizinische Ausbildung. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten im Bereich eLearning, welche die medizinische Ausbildung unterstützen können. Dabei entstehen neue, (medien-)didaktische Handlungsspielräume auf den Ebenen der Kompetenz- und Wissensvermittlung. Hier stehen Lehrende, Lernende und Institutionen vor der Aufgabe, dem Umgang mit neuen Medien und dem dadurch veränderten Lernverhalten gezielt zu begegnen. Beginnend mit reinen eLearning-Angeboten wie Learning Management Systeme, Massive Open Online Courses (MOOCs), Podcasts, Screencasts, Simulationen und Virtuellen Patienten, hin zu innovativeren Ansätzen wie das Inverted Classroom Model, Serious Games und Gamification wird ein Überblick über das Themenfeld gegeben. Dabei werden die innovativeren Konzepte genauer beschrieben.
Daniel Tolks

Kapitel 12. Internationale Perspektiven von eHealth

Zusammenfassung
Vor allem die skandinavischen Staaten sind Deutschland oftmals weit voraus, wenn es um die nachhaltige Implementierung von eHealth-Anwendungen geht. Dies zeigt sich anhand eingängiger Beispiele und Zahlen aus aktuellen Umfragen. Für Deutschland wird ein Rückstand von 10 Jahren prognostiziert, sollten die relevanten Akteure nicht zügig eine umfassende eHealth-Strategie entwickeln. In diesem Beitrag wird das Thema eHealth aus einem internationalen Blickwinkel betrachtet. Sowohl aus Sicht der Forschung als auch anhand praktischer Beispiele wird der Status quo in Deutschland mit anderen Ländern verglichen, Best-Practice-Beispiele erläutert und deren Nutzen für Deutschland dargestellt. Die Internationalisierung wird als Chance dargestellt und grenzübergreifende Kooperation und Zusammenarbeit als notwendig erachtet. Es werden die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen diskutiert und die Situation in Deutschland mit der in europäischen Nachbarstaaten verglichen.
Roland Trill, Anna-Lena Pohl

Anwendungen und Anforderungen der Telemedizin

Frontmatter

Kapitel 13. Akzeptanz der Telemedizin

Zusammenfassung
Informations- und Kommunikationstechnologien gewinnen im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere telemedizinische Leistungen zeigen im Rahmen randomisierter klinischer Studien erste Evidenz mit Blick auf die Steigerung der Versorgungsqualität, die Verringerung stationärer Aufenthalte und die Reduzierung von Behandlungskosten. Für die Erschließung der angedeuteten Potenziale und die langfristige Implementation in die Versorgungspraxis ist eine nutzerinnen- und nutzerorientierte Technikentwicklung unter Berücksichtigung häufig komplexer Strukturen der Technikakzeptanz erforderlich. Der Beitrag beleuchtet die Nutzerinnen- und Nutzerakzeptanz als Gegenstand der sozialwissenschaftlich-orientierten Technikforschung und expliziert vor diesem Hintergrund die Haltungen und Einstellungen gegenüber der Telemedizin aus den Perspektiven des medizinischen und pflegerischen Personals als auch der Patientinnen und Patienten. Auf dieser Grundlage werden Implikationen für Forschung und Praxis erarbeitet.
Christoph Dockweiler

Kapitel 14. Telemedizin in Nordrhein-Westfalen – ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin und die Landesinitiative eGesundheit.nrw

Wie das Land Nordrhein-Westfalen die Versorgungsstrukturen durch eHealth stärkt
Zusammenfassung
eHealth bietet die Aussicht, die Gesundheitsversorgung durch telematische und telemedizinische Lösungen zu sichern und Prozesse zu optimieren. Die öffentliche Hand, insbesondere auf Landesebene, hat einen wichtigen Einfluss darauf, eine breite Diffusion von eHealth in ein komplexes System wie das deutsche Gesundheitswesen zu erreichen. Vor diesem Hintergrund zeigt der Beitrag am Beispiel des Landes Nordrhein-Westfalen, wie das Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) dazu beiträgt, die Strukturen für eHealth weiterzuentwickeln. Im Auftrag des Landes fördert ZTG als neutrale Einrichtung an der Schnittstelle zwischen Industrie, Leistungserbringerinnen und -erbringern, Patientinnen und Patienten, Politik und Selbstverwaltung innovative und eHealth-gestützte Versorgungsformen. Seit Bestehen hat ZTG bereits vielfältige Projekte initiiert und durchgeführt und hierbei die Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen bei der Einführung und Umsetzung von eHealth unterstützt.
Eric Wichterich, Veronika Strotbaum, Rainer Beckers

