Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Sozialwissenschaftliche Methoden wie Befragungen, Beobachtungen und Inhaltsanalysen kommen in der Marktforschung, bei Studien zur Zeitgeschichte, in der Stadtplanung und in der Kommunikationsforschung zum Einsatz. Erst recht werden sie von Soziologen und empirisch arbeitenden Politikwissenschaftlern benötigt. Egal, ob im Rahmen der Evaluation eines Präventionsprogramms oder für die Erhebung des Gesundheitsverhaltens oder für eine Studie zur sozialen Mobilität, die sichere Handhabung des sozialwissenschaftlichen Instrumentariums ist stets die Voraussetzung, um belastbare Ergebnisse zu erzielen. Das Buch stellt wichtige Informationen für die Anwender und Entwickler dieser Instrumente zur Verfügung. Es behandelt die theoretischen Grundlagen der Methoden, die Schritte bei der Konzipierung und Umsetzung eines Projekts, die vielfältigen Varianten der Datenerhebung, die bei der Auswahl der Untersuchungseinheiten einzusetzenden Methoden ebenso wie die Prinzipien, die bei der Auswertung und Dokumentation der Befunde zu beachten sind. Mithilfe zahlreicher Beispiele gelingt eine besonders anschauliche Darstellung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Die Struktur dieses Buches: Eine Einleitung

Zusammenfassung
Die Methoden der Empirischen Sozialforschung sind hochspezialisiert und vermögen es, eine breite Aufgabenpalette abzudecken. Sie reichen von der Forschungslogik über die Auswahlverfahren bis zur statistischen Datenanalyse. Der vorliegende Band enthält das Grundwissen zu allen relevanten Methoden der Empirischen Sozialforschung und nennt weiterführende Veröffentlichungen. Zu zahlreichen einzelnen Problemen liegt eine umfangreiche Spezialliteratur vor, auf die an den entsprechenden Stellen hingewiesen wird.
Daneben wird in diesem Band an verschiedenen Beispielen demonstriert, wie dieses Grundwissen bei der Erforschung sozialer Sachverhalte eingesetzt werden kann. Schließlich kann ein Text zwar Informationen zu den Methoden und Techniken transportieren. Um beim Leser jedoch Fähigkeiten im Umgang mit den Methoden zu erreichen, müssen diese aber von ihm angewandt und geübt werden. Der Band will dies unterstützen, er besitzt den folgenden Aufbau:
Zunächst wird im zweiten Kapitel versucht, den Leser gegenüber dem Gebrauch der empirischen Methoden zu sensibilisieren. In einer Reihe an Experimenten hat sich gezeigt, dass selbst scheinbar unbedeutende Details der für die Erforschung sozialer Sachverhalte eingesetzten Methoden entscheidend die Ergebnisse der Forschungen mitbestimmen. Mit anderen Worten hängt ein Forschungsbefund nicht nur vom beforschten Sachverhalt ab, sondern auch von den für seine Erforschung eingesetzten Methoden. Damit wird es für jeden Anwender relevant, sich mit den Voraussetzungen und den Möglichkeiten der entsprechenden Methoden zu befassen.
Michael Häder

