Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Das Werk bietet einen Überblick der Entwicklungsgeschichte der Unternehmensbewertung. In der betriebswirtschaftlichen Literatur wird sie häufig als „Königsdisziplin“ bezeichnet, da sich im Unternehmenswert alle betrieblichen Funktionen wiederspiegeln. Dies führt zu einer komplexen Fragestellung, die sich nur mit komplexen Methoden lösen lässt. Neben dieser anspruchsvollen theoretischen Basis ergibt sich in der Praxis ein erheblicher Bedarf an tatsächlich durchgeführten Unternehmensbewertungen. Diese sind bei Käufen und Verkäufen von Unternehmen notwendig, aber auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen, z. B. bei Erbschaften. Außerdem werden Unternehmenswerte für die Bestimmung von Bemessungsgrundlagen zur Besteuerung der Substanz benötigt. Trotz der Komplexität der Aufgabe sind hierbei feste Regeln notwendig, die eine willkürliche Ermittlung von Unternehmenswerten vermeiden.Aufgrund der besonderen Bedeutung der Unternehmensbewertung hat sich auch die betriebswirtschaftliche Forschung intensiv mit den zugrundeliegenden Fragestellungen befasst und immer wieder neue Methoden entwickelt. Einerseits wurden Methoden aus der Praxis übernommen, andererseits haben sich praktische und theoretische Entwicklungen voneinander entfernt. Das vorliegende Buch stellt diese wesentlichen Entwicklungen dar und bezieht jeweils den aktuellen Stand der Diskussion ein. Das Buch richtet sich an Leser, die sich in ihrer beruflichen Praxis mit der Unternehmensbewertung befassen, sowie an fortgeschrittene Studierende und Doktoranden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
In seiner akademischen Antrittsrede als Professor an der Universität Jena hat sich der Dichter Friedrich Schiller mit der Frage befasst „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“. Er sieht einen Gegenwartsbezug in der Beschäftigung mit der Geschichte: „Aus der ganzen Summe dieser Begebenheiten hebt der Universalhistoriker diejenigen heraus, welche auf die heutige Gestalt der Welt und den Zustand der jetzt lebenden Generation einen wesentlichen, unwidersprechlichen und leicht zu verfolgenden Einfluß gehabt haben.“ (Schiller 2017). Dies gilt auch für die Beschäftigung mit der Ideengeschichte. Wie die Ideen entstanden sind, hat eine Bedeutung für die Methoden und Konzepte, die heute Anwendung finden. Sie sind nur vordergründig ohne die Kenntnisse der Vergangenheit zu verstehen.
Stefan Behringer

2. Vorläufer der Unternehmensbewertung

Zusammenfassung
Ob es Unternehmen oder unternehmensähnliche Organisationen bereits in den Hochkulturen Mesopotamiens (dem heutigen Irak) gab, ist nicht bekannt. Bekannt ist allerdings, dass in dieser Zeit bereits extensiv Handel auch über weite Strecken getrieben wurde und auch Aufzeichnungen über Vorräte, Erträge etc. angefertigt worden sind. Auf Tontafeln wurde die Menge von Tieren, für die ein Mitarbeiter verantwortlich war, notiert. Oder es gab Aufzeichnungen darüber, wie viele Mengen Silber, Weizen, Kleidung etc. jemand schuldete. Damit steht das Rechnungswesen am Anfang der Entwicklung von zwei grundlegenden Kulturtechniken: Dem Zählen und dem Schreiben (Mattesich 1994; Schmandt-Besserat 1977).
Stefan Behringer

3. Der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft und der Bergwerksbewertung zur Unternehmensbewertung

Zusammenfassung
Der Beginn der praktischen Literatur zu wirtschaftlichen Problemen in der Landwirtschaft wird von Schumpeter (Schumpeter 2009, S. 214) auf das 13. Jahrhundert in Großbritannien datiert. Ab dem 15. Jahrhundert vervielfältigen sich die Schriften auf diesem Gebiet parallel zu einem neuen Handelsgeist in der Landwirtschaft. Auf dem europäischen Kontinent sind auf diesem Gebiet in der praktischen Anwendung die Niederländer führend während insbesondere italienische Autoren die literarische Welt prägen (Schumpeter 2009, S. 214). Ab dem 18. Jahrhundert gewinnen deutsche Autoren immer mehr an Einfluss und prägen die Diskussion, die daraufhin auch international rezipiert wird.
Stefan Behringer

