Skip to main content
main-content

Tipp

Weitere Kapitel dieses Buchs durch Wischen aufrufen

Erschienen in:
Buchtitelbild

2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

1. Einleitung

share
TEILEN

Zusammenfassung

Angesichts transnationaler Herausforderungen wie der Klimakrise oder der Flucht von Millionen Menschen vor anhaltenden Kriegen und anderen Katastrophen werden seit einiger Zeit neue Formen des Regierens diskutiert, die sich besser für die Lösung der unübersichtlichen Problemkonstellationen unserer Zeit eignen sollen als etablierte Regierungsformen. Während hierarchische Systeme im Umgang mit den genannten Herausforderungen als wenig geeignet angesehen werden, gelten vor allem experimentelle Ansätze als vielversprechend, um mit der wahrgenommenen Zunahme von Komplexität und Ungewissheit in zahlreichen Politikfeldern umgehen zu können. So haben in den vergangenen Jahren experimentelle, polyzentrische und tentative Governance-Formen in unterschiedlichen Politikfeldern an Bedeutung gewonnen.
Fußnoten
1
Im Jahr 2018 wurden experimentelle Governance-Arrangements in einem gemeinsamen Forum des Ausschusses für regionale Entwicklungspolitik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung der Europäischen Kommission (GD REGIO) zur Förderung eines innovationsorientierten Policy-Ansatzes für Städte und Regionen diskutiert. In einem begleitenden Dokument zu dem Forum werden experimentelle Governance-Arrangements als Ziel und Priorität der GD REGIO formuliert (Wolfe 2018).
 
2
In eine ähnliche Richtung gehen die Überlegungen bei Arnold (2015), der die Rolle der Policy-Entrepreneure nicht nur bei hohen Regierungsbeamten sieht, sondern auch bei den handelnden Akteur*innen auf dem Street-level.
 
3
Bildungsintegration wird auf den Bildungsbereich außerhalb der frühkindlichen Bildung und der Bildung im Rahmen der Regelschulen (Primär- und Sekundarbereich) eingegrenzt. Unter den Begriff fallen damit insbesondere Prozesse und Maßnahmen im Rahmen von Sprachkursen, Aus- und Weiterbildungen und anderen Formen der Erwachsenenbildung sowie der Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen.
 
4
Der Begriff der Integration ist im wissenschaftlichen und politischen Diskurs umstritten und wurde in der Vergangenheit sehr unterschiedlich verwendet. Integration kann auf der einen Seite des Spektrums die wirtschaftliche und soziale Konvergenz im Hinblick auf unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche bezeichnen. Das heißt, dass Integration für die Angleichung statistischer Werte wie Arbeitslosenquote, Durchschnittsverdienst, Bildungsgrad, Wahlverhalten etc. zwischen zwei oder mehreren Gruppen steht. Bei der Beschreibung dieser Konvergenz spielt die Aufgabe bestimmter kultureller oder religiöser Werte durch einzelne Gruppen in der Regel keine zentrale Rolle. Auf der anderen Seite des Spektrums kann das Konzept der Assimilation verortet werden, welches zwischen Werten und Überzeugungen von Zugewanderten und der Bevölkerung der Einwanderungsländer unterscheidet und den Prozess der Übernahme dieser Werte durch die Zugewanderten beschreibt. Zum umstrittenen Integrationsbegriff siehe Münch (2018). In der vorliegenden Arbeit wird kein eigener Integrationsbegriff gewählt. Stattdessen wird Integration als häufig verwendeter deutungsoffener Feldbegriff der unterschiedlichen Akteur*innen aufgegriffen, die sich auf dem Street-level aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Teilhabe geflüchteter Menschen an Bildung und Arbeit befassen.
 
5
Mit der Bezeichnung „langer Sommer der Migration“ (Hess et al. 2017) werden die einschneidenden Ereignisse bezeichnet, die vor allem im Sommer und Herbst 2015, aber auch in den darauffolgenden Monaten an den EU-Grenzen, auf den unterschiedlichen Routen der Geflüchteten und an den Orten ihres Ankommens in Europa und vor allem in Deutschland abliefen.
 
6
Bereits vor dem langen Sommer der Migration haben große europäische Städte, Gemeinden, ganze Regionen, aber auch einzelne Stadtteile vermehrt Verantwortung für die Aufnahme und Integration von zugewanderten Menschen übernommen. Dieser local turn (Jorgensen 2012) im Bereich der europäischen Zuwanderungs- und Integrationspolitik wurde durch die lokalen Experimente im Kontext des langen Sommers der Migration weitergeführt und weiter auf nichtstaatliche beziehungsweise zivilgesellschaftliche Akteur*innen ausgeweitet.
 
7
In der ersten regulären Förderperiode zwischen Juli 2015 und Dezember 2016 übernahm die Kulturstiftung des Bundes die Förderung. Mit Beginn der zweiten Förderperiode im Januar 2017 wurde die Stiftung Deutsche Jugendmarke Hauptförderin des neuen, übergreifenden Projektes Coop Campus.
 
Metadaten
Titel
Einleitung
verfasst von
Felix Maas
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38335-0_1