Kapitel 15. Teleradiologie in Deutschland

Zusammenfassung
Einer der wesentlichen Gründe für den Erfolg der Teleradiologie liegt in der Arbeitsmethodik des Fachgebiets der Radiologie. So besteht eine der zentralen Tätigkeiten von Radiologen vorwiegend in der Interpretation von medizinischen Bildern, die von medizinisch technischen Assistenten angefertigt, über PACS-Systeme und Router auf digitalem Weg übertragen sowie an einem geeigneten Monitor betrachtet und ausgewertet werden. Angesichts dieses Arbeitsszenarios ist offensichtlich, dass es bei diesem Teil des radiologischen Tätigkeitsbereiches keine Rolle spielt, ob sich der Betrachtungsmonitor im Nachbarraum oder viele Kilometer entfernt befindet. Die Bilder sind in jedem Fall identisch. Damit ist die Radiologie ideal für die Telemedizin geeignet. Sie hat ihren Weg als leistungsfähiger, integraler Bestandteil der Krankenhausversorgung und wichtige Ergänzung der etablierten Radiologieabteilungen gefunden und sich in der tagtäglichen Praxis durch seriöse Leistung und Mehrwertbildung bewiesen.
Torsten B. Möller

Kapitel 16. Telemonitoring am Beispiel der Kardiologie

Zusammenfassung
Beeinflusst von demografischen Entwicklungen, dem technologischen Fortschritt und dem erweiterten wissenschaftlichen Erkenntnisstand ergeben sich insbesondere für die medizinische Versorgung neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie. Das Fachgebiet der Kardiologie ist mit seinen Krankheitsbildern und der spezifischen Patientenklientel im Besonderen für die Telemedizin prädestiniert: In der Behandlung kardialer Erkrankungen zeigt die Fernüberwachung relevanter Leistungsparameter und die Fernbetreuung ihren besonderen Wert sowohl aus diagnostischer als auch therapeutischer Sicht. In Kombination des Telemonitorings mit neuen pharmakologischen Therapiekonzepten, der Nutzung von implantierten Diagnostik- und Therapiesystemen sowie einer veränderten, auf Eigeninitiative basierenden Patientenrolle werden heute der Telemedizin in der Kardiologie, trotz offener und zum Teil kontrovers diskutierter Studienlage, positive Potenziale zuerkannt.
Martin Schultz, Christine Carius, Joanna Gilis-Januszewski

Kapitel 17. Telemedizin in der Notfallmedizin

Zusammenfassung
Die notärztliche Versorgung steht bereits heute vor großen Herausforderungen. In vielen Regionen Deutschlands wird es zunehmend schwierig, die steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst zu bewältigen. Aufgrund zunehmender Komorbiditäten der immer älter werdenden Patientinnen und Patienten nimmt auch die Komplexität der Notarzteinsätze zu. Dadurch ist die Aufrechterhaltung einer adäquaten Behandlungsqualität erschwert, insbesondere in dünn besiedelten Regionen, in denen oft auch ein Ärztemangel vorherrscht. Mit Hilfe des sogenannten Telenotarztes steht ein neues Strukturelement zur Verfügung, mit dem der relative oder absolute Notarztmangel teilkompensiert, das sogenannte therapiefreie Intervall verkürzt sowie die Behandlungsqualität verbessert und überwacht werden kann. Es erlaubt einen ökonomischen und zielgerichteten Notarzteinsatz. Nach erfolgreicher Einführung in die Regelversorgung werden heute in Aachen bereits ein Viertel aller notärztlichen Einsätze durch den Telenotarzt betreut anstelle durch den konventionellen Notarzt.
Michael Czaplik, Sebastian Bergrath

