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20.09.2017 | Elektronische Identifikation | Im Fokus | Online-Artikel

Digitale Identität als Schlüssel zum Flieger

verfasst von: Sven Eisenkrämer

4:30 Min. Lesedauer
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Mit Lösungen zur digitalen Identifizierung von Menschen stehen Endnutzern künftig neue Self-Service-Angebote offen. Auch hohe Sicherheitsanforderungen am Flughafen stehen einer Automatisierung der Passagierabfertigung nicht entgegenstehen. Das steigert die Effizienz für Betreiber und sorgt zugleich für eine deutlich verbesserte User Experience. 

Im Jahr 2016 sind weltweit 3,8 Milliarden Fluggäste befördert worden. Bis 2035 rechnet die International Air Transport Association (IATA) mit einem Anstieg um 100 Prozent – mehr als sieben Milliarden Passagiere werden dann pro Jahr in die Luft gehen. Auf die gesamte Luftfahrtbranche als auch auf Behörden kommen demnach immer umfangreichere Aufgaben zu. Im Zuge der Digitalisierung lassen sich heute schon viele Schritte bei der Abwicklung der Passagierbeförderung automatisieren. Mit einer neuen Lösung könnte bald auch die personalintensive Identifizierung der Flugreisenden durch Flughafenpersonal und Behörden wie Bundespolizei, respektive Grenzschutz, automatisch ablaufen. Die Chancen: Eine deutlich verbesserte Kosteneffizienz für die Betreiber und Behörden durch eine effektivere Ressourcenverteilung sowie ein neues Fluggasterlebnis durch geringere Wartezeiten und eine intuitive Abfertigung. 

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Kundenakzeptanz humanoider Roboter und digitaler Technologien – wie Roboter Reisen künftig entspannter und kundenorientierter machen

Digitale Technologien setzen neue Standards im Kundenservice, in der Unterhaltung und in der Personalisierung von Reisen. Der Einsatz von Robotern wird deshalb in den nächsten Jahren signifikant steigen. Der Beitrag zeigt, dass die globale Akzeptanz von Robotern im Tourismus vorhanden ist und größtenteils als positiv bewertet wird. 


Bei "Fly to Gate", einer gemeinschaftlich entwickelten Hard- und Software-Lösung des IT-Sicherheitsanbieters Gemalto und des Herstellers von Flug- und Bahnterminal-Lösungen IER, geht es um eine Self-Service-Reiseabfertigung. Damit soll der Fluggast nicht nur – wie heute schon möglich – mobil einchecken können. Auch die Abwicklung bei der Gepäckaufgabe, bei Grenzkontrollen, Sicherheitskontrollen und die Überprüfung an den Flugsteigen werden zum großen Teil automatisiert. 

Wie wäre es, wenn Sie auf dem Weg zum Flughafen nicht mehr hektisch nach Ihrem Pass oder den Reiseunterlagen suchen müssten, weil Sie über Gesichtserkennung identifiziert werden? Oder Sie könnten die Wartezeit am Flughafen verkürzen, weil die Gepäckaufgabe standardisiert und automatisiert abläuft, ebenso wie Check‐in und Sicherheitskontrolle." Springer-Autor Christian Smart in der Einleitung seines Buchkapitels "Kundenakzeptanz humanoider Roboter und digitaler Technologien – wie Roboter Reisen künftig entspannter und kundenorientierter machen" im Herausgeberwerk "CSR und Digitalisierung" (2017) aus der Springer-Management-Reihe Corporate Social Responsibility, Seite 171. 

Fünf Schlüsselfunktionen vereinfachen die Abfertigung

Grenzkontrolllösungen von Gemalto und Self-Service-Dienstleistungen von IER werden dabei kombiniert. Vom Buchen des Tickets über den Mobile-Check-In entlang des ganzen Wegs durch den Flughafen bis in den Flieger wird dabei der Fluggast digital identifiziert. Eine multimodale biometrische Verifizierung mit Gesichtserkennung, eine digitale Ausweis- und Passvalidierung und eine Integration in Grenzkontrollsysteme werden unterstützt, damit die strengen geltenden Sicherheitsstandards eingehalten werden. 

