Das sind die Details zur Elektroauto-Förderung
- 19.01.2026
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Die Bundesregierung will die staatliche Kaufprämie für Elektroautos wieder einführen. Diese Bedingungen gelten für die neue E-Auto-Förderung.
Wie lässt sich private Elektromobilität effektiv fördern?
tawatchai1990 / stock.adobe.com
Das neue Förderprogramm für Elektroautos steht. Wer ein Elektroauto kauft oder least, bekommt künftig je nach persönlichen Umständen und Fahrzeugart zwischen 1.500 und 6.000 Euro vom Staat. Wer weniger verdient oder Kinder hat, bekommt mehr innerhalb dieser Spanne.
Die neue Kaufprämie für Elektroautos wird nach Einschätzung von Bundesumweltminister Carsten Schneider auch der deutschen Autobranche helfen. "Das ist ein starker Anschub für die Elektromobilität in Deutschland", sagte der SPD-Politiker. "Und es ist ein Anschub für unsere heimische Automobilwirtschaft, die starke Elektroautos im Angebot hat."
Wer weniger verdient oder Kinder hat bekommt mehr
Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro. Das entspreche ungefähr einem monatlichen Nettoeinkommen von 4.800 Euro bei Ledigen und 5.400 Euro bei Paaren, so das Bundesumweltministerium. Die maximale Fördergrenze liegt bei 90.000 Euro Haushaltseinkommen, falls zwei Kinder vorhanden sind, durch die sich die Grenze um jeweils 5.000 Euro nach oben verschiebt.
Die Basisförderung liegt für reine Elektroautos bei 3.000 Euro. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4.000 Euro, für Haushalte mit einem Maximal-Einkommen von 45.000 Euro 5.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1.000 Euro.
Förderung nicht nur für reine Elektroautos
Weniger Geld gibt es für Plug-in-Hybride. Für diese Autos und Fahrzeuge mit einem Range Extender liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro. Damit Autos mit diesen Technologien förderfähig sind, dürfen sie nicht mehr als 60 g CO2 pro km ausstoßen oder müssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 km haben. Für die Zeit ab dem 1. Juli 2027 soll die Förderung auf den Prüfstand, angedacht sind dann Vorgaben, die sich stärker am CO2-Ausstoß im realen Betrieb orientieren.
Wer sein Elektroauto oder bestimmte Plug-in-Hybride ab dem 1. Januar neu zugelassen hat, kann die Förderung beantragen. Das gilt sowohl für den Kauf als auch das Leasing. Beantragen kann man die neue Förderung voraussichtlich aber erst ab Mai, wenn das entsprechende Internet-Portal an den Start gehen soll. Insgesamt drei Milliarden Euro sind für die Kaufprämie vorgesehen, was laut Ministerium für etwa 800.000 geförderte Fahrzeuge bis 2029 ausreichen soll.
Politikpapier fordert gezieltere Elektroauto-Förderung
Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität haben vergangene Woche bereits Empfehlungen für die Ausgestaltung des geplanten E-Auto-Förderprogramms abgegeben. Nach Ansicht der Thinktanks sollte die Förderung nach Einkommen und Kaufpreis differenzieren. So sollte sich die Bundesregierung bei der Förderung von privat finanzierten Elektroautos auf Personen mit einem Bruttoeinkommen bis 4.000 Euro und auf vollelektrische Fahrzeuge mit einem Kaufpreis bis etwa 60.000 Euro konzentrieren. Dazu raten die Thinktanks in einem Politikpapier auf Basis einer Umfrage unter potenziellen Autokäufern und eines Rechtsgutachtens zur Regulierung von Ladeinfrastruktur.
Neben Kaufprämien sollte die Förderung auch Kreditfinanzierungs- und Leasingmodelle umfassen, so das Papier, möglichst bald auch für Gebrauchtwagen. Zudem sollte der Zugang zu Ladeinfrastruktur erleichtert, mehr Transparenz bei Ladepreisen geschaffen und das grundsätzliche Vertrauen in Elektromobilität gestärkt werden.
Mittel auf vollelektrische Fahrzeuge konzentrieren
"Es ist ein wichtiger Schritt, dass die Bundesregierung ein Förderprogramm für private Elektromobilität angekündigt hat", sagte Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende, im Zuge der Publikation des Politikpapiers. Allerdings sei die Förderung noch nicht konsequent zu Ende gedacht. "Wenn die deutsche Automobilindustrie langfristig auf den Märkten der Zukunft erfolgreich sein soll, macht es sowohl industrie- als auch klimapolitisch am meisten Sinn, die Förderung auf vollelektrische Antriebe zu konzentrieren. Die Ausweitung der Förderung auf Plug-in-Hybride, also Verbrennerfahrzeuge mit zusätzlicher Antriebsbatterie, bringt keinen Mehrwert", so Hochfeld.
Thomas Losse-Müller, Direktor der Stiftung Klimaneutralität, erklärte: "Die häufig höheren Anschaffungskosten im Vergleich zum Verbrenner sind immer noch die größte Hürde beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Deshalb sind staatliche Förderprogramme sinnvoll, die diese kleiner werdende Lücke übergangsweise schließen. Insbesondere Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen sollten profitieren". Denn diese Haushalte würden vor allem in niedrigeren Preisklassenkaufen, in denen Elektrofahrzeuge bei den Gesamtkosten teurer seien als vergleichbare Verbrenner. "In den Preisklassen über 60.000 Euro schneiden E-Fahrzeuge schon jetzt häufig günstiger ab. Für die teureren Fahrzeugsegmente braucht es deshalb keine zusätzliche staatliche Fahrzeugförderung."