Kapitel 18. Telemedizin in der Schlaganfallbehandlung

Zusammenfassung
Aufgrund der zunehmenden Zahl an zu erwartenden Schlaganfällen und dem Mangel an Expertinnen und Experten (besonders in den ländlichen Regionen) müssen innovative Wege gegangen werden, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Daher haben sich verschiedene Modelle von Tele-Stroke-Netzwerken in den vergangenen Jahren entwickelt. Einige Ansätze richten ihren Fokus ausschließlich auf die Thrombolyse, andere hingegen auf die Standardisierung der Therapie und effizientere Dienstgestaltung durch einen Zusammenschluss bereits etablierter Stroke Units. Darüber hinaus gibt es Modelle, welche das gesamte Spektrum der Schlaganfalltherapie in ländlichen Krankenhäusern aufbauen, die sogenannten Tele-Stroke Unit-Netzwerke. Solche Netzwerkstrukturen müssen an die geografischen Gegebenheiten und das jeweilige Gesundheitssystem angepasst werden. Am Beispiel des Telemedizinischen Projekts zur integrierten Schlaganfallversorgung (TEMPiS) in Süd-Ost-Bayern wird ein Tele-Stroke Unit-Netzwerk vorgestellt.
Nicolas Völkel, Frank Kraus, Roman L. Haberl, Gordian J. Hubert

Kapitel 19. Tele-Intensivmedizin

Gemeinsam handeln, gemeinsam besser behandeln
Zusammenfassung
Telemedizin ist eine mögliche Option, um auf die soziodemografischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu reagieren und eine Qualitätssicherung und -verbesserung zu erreichen. Der demografische Wandel geht mit einer Zunahme von Komorbiditäten sowie sinkenden Zahlen medizinischer Leistungserbringer einher. Vor diesem Hintergrund ist ein Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage nach medizinischen Leistungen und der Verfügbarkeit von medizinischem Personal absehbar. Dieses Ungleichgewicht wird bereits jetzt im ländlichen Bereich spürbar. Die allseitige Verfügbarkeit leistungsfähiger, mobiler und vernetzter Hardware sowie vernetzbarer Medizingeräte für den häuslichen Bereich schaffen nicht nur Bedürfnisse, sondern ermöglichen oft auch telemedizinische Lösungen. Der weiter voranschreitende Breitbandausbau begünstigt diese Entwicklung. Anhand eines Best-Practice-Projekts aus der Intensivmedizin der Uniklinik RWTH Aachen werden die Anforderungen und Potenziale der Tele-Intensivmedizin aufgezeigt.
Robert Deisz, Daniel Dahms, Gernot Marx

Kapitel 20. Internet- und mobilbasierte Interventionen zur Prävention und Behandlung psychischer Störungen

Zusammenfassung
Internet- und mobilbasierte Interventionen (IMIs) bieten die Möglichkeit, das Versorgungsspektrum für psychische Erkrankungen zu ergänzen. Sie können als evidenzbasierte niedrigschwellige Angebote sowohl Betroffene erreichen, die klassische psychotherapeutische Maßnahmen vor Ort trotz Bedarf nicht in Anspruch nehmen, als auch in diese integriert werden, um die Wirksamkeit und Qualität von Psychotherapie weiter zu steigern. Der folgende Beitrag beschreibt den konzeptionellen Ansatz internet- und mobilbasierter Interventionen sowie deren Einsatz und Wirksamkeit in unterschiedlichen Phasen der psychosozialen Versorgung. Darüber hinaus wird ein Überblick über den Stand der Implementierung von IMIs im deutschen Versorgungssystem mit einhergehenden Chancen und Risiken gegeben.
David Daniel Ebert, Anna-Carlotta Zarski, Matthias Berking, Harald Baumeister

Onlinebasierte Gesundheitskommunikation

Frontmatter

Kapitel 21. Onlinebasierte Gesundheitskommunikation: Nutzung und Austausch von Gesundheitsinformationen über das Internet

