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2023 | OriginalPaper | Chapter

§ 3 Untreue, § 266 StGB

Authors : Carsten Momsen, Adja Lea Niang, Philipp Bruckmann, Sebastian Laudien

Published in: Wirtschaftsstrafrecht

Publisher: Springer Berlin Heidelberg

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Zusammenfassung

Die UntreueUntreue gehört im Wirtschaftsstrafrecht zu den praktisch wichtigsten Tatbeständen und stellt neben dem Betrug den zentralen Tatbestand zum Vermögensschutz (vgl. BGH NJW 1998, 913; BGH NJW 2006, 522, 525) dar.spiepr Par3Bei der Untreue handelt es sich um ein Fremdschädidungsdelikt, bei dessen Verwirklichung ein Vermögen von innen heraus durch eine Person geschädigt wird (vgl. Brettel/Schneider, Wirtschaftsstrafrecht, 3. Aufl. 2020, Rn. 339), die in der Regel zweckgebundene Verfügungsrechte über dieses Vermögen besitzt. Im Wirtschaftsbereich handelt es sich oftmals um Vermögen einer juristischen Person, das deren Organe für diese verwalten. Die Idee hinter der Vorschrift ist, dass es im Wirtschaftsverkehr (allgemein, nicht nur auf das Wirtschaftsstrafrecht beschränkt) wichtig ist, bestimmte Personen mit der Fürsorge für Vermögenswerte zu betrauen, wofür ihnen besondere Zugriffsrechte eingräumt werden. Diese Rechte begründe eine besondere Verantwortung, ihre Verletzung die ratio der Strafbarkeit.spiepr Par4In der praktischen Anwendung stellen sich regelmäßig Schwierigkeiten ein, da die Norm relativ offen gefasst ist und viel Raum für Auslegung bietet. Aufgrund dieses Umstandes wird die Untreue in der Praxis häufig als Auffangtatbestand instrumentalisiert (Schünemann, NStZ 2006, 196; BeckOK-StGB/Wittig, § 266 Rn. 1). Daher ist die Rechtsprechung auch sehr uneinheitlich. Insbesondere die Tatbestandsmerkmale der Vermögensbetreuungspflicht und des Nachteils bereiten bei ihrer Auslegung regelmäßig Probleme.

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Footnotes
1
PKS 2020, Bund Falltabellen, T01 V1.0, https://​www.​bka.​de/​SharedDocs/​Downloads/​DE/​Publikationen/​PolizeilicheKrim​inalstatistik/​2020/​Bund/​Faelle/​BU-F-01-T01-Faelle_​xls.​xlsx?​_​_​blob=​publicationFile&​v=​4, zuletzt abgerufen am 03.01.2022; auch die Diskrepanz zur Verurteilungszahl ist erheblich: Statistisches Bundesamt, Strafverfolgungsstatistik 2020, Fachserie 10, Reihe 3, Tab. 2.1: 1146 abgeurteilte Fälle (§ 266) im Vergleich zu 88.990 abgeurteilten Fällen (§ 263 einschl. § 263 III, V).
 
2
Eine Aufzählung der prominentesten Verfahren bietet SSW-StGB/Saliger, § 266 Rn. 5.
 
3
Zu diesem (viktimodogmatischen) Leitgedanken: LK-StGB/Schünemann, § 266 Rn. 1.
 
4
Beispielhaft die Entscheidungen: BGHSt 49, 147 – „Bremer Vulkan“; BGHSt 50, 331 – „Mannesmann“; BGH NJW 2006, 453 – „Kinowelt“; BGH NStZ 2017, 227 – „HSH Nordbank“; dazu insgesamt: Schünemann, Organuntreue: Das Mannesmann-Verfahren als Exempel?, 2004, 7 ff.; vgl. auch Momsen, in: FS Schöch, 567 ff.
 
5
Statistisches Bundesamt, Strafverfolgungsstatistik 2020, Fachserie 10, Reihe 3, Tab. 2.2: vgl. eine Einstellungsquote von 14 % insgesamt gegenüber 27 % bei § 266 StGB.
 
6
Statistisches Bundesamt, Staatsanwaltschaften 2020, Fachserie 10, Reihe 2.6, Tab. 3.4.1: vgl. eine Einstellungsquote von etwa der Hälfte – freilich handelt es sich um gemeinsame Zahlen für Betrug und Untreue.
 
7
PKS 2020, Bund, Falltabellen, T01 V1.0, https://​www.​bka.​de/​SharedDocs/​Downloads/​DE/​Publikationen/​PolizeilicheKrim​inalstatistik/​2020/​Bund/​Faelle/​BU-F-01-T01-Faelle_​xls.​xlsx?​_​_​blob=​publicationFile&​v=​4, zuletzt abgerufen am 03.01.2022; im Vergleich etwa zum Diebstahl ohne erschwerende Umstände mit einer Aufklärungsquote von 41,7 %.
 
