Einsichten eines Informatikers von geringem Verstande
Glossen aus dem Informatik Spektrum
- 2020
- Buch
- Verfasst von
- Prof. Dr. Reinhard Wilhelm
- Verlag
- Springer Fachmedien Wiesbaden
Über dieses Buch
Es ist für Fachleute wie Laien immer wieder überraschend, wie die Errungenschaften der Informatik das Leben der Menschen verbessern können, manchmal sogar in Richtungen, welche die Menschen gar nicht unbedingt wünschen. Die aus der Zeitschrift Informatik Spektrum stammenden Glossen in diesem Buch beschreiben kurzweilig und mit viel Humor viele solcher Errungenschaften: Wie sie entstehen, weshalb sie vielleicht doch nicht so groß sind und was noch auf uns zukommt.Eine amüsante Lektüre für Informatiker und ihre gequälten Anwender.
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Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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Brad Bit und Juliette Binom
Reinhard WilhelmZusammenfassungDas Bild des Informatikers im Film ist total verzerrt. Es wird versucht, ein alle zukünftigen Informatikerfilme abdeckendes Filmskript zu entwerfen. -
Usability considered harmful
Reinhard WilhelmZusammenfassungKönnen Sie sich noch erinnern, wie wir der Welt das papierlose Büro angekündigt haben? Die Erlösung von Aktenordnern voll der wunderbarsten bürokratischen Vorgänge, nämlich untertänigster Anträge, flehentlicher Eingaben, barscher Ablehnungen, unerledigter Aufträge, lückenhafter Notizen, fehlerhafter Abrechnungen, drohender Mahnungen und empörter Beschwerden. Nichts davon mehr auf Papier, sondern alles sauber archiviert in einem einzigen Verzeichnis Büro unseres Dateisystems. -
Von ewigen Kräften und sicheren Zuständen
Reinhard WilhelmZusammenfassungDie Zertifizierung von sicherheitskritischen Systemen, von denen Menschen inzwischen überall abhängen, dient der Bewahrung eines ruhigen Gemütszustandes; vertrauenswürdige Institutionen, besetzt mit sorgfältig arbeitenden Fachleuten, durchleuchten mithilfe sinnvoller Regeln die letzten Systemwinkel auf mögliche Schwachstellen und vergeben das Siegel „zertifiziert“ erst, nachdem ohne jeden Zweifel die Fehlerfreiheit festgestellt wurde. -
Die Freuden der rechnergestützten Lebensführung
Reinhard WilhelmZusammenfassungDer moderne Mensch leidet, wie einschlägige Wissenschaftler festgestellt haben, nicht nur an den tradierten Phänomenen wie zu heißen oder zu nassen Sommern, tief reflektierten Politikern und erfolgreichen Bankern, sondern neuerdings auch an Zivilisationsplagen, wie ständigem Termindruck und fehlender Entgrenzung der Arbeitswelt von anderen Welten, die eventuell auch noch existieren könnten. Gerade diese beiden Plagen werden auf Schönste kombiniert von rechnergestützten Systemen zur Organisation des Lebens. Sie erst ermöglichen es dem Menschen, Organisationstätigkeiten, die früher seine Sekretärin umstandslos für ihn erledigte, mithilfe oft schlecht entworfener Oberflächen mit beträchtlichem Aufwand selbst zu erledigen. -
Sehr zu empfehlen
Reinhard WilhelmZusammenfassungWissen Sie, was ein Recommender System ist? Mit ihm kommen Sie unter anderem in Kontakt, wenn sie in Amazonien einkaufen. Lassen Sie mich erst einmal erklären, was ein solches System niemals tun würde. Definition durch Abgrenzung heißt das. Es würde Ihnen auf keinen Fall nach dem Kauf von Goethes Faust den Kauf der DVD zu Die Faust im Nacken oder die Biographie der Doctores Klitschko nahelegen. Nein, das würden Recommender Systeme auf keinen Fall machen. Wären ja bizarre Tipps, die das Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit sofort untergraben würden. -
Paradies 2.0
Reinhard WilhelmZusammenfassungWieder einmal gilt es eine große Errungenschaft der Informatik zu feiern, nämlich die Wiederherstellung des Paradieses. Darunter tun wir Informatiker es ja nicht! -
Von Scheiße befreit
Frei nach Goethe, Faust I Reinhard WilhelmZusammenfassungWieder einmal ist von einem Durchbruch mithilfe der Informatik zu berichten. Es geht um eine Komplexitätsreduktion mittels Shitstorms. Bevor wir aber zum harten technischen Kern der Neuerung kommen, müssen wir eine passende Eindeutschung für Shitstorm finden. Scheißsturm klingt ja echt Sch… Versuchen wir es mit Stuhlsturm oder Kotböe. -
Informatik und Artenvielfalt
Reinhard WilhelmZusammenfassungAlle Welt klagt über die Reduktion der Artenvielfalt. Jedes Jahr verschwinden angeblich mehrere hundert Prozent der auf der Erde existierenden Spezies auf Nimmer Wiedersehen. Damit wird eine Zukunft an die Wand gemalt, in der es nur noch Kakerlaken, anaerobe Bakterien und Rüdiger Nehberg geben wird, Spezies, welche auch widrigste Umstände überleben. Jetzt muss ich die Informatik rühmen; sie stemmt sich heldenhaft gegen diesen Trend. Nur nimmt der Rest der Welt dieses mal wieder nicht wahr. -
