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Über dieses Buch

Dieses Buch stellt das Konzept der „Ganzheitlichen Sanierung“ vor, auf der Suche nach dem kürzesten Weg hin zum emissionsfreien Gebäudebestand. Dabei wird vom Zielzustand 2050 aus gedacht und geplant. Durch diese langfristige Perspektive wird ein effektiveres Vorgehen ermöglicht, denn man vermeidet dadurch, sich mit halbherzigen Sanierungsschritten die Zukunft zu verbauen.Wie solche annähernd emissionsfreien Gebäude bereits heute realisiert werden, beschreibt die abgeschlossene Sanierung eines Sparkassengebäudes mit einer abgestimmten Kombination aus Energieeffizienz, Erneuerbaren Energien und Einbeziehung der Mitarbeiter. Die vielschichtigen Maßnahmen werden Schritt für Schritt diskutiert, um die in der Praxis gemachten Erfahrungen für alle, die sich mit Sanierungen beschäftigen werden, weiter zu geben. Die Mitarbeiter der Sparkasse sind über den Zugewinn an Komfort und Umweltfreundlichkeit begeistert und der Sanierungsfahrplan weist einen Weg zum emissionsfreien Gebäude der Zukunft.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Die Stadt der Zukunft

Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts und nach Überwindung vieler Schwierigkeiten hat sich allmählich die Tendenz durchgesetzt, den Planeten als Heimat zu begreifen und die Menschheit als ein Volk, das ein gemeinsames Haus bewohnt. Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln. Es besteht eine starke wissenschaftliche Übereinstimmung darüber, dass wir uns in einer besorgniserregenden Erwärmung des Klimasystems befinden. Heute beobachten wir zum Beispiel das maßlose und ungeordnete Wachsen vieler Städte, die für das Leben ungesund geworden sind, nicht nur aufgrund der Verschmutzung durch toxische Emissionen, sondern auch aufgrund des städtischen Chaos, der Verkehrsprobleme und der visuellen und akustischen Belästigung. Die schlimmsten Auswirkungen werden wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten auf die Entwicklungsländer zukommen.
Stefan Oehler

2. Das Konzept der ganzheitlichen Sanierung

Auf der Suche nach dem kürzesten Weg zum emissionsfreien Gebäudebestand wurde das Konzept der ganzheitlichen Gebäudesanierung entwickelt. Dabei wird vom emissionsfreien Zielzustand 2050 ausgehend gedacht, und durch diese veränderte Perspektive auf die heutigen Gebäude ergibt sich automatisch ein ganz anderes Vorgehen. Das zukünftige, emissionsfrei sanierte Gebäude wird mit dem aktuellen Gebäudezustand verglichen. Über dieses Delta zwischen Ist und Soll wird gesprochen, anstatt wie bisher den aktuellen Zustand ein wenig zu verbessern, ohne zu wissen, wohin man als nächstes möchte. Der Soll‐Zustand des emissionsfreien Gebäudebestandes ist so schnell und so detailliert wie möglich zu beschreiben, um sich strategisch auf dem Weg dahin besser aufstellen zu können. Eine heutige Berechnung mit einer noch zu entwickelnden „EnEV 2050“ kann entscheidende Voraussetzungen dafür schaffen (siehe Abschn. 2.6), und es wird dann nur noch darüber diskutiert werden müssen, wie schnell diese Differenz zwischen Ist und Soll auf null reduziert werden kann. Jedes Gebäude ermittelt seinen individuellen Abstand zum Ziel, und alle Sanierungsschritte bauen dann sinnvoll und abgestimmt aufeinander auf. Zwischen heutigen Ist‐Emissionen und den 2050‐Soll‐Emissionen wird eine Gerade gezogen, und schon hat man zu jedem beliebigen Zeitpunkt dazwischen einen Anhaltswert, ob man sich über oder unter der Linie befindet und somit im Plan ist oder noch zu schlecht abschneidet.
Stefan Oehler

3. Praxisbeispiel einer ganzheitlichen Sanierung

Um die gesammelten theoretischen Erkenntnisse und Anforderungen in einem praktischen Zusammenhang wiederzugeben, wird im Folgenden an einem Beispiel solch ein Sanierungsprozess mit seiner schrittweisen Annäherung an ein emissionsfreies Gebäude dargestellt. Die Sanierung beschreibt die meisten der typischen Problemstellungen, die bei Sanierungen auftreten. Erfahrungen werden beschrieben, die diesen Prozess erleichtert haben, aber auch Probleme aufgezeigt und Kompromisse, die unterwegs aus den unterschiedlichsten Gründen geschlossen werden mussten, geschildert. Beispielsweise hatte der Bauherr zum Schluss des Projektes schlicht keine Energie mehr, die letzten, noch verbliebenen Optimierungen durchzuführen, obwohl bereits alles geplant und ausgeschrieben war. Er beendete diesen Sanierungsschritt mit der Feststellung: Jetzt ist es genug! Auch den Planern ging es nicht anders, sodass diese Anweisung widerstandslos hingenommen wurde. Letztendlich wurden in dieser ersten Sanierungsrunde nicht 100 %, sondern nur 95 % der geplanten Maßnahmen umgesetzt, was nicht weiter dramatisch war. Es soll eine möglichst praxisnahe Darstellung dieses Projektes gegeben werden. Alle wichtigen Aspekte werden beleuchtet, um die gemachten Erfahrungen nutzbringend an Interessierte weiterzugeben und um dem emissionsfreien Gebäudebestand auf kürzestem Wege näherzukommen.
Stefan Oehler