9
Momsen/Grützner/Schramm, Hdb Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, § 19 Rn. 74; stRspr; vgl. BGHSt 55, 266 Rn. 34 wobei der BGH hier missverständlich von einer Einwilligung spricht, 278; BGH wistra 2011, 463.
 
10
Siehe auch zur eingeschränkten Körperschaftstheorie BGHSt 9, 203, 216; LK-StGB/Schünemann § 266 Rn. 249.
 
13
Siehe dazu die gravierende Pflichtverletzung postulierende Entscheidungen BGHSt 47, 148 (Sparkasse Mannheim) und BGHSt 47, 187 (SSV Reutlingen) einerseits und andererseits die diesbezüglich zurückhaltendere Entscheidung zum Mannesmann-Verfahren BGHSt 50, 331 ff. (anders aber noch die Vorinstanz LG Düsseldorf NJW 2004, 3275 ff.).
 
15
Hierzu und zu den folgenden Ausführungen BGHSt 50, 331 ff.
 
16
Siehe nur Kudlich/Oğlakcioğlu, Wirtschaftsstrafrecht, Rn. 362.
 
21
Momsen/Grützner/Schramm, Hdb Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, § 19 Rn. 142 ff. m. w. N.; vgl. auch Schönke/Schröder/Perron, § 266 Rn. 35a, 45c; BGH NStZ 2018, 105, 108 abzugrenzen von den Fällen, in denen ein „Schwarzbestand“ an Gegenständen besteht, der den zuständigen Gremien nicht bekannt ist, für sich jedenfalls dann keine relevante Vermögensminderung darstellt, wenn sich die Gremien die Kenntnis, etwa durch eine Inventur, verschaffen können.
 
23
Insbesondere in früherer Rechtsprechung häufig terminologisch ungenau als „schadensgleiche Vermögensgefährdung“ bezeichnet.
 
24
Zum Begriff MüKo-StGB/Dierlamm/Becker, § 266 Rn. 307; Schünemann, NStZ 2006, 196, 199 ff.; die weiteren Ausführungen folgen im Wesentlichen Momsen/Grützner/Schramm, Hdb Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, § 19 Rn. 147 f.
 
25
BGH NJW 2002, 1585,1586; vgl. auch z. B. Burgi/Hampe/Friedrichsmeier, Der Rechtsrahmen des Verwaltungssponsoring, in Burgi (Hrsg.): Sponsoring der öffentlichen Hand, 2010, 71, 76 f.; zur Praxis des Sponsorings allgemein vgl. die Beiträge in Bagusat u. a. (Hrsg.), Handbuch Sponsoring, 2008.
 
26
Die Ausführungen folgen im Wesentlichen Momsen/Grützner/Voigtel, Hdb Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, § 32 Rn. 3.
 
27
Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Förderung von Tätigkeiten des Bundes durch Leistungen Privater (Sponsoring, Spenden und sonstige Schenkungen), NJW 2004, 1367; dazu M. Schröder, NJW 2004, 1353; für Nordrhein-Westfalen z. B. Runderlass des Innenministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen v. 26. 4. 2005 – IR 12. 2. 06 – Ziff. 4.
 
28
Die Ausführungen folgen im Wesentlichen Momsen/Grützner/Schramm, Hdb Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, § 19 Rn. 57.
 
29
Zu den maßgeblichen Kriterien BGH NJW 2002, 1585, 1587.
 
31
Ausführlich Cherkeh/Momsen/Orth/Vaudlet, SportstrafR-HdB, 4. Kapitel A V.
 
32
BGH NStZ 2004, 568, 569; daran hat auch die zu § 299 StGB ergangene Entscheidung BGH NJW 2012, 2530, die eine Stellung des Kassenarztes als Vertreter der Krankenkassen verneint, nichts geändert; BGH NJW 2016, 3253; Taschke, StV 2005, 406; Schönke/Schröder/Perron, § 266 Rn. 25
 
33
Tateinheit kommt nach MüKo-StGB/Krick, § 299 Rn. 139 und Graf/Jäger/Wittig/Sahan, StGB, § 299 Rn. 70 in Betracht.
 
Metadata
Title
§ 3 Untreue, § 266 StGB
Authors
Carsten Momsen
Adja Lea Niang
Philipp Bruckmann
Sebastian Laudien
Copyright Year
2023
Publisher
Springer Berlin Heidelberg
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-65503-0_3