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2022 | Buch

Einsamkeit in Serie

Televisuelle Ausdrucksformen moderner Vereinsamung

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Über dieses Buch

Die Moderne neigt zur Produktion immer neuer Einsamkeitserfahrungen, die jedoch in der Alltagserfahrung abstrakt, unsichtbar und damit unverhandelbar bleiben. Fernsehserien hingegen finden durch ihre spezifischen Ästhetiken, Narrative, Figurenkonstellationen, Dramaturgien und Klänge konkrete Artikulationen moderner Vereinsamung. Denis Newiak untersucht ausgehend von einer interdisziplinären Ikonografie moderner Einsamkeit die televisuellen Ausdrucksformen sozialer Vereinzelung anhand der populären Fernsehserien 13 Reasons Why, The Big Bang Theory und Bates Motel.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Visuelle Repräsentationen und Ästhetiken der Einsamkeit
Zusammenfassung
Viele Fernsehserien, vielleicht sogar jede Fernsehserie lässt sich als ein Zeugnis moderner Einsamkeiten lesen. Doch durch welche den Fernsehserien zur Verfügung stehenden Mittel und in welcher Form artikulieren sich diese Einsamkeiten? Wie lässt sich das Einsame in den Ästhetiken der Fernsehserien beschreiben? Dieses Kapitel widmet sich den bildlich-gestalterischen und motivisch-dinglichen Aspekten, durch die in Fernsehserien moderne Einsamkeiten in Erscheinung treten.
Denis Newiak
Kapitel 2. Narrative und Themen der Einsamkeit
Zusammenfassung
Die vielfältigen Dimensionen moderner Vereinsamung, die modernen Einsamkeiten, finden ihren komprimierten und verschlüsselten Ausdruck in den Bildwelten, die Fernsehserien nicht nur zitieren, sondern mit Fortschreiten der Modernisierung und der mit ihr einhergehenden Vereinsamung auch ständig weiterentwickeln. Dennoch nehmen Fernsehserien, die unabhängig von ihrer audiovisuellen Dimension immer ebenso eine narrative Ebene umfassen, auch unmittelbar Bezug auf die im sprachlichen Diskurs manifestierten Quellen, Ursachen und Wirkungen moderner Vereinsamung. Anhand der ausgewählten Serien soll beispielhaft gezeigt werden, wie Fernsehserien in überraschender Übereinstimmung auf erzählerischer Ebene einen Katalog spätmoderner Einsamkeiten entwickeln, der sich wie eine Bestandsaufnahme der Sollbruchstellen der Modernisierung liest.
Denis Newiak
Kapitel 3. Einsame Figuren
Zusammenfassung
Einsame Figuren sind aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken: Das Kino stellt seine einsamen Helden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zwischen Kulisse und Requisite, Narrativ und Dramaturgie. Sie werden zur Inkarnation der Einsamkeiten ihrer Welt, zur Verkörperung der sonst kalten, distanzierten und seelenlosen Facetten des modernen Lebens. Auch in Fernsehserien sind sie nicht einfach nur notwendige Handlungsträger, die die erzählten Einsamkeiten austragen, sondern sie ermöglichen als menschenähnliche Identifikationsfiguren ein empathisches Hineinversetzen in die innerseelischen Konflikte und Entscheidungsdilemmata und die von den Einsamkeiten ausgehenden emotionalen Lasten und Härten. Das Kapitel widmet sich den einsamen Serienfiguren, ihren Typen und Biografien als verkörperte Arikulationen moderner Einsamkeiten. 
Denis Newiak
Kapitel 4. Dramaturgien der Vergemeinschaftung und Vereinsamung
Zusammenfassung
