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28.01.2016 | Emissionen | Im Fokus | Onlineartikel

Dicke Luft um feinen Staub

Autor:
Stefan Schlott

Der Mitte Januar in Stuttgart ausgelöste Feinstaubalarm rief einmal mehr die Befürworter und Gegner von Fahrverboten auf den Plan. Neue Argumente waren nicht zu hören.

Fünf Tage lang galt Mitte Januar in Stuttgart Feinstaubalarm. Autofahrer waren aufgerufen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Doch die Grenzwerte wurden trotzdem um ein Vielfaches überschritten. Schuld daran sind nach einem Bericht des SWR aber nicht nur die uneinsichtigen Autofahrer.

Der Feinstaub-Alarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert (Inversionswetterlage). An diesen Tagen steigt die Konzentration von Luftschadstoffen wie Feinstaub und Stickstoffdioxid an.

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01.09.2015 | Umwelt | Ausgabe 9/2015

Luftreinhalteplanung in Deutschland — Ende der Fahnenstange?

Der Schutz von Mensch und Umwelt vor schädlichen Umwelteinwirkungen stellt die Kernaufgabe des Immissionsschutzrechts dar. Die rechtlich möglichen und verhältnismäßigen Maßnahmen wurden in den Luftreinhalteplänen der vergangenen Jahre bereits weitestgehend ausgeschöpft.


Vielfache Gesundheitsgefahren

Das riecht nicht nur streng, es ist auch ungesund. Forscher der Universität Bern und des Paul Scherrer Instituts PSI haben nachgewiesen, dass Feinstaubpartikel aus Benzinmotoren schädlich für die Atemwege sind. Die Partikel bewirken, dass Krankheitserreger leichter in die Lunge eindringen können. Darüber berichtete Springer Professional bereits im Sommer 2015.

Und auch herzkranke Menschen sind in Gefahr. Nach einem anderen Bericht auf Springer Professional verändern ultrafeine Partikel in der Umgebungsluft schon nach wenigen Minuten die Herzratenvariabilität. Sie führen damit zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko - insbesondere für Menschen mit gesundheitlicher Vorbelastung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München, die im März 2015 veröffentlicht wurde.

Suche nach dem Sündenbock

Noch immer streitig ist die Frage, wie sehr der Straßenverkehr am Feinstaub schuld ist und welche Rolle die Autos spielen. Für Jens Finkenstein und Marita Mang vom hessischen Umweltministerium ist die Situation klar. In ihrem Artikel Luftreinhalteplanung in Deutschland - Ende der Fahnenstange? aus der Zeitschrift Wasser und Abfall 9-2015 schreiben sie: "Nach wie vor sind die Emissionen aus dem Kfz-Verkehr für die Überschreitungen der Immissionsgrenzwerte hauptverantwortlich. Insbesondere Dieselfahrzeuge halten die für die Stickstoffoxidemissionen (NOX) festgelegten Emissionsgrenzwerte nicht ein." Kritisch sei dabei auch der in den letzten Jahren zunehmende Anteil an direkt emittiertem Stickstoffdioxid (NO2). Daher stehe seit Jahren und auch aktuell die Luftschadstoffbelastung aus dem Kfz-Verkehr im Fokus der Luftreinhalteplanung.

Ganz anders die Autofahrerlobby: Der AvD zum Beispiel sieht in dem Aufruf der Behörden der Stadt Stuttgart an die Autofahrer, ihr Fahrzeug stehen zu lassen, keine vernünftige Maßnahme zur Verbesserung der Luftqualität: "Der Straßenverkehr trägt zu rund 12 Prozent zur Luftverschmutzung durch Feinstaub bei, davon entfallen etwa vier Prozent auf Pkw. Selbst bei einem kompletten Fahrverbot käme es deshalb in Stuttgart maximal zu einer Verringerung der Feinstaubwerte um 12 Prozent, das heißt, die Werte bleiben oberhalb der Maximalgrenzen", ließ der Verkehrsclub Mitte Januar wissen.

Lachender Dritter

Bei aller Problematik der Feinstaubsituation im Stuttgarter Talkessel gab es auch einen lachenden Dritten: Geschickt nutzte die multimodale Mobilitätsplattform moovel die Inversionswetterlage in Stuttgart für eine Werbeaktion: Während des Feinstaubalarms konnten Einzeltickets des öffentlichen Nahverkehrs in Stuttgart (VVS) über die App der Daimler-Tochter zu 50 Prozent des regulären Fahrpreises erworben werden. Diese 50-Prozent-Aktion galt im gesamten VVS-Gebiet und war ausschließlich über die moovel-App verfügbar.

"Mit der neuesten Generation der moovel-App zeigen wir in Stuttgart, wie das Smartphone unsere Mobilität in Städten einfacher und nachhaltiger gestalten kann. Wir unterstützen gerne die Bemühungen der Stadt Stuttgart, innovative Lösungen für den Stadtverkehr zu finden und so die Lebensqualität für alle zu verbessern", erklärte Robert Henrich, CEO der moovel Group GmbH in diesem Zusammenhang.

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