Die Schlüsselfunktionen von Fly to Gate sind: 

  • Selbstbedienungsschalter
  • Selbstbedienungs-Gepäckaufgabeschalter
  • Automatisierter Zugang zu Sicherheitskontrollen​
  • Automatisierte Grenzkontrolle mit schnellen e-Gates​
  • E​lektronische Gates zum selbstständigen Boarding

Praktisch sollen alle Abfertigungsprozesse für Flugreisende automatisiert werden können. Indem die Passagiere die Abfertigung selbst durchführen, werden Warteschlangen kleiner, der Endnutzer hat weniger Reisestress. Flughäfen und Fluggesellschaften sollen von dem verbesserten Kundenerlebnis profitieren – die Endkunden haben mehr Zeit, in Flughafengeschäften oder Freizeiteinrichtungen zu verbringen. Zudem wird sich die subjektive Wahrnehmung von Sicherheitsmaßnahmen mutmaßlich verändern. Darüber hinaus ist der nötige Personalaufwand für die Personenkontrolle geringer. 

Kundenorientierte Services sorgen für mehr Umsatz

Für den Endkunden spielt vor allem Stressvermeidung beim Reisen eine große Rolle. Springer-Autor Christian Smart geht im Buchkapitel zum Thema "Wie Roboter Reisen künftig entspannter und kundenorientierter machen" neben dem Einsatz von humanoiden Robotern auch auf die allgemeinere Ausgestaltung digitaler Technologien in der Reisebranche ein. "Keine Ärgernisse mit Flug, Gepäck und Mietwagen sowie guter Service" sind laut Smart für Endkunden wichtig. Da bereits acht von zehn Flügen online gebucht werden, wie eine Bitkom-Umfrage 2016 ergab, hat die Digitalisierung ja längst Einzug gehalten. "Dennoch stehen die größten Umwälzungen sowohl für die Urlauber als auch für die Branche noch bevor: Denn die sichtbarsten Veränderungen der Digitalisierung kommen besonders aus dem Bereich künstliche Intelligenz und sie werden das Reiseerlebnis von Grund auf revolutionieren", schreibt Smart.  

Ein durchdachtes User-Experience-Design ist dabei sowohl für Airlines als auch Flughafen- und Shop- oder Gastronomiebetreiber entscheidend für die Markenbildung und Kundenbindung. 

Identifizierung ist maßgeblich für die Digitalisierung

Andreas Loesch, Spezialist für elektronische Identifizierung und E-Government beim Entwickler Gemalto, geht davon aus, dass der erste Einsatz einer Fly-to-Gate-Lösung nur noch wenige Monate entfernt liegt. Seiner Meinung nach wird die elektronische Identifizierung in Zukunft maßgeblich sein für den Erfolg der Digitalisierung. 

Beim Fly-to-Gate-Konzept setzen die Self Services sichere Hilfsmittel zum Dokumenten- und Identitätsmanagement voraus. Gemalto und IER setzen auf ein Identitäts-Token, das den Passagier auf dem gesamten Weg durch das Terminal nahtlos und vollkommen autonom authentifiziert. Eine sichere Verifizierung der Daten und Identität des Reisenden ist der Schlüssel zur Erzeugung eines solchen Tokens. Beim Check-in wird durch Abgleich seiner Identität von seinem elektronischen Reisepass mit den Reisedaten auf seiner Bordkarte das Token erzeugt. Dieses Token wird anschließend als einzigartiges Identifizierungsmerkmal genutzt, das dem Reisenden ermöglicht, durch alle Flughafenkontrollen zu gehen, ohne mehrere Dokumente auf dem Weg vorlegen zu müssen. Dieses Token kann eine physische Form haben, beispielsweise integriert in ein Mobiltelefon oder auf der Bordkarte aus Papier, oder auch eine biometrische Form, als Gesicht oder Fingerabdruck des Passagiers.

Bis zu 80 Prozent Zeitersparnis für Reisende und Anbieter, so hat Gemalto errechnet, könnte eine vollautomatisierte Fluggastabfertigung bringen. Beim von der IATA vorhergesagten Anstieg der Passagierzahlen in den kommenden Jahren werden solche Lösungen also wahrscheinlich bald Alltag sein.

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