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27.02.2018 | Emissionen | Nachricht | Onlineartikel

Forschungszentrum Jülich sieht Diesel-Fahrverbote kritisch

Autor:
Patrick Schäfer

Mithilfe des Messfahrzeugs Mobilab wollen Forscher die Verteilung von Luftschadstoffen und deren Verursacher ermitteln. Erst damit könne geklärt werden, ob Maßnahmen wie ein Diesel-Fahrverbot sinnvoll seien.

Die Forscher des Jülicher Instituts für Troposphärenforschung wollen mithilfe differenzierter Messdaten und verlässlicher Computermodelle herausfinden, welche Auswirkungen beispielsweise ein Diesel-Fahrverbot hätte. Dazu soll das Messfahrzeug Mobilab zeitlich und räumlich hochaufgelöst Daten sammeln, zum Beispiel über die Verteilung von Stickoxiden und anderen Luftschadstoffen in Großstädten. Erst damit können laut der Forscher die Computermodelle so verbessert werden, dass durch den Vergleich mit der realen Verkehrssituation neue Strategien zur Verbesserung der Luftqualität entwickelt werden können.   

Dr. Franz Rohrer vom Forschungszentrum Jülich glaubt nicht, dass die Auswirkungen eines Diesel-Fahrverbots einfach vorherzusehen wäre. Er verweist auf bekannte Auswirkungen der Atmosphärenchemie: "In den vergangenen Jahren sind die Ozonwerte zurückgegangen. Durch die Einführung von Katalysatoren in den Autos sanken die Kohlenwasserstoff-Konzentrationen in den Städten drastisch, die der Stickoxide blieben aber fast gleich. Dadurch konnte sich nicht mehr so viel Ozon bilden." Eine durch Fahrverbote erreichte Reduktion von Stickoxiden könnte in größeren Städten zur vermehrten Bildung von Ozon führen. Um das zu verhindern, müsste gleichzeitig der Ausstoß von Kohlenwasserstoffen vermindert werden. Eine Maßnahme dafür sehen die Forscher in einem verbesserten Kaltstart-Verhalten von Autokatalysatoren. 

Mobilab misst Schadstoffverteilung in Städten

Um die Computermodelle zu verbessern, soll das Messfahrzeug Mobilab differenzierte Daten liefern. Damit können die Jülicher Forscher auch kurze Zeiträume, zum Beispiel beim Durchfahren einer Stadt, mit einer hohen Zeitauflösung von einer Sekunde erfassen. Der umgebaute Kleinlaster erfasst unter anderem Stickoxide und Kohlenwasserstoffe sowie Feinstaubpartikel, Ozon und Ammoniak. Die Messwerte fließen mit den Wetterdaten in ein Computermodell zur Verteilung von Schadstoffen ein.

Die Belastung mit Luftschadstoffen und Feinstaub wird dabei sehr kleinräumig abgebildet. Damit soll es möglich sein, die durchschnittlichen Belastungen des Umfeldes mit den Emissionen der gerade durchfahrenen Straße zu vergleichen. "Dadurch können wir nachweisen, dass die Luftqualität in einer Stadt nicht überall schlecht sein muss, obwohl an einer festen Messstation die Grenzwerte für Schadstoffe wie Stickoxide überschritten wurden", erklärt Prof. Andreas Wahner, Direktor des Jülicher Instituts für Energie- und Klimaforschung, Bereich Troposphäre.

Maßnahmen wie ein Diesel-Fahrverbot sehen die Forscher kritisch: "Mit zusätzlichen Daten aus Messkampagnen müssen wir die Computermodelle weiter verbessern. Erst wenn wir ein präzises Bild der Atmosphärenchemie einer Stadt oder eines Ballungsraums haben, können wir tatsächlich beurteilen, welche Auswirkungen Reduktionsstrategien wie Fahrverbote längerfristig haben", sagt Franz Rohrer. 

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