2. Die Bedeutung des Methodenwissens für das Verständnis empirischer Daten

Zusammenfassung
Viele Menschen konsumieren im Alltag zu Unterhaltungszwecken wahrscheinlich recht gern die Ergebnisse (pseudowissenschaftlich-)empirischer Umfragestudien. So konnte man sich zum Beispiel auf den Internetseiten der ZEIT an einer Umfrage zum Weltraumtourismus beteiligen und dazu die folgende Frage beantworten: „Mit SpaceShipOne ist das erste privat finanzierte Raumflugzeug in den Orbit geflogen. Nun sind in den USA oder Australien Weltraumbahnhöfe geplant. Abgehobene Tourismuspläne oder realistische Marktlücke?“ Nach der eigenen Stimmabgabe zur Beantwortung dieser Frage erfährt man, dass 27 Prozent der antwortbereiten Besucher dieser Internetseite meinen, Weltraumtourismus sei Umweltverschmutzung und Geldverschwendung. Dies müsste verboten oder eingeschränkt werden. 54 Prozent von den 268 Personen, die bis dahin abgestimmt haben, denken: Weltalltourismus sei eine Urlaubsvariante für wohlhabende Abenteurer und nicht bezahlbar für Otto Normalverbraucher. Schließlich entschieden sich 19 Prozent der Beteiligten (unter anderem auch der Autor) für die Vorgabe, „Eine Reise ins Weltall ist traumhaft und ergibt außerdem neue Möglichkeiten für die Tourismusbranche.“
Etwas weniger Menschen haben auch beruflich – und das soll an dieser Stelle heißen ernsthafter – mit Ergebnissen aus empirischen Studien zu tun. Insbesondere für den zuletzt genannten Personenkreis ist es wichtig, genau zu wissen, wie solche Daten zustande gekommen sind und was sie auszusagen vermögen. An vier zunächst scheinbar trivialen Beispielen soll gezeigt werden, womit ein Datenkonsument zu rechnen hat.
Michael Häder

3. Wissenschaftstheorie

Zusammenfassung
Um sich in der Welt zurecht finden zu können, benötigen die Menschen Erklärungen und Anleitungen für ihr Handeln. Solche Anleitungen und Erklärungen liefern ihnen die impliziten und die expliziten Theorien. Wie bereits (vergleiche Kap. 2) gezeigt, handelt es sich bei Theorien um Aussagesysteme, mit deren Hilfe Erkenntnisse über einen Bereich von Sachverhalten geordnet, Tatbestände erklärt und vorhergesagt werden können. Nun sollen diese Theorien weiter unterteilt werden in explizite und in implizite.
Die Hausfrau, die viel Liebe und Mühe in die Zubereitung eines Festmahles investiert hat, verkündet bei der Präsentation ihrer Kochkünste (aus impliziten Theorien abgeleitete) Einsichten wie etwa: „Liebe Gäste, esst nur recht langsam, denn dann schafft ihr mehr von diesem köstlichen Essen!“ Und auf Nachfrage: „Das hat schon meine Mutter immer gesagt.“ Diese Theorie wurde also von Generation zu Generation vererbt – schließlich ist langsames Essen eine Frage des Genusses und es stellt ein Lob für die Köchin dar, wenn alles aufgegessen wird. Auch scheint langsames Essen bisher kaum jemandem geschadet zu haben. Diese implizite Theorie mag somit sogar in sich widerspruchsfrei sein, hilfreich ist sie in diesem Falle ohnehin. Weiterhin erklärt sie bestimmte Tatbestände beziehungsweise sagt voraus, welche (erwünschten) Folgen langsames Essen hat. Also, weshalb nicht weiterhin dieser impliziten Theorie folgen und in aller Ruhe das Essen genießen?
Michael Häder

4. Forschungs- und Untersuchungsplanung

Zusammenfassung
Der konkrete Ablauf einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung hängt von verschiedenen Dingen ab. Vor allem das jeweilige Erkenntnisinteresse, die zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie die Komplexität der Fragestellung üben einen Einfluss auf die Gestaltung eines Forschungsprojekts aus. Aber auch ein möglicher Auftraggeber oder die Bestimmungen einer Promotionsordnung können den Gang der Untersuchung wesentlich beeinflussen. So hat man es in der Praxis mit sehr unterschiedlichen und vielfältigen Designs zu tun. Neben fest finanzierten Projekten zur Dauerbeobachtung der Gesellschaft, für die ein relativ umfangreicher Mitarbeiterstab verantwortlich ist, wie etwa dem European Social Survey (ESS) oder der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS – vergleiche zu den beiden Untersuchungen Abschn. 6.1.4), stehen zahlreiche kleinere Untersuchungen, die beispielsweise für Graduierungsarbeiten angefertigt wurden und die im wesentlichen ohne eine externe Förderung auskommen müssen. Nicht zuletzt ist auf eine Reihe an Studien zu verweisen, die der Marktforschung dienen und von Unternehmen finanziert werden. Während Untersuchungsreihen wie der ALLBUS inzwischen bestimmte methodische Routinen entwickelt haben, nach denen die einzelnen Erhebungen ablaufen, stellt die Erarbeitung des Designs einer einmaligen Untersuchung stets eine besondere Herausforderung an den Forscher dar. Zwischen diesen beiden Polen lassen sich diverse Untersuchungsprojekte ausmachen, wobei deren Vorgehen jeweils stets sehr unterschiedlich sein kann.
Michael Häder