Im Vorangegangenen sollte gezeigt werden, dass sich Diskurse moderner Einsamkeit in Fernsehserien durch deren visuelle Ästhetiken, ihre Narrative und Thematisierungen sowie anhand der Figuren und ihrer Konstellationen zueinander artikulieren. In filmischen Formen, ganz besonders jedoch in Fernsehserien, werden diese Schichten noch um eine weitere wichtige Ebene ergänzt, über die sich moderne Einsamkeiten ausdrücken: Dramaturgien zeitgenössischer Fernsehserien lassen sich grundsätzlich in Bezug auf ihr Verhältnis zu Fragen der Vergemeinschaftung und Vereinsamung verstehen und differenzieren. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass komische Fernsehserien sich grundsätzlich durch Dramatisierungsstrategien der Vergemeinschaftung auszeichnen, während tragische Fernsehserien im Kern als Dramaturgien der Vereinsamung angelegt sind. In komischen Fernsehserien wie in The Big Bang Theory dominieren im Wesentlichen Dramatisierungsformen, die den Übergang von als leidvoll empfundener Einsamkeit hin zu einer wünschenswerten Form von Gemeinschaft darstellen. Tragische Serienformate wie 13 Reasons Why und Bates Motel hingegen zeichnen sich durch Dramaturgien der Vereinsamung aus: In ihnen löst sich eine anfänglich als wünschenswert inszenierte Gemeinschaft schrittweise und qualvoll auf, bis am Ende die totale Einsamkeit steht. Im Kapitel wird untersucht, welche Strategien die Serien entwickeln, um diese Dramatisierungsformeln mit Leben zu füllen.
Denis Newiak
Kapitel 5. Einsame Klänge
Zusammenfassung
In Bezug auf eine Untersuchung der Ausdrucksformen moderner Einsamkeiten in Fernsehserien kann und darf der Klang des Filmischen nicht übergangen werden: Zeitgenössische Serien finden auf der Ebene des Auditiven bemerkenswerte Ästhetiken der Einsamkeit, die eine eigenständige Forschungsarbeit rechtfertigen würden und hier lediglich der Vollständigkeit halber angedeutet werden sollen. Im Kapitel werden die vielfältigen Dimensionen des Musikalischen als Ausdrucksformen moderner Einsamkeiten betrachtet. Ohne einen distinkten Stil der einsamen Serienklänge identifizieren zu wollen oder zu können, sollen zumindest einige Anknüpfungspunkte angeboten werden, wie die bisher im Forschungsdiskurs unberücksichtigten Einsamkeitsmusiken der Fernsehserien beschrieben werden könnten, etwa anhand der von Serienmusiken gewählten Klangästhetiken und das Kuratieren komplexer Soundtracks.
Denis Newiak
Kapitel 6. Rückblick und Ausblick: Die Einsamkeiten der Moderne und die Gemeinschaften des Fernsehens
Zusammenfassung
Wie gezeigt werden sollte, hat die Moderne durch ihre spezifischen Ästhetiken, vor allem durch ihre visuellen Ausdrucksformen in bildender Kunst und Fotografie, Kino und Fernsehserie ganz eigene Mittel und Wege gefunden, die in ihr wütenden modernen Einsamkeiten nicht nur intellektuell, sondern auch sinnlich-affektiv zu durchdringen und damit reflexiv erfahrbar zu machen. Fernsehserien leisten dabei einen unüberschätzbaren Beitrag zum Verständnis der modernen Einsamkeiten und laden zur Diskursführung ein. Doch die Erfahrungen moderner Vereinsamung werden in Zukunft weiter wachsen und drohen, die Moderne unbewohnbar zu machen. Werden Fernsehserien in Zukunft weiterhin in der Lage sein, diesen noch kommenden Einsamkeiten Ausdruck zu verleihen – und können sie ihnen sogar ihre eigenen Ersatzgemeinschaften entgegensetzen?
Denis Newiak
Backmatter
Metadaten
Titel
Einsamkeit in Serie
verfasst von
Denis Newiak
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-35809-9
Print ISBN
978-3-658-35808-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-35809-9