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08.06.2020 | Einlagengeschäft | Im Fokus | Onlineartikel

Krise lässt Bankeinlagen in Deutschland schrumpfen

Autor:
Barbara Bocks
3:30 Min. Lesedauer

Im März 2020 sind die Einlagen bei europäischen Finanzinstituten in Summe angestiegen. In Deutschland dagegen haben Bankkunden mehr Geld von ihren Konten abgehoben. Auch die beginnende Finanzkrise 2008 brachte ein ähnliches Verhaltensmuster hervor.

Aktuell sparen 71 Prozent der Deutschen genauso viel wie vor der Krise. Von den Verbrauchern, die ihr Geld an der Börse investieren, haben je nach Risikobereitschaft unterschiedliche Anlageformen die Nase vorn. So entscheiden sich beispielsweise 17 Prozent für Fonds und 14 Prozent für Aktien. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage mit mehr als 1.200 Teilnehmern im Auftrag der Rabodirect Bank hervor, die Anfang Mai veröffentlicht wurde. 56 Prozent der deutschen Sparer haben der Studie zufolge seit Beginn der Corona-Krise allerdings nicht investiert. Dazu gehören vor allem Frauen, junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren und Personen mit einem geringen Einkommen.

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Diese Erkenntnisse passen auch zu einer aktuellen Studie von Investors Marketing. "Das Wertpapiergeschäft ist, unabhängig von den Corona-bedingten Einbrüchen der Kapitalmärkte, nach wie vor von einer Abneigung der Kunden geprägt", erklärt Oliver Mihm, CEO der Unternehmensberatung, in seinem Bankmagazin-Beitrag "Wie Hausbanken relevant bleiben" (Ausgabe 4/5 | 2020). Trotz Niedrigzinsen wollen rund 40 Prozent der für die Studie Befragten keine Aktien, Anleihen und andere Investmentprodukte erwerben. Bei Kunden mit einem Anlagevermögen unter 2.500 Euro liegt die Ablehnungsrate Mihm zufolge sogar bei 60 Prozent.

Einlagen steigen im März um 43 Milliarden Euro

Europaweit sind die Retail-Einlagen in der Eurozone laut einer Analyse von Deposit Solutions seit Januar 2019 um durchschnittlich 33 Milliarden Euro pro Monat angestiegen und im Laufe des März insgesamt um 43 Milliarden Euro. Insgesamt lagen im Februar 2020 laut der Analyse knapp 7.800 Milliarden Euro auf den Einlagenkonten der Banken in der Eurozone. Vor allem französische, italienische und spanische Sparer legen laut der Analyse zusätzliches Kapital auf ihre Bankkonten.

Deutsche Geldhäuser hielten im Februar 2020 laut Angaben der EZB mit 2.422 Milliarden Euro mit Abstand die meisten Retail-Einlagen aller Institute in Europa. Im März 2020 zählte Deutschland allerdings zu den wenigen Eurozone-Ländern, in denen die Menschen weniger Geld auf ihren Konten hielten als im Vormonat. Der Rückgang beläuft sich auf knapp zehn Milliarden Euro, also 0,4 Prozent. 

Dieses Phänomen ereignete sich auch schon im September 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise. Auch damals hoben deutsche Bankkunden laut der Analyse sechs Milliarden Euro, also 0,4 Prozent, mehr von ihren Konten ab, als sie einzahlten, bevor in den drei darauffolgenden Monaten über 70 Milliarden Euro wieder zurückflossen.

Deutsche heben mehr Geld ab als andere

"Beunruhigte Deutsche heben im Angesicht solch krisenhafter Situationen Geld bar vom Konto ab", erklärt Andreas Dombret, Senior Advisor bei Deposit Solutions. Hinterher sei das Bargeld in der letzten Krise schnell wieder zurück auf die Sparkonten eingezahlt worden. Damit ist aus Dombrets Sicht "durchaus auch dieses Mal zu rechnen".

In anderen europäischen Ländern hingegen gibt es allerdings deutliche Unterschiede im Krisenverhalten zwischen 2008 und heute. "In Frankreich, Spanien oder den Niederlanden gab es im Jahr 2008 nach der Lehman-Pleite zum Beispiel noch Mittelabflüsse", erklärt Stephan Simon, Leiter Funding-Strategie und Einlagen-Analytik bei Deposit Solutions, gegenüber springerprofessional.de. Im Jahr 2020 hingegen gehörten diese Länder laut den EZB-Daten zu den größten Netto-Einzahlern. "Unsere Analyse der EZB-Daten belegt, wie stabil Kundeneinlagen als Finanzierungsquelle auch in Zeiten großer Krisen sind", so Simon. Es gebe somit auf Basis der März-Zahlen keine Anzeichen dafür, dass die Coronakrise die Einlagenentwicklung der Banken in der Eurozone signifikant verändert, "weder nach unten noch nach oben".

Festgelder bis zu einem Jahr sind populär

Einlagenprodukte differenzieren sich laut Simon neben Zins und Anbieter vor allem über die Laufzeit. Die Nachfrage nach unterschiedlichen Laufzeiten hängt vom Profil der Zinskurve ab, also wie hoch die Zinsprämie ist, die längerfristige Anlagen im Vergleich zu kürzeren Laufzeiten bieten. 

"Zurzeit ist diese im historischen Vergleich eher niedrig und entsprechend sind aktuell besonders kurzfristige Festgelder mit bis zu 12 Monaten Laufzeit populär", so Simon. Die durchschnittlichen Einzahlungen über alle Produkte und Laufzeiten hinweg liegen aus Sicht des Experten monatlich im Bereich zwischen 20.000 und 30.000 Euro je Anlage. Das war vor der Krise bereits so und hat sich Simon zufolge "seitdem nicht verändert".

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