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19.05.2016 | Emissionen | Nachricht | Onlineartikel

Dobrindt lässt Abgasreinigung bei Opel nachprüfen

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt glaubt nicht, dass Opels umstrittene Abgasreinigung vollständig legal ist. Opel betont hingegen die Legalität seiner Abgastechnik.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will nach den Manipulationsvorwürfen gegenüber Opel die umstrittene Abgasreinigung beim Autohersteller noch einmal genau untersuchen lassen. Das teilte der Minister gestern, 18. Mai 2016, nach einem Treffen der Abgas-Untersuchungskommission mit Vertretern von Opel in Berlin mit. Zwischen den technisch-rechtlichen Bewertungen des Konzerns und der Untersuchungskommission ließen sich unterschiedliche Auffassungen erkennen, sagte Dobrindt.

Zweifel an der Motorschutz-Auslegung

Dabei handele es sich um den Opel Zafira 1,6 Liter Diesel (Euro 6), der bei hoher Geschwindigkeit und einem Luftdruck ab circa 1000 Meter Höhe die Abgasreinigung herunterregeln soll. Opel habe laut Dobrindt bestätigt, dass beim Opel Zafira bei 145 km/h der SCR-Kat abgeschaltet werde. Der Autohersteller habe dies mit dem Vermeiden des sogenannten Ammonik-Schlupfs begründet. Die Untersuchungskommission hege jedoch Zweifel, dass das Verfahren vollumfänglich mit dem Motorschutz zu begründen sei und habe deswegen Opel aufgefordert, die technische Auslegung und die dahinterliegende Strategie dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) zu übergeben, um sie einer detaillierten technischen und juristischen Prüfung zuzuführen.

Opel habe zudem laut Dobrindt bestätigt, dass bei 900 mbar, was einer Höhe von circa 1000 Meter entspreche, der Mechanismus der Abgasrückführung abgeschaltet werde. Der Autohersteller habe dieses Vorgehen mit technischen Notwendigkeiten des Motorschutzes begründet. Die Untersuchungskommission hege aber auch hier Zweifel, ob diese Maßnahme vollumfänglich dem Motorschutz diene.

Dass der Opel Zafira auch ab einer bestimmten Drehzahl die Abgasreinigung drossele, wie die Recherchen des ARD-Magazins Monitors, das Nachrichtenmagazins Spiegel und der Deutsche Umwelthilfe nahelegten, hätten die Konzernvertreter verneint. Ob das stimme, werde das KBA ebenfalls überprüfen.

"Opel-Motoren sind rechtskonform"

Opel habe volle Kooperation, was die Aufklärung der Vorwürfe betrifft, zugesagt, erklärte Dobrindt. Der Autohersteller habe eingeräumt, dass man Einblicke in Software, Softwaredetails und Motorsteuerung gewähren würde, um Prüfungen durchzuführen. Opel habe dazu zugesagt, innerhalb der nächsten 14 Tage die notwendigen technische Details und die entsprechenden Unterklagen an das KBA für eine fachliche Bewertung zu liefern.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat nachdem Treffen mit Dobrindt in Berlin die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, dass Opel keine illegale Software einsetze. "Opel-Motoren sind rechtskonform", sagte Neumann. Das Ministerium habe da in zwei Punkten Zweifel, so Neumann, und wolle das überprüfen. Opel werde diese Überprüfung unterstützen.

Monitor und Spiegel hatten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe in der vergangenen Woche Recherchen vorgelegt, die auf eine mögliche Manipulation der Abgasreinigung von Opel-Dieselmodellen hinweisen würden. Nachmessungen auf der Straße sowohl beim Opel Zafira als auch beim Opel Astra hätten erhöhte Stickoxid-Emissionen offenbart.

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