5. Auswahlverfahren

Zusammenfassung
Im Rahmen der Untersuchungsplanung für eine sozialwissenschaftliche Studie spielt die Frage nach dem dabei einzusetzenden Auswahlverfahren eine wichtige Rolle. Zunächst ist jedoch generell zu entscheiden, ob es erforderlich ist, eine Stichprobe zu ziehen oder ob eine Totalerhebung, das heißt die Untersuchung aller interessierenden Elemente, erfolgen sollte. Für eine Totalerhebung spricht, dass bestimmte Fehler, die bei einer Stichprobenziehung auftreten können, ausgeschlossen sind und die gewonnenen Befunde unter Umständen belastbarer und genauer sein dürften. Gegen eine Totalerhebung spricht dagegen der damit verbundene, in der Regel immense Aufwand. Einleitend soll die Entscheidung für eine Stichproben- oder Totalerhebung näher betrachtet werden. Danach werden verschiedene Stichprobenstrategien diskutiert.
Es gibt Problemstellungen, bei denen es sich prinzipiell verbietet, eine Totalerhebung vorzunehmen. So werden sich etwa medizinische Blutuntersuchungen stets mit Stichproben begnügen müssen, da sonst der zu untersuchende Organismus zerstört würde. Dies gilt auch für die Verkostung eines neuen Weinjahrganges; hier würde eine Totalerhebung die Gesamtheit des neuen Weines aufbrauchen. Damit ist zu konstatieren: In Fällen, bei denen im Rahmen einer Totalerhebung die Grundgesamtheit zerstört oder beschädigt würde, kommen ausschließlich Stichprobenuntersuchungen zum Einsatz.
Michael Häder

6. Erhebungsmethoden

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden die drei in der Empirischen Sozialforschung zur Datenerhebung genutzten Methoden behandelt. Neben der Befragung sind dies die Beobachtung und die Inhaltsanalyse. Die Darstellung bemüht sich darum, neben den theoretischen Grundlagen dieser Methoden und der Variantenvielfalt, auch deren Anwendung beispielhaft aufzuzeigen.
Michael Häder

7. Komplexe Designs

Zusammenfassung
Im vorangegangenen Abschnitt wurden mit der Befragung, der Beobachtung und der Inhaltsanalyse die sozialwissenschaftlichen Grundmethoden für die Erhebung von empirischen Informationen vorgestellt. Wiederholt ist auf die Vielfalt an Techniken verwiesen worden, die bei der Anwendung der genannten Methoden zu beobachten ist. Im folgenden Abschnitt werden komplexe Designs behandelt. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich der Grundmethoden bedienen und diese auf eine jeweils besondere Weise anordnen. So werden beispielsweise bei sozialen Experimenten Beobachtungen und Befragungen eingesetzt, bei Delphi-Studien postalische Befragungen, bei den Untersuchungen des Zeitbudgets kommen Selbstbeobachtungen zum Einsatz. Aufgrund der besonderen Anordnung der Grundmethoden ergeben sich jeweils eigene Erkenntnismöglichkeiten. Diese werden vorgestellt und diskutiert.
Michael Häder