Zusammenfassung
Das Leitbild von mündigen und kompetenten Patientinnen und Patienten stellt eine gesundheitspolitische Zielsetzung dar und geht dabei mit einem hohen Autonomiegewinn des Einzelnen einher. Um diese aktive Patientenrolle allerdings wahrnehmen zu können, sind auf der Seite der Patientinnen und Patienten funktionale, interaktive und kritische Informations- und Kommunikationskompetenzen erforderlich. Diese Kompetenzen sind dabei besonders im Internet gefragt, das ein wichtiges Werkzeug für die Rollenerfüllung darstellen kann. Vor diesem Hintergrund gibt dieser Beitrag einen Überblick über die onlinebasierte Gesundheitskommunikation, indem er sich mit Gesundheitsinformationsangeboten im Internet, dem Nutzungsverhalten, der Charakteristika und Motive der Nutzerinnen und Nutzer sowie der Potenziale und Grenzen der gesundheitsbezogenen Internetnutzung auseinandersetzt. Dabei wird sowohl die Perspektive auf das Internet als Plattform für massenmedial vermittelte Informationen als auch zwischenmenschlichen Austausch näher beschrieben.
Eva Baumann, Elena Link

Kapitel 22. Qualität von onlinebasierter Gesundheitskommunikation

Zusammenfassung
Die Vielfalt an online zugänglichen Gesundheitsinformationen führt zur Notwendigkeit einer Qualitätsbeurteilung. So weisen Informationsangebote im Internet teilweise unvollständige, unzuverlässige oder interessengeleitete Inhalte auf. Vor dem Hintergrund einer konsequenten Patientinnen- und Patientenorientierung im Gesundheitswesen sind bedarfs- und bedürfnisgerecht aufbereitete Informationsangebote eine wesentliche Voraussetzung, um die Potenziale neuer Informationstechnologien optimal für Gesundheitsförderung, Prävention und gesundheitlicher Versorgung nutzbar zu machen. In dem Beitrag werden daher die Möglichkeiten zur Qualitätssicherung von onlinebasierten Gesundheitsinformationen aufgezeigt: 1) Qualitätssicherung durch Anbieter von medizinischem bzw. gesundheitsbezogenem Wissen, 2) Qualitätssicherung durch externe Kontrollen sowie 3) nutzerinnen- und nutzerorientierte Strategien zur Qualitätssicherung.
Florian Fischer, Christoph Dockweiler

Kapitel 23. Risikokommunikation im Internet

Zusammenfassung
Dieses Kapitel stellt internetbasierte Risikokommunikation aus psychologischer Perspektive dar. Es wird beleuchtet, wie sich drei Eigenschaften des Internets (Reichweite, Schnelligkeit und Kosteneffizienz) auf die Risikokommunikation auswirken und für diese nutzbar gemacht werden können. Darüber hinaus werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Prinzipien einer effektiven Risikokommunikation durch das Internet umgesetzt und bereichert werden können. Anschließend werden Herausforderungen und deren mögliche Lösungen diskutiert.
Martina Gamp, Luka-Johanna Debbeler, Britta Renner

Kapitel 24. mHealth in der medizinischen Versorgung, Prävention und Gesundheitsförderung

Zusammenfassung
Der Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand zum Einsatz von Mobiltelefonen und mobilen Smart-Devices in der medizinischen Versorgung, Prävention und Gesundheitsförderung und berücksichtigt dabei sowohl die deutsche und internationale Praxis als auch den jeweiligen Forschungsstand. Ziel ist es, einen Einblick in die Charakteristika von mHealth (mobile health), Angebote auf dem aktuellen Markt, Nutzung und Nutzungsbarrieren, verschiedene Präventionsansätze sowie Selbstmanagement von Erkrankungen unter der Anwendung von Gesundheitsapps zu geben.
Constanze Rossmann, Nicola Krömer

Kapitel 25. Einsatz von Social Media als Marketinginstrument im Krankenhaussektor

Zusammenfassung
Die Situation für deutsche Krankenhäuser hat sich grundlegend verändert. Sie sind einem hohen Kosten- und Konkurrenzdruck ausgesetzt und stehen dadurch im Wettbewerb zueinander. Insbesondere der von der Politik gewünschte Wettbewerbsdruck zwingt die Krankenhäuser dazu, sich mit dem Thema Marketing auseinanderzusetzen und Marketingstrategien zu entwickeln, bei der die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt aller Marketingaktivitäten gestellt werden. In diesem Zusammenhang nimmt der Einsatz von Social Media durch Einrichtungen im Gesundheitswesen zu. In diesem Beitrag werden daher die Möglichkeiten und Anforderungen sowie die Herausforderungen und Potenziale des Einsatzes von Social Media als Marketinginstrument am Beispiel des Krankenhaussektors dargestellt.
Larissa Thevis, Florian Fischer

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