4. Die Entwicklung der deutschen Unternehmensbewertung – Investitionstheoretischer Ansatz

Zusammenfassung
Die Entwicklung der Unternehmensbewertung hat sich in der Vergangenheit insbesondere im nationalen Rahmen abgespielt (Henselmann 2014, S. 99). Naturgemäß sind aber auch internationale Denkströmungen rezipiert worden. Eine internationale Lehre von der Unternehmensbewertung ergab sich aber erst im Zeichen der Globalisierung und dem Vordringen amerikanisch stämmiger Unternehmensberatungen, Investmentbanken und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nach Deutschland und in andere Teile der Welt.
Stefan Behringer

5. Die Entwicklung der angelsächsischen Unternehmensbewertung – kapitalmarktorientierter Ansatz

Zusammenfassung
In der angelsächsischen Bewertungslehre spielt der Kapitalmarkt eine besondere Rolle. Er wird zum Referenzobjekt auch für andere betriebswirtschaftliche Anlässe, wie die Unternehmensbewertung. Die Börse ist eigentlich der offensichtliche und natürliche Ort für die Unternehmensbewertung. Dort wird jeden Tag ein Preis für ein Unternehmen in Form eines Aktienkurses ermittelt. Allerdings ist fraglich und umstritten, welche Relevanz der so ermittelte Wert für das Unternehmen tatsächlich hat. Eine Aktie gibt nur eine Stimme auf der Hauptversammlung. Die Unternehmensbewertung ermittelt Werte für die gesamte Verfügungsgewalt über ein Unternehmen. Aus diesem Grund sind die so ermittelten Werte nicht oder nicht vollständig übertragbar auf den Gesamtwert des Unternehmens. Des Weiteren spielen an Börsen andere Dinge für die Preisentwicklung eine Rolle. Durch Irrationalitäten der Marktteilnehmer kommt es immer wieder zu Über- oder Untertreibungen, durch die der wahre Wert entweder über- oder unterschätzt wird (Behringer 2000, S. 463 ff.).
Stefan Behringer

6. Die Bewertung von Unternehmen im Rechnungswesen

Zusammenfassung
Mit der internationalen Rechnungslegung ist das Paradigma der „fair value Bewertung“ nach Deutschland gekommen. Für die Konzernrechnungslegung von börsennotierten Unternehmen ist die Bewertung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) verpflichtend. Der Fair Value (fairer Wert, zumeist im Deutschen mit beizulegender Zeitwert übersetzt) wird in dem IFRS 13, der seit 2013 die bislang verstreuten Regelungen zur Bewertung mit dem Fair Value bündelt, folgendermaßen definiert (IFRS 13.9):
Stefan Behringer

7. Anstatt eines Fazits – Die Herausforderungen und Chancen der Unternehmensbewertung in der Zukunft

Zusammenfassung
Unternehmensbewertung ist ein Thema, dass die betriebswirtschaftliche Theorie und Praxis nicht nur seit Jahrzehnten sondern seit Jahrhunderten umtreibt. Vieles, was heute als besonders modern angesehen wird, ist schon von frühen Autoren propagiert worden. Ob die modernen Gurus von Marktwerten, Multiplikatoren oder anderen vermeintlichen Neuerungen von ihren Vorgängern wussten, weiß man nicht. Man hätte sich allerdings viel Mühe sparen können, wenn man sich gleich mit den historischen Quellen beschäftigt hätte. Vielfach gibt es als Lektion noch die negativen Folgen von heute wiederentdeckten Methoden als Lehre hinzu. Dies könnte viele Fehlentscheidungen vermeiden helfen. Dreh- und Angelpunkt der Diskussion in der Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis früher und heute ist immer wieder die Diskussion um objektive und subjektive Werte. Objektive Werte sind verführerisch, da der Adressat eines Bewertungsgutachtens alles bekommt, was er möchte. Der Kaufpreis muss nicht mühsam verhandelt werden mit dem Risiko, dass man über den Tisch gezogen wird. Demnach wird von der Praxis immer wieder nach solchen Gutachten gefragt werden, auch wenn die Theorie schon lange gezeigt hat, dass objektive Werte analytisch nicht ermittelbar sind. In der Diskussion um diesen Konflikt werden immer wieder neue alte Verfahren aufleben gelassen, auch wenn sie jetzt unter anderen, dem Englischen entlehnten Namen, vermarktet werden.
Stefan Behringer
Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise