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Über dieses Buch

Dies ist die aktualisierte Ausgabe eines Lehrbuchs über empirische Wahlf- schung, geschrieben für Studenten, Journalisten und politisch Interessierte. Die Wahlforschung – misst man sie an der Nachfrage ihrer Ergebnisse – hat im le- ten Jahrzehnt weiter an Bedeutung gewonnen. Auch die Veröffentlichungen aus diesem Bereich sind deutlich gestiegen. Wer wissen will wie die oft zitierten und auch kritisierten oder bezweifelten Ergebnisse der empirischen Wahlforschung zustande kommen, kann sich in diesem Buch informieren. Es werden die gän- gen Theorien zur Erklärung von Wahlverhalten dargestellt und die Techniken der Datenerhebung und der Analyse beschrieben, die benutzt werden, um die Fragen in diesem Bereich zu beantworten. Insbesondere wird aber auf die vielen F- lermöglichkeiten auf dem Weg zu gültigen Ergebnissen hingewiesen und auf die Begrenztheit der möglichen Aussagen. Das Buch ist eine praxisorientierte E- führung in die empirische Wahlforschung. Es hat auch in der aktualisierten Form nicht den Anspruch, alle diskutierten Probleme des Faches abzudecken. Für die nicht behandelten Themen habe ich mich bemüht, Hinweise zu geben, wo man weitersuchen kann. Zum Zeitpunkt der Erstausgabe dieses Buches hat es eine Lücke ausgefüllt. Inzwischen sind viele methodischen Fragen von anderen Autoren aufgegriffen und behandelt worden. Trotzdem scheint eine Einführung noch eine Berech- gung zu haben, denn es besteht Nachfrage. Die meisten Beispiele wurden ern- ert. Dabei griff ich – wie zuvor – auf die Datenbestände der Forschungsgruppe Wahlen e. V. zurück. Mit den Mitarbeitern dort habe ich einzelne Aspekte immer wieder diskutiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Wahlforschung ist zunächst einmal eine akademische Disziplin, bei der es darum geht, mit nachvollziehbaren Verfahren den Prozess des Wählens aufzuklären. Die beteiligten Wahlforscher arbeiten in der Regel theoriegeleitet, nutzen die Methoden der empirischen Sozialforschung und unterziehen sich der Kritik der Fachwelt, die ihre eigenen Fachtermini und Kommunikationsgewohnheiten hat.
Dieter Roth

Kapitel 1. Die Anfänge empirischer Wahlforschung

Zusammenfassung
Die empirische Wahlforschung fängt mit den Erfolgen der demokratischen Bewegung im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts an. Demokratie und damit auch Wahlen setzen sich in einer ganzen Reihe von Ländern durch. Von nun an findet man in offiziellen Statistiken auch Wahlergebnisse, je nach Land allerdings in unterschiedlichem Umfang und auf unterschiedlichem Niveau. Diese Wahlstatistiken bilden die Grundlage für erste Wahlanalysen auf Aggregatdatenbasis. Die Wahlgeographie André Siegfrieds (1913), die im Allgemeinen als Beginn der Wahlforschung angesehen wird, ist ohne die Wahlstatistik nicht denkbar. Auch statistisch-korrelative Analysen, wie die von Stuart A. Rice (1928) oder Rudolf Heberle (1933; 1945; 1963), basieren auf veröffentlichten Wahlergebnissen und anderen offiziellen Statistiken. Erst durch die Umfrageforschung, die ab den vierziger Jahren in größerem Maße in den Dienst der Wahlforschung gestellt wird, löst sich die empirische Wahlforschung in ihren Analysen zunehmend von der Verwertung von Wahlstatistiken.
Dieter Roth

Kapitel 2. Theoretische Erklärungsmodelle für Wahlverhalten6

Zusammenfassung
Ohne theoretisches Fundament gibt es kein sinnvolles empirisches Arbeiten, das wurde bereits in Kapitel 1 deutlich. Aber es gibt nicht die Theorie des Wahlverhaltens, weil es auch nicht die Theorie menschlichen Verhaltens gibt. Will man Verhalten erklären und nicht nur beschreiben, so ist der Entscheidungsprozeß davor – mit einer Vielfalt von Einflussfaktoren, kurz- und langfristigen, emotionalen und rationalen, bewussten und unbewussten – zu beleuchten.
Dieter Roth

Kapitel 3. Instrumente und Methoden der Wahlforschung

Zusammenfassung
Zur Überprüfung von Theorien brauchen wir möglichst sauber erhobene Daten. Dies zu erreichen bedarf es eines nicht endenden Bemühens, die besten Verfahren zu finden, die zum einen die Heterogenität der Wahlberechtigten widerspiegeln (Stichprobenverfahren), es dann ermöglichen, die Wahlberechtigten erfolgreich zu kontaktieren (Erhebungsverfahren) und schließlich von den Befragten möglichst „wahre“ Informationen über ihre Verhaltensabsichten, Meinungen, Einstellungen und vieles mehr zu erhalten (Fragen und Fragebogen).
Dieter Roth

Kapitel 4. Wahlforschung in der Bundesrepublik Deutschland

Zusammenfassung
Anlässlich der Berliner Wahlen am 3. Dezember 1950 wurde die erste größere Wahlstudie in der Bundesrepublik publiziert. Stephanie Münkes „Wahlkampf und Machtverschiebung“ ist unter Mitarbeit von Arkadij R. L. Gurland an der FU Berlin entstanden und erschien 1952 als erster Band der Schriftenreihe des dortigen Instituts für Politische Wissenschaft. Der größte Teil des Buches behandelt die Vorgeschichte der Wahlen, die Berliner Parteien und den von ihnen geführten Wahlkampf. Aus wahlsoziologischer Sicht sind jedoch weniger die parteisoziologischen Kapitel oder diejenigen, die den Wahlkampf behandeln interessant, sondern die Ergebnisanalyse in den beiden letzten Kapiteln. Neben einer Dokumentation und Kurzkommentierung der Ergebnisse der Wahlen des Jahres 1950 und den Veränderungen im Vergleich zu den Wahlen der Jahre 1948 und 1946 auf Wahlkreis- und Stimmbezirksebene berücksichtigen die Ergebniskapitel – erstmals in der Nachkriegsgeschichte – auch Umfragedaten.
Dieter Roth

Kapitel 5. Empirische Wahlforschung in anderen europäischen Ländern

Zusammenfassung
Die in Kapitel 2 dargestellten theoretischen Ansätze der Columbia- und Michigan- Schule hatten nicht nur in Deutschland großen Einfluss auf die Entwicklung der Wahlforschung, sondern auch in allen anderen europäischen Demokratien. Zunächst wurden in einigen Ländern nach dem Vorbild der Columbia School Wahlstudien in Angriff genommen (z. B. in Großbritannien und in den Niederlanden). Sehr bald dominierten jedoch die Einflüsse der Michigan School, vor allem weil das dortige Survey Research Center und später das ICPR (International Center for Political Research) in Ann Arbor zu einer Art Mekka der politischen Verhaltensforschung wurde. Viele europäische Wahlforscher zog es, zumindest in den sechziger und siebziger Jahren, in die Ann Arbor Summer School, in der keine geringeren als Angus Campbell, Philipp Converse, Warren Miller und Donald Stokes lehrten. Neben den theoretischen Ansätzen wurden dort auch die Techniken der Datenerhebung und der Datenanalyse vermittelt.
Dieter Roth

Backmatter

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