Polestar 2: Reduzierung auf Wesentliches
- 28.11.2025
- Elektrofahrzeuge
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Der Polestar 2 überzeugt im Test: Er ist einfach zu bedienen, fährt auf Wunsch auch dynamisch und lässt den Fahrer trotz vieler Assistenzsysteme in Ruhe.
Polestar 2 Long Range Dual Motor
Patrick Schäfer | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Der Polestar 2 ist 4.606 mm lang, mit Spiegeln 1.985 mm breit und nur 1.479 mm hoch. Die chinesisch-schwedische Fließheck-Limousine ist bereits seit 2020 auf dem Markt. Nach einigen Updates zeigt sie sich kaum verändert: Das schlichte Design lehnt sich stark bei Volvo an. Etwa die Front mit den Scheinwerfern, die eine Thors-Hammer-Signatur ziert. Die "Smart Zone" in Fahrzeugfarbe beherbergt die Sensorik an der Front. Der Testwagen steht auf 20" großen Aero-Rädern. Das Stummelheck mit der umlaufenden, kastigen Lichtgrafik hat Wiedererkennungswert. Das Ladekabel kann vorne in einem 35 bis 41 l großen Fach untergebracht werden. Der Gepäckraum hinter der elektrisch öffnenden Heckklappe bietet ein Volumen von 405 l. Die Ladehöhe ist gut, allerdings ist eine kleine Kante vorhanden. Praktisch ist die von Volvo bekannte Trennwand, die sich für Einkäufe ausklappen lässt. Bei umgeklappten Fondsitzen können bis zu 1.095 l Stauraum genutzt werden.
Interieur + Elektronik
Das aufgeräumte und edel gemachte Innenraum kommt mit wenigen Knöpfen aus. Alles, was man anfasst, wirkt hochwertig und robust. So etwa die Metallspange am Lenkrad, die Türöffner, der wie ein Fach gestaltete Türgriff. Die Lüftungsdüsen mit dem exakten und etwas schwergängigen Metalldrehregler. Kunstleder und Textiloberflächen wechseln sich ab, harte Kunststoffteile werden mit einer Art Textilstruktur kaschiert. Die Gurte tragen goldfarbene Akzente. Robust und gemütlich wirkt das dunkle, offenporige Holz an der Mittelkonsole. Darauf sitzt der auffällig gestaltete und mit beleuchtetem Polestar-Logo versehene Wählhebel für die Fahrstufen. Dahinter ist der sauber rastende Dreh-Drückregler für die Audioeinstellungen platziert.
Man sitzt für ein Elektroauto relativ weit unten auf den komfortablen, elektrischen Sitzen. Sie sind wie das Lenkrad beheizbar und weisen vorne eine Sitzverlängerung sowie eine Lordosenverstellung auf. Nicht ganz ideal sind die nach vorne gerichteten Kopfstützen, die zwar edel aussehen, den Fahrer allerdings in eine nach hinten geneigte Position zwingen. Für Mobiltelefone gibt es neben USB-C-Anschlüssen auch ein Fach für kabellose Aufladung. Auch eine sehr dezente Ambientebeleuchtung ist an Bord. Die Rundumsicht ist nicht besonders gut, die B- und vor allem die C-Säulen sind sehr breit.
Der Polestar bietet noch ein echtes Cockpit: Die übersichtliche Ansicht zeigt auf dem 12,3" großen Fahrerdisplay links das Tempo, die Assistenzsysteme sind mittig unten platziert, rechts werden Leistung bzw. Batteriestand angezeigt. Das sorgt für gute Ablesbarkeit und wenig Ablenkung. Per Tastendruck am Lenkrad lässt sich eine große Navigationskarte einspielen, während die anderen Informationen etwas in den Hintergrund rücken.
Das Infotainment-Display ist 11" groß und liegt hochkant auf der Mittelkonsole. Es ist leicht erreichbar, die Menüstruktur ist einfach, die Schaltflächen sind groß. Neben der Kamerafunktion können hier auch die Fahrerassistenzsysteme und Apps direkt ausgewählt werden. An Einstellungen muss nur einmal vor der (ersten) Fahrt das gewünschte Lenkgefühl oder der Grad der Rekuperation vorgenommen werden. Das Infotainmentsystem integriert Google und bietet diverse Apps, natürlich auch Android Auto und Apple Carplay. Die Sprachsteuerung ist allerdings ausbaufähig. Beide Displays sind übrigens auch bei Lichteinfall von hinten sehr gut ablesbar.
Für Lichteinfall von oben sorgt das getönte Panoramadach, das allerdings kein Rollo bietet. Bei einem Radstand von 2.735 mm sitzt man im Polestar 2 auch im Fond sehr komfortabel. Die Bein- und Kopffreiheit ist gut, bei einer allerdings etwas aufrechten Sitzposition. Sitzheizung und Lüftungsdüsen sowie USB-Anschlüsse stehen auch hier bereit.
