Zum Inhalt

Eine menschliche Moderne

Zum Menschenbild der Villa Beer von Josef Frank

  • 2025
  • Buch
insite
SUCHEN

Über dieses Buch

Die in den Jahren 1929-31 errichtete Villa Beer in Wien darf als „das wohl bedeutendste Beispiel Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit“ (F. Achleitner) gelten. Josef Frank wiederum, der den Bau gemeinsam mit Oskar Wlach errichtete, war nicht nur ein hervorragender Architekt und Gestalter, sondern auch ein gewitzter und hochgebildeter Theoretiker und wird zu den „[…] bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts [gezählt]: Nicht nur aufgrund seiner Bauten, Projekte und urbanen Planungen, sondern auch wegen seiner Entwürfe für Möbel, Gebrauchsgegenstände und Textilien - und schließlich wegen seiner theoretischen Erfassung der Gestaltungsfragen überhaupt.“ (H. Czech und S. Hackenschmidt) Sowohl die praktischen Arbeiten als auch seine theoretischen Positionen zeichnen sich dabei durch das Fehlen ideologischer oder polemischer Übertreibungen aus. Mit dem Schlagwort des Akzidentismus betont er im Gegenteil für seine Entwurfshaltung den Wert des Alltäglichen, „Normalen“ und „Selbstverständlichen“. Vielfach wird seine Architektur daher als besonders „menschlich“ empfunden und so bezeichnet. Das Urteil, das eine Architektur als besonders „menschlich“ auszeichnet, fordert aber dazu auf nachzufragen, welches Menschenbild und welche philosophischen Überzeugungen sich hier abbilden. Genau hier setzt das vorliegende Buch ein und stellt die Frage nach dem Menschenbild der Villa Beer in den Mittelpunkt des Interesses. Insbesondere für Josef Frank ist dies relevant, weil er mit aktuellen philosophischen und ggf. auch philosophisch-anthropologischen Theorien der Zeit in Berührung gekommen ist. Über seinen Bruder, den Philosophen, Mathematiker und Physiker Philipp Frank, gibt es zahlreiche Bezüge zum Wiener Kreises und seine Schriften bezeugen eine tiefe Beschäftigung mit philosophischen Fragen in der Architektur und generell. Zudem ist die Frage nach dem „neuen Menschen“ eine, die nicht nur in der Philosophie, sondern auch in der Architektur der Zeit breit diskutiert wird. Ob und wie Josef Frank in den 1920er und den beginnenden 1930er Jahren mit der Philosophie seiner Zeit in Berührung gekommen ist und wie diese Berührung ihn in seinen architekturtheoretischen und seinen philosophisch-anthropologischen Überzeugungen auch beim Bau der Villa Beer beeinflusst hat, war das Thema eines interdisziplinären wissenschaftlichen Symposiums im Mai 2023 in der Villa Beer. Das Buch versammelt Beiträge namhafter Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zum genannten Thema.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Einleitung

    1. Frontmatter

    2. Menschliche Architektur?

      Martin Düchs, Christian Prasser
      Zusammenfassung
      Die in den Jahren 1929–30 errichtete Villa Beer in Wien darf als „das wohl bedeutendste Beispiel Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit“ (Achleitner 1995, 65) gelten. Josef Frank wiederum, der den Bau gemeinsam mit Oskar Wlach errichtete, war nicht nur ein hervorragender Architekt und Gestalter, sondern auch ein gewitzter und hochgebildeter Theoretiker. Er wird zu den „bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts [gezählt]: Nicht nur aufgrund seiner Bauten, Projekte und urbanen Planungen, sondern auch wegen seiner Entwürfe für Möbel, Gebrauchsgegenstände und Textilien – und schließlich wegen seiner theoretischen Erfassung der Gestaltungsfragen überhaupt.“ (Czech und Hackenschmidt 2016, 14). Seine Architektur und sein gesamtes Werk wird dabei des Öfteren als besonders „menschlich“ empfunden und so bezeichnet und zwar sowohl in der Entstehungszeit als auch heute. Unklar bliebt dabei aber, was genau mit diesem normativ zu verstehenden Urteil gemeint ist. Genau hier setzt das vorliegende Buch ein. Es stellt die Frage nach dem Menschenbild der Villa Beer in den Mittelpunkt und beleuchtet diese Frage durch Beiträge aus unterschiedlicher wissenschaftlicher Perspektive.
    3. „Das Besondere ist das Erleben“

