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22.03.2016 | Emissionen | Nachricht | Onlineartikel

Deutsche Umwelthilfe sieht schwarz

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Die Umwelthilfe hat Akteneinsicht in die Korrespondenz zwischen Kraftfahrtbundesamt und Volkswagen erlangt. Ein Schritt zu mehr Transparenz in der VW-Abgasaffäre? Nein, denn die DUH sah nur schwarz.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verlangt seit Monaten vom Bundesverkehrsministerium Auskunft in Sachen Abgasaffäre bei Volkswagen. Die DUH hat diesen Anspruch juristisch geltend gemacht und erhielt das Recht auf Akteneinsicht zugesprochen. Allerdings war Volkswagen nicht mit der Offenlegung einverstanden und so erhielt die DUH am vergangenen Freitag, 18.März 2016 vom angerufenen Verwaltungsgericht Schleswig die 581-seitige VW-Akte "zur einwöchigen Einsicht" in komplett geschwärzter Form. Bis auf Anrede, Anschreiben und einzelne Kontaktdaten beteiligter Mitarbeiter ist dem Dokument, das die Korrespondenz zwischen Volkswagen und dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) zur Aufarbeitung der Abgasaffäre umfasst, keine Information zu entnehmen. So sieht die DUH sprichwörtlich nur schwarz. Relevante Information? Nicht zu finden.

Tatsächlich kommt seit Bekanntwerden der Abgasaffäre vom Bundesverkehrsministerium nur wenig, um die Affäre aufzuklären. Zwar hat Alexander Dobrindt angekündigt, Kontrollen für Kraftfahrzeuge im Stile von Dopingtests durchzuführen und Volkswagen aufgefordert "vollumfänglich über die Abläufe, die zu der Manipulation geführt haben, Auskunft" zu geben, jedoch erfährt die Öffentlichkeit wenig. Über die im November 2015 angekündigten Stickoxidmessungen und deren Ergebnisse herrscht Stillschweigen.

Greenpeace: Opel und Smart mit erhöhten Abgaswerten bei offiziellen Messungen

Dabei gibt es jüngst auch Hinweise darauf, auch vom KBA selbst, dass einige Fahrzeuge noch nicht einmal den offiziellen Abgastest bestehen. Wie Greenpeace berichtet, haben Autos der Marken Opel und Smart bei offiziellen Messungen des KBA den Stickoxid-Grenzwert für die Typenzulassung überschritten. Nach den der Umweltschutzorganisation vorliegenden Ergebnissen der vom KBA durchgeführten Abgasnachtests zeigten ein Opel Astra 2.0l als auch Smart Fortwo 0.8l b zu hohe Werte.

Greenpeace hat die Veröffentlichung der KBA-Testergebnisse mit einer Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) erzwungen. Die Ergebnisse zeigen die Abgaswerte von 53 Fahrzeugmodellen im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), die das KBA bereits im vergangenen Jahr durchführte, wie die Organisation berichtet. Die Ergebnisse würden zeigen, dass der Smart die Euro 5 Norm um rund acht Prozent und der Opel um rund vier Prozent überschreitet. Unklar sei das Ergebnis eines Peugeot 308 SW 1.6l, der offenbar zwei Mal gemessen wurde: Einmal lag das Ergebnis über dem Euro 6 Grenzwert einmal deutlich darunter.

Bislang seien durch die UIG-Anfrage von Greenpeace lediglich die NEFZ-Daten veröffentlicht worden. Deshalb habe die Umweltschutzorganisation am 1. März die Herausgabe aller weiteren Ergebnisse dieser Tests beantragt. Laut UIG hat das KBA nun einen Monat Zeit, diesem Antrag zu entsprechen.

DUH: Smart cdi Diesel mit fast viermal so hohen Stickoxid-Werten

Die DUH bezeichnet den Bundesverkehrsminister Dobrindt indes "als Marionette der Autobosse", der jegliche Transparenz verweigere. "Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Abgasskandals bei Volkswagen haben wir umfangreiche Hinweise auf mögliche Abschalteinrichtungen beim Opel Zafira, Renault Espace, Fiat 500x, Mercedes-Benz C 200 CDI und C 220 CDI und nun Smart Diesel an das Bundesverkehrsministerium sowie weitere ausländische Behörden übersandt und die Behörde aufgefordert, behördliche Nachmessungen vorzunehmen", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Es stelle sich zunehmend heraus, dass Daimler-Pkw auf der Straße ähnlich hohe, im Einzelfall sogar noch höhere Stickoxid-Emissionen aufweisen als die VW-Betrugsdiesel, so Resch.

Als neueste Fallstudie hat sich die DUH einen Smart Diesel der älteren Generation (2009 bis 2013) vorgenommen. Bei Untersuchungen der Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule in der Schweiz habe der Smart bei allen auf dem Rollenprüfstand gefahrenen Tests mit betriebswarmem Motor die Euro-5-Grenzwerte für NOx-Ausstoß erheblich überschritten, so die DUH. Verglichen mit einem 28-Tonner, ebenfalls vom Hersteller Daimler (Actros 1842, Euro 6), der laut KBA auf der Straße mit 158 mg NOx/km gemessen wurde, übersteige der Smart beim CADC-Fahrzyklus (der CADC Zyklus wird zum Ermitteln von Pkw-Emissionsfaktoren verwendet ) diesen Wert mit 589 mg/km um das fast Vierfache. Dabei habe das Fahrzeug während oder nach den Tests trotz der stark erhöhten Emissionen keinen Fehler der On-Board-Diagnose (OBD) über die Warnlampe gemeldet, heißt es.

Daimler: DUH nutzt Daten aus irrelevanten Testzyklen

Daimler widerspricht: "Die DUH e.V. bleibt sich selbst treu und geht gewohnt unseriös vor. Es werden unter anderem nicht zertifizierte Testverfahren verwendet und Behauptungen aufgestellt, die nicht bewiesen werden können", so der Daimler-Sprecher Jörg Howe. Die DUH veröffentliche Daten aus eigenen Messprogrammen, die nicht vollumfänglich den gesetzlichen Vorgaben entsprechen würden.

Die DUH hat indes angekündigt, ab April 2016 ihre Emissionsmessungen auszuweiten und neben weiteren Labormessungen damit zu beginnen, reale Stickoxid- und CO2-Emissionen auf der Straße mit PEM-Systemen zu messen. Darüber hinaus will die DUH ihre Anstrengungen verstärken, die Funktionsweise von Abschalteinrichtungen aufzuklären.

Hier finden Sie den von der DUH beauftragten Prüfbericht des getesteten Smart Fortwo Coupe cdi und hier die von Greenpeace veröffentlichten behördlichen Nachtest-Ergebnisse.

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01.03.2016 | Im Fokus | Ausgabe 3/2016

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