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29.04.2016 | Employer Branding | Im Fokus | Onlineartikel

Dieselgate schadet Arbeitgeberimage der Autobauer

Autor:
Andrea Amerland

Der Abgasskandal hat VW die Jahresbilanz verhagelt und den Ruf ramponiert. Das schlechte Image hat jetzt auch negative Konsequenzen fürs Recruiting. Junge Ingenieure wenden sich von dem Wolfsburger Autobauer ab. 

Bislang waren Arbeitgeberrankings für die deutschen Autobauer eine einzige Freude: Techniker und Ingenieure träumten davon, bei Daimler, Audi oder VW neue Modelle und Motoren entwickeln zu können und ließen die großen Autokonzerne auf der Beliebtheitsskala nach oben schnellen. Doch infolge des Abgasskandals hat das seriöse Image der Automobilindustrie bei Bewerbern gelitten.

Den Zahlen der neuen Absolventenstudie von Trendence zufolge, für die rund 13.000 Absolventen aus Ingenieursfächern zwischen September 2015 und Februar 2016 befragt wurden, haben beinahe alle Autobauer deutlich an Anziehungskraft verloren. Die Branchenattraktivität ist insgesamt um 3,1 Prozente gesunken. "Es hat in den letzten fünf Jahren noch nie eine Branche so geschlossen so viele potenzielle Bewerber verloren wie die Automobilhersteller in diesem Jahr Ingenieure", so Trendence-Geschäftsführer Holger Koch.

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Ein Viertel der Ingenieure würde sich nicht mehr bei VW bewerben

Am stärksten büßt demnach VW an Beliebtheit ein. Die Wolfsburger verlieren im Ranking 2,5 Prozentpunkte, das heißt, rund ein Viertel der potenziellen Bewerber des Vorjahres würden sich aktuell dort nicht mehr bewerben. VW rutscht dadurch bei den technischen Berufen vom fünften auf den achten Platz ab. Bei Wirtschaftswissenschaftlern landet Volkswagen auf Platz 15 (2015: zwölf).

An der Talfahrt nehmen auch Audi, BMW und Porsche teil, die jeweils mindestens zwei Prozentpunkte bei den Ingenieuren verlieren. Dennoch reicht es für die drei Autobauer noch für die vorderen drei Plätze. Nur Daimler/Mercedes kann laut Trendence mit 0,4 Prozentpunkten leicht zulegen. 

Arbeitgebermarke braucht klare Werte

Warum VW, Audi und Porsche bei jungen Ingenieuren derzeit nicht mehr so gefragt sind, liegt auf der Hand: Alle drei Marken haben unter dem Dach von Volkswagen rund um den Dieselgate Schaden genommen. Das hat auch Konsequenzen für das Employer Branding. "Langfristig sollen die Qualität der Bewerbungen und die Effizienz der Personalbeschaffung gesteigert werden, indem eine klare Werte- und Kulturkommunikation die Gleichgesinntheit von Bewerber und Unternehmen erhöht", definiert Maike Behrendt das Potenzial einer starken Arbeitgebermarke. Doch für welche Werte stehen aktuell der VW-Konzern beziehungsweise die Automobilbranche? Absolventen sind verunsichert.

Was Bewerbern wichtig ist

Neben Seriosität haben zahlreiche Studien, deren Ergebnisse sich im Kern nur wenig unterscheiden, sechs Elemente extrahiert, die gute Arbeitgeber aus Kandidatenperspektive auszeichnen, so Springer-Autor Jörg Buckmann zum Thema Personalmarketing. Diese sechs Kriterien sind:

  1. Sicherheit,
  2. gute Anstellungsbedingungen,
  3. interessante und abwechslungsreiche Arbeitsinhalte,
  4. gute Entwicklungschancen,
  5. ein toller Teamgeist,
  6. eine gesunde Work‐Life‐Balance.

Unternehmen, die ihre Vorteile als Arbeitgeber herausarbeiten und kommunizieren wollen, tun gut daran, "auch etwas darauf zu achten, was den angepeilten Zielgruppen wichtig ist", empfiehlt der Personalmarketingexperte.

Auf die Situation der deutschen Autobauer bezogen heißt dies, dass verloren gegangenes Vertrauen erst wieder aufgebaut werden muss, um im War for talents die besten Köpfe für technische Weiterentwicklungen gewinnen zu können.   

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