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19.09.2016 | Emissionen | Im Fokus | Onlineartikel

Stolpersteine auf dem Weg zu RDE

Autor:
Stefan Schlott

Die Real-Driving-Emissions-Gesetzgebung erfordert neue Antriebskonzepte, die der Dynamik bei realen Straßenfahrten gerecht werden. Dazu sind neue Entwicklungsmethoden und -werkzeuge erforderlich.

Kostensensible Autofahrer glauben es schon lange zu wissen: Die Verbrauchs- und Emissionsangaben der Fahrzeughersteller und die tatsächlich im Straßenverkehr erzielbaren Werte stimmen oftmals nicht überein. Was von Autohändlern lange schulterzuckend als Nörgelei abgetan wurde, ist zwischenzeitlich amtlich festgestellt und in der Sitzungsdokumentation des Europaparlaments ebenso nachzulesen, wie in Gerichtsurteilen. Abweichungen zwischen Norm- und Realverbrauch sowie zwischen Norm- und Realemissionen im unteren zweistelligen Prozentbereich gelten demnach eher als die Regel denn als Ausnahme. Der Grund für diese Diskrepanz wurde auch beim Europaparlament in Brüssel analysiert. Ernüchternde Erkenntnis: Mehr als ein Drittel der zwischen 2002 und 2010 verwirklichten CO2-Einsparungen entfallen auf eine zielgerichtete Nutzung von Flexibilitätsbestimmungen rund um die angewandten Prüfverfahren. Mit anderen Worten: Mehr als ein Drittel der vermeintlich eingesparten Emissionen besteht nur auf dem Papier, hat nichts mit technischen Innovationen zu tun und kann vor allem unter realen Fahrbedingungen nicht erreicht werden. 

Empfehlung der Redaktion

01.10.2016 | Forschung | Ausgabe 10/2016

RDE-Homologation – Herausforderungen, Lösungen und Chancen

Die geplante Real-Driving-Emissions-Gesetzgebung erfordert neue Antriebskonzepte, die der Dynamik bei realen Straßenfahrten gerecht werden. Bei der Entwicklung dieser Technologien stoßen die traditionellen Methoden und Werkzeuge an ihre Grenzen.


Das soll nun alles anders werden. Die Europäische Union zieht mit der Einführung der Real-Driving-Emissions (RDE)-Typenprüfung die Konsequenz aus der aktuellen Diskrepanz zwischen Homologations- und Realfahrtmessungen der Schadstoffausstoße. Die damit verbundenen Anforderungen an Forschung und Industrie sind vielschichtig. Das wissen auch Hauke Maschmeyer, Christian Beidl, Tobias Düser und Bernhard Schick. In ihrem Artikel RDE-Homologation – Herausforderungen, Lösungen und Chancen aus der MTZ 10-2016 schreiben sie, dass es nun gelte, "neue Lösungen weg von der überwiegend stationären Kennfeldoptimierung und Adaption an bekannte Transiente aus Zyklen hin zu einer Applikation auf vielschichtige dynamische Ereignisse zu entwickeln". Denn neben einem erweiterten Kennfeldbereich bewirkten gerade die transienten Effekte (Motorstart, Schaltvorgang, Lastsprung etc.), dass ein Fahrszenario kritische Emissionen verursacht. Damit verbunden seien zahlreiche Forschungsfragen.

Neue Anforderungen an den Entwicklungsprozess

Damit setzen die Autoren eine Argumentation fort, die sie bereits in ihrem Artikel Real Driving Emissions – Ein Paradigmenwechsel in der Entwicklung aus der MTZ 2-2015 skizziert hatten:

Die Änderung der Zertifizierung hin zu RDE erzeugt neue Anforderungen, denen man mit traditionellen Entwicklungsprozessen nicht effizient begegnen kann. Um effektiv vorzugehen und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, bedarf es einer geänderten Entwicklungsmethodik."

Grund: RDE sei nicht nur die Ergänzung der bisherigen Zertifizierung um einen weiteren Schritt, sondern beinhalte grundlegend neue Anforderungen.

Um frühzeitig die Real-Driving-Emissions-Konformität von Motoren in Kombination mit ihren Chassis- und Getriebevarianten in einer Simulationsumgebung untersuchen zu können, hat Bosch Engineering bereits eine neue Testmethodik entwickelt. In ihrem Artikel RDE-Entwicklungsumgebung am hochdynamischen Motorprüfstand aus dem ATZextra 8-2015 beschreiben Jan Gerstenberg, Helmut Hartlief und Stephan Tafel die Ideen dahinter. Demnach kann mit der neuen Testmethodik zum einen die Auslastung von Versuchsfahrzeugen minimiert und zum anderen bereits in einer früheren Phase auf Herausforderungen bei bestimmten Chassis- und Getriebevarianten hingewiesen werden. "In einer reproduzierbaren RDE-Test- und Entwicklungsumgebung können Kundenmotoren zudem über die gesamte Entwicklungszeit hinweg parallel zu ihren Realfahremissionen, Bauteil- und Softwareanpassungen sowie Funktionsentwicklungen begleitet werden", so die Autoren weiter. Mit der neuen Methodik können Motorplattform-Konzepte in Fahrzeugvarianten unter RDE-Bedingungen abgesichert werden, um Bauteil- oder Softwareänderungen kurz vor Produktionsstart (Start of Production, SOP) zu vermeiden.

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