      Lothar Trierenberg, Christian Prasser, Martin Düchs
      Zusammenfassung
      Der Beitrag ist ein Interview mit Lothar Trierenberg, dem aktuellen Besitzer der Villa Beer. Im Gespräch mit dem für die Sanierung verantwortlichen Architekten Christian Prasser und dem Architekturphilosophen Martin Düchs schildert er nicht nur seine persönliche Geschichte mit der Villa Beer, sondern als intimer Kenner der Räume auch seine Erkenntnisse zu deren Menschlichkeit. Darüber hinaus bietet er einen Ausblick in seine Pläne mit der Villa Beer, wie sie saniert wird, und wie er sie der Öffentlichkeit zugänglich machen will und welches denkmalpflegerische und kuratorische Konzept er dabei verfolgt.
  3. Josef Frank und die Villa Beer

    1. Frontmatter

    2. Modern ist, wenn ein Auswechslungsplan vor der Einreichung datiert. Einblicke in den Planungsprozess der Villa Beer

      Christian Prasser
      Zusammenfassung
      Der Artikel vollzieht anhand aller vorliegender Einreichungs- und Baustellenpläne auf minutiöse Weise den Planungs- und Bauprozess der Villa Beer mit allen Änderungen im Detail nach. Dabei wird einerseits deutlich, dass Josef Frank großen Wert auf Details wie Aufschlagrichtungen von Türen oder feinste Dimensionierungen hinsichtlich Wegeführung und Proportion legte und dass diese Details größte Bedeutung für die Raumwirkung der Villa Beer haben. Andererseits wird klar, dass er immer bereit war, die Planung von der gebauten Realität und der konkreten Erfahrung korrigieren zu lassen und damit auch, dass für Frank bei aller sehr sorgfältigen Planung die konkrete physische Erfahrung von Architektur der letztgültige Maßstab war.
    3. Die Villa Beer im Werk von Josef Frank. Schriftliche Fassung des Vortrags am 12. Mai 2023

      Maria Welzig
      Zusammenfassung
      Der Beitrag ordnet die Villa Beer in das Gesamtwerk von Josef Frank ein. Die Villa Beer wird dabei verstanden als in einer Reihe stehend mit bedeutenden modernen Villen, die um 1930 entstanden, wie die Villa Tugendhat von Mies van der Rohe in Brünn, das Schröder Haus von Rietveld in Utrecht oder das Lovell Health House von Neutra in Los Angeles. Die Villa Beer zeichnet sich innerhalb dieser Reihe dadurch aus, dass sie speziell Bezug nimmt auf das, was ein Mensch fühlt. Franks Raumangebote richten sich an den Menschen in seiner Vielschichtigkeit und Uneindeutigkeit. An den Menschen mit seinen unterschiedlichen Stimmungen und dem Bedürfnis nach Abwechslung. Der Beitrag entwickelt diese These im Detail und für verschiedene Aspekte und ordnet die Villa Beer dabei auch in ihren Besonderheiten und Ähnlichkeiten zu anderen Vertretern der Architektur-Moderne ein.
    4. Humanisierung der Architektur. Villa Beer, Wien-Hietzing, Wenzgasse 12

      Eduard Führ
      Zusammenfassung
      Der Artikel nähert sich der Villa Beer gleichsam von außen, insofern der Autor sich die Villa aufgrund ihrer Geschichte bis dato nicht vertraut machen konnte. Der Leser und die Leserin werden also von einem erfahrenen Architekturhistoriker und -theoretiker bei der „Entdeckung“ eines bedeutenden Hauses „mitgenommen“ werden. Diese auch in formaler Hinsicht neue Wege beschreitende, durchaus persönliche Erschließung erfolgt dabei immer im Dialog mit der Frage nach dem Menschen und dem Menschlichen der Villa.
    5. Aussicht kann durch Ladung verstellt sein. Zum Interieur der Villa Beer

      Claudia Cavallar
      Zusammenfassung
      Der Beitrag ist nicht nur dem Interieur der Villa Beer gewidmet, sondern behandelt anhand dieses und anderer Interieurs von Josef Frank zum einen auch die Frage nach der Rolle von Einrichtungen in seinem Schaffen. Darüber hinaus stellt und diskutiert er aber auch die grundsätzliche Rolle von Interieurs in der Architekturgeschichte und in den Bemühungen diese zu dokumentieren. Angesprochen wird damit eine Frage an, die besonders kompliziert erscheint, weil Interieurs wie Gärten eher Ephemera als bleibende Werte sind. Entscheidend ist für die Autorin die Frage, ob die Einrichtungen von Josef Frank oder auch anderer Architekten tatsächlich „Werke“ sind. Der Begriff, mit dem die Autorin im zweiten Teil ihre Ausführungen zur Diskussion dieser Frage in erster Linie umgeht, ist „Zeug“. Sie fragt, ob „Zeug“ für den Menschen überhaupt wichtig ist und welches Eigenleben es führt.
    6. Ein Stuhl erzählt. Der Windsorsessel aus der Villa Beer – ein menschlicher Sessel?