Soziale Staffelung und Kaufförderung gebrauchter E-Pkw
Konkret empfehlen die beiden Thinktanks in ihrem Papier folgende Maßnahmen zur Differenzierung der Förderung. So sollten vor allen Dingen Personen bis zu einem Bruttoeinkommen von 4.000 Euro pro Monat berücksichtigt werden. Das entspreche etwa dem mittleren Bruttoeinkommen für Vollzeitbeschäftigte im Jahr 2024. Die von der Bundesregierung festgelegte Obergrenze von 80.000 Euro pro Haushalt sei nach Einschätzung der Thinktanks mit Blick auf Single-Haushalte zu hoch angesetzt. "Nach dieser Regel würden alleinstehende Personen selbst dann gefördert, wenn sie etwa 8.150 Euro pro Monat brutto verdienen. Bei einem Haushalt mit zwei Erwerbstätigen sei die Obergrenze von 80.000 Euro hingegen gut vertretbar. Dies entspreche etwa einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4.300 Euro pro Person", heißt es. Sinnvoll sei auch eine Staffelung der Förderung nach Kaufpreis. "Denn in den kleineren und mittleren Fahrzeugsegmenten, die für Haushalte mit geringerem Einkommen wichtig sind, seien die Unterschiede zwischen Elektro- und Verbrennermodellen beim Anschaffungspreis am größten", so das Politikpapier.
Zudem sollte die Förderung auch auf den Kauf von gebrauchten E-Pkw ausgeweitet werden, raten die beiden Thinktanks. In Regierungskreisen werde dieser Schritt bisher geprüft. Eine solche Ausweitung könne das Vertrauen in Elektromobilität weiter stärken. Im Privatwagenmarkt hätten Gebrauchtfahrzeuge einen hohen Anteil. "Gleichzeitig sei die Bereitschaft, mehr Geld für einen E-Pkw auszugeben, beim Kauf eines Gebrauchtwagens geringer und stärker vom Einkommen abhängig. Um den Markt für gebrauchte E-Pkw zu stabilisieren, wäre es zudem sinnvoll, einheitliche Standards für die Prüfung der Batteriequalität festzulegen", heißt es.
Bezahlbares öffentliches Laden und Ladeinfrastruktur
Parallel zur Fahrzeugförderung sollte die Bundesregierung den Thinktanks zufolge auch den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur im Blick behalten. Die Bereitschaft zum Kauf eines E-Pkw steige erheblich, wenn eine private Lademöglichkeit oder eine Photovoltaikanlage vorhanden sei. Es sei zudem wichtig, bürokratische Hürden beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern zu reduzieren.
Darüber hinaus plädieren die beiden Thinktanks dafür, den Wettbewerb beim öffentlichen Laden zu stärken. Wichtig sei hierfür die Einrichtung einer Markttransparenzstelle. "Die Bundesregierung gehe mit dem von ihr vorgeschlagenen Masterplan Ladeinfrastruktur in dieser Sache noch nicht weit genug. Sie strebe zwar mehr Preistransparenz an, sehe aber bisher keine Stellen oder Mittel für eine entsprechende Organisationseinheit vor", heißt es. Da es weiterhin Bedenken und Informationslücken in puncto Elektromobilität bei Verbrauchern gebe, sollten zudem Informationsangebote ausgeweitet werden – etwa in Bezug auf die Technik, die Alltagstauglichkeit eines E-Fahrzeugs, die Umweltbilanz und die Haltbarkeit der Batterie.
Neue Kaufprämien überflüssig?
Doch wie sinnvoll ist eine Kaufförderung überhaupt? Nach einer aktuellen Car-Studie sind E-Autos auch ohne Förderung erfolgreich. Demnach würden sich immer mehr Käufer für E-Autos entscheiden, obwohl staatliche Prämien fehlten. Der Preisunterschied zu Benzinern sei fast verschwunden, berichtete das Bochumer Center Automotive Research (Car) in seiner Rabattstudie Ende Dezember 2025. Die Schere werde sich weiter schließen. Bei einigen Modellen wie dem Mini Cooper bestehe bereits Preisparität, zumal die Elektromodelle zunehmend von Skaleneffekten und geringeren Rohstoffkosten profitierten. Für die Entwicklung seien allein Marktkräfte verantwortlich, betont CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer. Es habe 2025 keinen nennenswerten Ausbau der Ladeinfrastruktur und keine subventionierten Kaufanreize gegeben. Die von der Bundesregierung geplanten Kaufprämien seien überflüssig und dürften vollständig in Mitnahme-Effekten enden.
Dudenhöffer rechnet für das Jahr 2026 mit einem weiteren Anstieg des Elektroanteils. Die CO2-Flottenvorgaben für die Hersteller blieben bestehen, und es kämen wichtige neue E-Modelle wie der VW ID Polo auf den Markt. Auch dürften die chinesischen Hersteller ihre Exportbemühungen ausweiten. Schnelle Erfolge erwarte er für BYD und Co. allerdings nicht, so Dudenhöffer.
Etwa jede fünfte Neuzulassung ist ein Elektroauto
Der Anteil reiner Elektroautos an allen Neuzulassungen lag im vergangenen Jahr bei gut 19 %. Die Fahrzeuge sollen gefördert werden, um den Verkehr klimafreundlicher zu machen.
Es gab in der Vergangenheit bereits eine Kaufprämie für elektrische Pkw. Die damalige Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP stellte sie Ende 2023 abrupt ein, um Haushaltslöcher zu stopfen. Die Höhe lag damals bei bis zu 4.500 Euro, wovon die Hälfe die Hersteller tragen mussten. Ab 2024 wäre die Prämie auf 3.000 Euro gesunken, Ende 2024 hätte sie auslaufen sollen. Für Plug-in-Hybride hatte es bis Ende 2022 eine staatliche Förderung von bis zu 2.250 Euro gegeben.