Elektromobilität ist fiskalisch nicht vollständig durchdacht
- 03.02.2026
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Der Hochlauf der Elektromobilität könnte sich zum Haushaltsproblem entwickeln. Denn: Fossile Brennstoffe machen einen signifikanten Anteil aller Steuereinnahmen aus.
Der Hochlauf der E-Mobilität soll den Staat laut EY-Prognose bis 2030 mehr als 39 Milliarden Euro kosten.
Andrey Popov / stock.adobe.com
Die steigende Zahl an Elektroautos auf Deutschlands Straßen wird für den deutschen Staat teuer, so eine Analyse des Beratungsunternehmens EY. Denn: Zusätzlich zu den drei Milliarden Euro, die die Bundesregierung in den kommenden zwei Jahren für Kaufprämien an E-Auto-Käufer auszahlen will, würden sich für den Staat Steuerausfälle in erheblichem Ausmaß ergeben. So sollen der geringere Energieverbrauch von E-Autos, der niedrigere Steuersatz auf Strom im Vergleich zu Benzin oder Diesel sowie die niedrigere Besteuerung von elektrifizierten Dienstwagen und die Befreiung von Elektroautos von der Kfz-Steuer unterm Strich zu erheblichen Steuerausfällen führen. EY spricht in Summe von 39,1 Milliarden Euro, die der deutsche Staat für den Wandel zur E-Mobilität bis 2030 aufbringen muss.
Die Bundesregierung hat beschlossen, den Kauf von Elektroautos zu fördern und Haushalten mit niedrigen bis mittleren Einkommen einen Zuschuss zu gewähren. Je nach Einkommen, Haushaltsgröße und Fahrzeugtyp sind das zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Das dürfte den Absatz von Elektroautos in Deutschland laut EY weiter steigen lassen. Nach EY-Prognosen soll die Zahl der Elektroautos (einschließlich Plug-in-Hybride) bis zum Jahr 2030 im wahrscheinlichsten Szenario von aktuell 3,2 Millionen auf 9,4 Millionen steigen. Allein im kommenden Jahr soll ihre Zahl voraussichtlich um 600 Tausend zulegen.
Einnahmen aus Verbrenner-Energiesteuern brechen ein
Die größten Einnahmeausfälle ergeben sich bei den Energiesteuern (früher: Mineralölsteuer): Kumuliert ergeben sich für den Zeitraum 2025 bis 2030 Einnahmeausfälle in Höhe von insgesamt 29,8 Milliarden Euro. Dem stehen kumulierte Einnahmen aus dem Betrieb von Elektroautos (Stromsteuer) in Höhe von 8,3 Milliarden Euro bis 2030 gegenüber. Netto ergibt dies allein bei Umsatz-, Strom- und Energiesteuern ein Defizit von 21,5 Milliarden Euro gegenüber einem Szenario ohne Elektroautos.
Zum Vergleich: Im Jahr 2024 hätten die Einnahmen der Bundesrepublik Deutschland aus Energiesteuern (Diesel und Benzin) laut EY bei 35,1 Milliarden Euro gelegen – das habe 0,8 % des Bruttoinlandsprodukts und 3,7 % der gesamten Steuereinnahmen entsprochen.
Vergünstige Dienstwagenbesteuerung kostet Milliarden Euro
Ein weiterer Faktor ist die vergünstigte Besteuerung im Rahmen des Dienstwagenprivilegs: Wer einen rein elektrischen Dienstwagen privat nutzt, muss den geldwerten Vorteil nur mit 0,25 % versteuern, während der Satz auf Benzinern und Diesel-Fahrzeugen bei 1 % des Bruttolistenpreises pro Monat liegt. Bei Plug-in-Hybriden sind es 0,5 %.
Allein im Jahr 2025 habe die geringere Versteuerung von elektrischen Dienstwagen zu Einnahmeausfällen von 0,8 Milliarden Euro geführt, so EY. Dieser Wert soll in den kommenden Jahren stetig steigen – auf 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2030. In Summe ergebe sich gemäß der EY-Analyse für den Zeitraum 2025 bis 2030 ein Minus von 10,8 Milliarden Euro an Steuereinnahmen. Die Befreiung von Elektroautos von der Kfz-Steuer koste den Staat bis 2030 weitere 3,9 Milliarden Euro. Sollten sich die Zielvorgaben für gewerbliche Flotten auf EU-Ebene verschärfen, könnten sich die entsprechenden Steuerausfälle noch deutlich ausweiten.
E-Mobilität steht und fällt mit der staatlichen Förderung
"Der Hochlauf der Elektromobilität kostet den deutschen Staat sehr viel Geld", sagt Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY. "Ein erheblicher Teil davon entfällt auf direkte oder indirekte Subventionen: etwa die neue Förderprämie und die vergünstigte Besteuerung von Elektro-Dienstwagen, aber auch die Befreiung von der Kfz-Steuer. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Energiewende im Verkehrssektor und die damit einher gehende Senkung der CO2-Emissionen im Verkehrsbereich einen sehr hohen Preis hat. Klar ist nämlich auch: Ohne diese Förderungen würde der Markt zusammenbrechen."
Für die EY-Analyse wurde der Elektrofahrzeugbestand anhand von Absatzprognosen modelliert. In Kombination mit weiteren Ergebnissen einer Marktmodellierungsstudie soll sich damit auf die Mehr- bzw. Wenigereinnahmen für den Bund schließen lassen.
Länder mit niedrigem Einkommen besonders betroffen
Eine weitere Studie untersucht ebenfalls den Zusammenhang im Übergang zu Elektrofahrzeugen und sinkenden Einnahmen aus Kraftstoffsteuern. Die Analyse der ETH Zürich und der TU München, die in der Zeitschrift "Nature Sustainability" erschienen ist, zeigt dabei eine zusätzliche Dimension des Wandels auf. Sie untersucht die Folgen des globalen Umstiegs auf Elektrofahrzeuge für öffentliche Haushalte weltweit. Demnach würden heute global rund 900 Milliarden US-Dollar pro Jahr aus Steuern auf Benzin und Diesel stammen. Diese Einnahmen würden in vielen Ländern Straßenbau und die Verkehrsinfrastruktur im weiteren Sinne finanzieren. Mit der Verbreitung von Elektrofahrzeugen könnten diese Einnahmen wegfallen.
Besonders stark betroffen seien Länder mit niedrigem Einkommen. Dort würden Kraftstoffsteuern im Schnitt mehr als 9 % der gesamten Staatseinnahmen ausmachen, was deutlich höher sei als in wohlhabenden Ländern. Gleichzeitig verfügten diese Staaten oft über weniger institutionelle Kapazitäten, so die Forscher, um schnell neue Steuersysteme einzuführen. "Der Übergang zu Elektrofahrzeugen ist klimapolitisch sinnvoll, stellt viele Länder aber vor schwierige Haushaltsfragen", sagt Bessie Noll, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gruppe für Energie- und Technologiepolitik an der ETH Zürich. Frühzeitige Steuerreformen und internationale Unterstützung könnten helfen, Finanzierungslücken zu vermeiden.