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So fährt sich der aktualisierte Kia EV6

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Kia hat den EV6 in Details verbessert. Neben Retuschen am Design fährt er im Test mit einer neuen Batterie und weiteren Technik-Upgrades vor. 

Kia EV6 Earth


Bereits 2024 hat Kia sein 2021 erschienenes Elektrofahrzeug EV6 überarbeitet. Der EV6 ist ein Hingucker im grauen Februar, und das liegt nicht nur am roten Metallic-Lack. Der 4.695 lange und 1.550 mm hohe Crossover bietet eine Front mit einer kurzen, tief gezogenen Haube und wenig Überhang. Die neuen, adaptiven Dual-LED-Scheinwerfer liegen ebenso tief und blicken mit dem neuen "Star Map"-Design grimmig. Die geschwungene Karosserie bietet ein langes Greenhouse, die farblich abgesetzten Seitenschweller ziehen sich zum wuchtigen Heck in die außergewöhnlich gestalteten Rückleuchten des 1.890 mm breiten BEV. Die Heckklappe für den großen Gepäckraum öffnet elektrisch: 490 l sollen reinpassen, umgelegt sogar 1.290 l. Einen "Frunk" gibt es nur in der "GT-Line". 

Interieur + Infotainment

Das Interieur wirkt in der Einstiegsversion "Earth" weniger sportlich, eher zweckmäßig gestaltet: Weich geschäumter Kunststoff, harter Kunststoff und gewebeartiger Kunststoff wechseln sich ab. Die elektrisch einstellbaren Sitze sind mit Kunstleder bezogen. Der Innenraum bietet bei einem Radstand von 2.900 mm vorne sehr viel Platz für Fahrer und Beifahrer sowie Stauraum und USB-Ladeplätze, zudem eine induktive Ladestelle. Der Fahrer blickt auf ein schmuckloses, neu gestaltetes Lenkrad mit kapazitiver Hands-on-Erkennung, das im Testwagen elektrisch verstellbar ist. Die metallisierten Walzen (etwa für die Lautstärke) sind allerdings wie schon beim EV3-Test moniert, zu rutschig. Zudem sieht man bei Zweispeichen-Lenkrädern beim Einparken nicht sofort, in welcher Richtung die Vorderräder stehen.

Die breiten Premium-Relaxationsitze aus dem optionalen Comfort-Paket sind bequem, könnten aber mehr Seitenhalt bieten. Außerdem sind wie beim Kia EV3 die Kopfstützen zu dicht am Fahrer angebracht. Die fein justierbaren Sitze müssen also so lange gekippt werden, bis eine für den Nacken angenehme Position gefunden wurde. Sitzheizung und -belüftung sind Serie.

Das Kombiinstrument in 12,3" Größe bietet drei wenig differenzierte Ansichten, hier würde ein wenig mehr Auswahl gut tun. Überhaupt lässt die Grafik teilweise zu wünschen übrig: So werden andere Verkehrsteilnehmer in der ADAS-Ansicht einfach nur als "Klötzchen" dargestellt. Das hat man schon besser gesehen. Das Head-up-Display gefällt allerdings mit gestochen scharfer Darstellung. 

Das neue Infotainmentsystem "Connected Car Navigation Cockpit" bietet kabellose Smartphone-Integration, die Online-Dienste von "Kia Connect", Musikstreamingdienste wie Amazon Music oder SoundCloud und OTA-Aktualisierungen von Karten und Software. Auch ein EV-Routenplaner sowie eine Batterie-Vorkonditionierung sind an Bord, die entweder über die Zielführung oder manuell gestartet werden kann. Die doppelt belegte Leiste für Klimatisierung und Shortcuts unterhalb des 12,3" Zoll großen Bildschirms ist clever. Gut gefällt auch die Tablet-artige Konsole, dort sind Tasten für Sitzklimatisierung, Lenkradheizung, Fahrstufen-Versteller oder die Kamerataste in Reichweite platziert. 

Einstieg in den Fond: Hier ist das Platzangebot fürstlich. Die Außenmaße des Kia entsprechen der Mittelklasse, aber hier ist Oberklasse angesagt. Es gibt Beinfreiheit ohne Ende, Sitzheizung auf den äußeren Sitzen sowie eine verstellbare Rückenlehne. Zu zweit geht es sehr kommod zu, in der Armlehne findet sich ein großes Fach beziehungsweise Cupholder. Was dem Kia zumindest in dieser Ausstattungsvariante fehlt? Etwas Luxus oder Gemütlichkeit, denn auch hier dominiert der Kunststoff. So sind die breiten Rückseiten der Vordersitze (mit integrierten USB-Anschlüssen) mit schnödem Hartplastik verkleidet. Eine eigene Temperaturzone gibt es auch nicht. 

Antrieb + Fahrwerk

Das Modell basiert auf der Elektroplattform E-GMP (Electric-Global Modular Platform) von Hyundai-Kia. Der Testwagen war mit Hinterradantrieb und 168 kW (229 PS) Leistung ausgestattet. Das Fahrpedal reagiert sensibel, mit den Wippen am Lenkrad ist die Rekuperation in vier Stufen einstellbar. Selbst im One-Pedal-Modus kann die Rekuperationsleistung im Untermenü nochmals eingestellt werden.