8. Pretests

Zusammenfassung
Oben (vergleiche Beispiele in Abschn. 6.1 „Urteilsbildung“) wurden zwei Dialoge zwischen einem Interviewer und einer Zielperson wiedergegeben. Der Interviewer stellte der Zielperson eine Frage nach ihrem Fernsehkonsum in den vergangenen sieben Tagen. Er erhielt darauf ohne weiteres eine scheinbar gültige Antwort. Er wäre dann in einem normalen Interview zur nächsten Frage übergegangen. Aber aufgrund einer Nachfrage („Wie kamen Sie darauf?“) stellte sich heraus, dass die Antworten der Zielpersonen jeweils stark unzutreffend waren. Wären die Interviews nach der Antwort der Zielperson abgebrochen beziehungsweise mit der nächsten Frage fortgesetzt worden, so bestünde offenbar eine immense Diskrepanz zwischen der gegebenen Antwort und der tatsächlichen Dauer des Fernsehens. Besonders interessant ist, dass es bis dahin keinerlei Hinweise auf eine solche Differenz gab. Weder hat die Zielperson eine Rückfrage gestellt, noch war die Antwort in irgendeiner Weise unlogisch (etwa „zwölf Tiger“). Dies muss den Entwickler eines Erhebungsinstruments sensibilisieren. So erweist sich die Idee, dass ein nichtfunktionierendes Instrument in der Voruntersuchung in irgendeiner Weise auffallen wird, offenbar als so nicht haltbar. Weiter unten werden dazu noch weitere Befunde präsentiert, um dies ausführlich zu illustrieren. Damit gilt weiter die Maxime: „Even after years of experience, no expert can write a perfect questionnaire“ (Sudman und Bradburn 1982).
Michael Häder

9. Aufbereitung und Auswertung der Daten

Zusammenfassung
Die Aufbereitung der Daten bei einer qualitativ angelegten Studie unterscheidet sich grundlegend von der bei primär quantitativ orientierter Forschung. Zunächst soll das Vorgehen bei der Auswertung qualitativer Daten näher betrachtet werden. Hier geht es hauptsächlich darum, das Textmaterial zu verschriften, um dadurch sowohl eine nachvollziehbare Aufbereitung als auch eine möglichst komplette Rekonstruktion beispielsweise der qualitativen Befragung möglich zu machen.
Für die Verschriftung, auch als Transkription bezeichnet, existieren verschiedene Systeme. Die konkrete Entscheidung, wie genau ein Gespräch transkribiert werden soll, hängt vom Ziel der Analyse ab. So muss sich der Forscher fragen, ob es für sein Forschungsziel beispielsweise relevant ist, auch den Dialekt eines Sprechers wiederzugeben.
Für das Transkibieren werden ein besonderes Abspielgerät und viel Ausdauer benötigt. Es kommt dabei darauf an, nicht nur den gesprochenen Text zu fixieren, sondern auch alle weiteren Merkmale, die ein Gespräch geprägt haben, zu erfassen. Dazu zählen Lachen, Pausen, gleichzeitiges Reden verschiedener Personen, das Heben oder Senken der Stimme, besondere Betonungen und so weiter. Daneben sorgen auch unvollständige Sätze, Füllworte, eigene Regeln für die Groß- und Kleinschreibung und Ähnliches für eine auf den ersten Blick nicht gerade übersichtliche Darstellung des Gesprächs.
Michael Häder

10. Dokumentation empirischer Projekte

Zusammenfassung
Wenn sich bei der empirischen Bearbeitung einer Problemstellung herausstellt, dass die H1‑Hypothese beibehalten werden kann, so erfolgt dies stets mit einer bestimmten Irrtumswahrscheinlichkeit. Schließlich wird sich bei der (wiederholten) Replikation dieser zunächst einmaligen Studie herausstellen, ob der dort ermittelte Befund erneut eintritt und so die H1‑Hypothese weiter erhärtet wird. Auf diese Weise können dann Gesetze und Theorien entwickelt werden. Die Replikation empirischer Befunde ist also eine Voraussetzung, um wissenschaftlich arbeiten zu können. Eine Voraussetzung für die Replikation ist nun die Dokumentation des empirischen Projekts. Diesem wichtigen Schritt ist der folgende Abschnitt gewidmet.
Michael Häder

Backmatter

Weitere Informationen