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27.04.2016 | Elektromobilität | Nachricht | Onlineartikel

Bundesregierung beschließt E-Auto-Kaufprämie

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Die Bundesregierung und Vertreter der Automobilindustrie haben sich auf eine Elektroauto-Förderung verständigt. Ab Mai soll es eine Kaufprämie in Höhe von 4000 Euro geben.

Elektroautos in Deutschland sollen ab Mai mit einer Kaufprämie von 4000 Euro und weiteren Maßnahmen gefördert werden. Das hat die Bundesregierung bei ihrem Autogipfel mit der Industrie am Dienstagabend, 26. April 2016, beschlossen. Demnach soll es 4000 Euro für reine Elektroautos und 3000 Euro für Plug-in-Hybride geben. Die Kosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro wollen sich der Bund und die Hersteller jeweils zur Hälfte teilen. Das gaben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei einer Pressekonferenz bekannt.

Die Förderung für Elektroautos soll sich auf Fahrzeuge erstrecken, deren Basismodell einen Listenpreis von 60.000 Euro nicht überschreitet. Die Kaufprämie werde nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" vergeben. Das Programm soll im Mai nach einem entsprechenden Kabinettsbeschluss beginnen. Auslaufen soll es, wenn die Fördersumme aufgebraucht ist - spätestens aber 2019. Darüber hinaus soll der Ausbau der Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren mit rund 300 Millionen Euro unterstützt werden. 

VDA: Maßnahmen zum Markthochlauf schnell umsetzen

"Mit den angekündigten Schritten stellt die Bundesregierung die richtigen Weichen, damit die Elektromobilität in Deutschland Fahrt aufnehmen kann. Die deutschen Automobilunternehmen haben in den vergangenen Jahren mehr als 14 Milliarden Euro in die Elektromobilität investiert und gehören mit rund 30 E-Modellen im Markt zu den weltweiten Leitanbietern. Bei der Entwicklung zum Leitmarkt muss Deutschland hingegen noch aufholen. Deswegen sollten die Maßnahmen zum Aufbau einer bundesweiten Ladeinfrastruktur und zum Markthochlauf rasch umgesetzt werden", sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). "Autokäufer, die sich wegen der unsicheren Rahmenbedingungen bisher nicht für ein E-Modell entschieden haben, können nun planen. Das sind gute Vorzeichen für den Markt."

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) als Interessensvertretung der Importeure steht ebenfalls hinter den Plänen. Die Förderung der Elektromobilität sei ein deutliches Signal zur Überwindung der bestehenden Kaufzurückhaltung.

VCD-Kritik: Förderungsprinzip per Gießkanne und zu geringe Beteiligung der Autoindustrie

Kritik an der E-Auto-Kaufprämie kommt vom ökologischen Verkehrsclub VCD. Der Verkehrsclub kritisiert das Förderungsprinzip per Gießkanne wie auch die viel zu geringe Beteiligung der Autoindustrie. Elektroautos bis zu einem Listenpreis von 60.000 Euro unabhängig von ihrem Nutzwert und ihrem Energieverbrauch zu fördern, sei aus der Sicht der Klimaschutzes sinnfrei, so der VCD. "Eine Kaufprämie ist nur dann akzeptabel, wenn sie tatsächlich auf den Klimaschutz abzielt. Das hieße, nur energieeffiziente Pkw werden gefördert. Und finanziert wird das durch eine höhere Kfz-Steuer für Fahrzeuge mit hohen Treibhausgasemissionen", betont Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.

Kritisch ist aus Sicht des VCD außerdem die Förderung von Plug-in-Hybriden. Erfahrungen würden zeigen, dass diese vor allem als Firmenwagen unterwegs seien, und dank Tankkarte überwiegend nicht elektrisch fahren. Wenn Plug-In-Hybride gefördert werden, dann dürfe dies nur entsprechend dem Anteil der tatsächlichen elektrischen Fahrleistung erfolgen, kritisiert der VCD. Eine grobe Pauschale sei auch hier eine vertane Chance zu Lasten der Steuerzahler.

ADAC: breite Förderung alternativer Antriebe

Für den ADAC sind Kaufanreize für E-Fahrzeuge alleine nicht wirksam. ADAC-Vizepräsident für Verkehr Ulrich Klaus Becker: "Die vereinbarte Kaufprämie ist eine Fördermaßnahme, von der am Ende nur wenige profitieren. Es ist absehbar, dass die angekündigten Kaufanreize alleine unter den heutigen Bedingungen der Elektromobilität nicht zum Durchbruch verhelfen werden. Eine wirksame Förderung sollte deswegen zum Beispiel auch die Ladetechnik und die Unternehmens-Flotten stärker miteinbeziehen." Der ADAC plädiert zudem für eine breite Förderung alternativer Antriebe. Im Vordergrund stehe für den Club die Verringerung von Schadstoffemissionen und des CO2-Ausstoßes, nicht die Förderung einer konkreten Fahrzeugtechnik. Der Club plädiert daher für eine technologieneutrale Ausgestaltung der Förderung, die auch umweltfreundliche Energieträger wie Erdgas und Wasserstoff einschließe.

Überschaubarer E-Auto-Markt

Bisher ist der Markt für E-Fahrzeuge hierzulande noch überschaubar. Im Jahr 2015 lag der Elektroanteil an den Neufahrzeugen in Deutschland bei 0,7 Prozent. Aktuell gibt es in Deutschland rund 5800 öffentlich zugängliche Ladepunkte und 150 Schnelladepunkte.

Die Bundesregierung hatte vor Jahren das Ziel ausgegeben, dass 2020 eine Million E-Autos unterwegs sein sollen. Allerdings waren zu Jahresbeginn erst 25.500 E-Autos und 130.000 Hybride zugelassen - bei 45 Millionen Pkw insgesamt. Mit der Kaufprämie will die Bundesregierung nun erreichen, das bis 2020 wenigstens eine halbe Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren.

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