      Hanna Beck-Tiefenbach
      Zusammenfassung
      Kann ein Möbelstück menschlich sein? Auf den ersten Blick wirkt der Windsorsessel aus der Villa Beer unauffällig und unscheinbar, ein ganz normaler Sessel – manche würden ihn vielleicht sogar als langweilig oder trivial bezeichnen. Jedoch verbergen sich hinter der scheinbar schlichten Form Geschichten, die man erst bei genauerer Betrachtung hören kann. Es sind Geschichten, die uns etwas über die gestalterischen Intentionen Josef Franks mitteilen, über den Menschen, für den der Stuhl entworfen wurde und das Menschenbild, das dieser Sessel widerspiegelt. Der vorliegende Essay handelt von diesem Menschenbild und den Geschichten, die es verraten. Sie werden einerseits durch die Gestaltung des Objekts erzählt; sprich die Formensprache, die gewählten Materialien und die Konstruktion. Andere Geschichten lassen sich erst mit dem Hintergrundwissen und dem Erkennen von Vorbildern des Objekts erzählen oder man muss sie aus dem Blickwinkel von Josef Frank betrachten, um sie zu verstehen.
  4. Architekturhistorischer Kontext: Frank und die Architektur der 20er und 30er

    1. Frontmatter

    2. Josef Frank, Helmuth Plessner and Heinrich Tessenow: Towards a Philosophical-Anthropological Architecture?

      Gerald Adler
      Abstract
      This chapter examines Josef Frank’s interwar work in Vienna – his writings and buildings – and sheds new light on the relationship this had with the German architect Heinrich Tessenow and some of the Tessenow-Schüler*innen. Departing from the insistence on the significance the Wiener Kreis might have had on Frank’s architectural thinking and production, the paper finds an uncanny relationship between the German philosopher Helmuth Plessner’s Philosophical Anthropology and Frank’s – and Tessenow’s – architecture of spatial and positional relationships.
    3. Menschliche Proportionen? Josef Franks Villa Beer und Le Corbusiers Tracés régulateurs

      Berthold Hub
      Zusammenfassung
      In seinen zahlreichen Schriften sagt Josef Frank zur äußeren Gestalt der Architektur wenig und zu jener des Hauses Beer gar nichts. In Der Haus als Weg und Platz (1931) bildet er zwar Schemata der Straßen- und der Gartenfassade ab, in die sich parallel oder im rechten Winkel zueinanderstehende Linien eingetragen finden, doch werden diese vom Text nicht kommentiert. In Architektur als Symbol (1931) preist er die „uralten Lehren“ und „ewigen Proportionsgesetze, die Harmonie aller Teile eines Ganzen zu erreichen“, ohne jedoch zu verraten, von welchen Proportionen er genauerhin spricht. Der Beitrag vergleicht Franks Proportionsschemata des Hauses Beer mit Le Corbusiers tracés régulateurs, führt beide auf August Thierschs „Lehre von der Analogie und Ähnlichkeit der Figuren“ und auf Heinrich Wölfflins „umgekehrte Proportionalität“ zurück und diskutiert ihren Ursprung in der Suche nach Proportionen, die unabhängig von Zahlen und metaphysischen Begründungen sind, also nicht nur gedacht, sondern auch vom Menschen wahrgenommen werden können, und die gleichzeitig die moderne Architektur legitimierend und nobilitierend an die Geschichte zurückzubinden vermögen.
    4. Josef Frank’s Villa Beer. Pluralism in Modernity, Civic Memory and the Imagined Community of the Future