4. Sanierungsfahrplan emissionsfreie Sparkasse

Die im letzten Kapitel beschriebenen Sanierungsmaßnahmen bilden den ersten Schritt des Sanierungsfahrplanes, in einem zweiten Schritt kann die Sparkasse zu einem emissionsfreien Gebäude saniert werden. Der Zeitpunkt des zweiten Schritts wird sich an der Lebenserwartung der einzelnen Komponenten wie Wärmeerzeuger, Lüftungsanlage oder Aufzüge orientieren. Das Gebäude wurde mit einer maximal möglichen Effizienz saniert und wird derzeit ohne fossile Energieträger und mit regenerativem Strom versorgt. Um die nach der ersten Sanierung noch verbliebenen CO2‐Emissionen auf null zu reduzieren, sind folgende Maßnahmen in einem zweiten Sanierungsschritt erforderlich:
Stefan Oehler

5. Faktor 11 Sanierung Münsterländer Hof

  • Beispiel: Sanierung eines Wohngebäudes auf dem Hof Hackenfort in Rosendahl, 2004–2005
  • Auszug aus dem BAFA Energieberatungsbericht
  • Architekt: Stefan Oehler, Oehler ArchKom Solar Architektur
Die Ölheizung von 1995 weist noch akzeptable Emissionswerte auf. Schwachstellen sind fehlende Thermostatventile, fehlende Dämmung der Leitungen und eine sehr hohe Vor‐ und Rücklauftemperatur. Der Heizraum hatte eine viel zu große Lüftungsöffnung, der Wasserspeicher enthält 155 l und läuft 24 h pro Tag mit Zirkulationspumpe. Der jährliche Energieverbrauch betrug im Schnitt der letzten 10 Jahre 8000 l Heizöl, wobei ein großer Teil der Wohnfläche unbeheizt blieb. Rechnet man die gesamte Wohnfläche mit 20 °C beheizt hoch, so ergibt sich ein Verbrauch von 392 kWh/(m2 a).
Stefan Oehler

6. Effizienzhaus Plus im Altbau, Neu-Ulm

  • Beispiel: Sanierung der Wohnzeile Pfuhlerstr. 4 und 6 in Neu‐Ulm zu Plusenergiehäusern, 2012–2015
  • Experimentelles Bauen im Programm „Zukunft Altbau“ des Bundesministeriums BMUB
  • Bauherr: NUWOG‐Wohnungsgesellschaft der Stadt Neu‐Ulm GmbH
  • Das Wettbewerbsteam war einer von zwei Preisträgern:
  • Hochschule Ruhr West, Werner Sobek Stuttgart, Oehler Archkom Solar Architektur
  • Generalplanung und Realisierung: Werner Sobek Stuttgart
  • Wohnzeile in Neu‐Ulm Baujahr 1938
  • Heizbedarf vor der Sanierung > 500 kWh/m2 a
  • Heizbedarf nach der Sanierung berechnet: 13 kWh/m2 a
  • Stromüberschuss nach der Sanierung berechnet: 8800 kWh/a
  • (damit könnte ein E‐Mobil über 44.000 km fahren)
Stefan Oehler

7. Niederländischer „Energiesprong“

Beispiel: Mit dem „Energiesprong“‐Projekt brachte die niederländische Regierung Baufirmen, Bauträger, Fertighausbauer, Baugenossenschaften, Universitäten und Finanzierer zusammen, um gemeinsam ein kostengünstiges und schnell umsetzbares Null‐Energie‐Sanierungspaket zu entwickeln. Dieses Team bietet nach mehreren Jahren Erfahrung ein äußerst attraktives Sanierungsmodell an. Die Haushalte in Holland verbrauchten bisher jährlich 13 Mrd. €, und mit diesem Potenzial wird das Sanierungsmodell finanziert. Der „Energiesprong“ wird sehr stark nachgefragt, da man praktisch ohne finanzielle Mehrbelastung ein Null‐Energie‐Haus mit extrem gesteigertem Komfort erhält.
Stefan Oehler

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