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05.10.2017 | Elektromobilität | Im Fokus | Onlineartikel

Scheitert die Elektromobilität an Kleinigkeiten?

Autor:
Patrick Schäfer

Die Elektromobilität kämpft neben hohen Kosten und geringer Reichweite noch mit vielen Problemen der Standardisierung. Ausgerechnet die Bezahlung an öffentlichen Ladesäulen könnte den Ausbau der Infrastruktur verhindern.

Ohne öffentliches Ladenetz ist ein Gelingen der Elektromobilität nicht vorstellbar. Denn nicht überall ist eine Lademöglichkeit am eigenen Zuhause vorhanden. Und selbst bei immer leistungsfähigeren Batterien müssen Elektroautos bei längeren Distanzen zwischengeladen werden. Doch da beginnt oft der Ärger für die Nutzer von  Elektroautos. Bei der noch zu gestaltenden Infrastruktur stellt sich die Frage, wie das Aufladen an öffentlichen Säulen einfacher und praktischer gestaltet werden kann.

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2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Anforderungen an die entwicklungsbegleitende Absicherung für die Ladekommunikation von Elektrofahrzeugen

Um Elektromobilität flächendeckend zu etablieren, ist eine möglichst umfassende Kompatibilität aller Elektrofahrzeuge und Ladesäulen notwendig. Ein einheitlicher Standard vermeidet redundante Ladeinfrastrukturen und erhöht durch einfaches Handling …


Nachdem die Steckerfrage geklärt wurde, muss der Kunde mit dem Chaos bei der Abrechnung klarkommen. Denn es gibt viele verschiedene Berechnungsarten und Bezahlsysteme: Es wird in Pauschalbeträgen, pro getankter kWh, pro Ladedauer oder gar nicht bezahlt. Abgerechnet wird mit Kreditkarte, mit einer speziellen App, ein weiterer Vorschlag sieht ein On-board-Meter vor, bei dem ein im Auto integrierter Stromzähler den Zählerstand über Mobilfunk an eine Leitstelle überträgt. Genau diese Vielfalt an Lösungen stellt ein Hemmnis zur Erschließung des Massenmarktes dar. "Nur punktuell errichtete öffentliche Ladeinfrastruktur sowie heterogene Zugangs- und Abrechnungssysteme führen zu hoher Unsicherheit bei potenziellen Elektromobilitätskunden" heißt es im Buchkapitel Dienstleistungsorientierte Geschäftsmodelle für die Elektromobilität.

Heterogene Bezahlsysteme bedrohen Ladeinfrastruktur

Bislang hat sich jedoch noch kein einheitliches System herauskristallisieren können. Im Artikel Der Strom und seine Widerstände in der ATZ 12-2016 wird am Beispiel der Stadt Homburg beschrieben, dass auch die wirtschaftliche Abrechnung des Ladestroms in Eigenregie ein Problem darstellt, da es an verbindlichen intelligenten Abrechnungssystemen fehlt. Eine Lösung könnte das sogenannte E-Roaming darstellen: Ein barrierefreier Zugang zu Ladesäulen für alle E-Autofahrer, bei dem die individuelle Abrechnung über den eigenen Vertragspartner später erfolgt.

Doch was wäre, wenn es gar nicht erst zu einem Ausbau der Infrastruktur kommt, weil sich die Ladestationen für die Betreiber nicht rechnen? In der Studie "Ad-hoc-Laden und spontanes Bezahlen: Wie sich punktuelles Aufladen umsetzen lässt" untersucht der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) geeignete Bezahlverfahren. Sie kommt zum Ergebnis, dass viele Bezahlsysteme für die Betreiber von Ladetankstellen sich als unrentabel darstellen. Potenzielle Interessenten könnten angesichts zu geringer Einnahmen vor dem Bau zurückschrecken.

"Kurze" Ladezeiten bringen zu wenig Gewinn

"Während das Betanken eines Autos mit Verbrennungsmotor an einer Zapfsäule selten mehr als eine Minute dauert und der Bezahlbetrag meist über 20 Euro liegt, sind die Verhältnisse an einer Ladesäule für Elektroautos deutlich ungünstiger", erklärt Dr. Wolfgang Klebsch, Experte für Elektromobilität im VDE und Autor der Studie. Den Berechnungen zufolge würde das Aufladen an einem 11‐kW-Ladepunkt beispielsweise, je nach Ladezustand der Batterie, ein bis zwei Stunden dauern. Für den Betreiber der Ladesäule käme damit ein Betrag zwischen fünf und zehn Euro heraus – ein zu geringe Marge, so Klebsch. 

Die Studie untersuchte Geschäftsmodelle für die klassische Ladeinfrastruktur (LIS)-Betreiber (Stromversorger, Stadtwerke, Roaming‐Provider), für LIS‐Quereinsteiger (Autobahnraststätten, Tankstellen, Parkhäuser) und für Händler und Dienstleister von Mehrwertdiensten (Supermärkte, Baumärkte, Hotels, Restaurants).

Gerade Online‐Bezahlverfahren, so ein Ergebnis der Studie, seien aufgrund der zu erwartenden geringen Beträge besonders teuer. Der Verband rät deshalb zum Einsatz von Prepaid-Bezahlfunktionen, da hier die Gebühren deutlich geringer ausfallen. Andererseits könnte die fehlende Flexibilität einer Prepaid-Karte für den Elektroauto-Fahrer ein weiteres Hemmnis für die Elektromobilität insgesamt bedeuten. 

Die Technik muss einfacher zu nutzen sein, dem E-Mobilisten sozusagen in Fleisch und Blut übergehen und ihm eine nutzerorientierte, sichere und sorgenfreie Mobilität ermöglichen" fordert Klaus Baumgärtner in seinem Kommentar "Den Nutzer aus den Augen verloren" in der ATZelektronik 2-2017.

In diesem Sinne ist es richtig, dass der VDE in Hinblick auf die Probleme mit Bezahlmöglichkeiten an Ladesäulen warnt: "Wir dürfen den Blick für das große Ganze nicht verlieren, Elektromobilität darf nicht an Kleinigkeiten scheitern!"

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