      Elana Shapira
      Abstract
      This essay examines architect Josef Frank’s design language as presented in Villa Beer. Reconsidering the house’s emergence as a masterpiece, I contend that it remains relevant as a multifaceted cultural phenomenon that addresses issues of modernity's pluralism, civic memory, and the potential for envisioning a future community. A critical aspect of the discussion is philosopher Hannah Arendt’s critique of the limitations of “humanism” as conceived during the Enlightenment as an ahistorical abstraction. Viewing Frank’s intercultural engagement as part of a broader confrontation with antisemitism in Europe sheds new light on the role of the house in fostering a multicultural consciousness. Frank’s reconfiguration of Viennese and Jewish identifications in the designs for Villa Beer is examined in the context of his fruitful collaborations with the Austrian sociologist and philosopher of science, Otto Neurath, and his possible ideological intersections with the Russian designer, El Lissitzky. Lissitzky offered a Constructivist formal language that promoted social inclusion and represented the current avant-garde. The conclusion discusses why Villa Beer is important for preserving Vienna’s civic memory and envisioning future communities in Vienna and beyond.
    5. Einiges Theoretisches über die Ordnung der Unordnung. Die Villa Beer, Oskar Strnad und darüber hinaus

      Albert Kirchengast
      Zusammenfassung
      Der Beitrag fragt nach der „Ordnung der Unordnung“, die das architektonische Schaffen Josef Franks nach Meinung vieler Kritiker so besonders und so „menschlich“ macht. Wie gelingt es Frank, dass man sich in den Räumen der Villa Beer „frei“ fühlt, wie es die zeitgenössische Kritik formuliert. Antworten auf diese Fragen findet der Beitrag in der speziellen Weise, in der Frank Anregungen seiner Lehrer und Kollegen Adolf Loos und Oskar Strnad aufgreift und weiterentwickelt. Dabei bildet die konkrete sinnliche Erfahrung des Raumes während seiner aneignenden Benutzung für Frank den Maßstab, und damit etwas, das sich begrifflich nicht wirklich einholen lässt. Es verbleibt, um mit Wittgenstein zu sprechen, im Bereich dessen, was „sich zeigt“. Darin wiederum liegt eine Perspektive für den (spätestens seit der Moderne) unbehausten Menschen sich zu erkennen und wieder „anzukommen“, oder – mit Heidegger – zu wohnen.
  5. Philosophischer Kontext: Frank und die Philosophie/ Theorie

    1. Frontmatter

    2. Josef Frank und der Wiener Kreis

      Anne Siegetsleitner
      Zusammenfassung
      Josef Frank war mit der philosophischen Gruppe, die als Wiener Kreis bekannt wurde, persönlich und inhaltlich eng verbunden. Bei diesem Kreis handelt es sich um eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die vor allem aus der Philosophie kamen, aber auch aus der Mathematik sowie den Natur- und Sozialwissenschaften und sich im Wien der Zwischenkriegszeit trafen und austauschten. Nicht zuletzt aufgrund der (erzwungenen) Emigration zentraler Mitglieder gewann die Philosophie dieses Kreises im angelsächsischen Raum großen Einfluss. Dieser Beitrag zeigt auf, welch vielfältige persönliche und inhaltliche Bezüge Franks zum Wiener Kreis bestanden und wie diese seine Architektur(theorie) beeinflussten. Im ersten Abschnitt wird der Wiener Kreis kurz vorgestellt, um sodann die wichtigsten persönlichen Bezüge zu diesem Kreis darzulegen. Anschließend befasst sich der zweite Abschnitt mit ausgewählten inhaltlichen Zusammenhängen, die Einfluss auf Franks Architektur(theorie) hatten. Strukturiert werden diese inhaltlichen Bezüge anhand der Unterscheidung von zwei Konzeptionen einer wissenschaftlichen Weltauffassung, wie sie im Wiener Kreis vertreten wurde und welche Frank mit diesem teilte.
    3. Architektur der Ungewissheit. Josef Frank und die Wissenschaften der Zwischenkriegszeit

