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Keine Gesundheitsgefahr bei E-Autos durch Elektrosmog

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Besteht eine Gesundheitsgefahr durch elektromagnetische Felder in Elektroautos? Eine Studie mit ADAC-Beteiligung hat sich mit dieser Frage jetzt befasst. Das Ergebnis ist eindeutig. 

Über die blauen Instrumente werden die elektromagnetischen Felder im Fahrzeug gemessen.


Über eventuelle Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Wellen in bestimmten Frequenzbereichen wird oftmals hitzig in der Öffentlichkeit diskutiert – gerade, wenn es um Elektrofahrzeuge geht. Doch was ist dran am sogenannten "Elektrosmog"? In einer Studie hat der ADAC diese Frage gemeinsam mit der Seibersdorf Labor GmbH und dem Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit (femu) an der RWTH Aachen untersucht. In Auftrag gegeben wurde die Analyse vom Bundesamt für Strahlenschutz und Bundesumweltministerium.

Unscharfes Schlagwort "Elektrosmog"

Ein elektromagnetisches Feld ist ein physikalisches Feld, das von elektrisch geladenen Objekten erzeugt wird und das Verhalten geladener Objekte in der Umgebung des Feldes beeinflusst, wie die Springer-Autoren im Buchkapitel Electromagnetic Fields and Electromagnetic Waves erklären. Es erstreckt sich unbegrenzt im Raum, beschreibt elektromagnetische Wechselwirkungen und ist eine der vier Grundkräfte der Natur. Das elektromagnetische Feld besteht aus einer Kombination des elektrischen Feldes und des Magnetfeldes, wobei ersteres von stationären Ladungen erzeugt wird, während letzteres von bewegten Ladungen (Strömen) erzeugt wird.

Der Begriff "Elektrosmog" sei keine wissenschaftliche Bezeichnung, so der ADAC, sondern beschreibe umgangssprachlich die Gesamtheit künstlich erzeugter elektromagnetischer Felder. Diese entstünden durch elektrische Geräte, Stromleitungen oder Funktechnologien wie WLAN, Bluetooth und Mobilfunk. Gerade in der Elektromobilität spiele die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) eine ganz wichtige Rolle, wie Markus Stark von Würth Elektronik eiSos im ATZelektronik-Gastkommentar erläutert. Insbesondere die Antriebskomponenten, also Wechselrichter und Motor, würden eine Hauptrolle bei der EMV-gerechten Gestaltung der Fahrzeugkomponenten einnehmen. 

Basisgrenzwerte werden eingehalten

Sind Verbraucher nun vor diesem Hintergrund beim Fahren oder Laden eines E-Autos starkem Elektrosmog ausgeliefert? Bei Messungen im ADAC-Technikzentrum Landsberg und auf der Teststrecke auf dem ehemaligen Flugplatz in Penzing wurden elf Elektroautos, zwei Plug-in-Hybride und ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor untersucht. Für die Messungen während der Fahrt und während des Ladevorgangs wurden zehn Messsonden in einen Sitz-Dummy von den Füßen bis zur Kopfhöhe verteilt, in jedem Auto auf jeweils mindestens zwei Sitzplätze gesetzt und in verschiedenen Szenarien untersucht. Die Studie sei nun abgeschlossen und alle Ergebnisse würden vorliegen, so der ADAC.

Laut ADAC sollen die Messergebnisse in den Testeinrichtungen deutlich ausfallen: Während der Fahrt hätten lokal und kurzzeitig vereinzelte Magnetfeldstärken zwar über den vorgegebenen Referenzwerten gelegen, zum Beispiel beim Starten, Bremsen oder Zuschalten elektrischer Komponenten. Die Berechnung der dabei im Körper hervorgerufenen elektrischen Feldstärken und Stromdichten habe jedoch gezeigt, dass die Basisgrenzwerte in allen Fällen eingehalten worden seien. Die Messungen hätten zudem gezeigt, dass die Magnetfeldwerte zwischen den einzelnen Fahrzeugen sowie je nach Betriebszustand deutlich variierten. "Die stärksten Magnetfelder traten typischerweise vor allem im Fußraum auf, also in der Nähe der Antriebseinheit des E-Autos und der zugehörigen Verkabelung, während sie im Kopf- und Rumpfbereich meist gering waren", heißt es. Insgesamt sei die langfristige und körpergemittelte Strahlenbelastung in einem Elektroauto vergleichbar mit den Werten, denen zum Beispiel ein Fahrgast in öffentlichen Verkehrsmitteln, wie etwa der U-Bahn ausgesetzt sei, wie entsprechende Vergleichsmessungen zeigen würden.