Die Permanentmagnet-Synchronmaschine sorgen für einen sanften, aber durchaus druckvollen Antrieb. Das maximale Drehmoment liegt bei 350 Nm und wird über ein Reduktionsgetriebe an die Hinterachse geleitet. Bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h vergehen keine 8 s. Direkt mit einem Taster am Lenkrad können die verschiedenen Fahrmodi ausgewählt werden, die sich auch deutlich voneinander unterscheiden. Der voreingestellte normale Modus reicht bereits aus, denn in "Sport" wird der EV6 schon relativ giftig, während der gutmütige Snow-Modus mit Leistungsreduzierung und Rekuperation auf Level 1 auf vorhersehbares Fahrzeugverhalten setzt. In "Eco" wird der EV6 jedoch fast zur Schildkröte. So oder so ist es sehr ruhig im Innenraum (sofern man nicht den Motorsound einschaltet), allerdings stören die deutlich vernehmbaren Windgeräusche schon ab 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit des EV6 liegt bei 185 km/h.

Die Lenkung ist leichtgängig und direkt genug, um mit dem großen Kia auch in Kurven Spaß zu haben. Das modifizierte Fahrwerk mit frequenzselektiver Dämpfertechnologie bietet Komfort, ist aber auch straff genug. Nach dem Facelift kann der Stromer übrigens nun eine höhere Anhängelast von bis zu 1,8 t ziehen (gebremst). Verbessert haben sich auch die Werte der Batterien: Mit der vierten Generation steigt die Kapazität des großen Akkus von 77,4 auf 84 kWh, sodass nach WLTP über 580 km Reichweite drin sein sollen. Immerhin über 400 km waren es im Test. Zudem steigt die Ladeleistung von 240 auf 258 kW. Dank 800-V-Technologie kann der EV6 in rund 18 min von 10 auf 80 % laden. Die Vorkonditionierung startet entweder manuell oder durch Zieleingabe einer Ladestelle. An Wallboxen lädt man dreiphasig mit bis zu 22 kW. Der Stromverbrauch, der laut Datenblatt zwischen 17 und 18 kWh liegen soll, pendelte sich im Testzeitraum bei etwa 23 kW ein, allerdings bei winterlichen Temperaturen.

Fahrerassistenzsysteme

Bei den Fahrerassistenzsystemen bietet der EV6 nun die 2.0-Versionen von Spurhalte- und Spurfolgeassistenz. Der Kollisionsvermeidungsassistent unterstützt neben dem Ausparken jetzt auch das Einparken. Der Autobahnassistent HDA funktioniert zuverlässig ohne große Zwischenfälle. Auch wenn die Verkehrsschilderkennung wie üblich bei diesen Systemen das Tempo nicht immer korrekt anzeigte. Der Spurwechselassistent ist oftmals nicht verfügbar und wenn, dann nicht immer sinnvoll. Er arbeitet sehr gewissenhaft und langsam, der manuelle Spurwechsel ist schneller erledigt. Die Warnungen des Geschwindigkeitsassistenten lassen sich mit langem Halten der Lautstärketaste am Lenkrad stummschalten. Leider bleibt das Blinken der optischen Anzeige erhalten. Entweder man schaltet alles ab, oder man muss damit leben. Der Tot-Winkel-Assistent spielt wie gehabt bei aktiviertem Blinker das seitliche Kamerabild auf dem Fahrerdisplay ein. Ein Lob gibt es für die 360°-Grad-Kamera, denn der unübersichtliche EV6 lässt sich damit leichter einparken.

Fazit Kia EV6 AWD

Elektroautos müssen nicht fad sein: Das Crossover-Design des Kia EV6 ist nach wie vor ungewöhnlich, und nach dem Facelift noch schärfer. Das BEV bietet aber auch unglaublich viel Platz und schon in der mittleren Antriebsversion genug Leistung, sodass auch beim Fahren keine Langeweile aufkommt. Zudem sind die Pausen mit dem 800-V-BEV an Ladesäulen nun noch kürzer als zuvor. Nach einem Deep-Dive in Menüs konnten diverse Einstellungen vorgenommen werden, um das Leben an Bord komfortabler zu gestalten. Der Kia ist ein Auto, das relativ wenig nervt, auch wenn nicht alle Warn- und Hinweistöne abgeschaltet werden konnten. Warum muss es denn bei jedem Wechsel der Fahrstufe piepsen? Die Ausstattung des Kia EV6 dagegen ist reichhaltig, allerdings: Besonders behaglich geht es in der Ausstattung "Earth" im Interieur nicht zu, eher technokratisch. Aber das ist Geschmackssache. Die Preise starten laut Konfigurator bei 52.190 Euro, der Testwagen-Preis von rund 59.000 Euro beinhaltet unter anderem zusätzliche Extras wie das Assistenz-Paket, Drive- oder das Comfort-Paket mit Wärmepumpe.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Kia Motors, from Bikes to Cars: Beginnings to 1996

This chapter “Kia Motors, From Bikes to Cars: Beginnings to 1996,” outlines the history of Kia Motors between 1944 and 1996. It begins with a section discussing the firm’s early years as a maker of bicycles, licensed Honda motorcycles, and then Mazda-based, three-wheel trucks (1937–1971). This is followed by two sections that chronicle the launch of Kia Industries’ Sohari vehicle plant and its first passenger car (1972–1976), and that examine the firm’s takeover of Asia Motors and temporary loss of its government permit to produce cars (1976–1981). The second half of the chapter reviews how an alliance with Ford Motor of America enabled Kia to re-enter the car business (1982–1987). It then delves into the renamed Kia Motors’ rapid plant expansion period at home and initial efforts to establish an international footprint (1987–1996). The chapter then closes with a summary of the automaker’s growth path through 1996 and a brief assessment of its future at the start of 1997.

Neue Elektromarken: Es kann nicht jeder Weltmarktführer werden!

Die Transformation von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu elektrobetriebenen Fahrzeugen ist ein signifikanter Wandel für die Automobilindustrie, für die Zulieferindustrie, für die gesamte Infrastruktur und nicht zuletzt für den Automobilkunden.

    Bildnachweise
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