      Kristian Faschingeder
      Zusammenfassung
      Der Beitrag geht von der Beobachtung aus, dass Josef Frank in der Literatur häufig ex negativo charakterisiert wird, als „nicht ordentlich, gegen Design, anti-formalistisch, aber auch nicht dogmatisch“. Offensichtlich wird Josef Frank als „anders“ verstanden, was nicht zuletzt daran liegt, dass Frank v. a. im Gegensatz zum dt. Werkbund und dem Bauhaus ein anderes Verständnis dessen hat, was „modern“ ist. Dabei ist dieses Verständnis gerade nicht, wie von Bauhäuslern und Vertretern des Werkbundes behauptet, nur ein vages oder ein konservatives und inkonsequentes. Im Gegenteil: Frank hat zum einen eine klare Haltung zur Architektur und eine entsprechende Theorie – eine sehr eigenständige noch dazu, die sich dadurch auszeichnet, dass sie sich bewusst der Aufstellung eines „Systems“ verweigert, und die dadurch bedingte Offenheit konsequent verwirklicht. Zum anderen hat Frank ein Architekturverständnis, das mitnichten konservativ oder altbacken ist, sondern im Gegensatz zu zeitgenössischen Einschätzungen als besonders modern, vielleicht sogar als post-modern avant la lettre anzusehen ist. Dies zeigt sich insbesondere, wenn Frank bestimmte Bauformen, auf denen die Modernen beharren, als Symbole „entlarvt“ und wenn er generell die „Systemhörigkeit“ ablehnt. Franks Haltung stellt mithin also keine Nicht-Haltung dar, sondern ist als Weiterentwicklung zentraler Ideen der Moderne zu verstehen. Dafür wiederum ist nicht zuletzt Franks Verbindung zum philosophischen Denken seiner Zeit ein wichtiger Einfluss, wobei man hier spezifischer eine österreichische wissenschaftliche ›Kultur der Ungewissheit‹ nennen muss, die sich gegen die Aufstellung von Systemen richtet.
    4. Josef Frank’s Human Architecture and its Quattrocento Sources

      Caterina Cardamone
      Abstract
      The article explores the question of where the special humanity that is repeatedly attributed to Josef Frank's architecture, and which he himself claimed for himself in a letter from 1961, comes from. The article finds the answer in the era of humanism, which was well known to Frank through his dissertation „Über die ursprüngliche Gestalt der kirchlichen Bauten des Leon Battista Alberti“. According to the thesis, Josef Frank's "human modernism" can be traced back to sources from the 15th century; it is, as it were, a translation of certain principles of humanist thinkers and artists into the 20th century. These principles include, above all, varietas in various nuances. In addition, mediocritas, as it appears in Alberti's work, plays a major role. However, these two principles alone cannot describe the human being that Frank has in mind. Human life in all its fullness is the benchmark for Frank and his human architecture.
    5. Das Haus des ex-zentrischen Wesens Mensch. Josef Franks Villa Beer und Helmuth Plessners philosophische Anthropologie im Gespräch

      Martin Düchs
      Zusammenfassung
      Der Ausgangspunkt des Beitrags ist die Feststellung einer fundamentalen Erschütterung jeglicher Sicherheiten nach dem Ersten Weltkrieg. Diese betreffen dabei nicht nur die Wirtschaft, die Religion oder die Wissenschaft sondern auch und gerade das eigene Selbstverständnis des Menschen. Die Frage nach dem Menschen rückt wieder in den Mittelpunkt des Interesses. In der Architektur führt das zu der Suche nach dem „neuen Mensch“, der auch mittels einer neuen Architektur allererst hervorgebracht werden soll. In der Philosophie wiederum setzt Ende der 1920er Jahre die Strömung der Philosophischen Anthropologie ein, die besagte Frage nach dem Menschen auf neue, wissenschaftlich fundierte und synthetische Art und Weise neu beantworten wollte. Hauptvertreter dieser Strömung sind zunächst Max Scheler und Helmuth Plessner, etwas später dann auch Arnold Gehlen. In einer parallelen Bewegung untersucht der Artikel die zur selben Zeit entstehende Theorie von Helmuth Plessner und die Villa Beer. Es zeigt sich, dass die Theorie Plessners ein geeignetes Denkmodell ist, um die Menschlichkeit der Villa Beer besser zu verstehen. Umgekehrt wiederum erweist sich die Villa Beer als anschauliches Beispiel, um die Theorie Plessners zu verstehen.
Titel
Eine menschliche Moderne
Herausgegeben von
Martin Düchs
Christian Prasser
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-48483-5
Print ISBN
978-3-658-48482-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-48483-5

Die PDF-Dateien dieses Buches wurden gemäß dem PDF/UA-1-Standard erstellt, um die Barrierefreiheit zu verbessern. Dazu gehören Bildschirmlesegeräte, beschriebene nicht-textuelle Inhalte (Bilder, Grafiken), Lesezeichen für eine einfache Navigation, tastaturfreundliche Links und Formulare sowie durchsuchbarer und auswählbarer Text. Wir sind uns der Bedeutung von Barrierefreiheit bewusst und freuen uns über Anfragen zur Barrierefreiheit unserer Produkte. Bei Fragen oder Bedarf an Barrierefreiheit kontaktieren Sie uns bitte unter accessibilitysupport@springernature.com.