Sitzheizung ist versteckte Elektrosmog-Quelle

Lokal erhöhte Werte habe der ADAC auch beim Zuschalten elektrischer Komponenten wie der Sitzheizung messen können. Teilweise hätte hier die Werte sogar über denen der Antriebskomponenten gelegen und sich dennoch in einem unkritischen Rahmen bewegt. Das habe neben den E-Autos auch die Plug-In-Hybride und den Verbrenner-Pkw im Studienfeld betroffen.

Werte beim Fahren höher als beim Laden

Vergleichbares gelte für die Ladevorgänge: Hier seien nennenswerte Magnetfelder vor allem beim AC-Laden im direkten Umfeld des Ladesteckers nachgewiesen worden. Die Werte seien während der Initialphase, also zum Start des Ladevorgangs, am höchsten gewesen. "Auch hier zeigte die Berechnung, dass trotz der kurzzeitig erhöhten Werte keine Überschreitung der empfohlenen Höchstwerte im Körper auftrat – selbst beim direkten Anfassen des Ladesteckers nicht", wie der ADAC berichtet. Weiter heißt es: "Beim Schnellladen mit Gleichstrom (DC) waren die strahlenschutztechnisch bewerteten Magnetfeldimmissionen trotz signifikant höherer Ladeleistungen sogar geringer ausgeprägt als beim Laden mit Wechselstrom (AC)". Insgesamt seien die Expositionen beim Laden aber weniger stark gewesen als bei der Fahrt.

Alle elf untersuchten E-Autos unauffällig

Die Studie habe gezeigt, so der ADAC, dass elektromagnetische Felder in allen Kraftfahrzeugen unabhängig von der Antriebsart auftreten. Alle untersuchten Elektroautos sowie auch die vier zusätzlich untersuchten Elektromotorräder hätten die empfohlenen Höchstwerte eingehalten und würden deshalb als unbedenklich gelten. Auch Personen mit Implantaten müssten sich keine Sorgen machen, wenn sie in einem Elektroauto unterwegs seien oder sich an einer Ladestation aufhielten.

Der ADAC gehe davon aus, dass mit der fortschreitenden Entwicklung der Elektromobilität die elektromagnetische Umweltverträglichkeit weiter an Bedeutung gewinnen werde. Genauso sieht es Markus Stark: Seiner Ansicht nach führt die E-Mobilität nicht zuletzt auch zu mehr Innovationen bei den EMV-Komponenten, insbesondere bei Größe und Gewicht der Lösungen. "Moderne elektrifizierte Antriebe schaffen ein neues, verschärftes elektromagnetisches Umfeld in Fahrzeugen. Betriebsspannungen von mehreren Hundert Volt, Strömen von einigen Hundert Ampere und Elektromotoren mit Leistungen von 100 kW und mehr führen in eine völlig neue und bisher nicht dagewesene Dimension", so Stark. Daher müsse EMV auch frühzeitig in die Entwicklung von Fahrzeugen und Fahrzeugkomponenten einfließen. Nachträgliche Lösungen seien häufig aufwendig und selten an das eigentliche Problem angepasst.

Das betont auch der ADAC: "Idealerweise wird das Thema Elektrosmog schon bei der Entwicklung eines Fahrzeuges mitgedacht und das Auto entsprechend so ausgelegt, dass möglichst keine oder nur geringe Immissionen beim Verbraucher ankommen", so der ADAC. Dies gelte auch für die Ladeinfrastruktur. Zudem spricht sich der Automobilclub bei den Herstellern für "aufmerksame und realitätsnahe Messungen" aus, wie es heißt.

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    Bildnachweise
    Über die blauen Instrumente werden die elektromagnetischen Felder im Fahrzeug gemessen./© Seibersdorf Laboratories GmbH / ADAC, AVL List GmbH/© AVL List GmbH, dSpace, BorgWarner, Smalley, FEV, Xometry Europe GmbH/© Xometry Europe GmbH, The MathWorks Deutschland GmbH/© The MathWorks Deutschland GmbH, IPG Automotive GmbH/© IPG Automotive GmbH, HORIBA/© HORIBA, Outokumpu/© Outokumpu, Hioko/© Hioko, Head acoustics GmbH/© Head acoustics GmbH, Gentex GmbH/© Gentex GmbH, Ansys, Yokogawa GmbH/© Yokogawa GmbH, Softing Automotive Electronics GmbH/© Softing Automotive Electronics GmbH, measX GmbH & Co. KG