Müll und Metamüll
Reinhard WilhelmZusammenfassungDer Mensch produziert Müll. Das ist nun mal so! Schon unsere frühen Vorfahren haben Müll produziert. Ihr Müll erlaubt sogar, ihr Leben zu studieren. Man denke nur an die Funde von abgeschabten Knochen und versteinerten Zwiebelschalen, die zurückgeblieben sind, wenn Frau Homo Sapiens ihren Mann nach einem langen Arbeitstage mit Neanderthaler-Spieß an Zwiebeljus begrüßte. -
Zwitschernd in den Untergang
Reinhard WilhelmZusammenfassungDie Kultur, zumindest die Zivilisation, die Wirtschaft, das Abendland, ja eigentlich die ganze Welt sind jetzt wirklich vom Untergang bedroht. Die Gründe sind Twitter, Facebook und Co. -
Wasserdampf ade
Reinhard WilhelmZusammenfassungVersetzen wir uns einen Augenblick zurück in die gute alte Zeit vor dem Aufkommen des Internets und vor der Wiedervereinigung. Schickte man damals einen Brief von West- nach Ostdeutschland, so wusste man, dass ein Großteil der ostdeutschen Bevölkerung, von der Stasi angestellt, begierig darauf wartete, ihn über einem Topf mit Wasserdampf zu öffnen, auf feindliche Propaganda zu prüfen und anschließend mit ostzonalem Kleber wieder zu verschließen. Das war nicht nur volkswirtschaftlich ineffizient und wegen des Einsatzes von Braunkohle zur Wasserdampferzeugung klimaschädlich. -
Die Differenzierung der Mail-Halde
Reinhard WilhelmZusammenfassungInformatiker sind bekanntlich kommunikationsgestörte, zur Vereinsamung neigende Nerds. Deshalb habe ich es sehr begrüßt, als ich in meiner nerdischen Umgebung von einer Individual- auf eine Gruppenware umgestellt wurde. Das versetzte mich in eine neue kommunikative Situation, wie der Soziologe sagen würde. -
Reisen ins Unwesentliche
Reinhard WilhelmZusammenfassungZu den größten Segnungen des Internet-Zeitalters gehört unbedingt die Zunahme an Kommunikation. Oft frage ich mich, wie unsere Vorfahren die kommunikative Ödnis, in der sie leben mussten, überhaupt ausgehalten haben. Wenn ich an meine Vorfahren in einem kleinen sauerländischen Dorf denke, da fällt mir dieser Unterschied besonders auf. -
Gespritzt, bestrahlt, gepumpt, aber nicht verifiziert
Reinhard WilhelmZusammenfassungDie Medizintechnik hat mithilfe der Informatik in den letzten Jahren ungeheure Fortschritte gemacht. Fast alle medizinischen Geräte werden inzwischen von Rechnern gesteuert. Praktisch nur noch das Stethoskop, welches dem Doktor als Statussymbol aus der Tasche baumelt, der Hammer, mit dem er dem Patienten vor das Knie haut, und die Spritze, die er eigenhändig setzt, kommen ohne Rechner aus. -
Die Energiewende in ihrem Lauf, …
Reinhard WilhelmZusammenfassungSeit Fukushima quält sich die Energiewende mehr mit Problemen als mit Fortschritten über die Runden. Da erreicht uns über die Wissenschaftsseite der Süddeutschen Zeitung vom 19.01.2015, http://www.sueddeutsche.de/wissen/energieerntender-schuh-kraftwerk-in-der-sohle-1.2306926, eine aufregende einschlägige Nachricht aus dem Land der Erfinderle, genauer gesagt aus Villinge-Schwenninge. -
Der Algorithmus – eine moderne Menschheitsplage
Reinhard WilhelmZusammenfassungWenn man darüber nachdenkt, was die Welt daran hindert, einfach nur wunderbar zu sein – ich denke an Louis Armstrong: „What a wonderful world!“ -, dann fällt einem gleich eine Liste von Plagen ein wie Kriege, Hungersnöte, Naturkatastrophen, Seuchen, Terror und das Verletzungspech bei Borussia Dortmund. Nichts hat es im Bewusstsein der Menschen in der letzten Zeit so schnell neu auf diese Liste geschafft wie der Algorithmus. Er wurde enttarnt als die moderne Menschheitsplage an sich. -
Kluge Elterei
Reinhard WilhelmZusammenfassungSchon wieder hat sich die Informatik ein neues, überraschendes Anwendungsgebiet erschlossen und erzielt dort große Erfolge, nämlich bei der Optimierung der Entwicklung unserer Kinder. Wie konnten wir nur in der Vergangenheit ohne Hilfe von entsprechenden Apps aus unseren Kindern halbwegs gescheite Menschen machen? Wir tappten komplett im Dunkeln, was die in einem Monat geleisteten Stillzeiten und die Gesamtzahl und die zeitliche Verteilung der abgelassenen Bäuerchen, die Anzahl der gefüllten Windeln und das Gesamtgewicht der Füllungen anging. Das Wachstum der Kinder wurde höchstens alle halbe Jahre durch eine Kerbe am Türrahmen markiert und blieb unverglichen mit der Größenstatistik der altersgleichen Kinder in der mongolischen Volksrepublik.
- Titel
- Einsichten eines Informatikers von geringem Verstande
- Verfasst von
-
Prof. Dr. Reinhard Wilhelm
- Copyright-Jahr
- 2020
- Electronic ISBN
- 978-3-658-28386-5
- Print ISBN
- 978-3-658-28385-8
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-28386-5
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