Antrieb + Fahrwerk
Die einfache Bedienung steht auch beim Fahren im Vordergrund: Nach dem Einsteigen geht es direkt los – ohne Startknopf: Fuß auf die Bremse und Gang wählen. Getestet wurde die Sportlimousine in der Long-Range-Dual-Motor-Variante. Der Heckmotor ist die primäre Antriebsquelle und wird an der Vorderachse von einem Asynchronmotor unterstützt. Bei einer Systemleistung von 310 kW (421 PS) steht mehr als genug Power bereit, 740 Nm Drehmoment werden bei Bedarf auf alle vier Räder verteilt. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h soll in 4,5 s erreicht werden. Zur Effizienzsteigerung schaltet der Frontmotor komplett ab, wenn er nicht benötigt wird. Verschiedene Fahrmodi gibt es im Polestar übrigens nicht, nur "ESP Aus".
Das Fahrgefühl im bis zu 205 km/h schnellen Polestar ist sportlich, mit der feinfühligen und dreifach elektronisch verstellbaren Lenkung durcheilt der Polestar 2 schnelle Kurven souverän und sicher. Auf Landstraßen verwandelt sich die Limousine schnell in einen quirligen Kurvenräuber. Dabei zeigt das straffe Fahrwerk kaum Kurvenneigung, dafür genug Komfort-Reserven, sodass der Polestar auch als souveräner, elektrischer Gleiter glänzen kann. Das Geräuschniveau ist niedrig, der Antrieb ist nur unter Last oder bei starker Rekuperation vernehmbar. Künstliche Motorsounds für den Innenraum sind glücklicherweise nicht vorhanden. Ab 140 km/h stören allenfalls die auftretenden Windgeräusche. Ungewöhnlich: Die Bremsenergierückgewinnung hat eine kurze Rollphase, bevor sie eingreift. Das erfordert anfangs eine gewisse Eingewöhnung.
Fahrerassistenzsysteme
Einfach zu bedienen sind auch die Fahrerassistenzsysteme: So wird der adaptive Tempomat an der linken Lenkradspeiche mit einem Tastendruck aktiviert. Die rechte Pfeiltaste schaltet den teilautonomen "Auto Pilot" hinzu. Mit der linken Pfeiltaste – einmal gedrückt – wird der akustische Tempowarner für die jeweilige Fahrt ausgeschaltet. Die Verkehrszeichenerkennung bleibt dabei erhalten. Zudem bietet das Blind Spot Information System (BLIS) eine Lenkunterstützung, der Cross Traffic Alert eine Bremsunterstützung und Rückfahrwarnung. Mit der 360°-Surround-View-Kamera ist das Einparken kinderleicht. Der Fernlichtassistent der Pixel-LED-Scheinwerfer (optional für 1.200 Euro) wird durch Drehung am Blinkerhebel aktiviert. Andere Fahrzeuge werden dann bei eingeschaltetem Fernlicht zuverlässig "ausgeschnitten". Im Bereich ADAS punktet der Polestar trotz der vielen Systeme mit Bedienungsfreundlichkeit, ohne den Fahrer mit optischen und akustischen Warnungen zu stören.
Laden + Verbrauch
Der Polestar 2 ist mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. Die Long-Range-Variante verfügt über eine 82-kWh-Batterie von CATL mit 27 Modulen. Die Reichweite soll bei maximal 596 km liegen, bei einem Batteriestand von 90 % wurden im Test bei 14° Grad 430 km angezeigt. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig. Im Menüpunkt "One-Pedal-Drive" lässt sich die Rekuperation einfach einstellen. Weniger einfach gestaltete sich jedoch das Laden. Die Schnellladerate des 400-V-Elektroautos sollte eigentlich bei bis zu 205 kW bei der Long-Range-Batterie liegen. Dies wurde auch an einer 350 kW-Säule nicht ansatzweise erreicht. Überhaupt war es schwierig, den Polestar zum Laden zu bewegen. An DC-Säulen klappte es teilweise überhaupt nicht, das Fahrzeug zu verbinden. Wenn er nach einigen Abbrüchen doch einmal lud, dann nicht über 140 kW (trotz warmer Batterie). Selbst beim AC-Laden waren immer mindestens zwei Ansteckversuche vonnöten, bis der Ladevorgang startete. Der Verbrauch lag im Schnitt bei etwa 20 kWh / 100 km.
Fazit Polestar 2
Die Fahrten im Polestar 2 wurden durchweg als entspannend empfunden. Der Fokus auf das Fahren passt zum schlichten, nordischen Design und dem reduzierten, hochwertigen Ambiente im Interieur. Der Polestar 2 ist ein gelungenes Elektroauto, das ruhiges Dahingleiten ebenso unterstützt wie schnelle Fahrten. Ob man die leistungsstarke Topversion mit Dualmotor wirklich benötigt, ist dabei Geschmackssache. Im Test wurde die volle Leistung selten abgerufen. Einzig beim Laden offenbarte der Testwagen manchmal Probleme. Die getestete Version ist ab 56.990 Euro verfügbar. Die bereits gute Ausstattung wurde zusätzlich mit den Paketen "Pilot" für 2.200 Euro, "Plus" für 3.500 Euro sowie "Pro" für 1.500 Euro erweitert. Das Hifi-System von Bowers & Wilkins kostet nochmal 2.000 Euro. Insgesamt kommt der Testwagen so auf stolze 68.790 Euro.