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10-02-2016 | Anlageberatung | Interview | Article

"Die digitale Entwicklung hat noch Überraschungen parat"

Author:
Eva-Susanne Krah
3:30 min reading time
Interviewee:
Philipp Lindmayer

Der Springer-Autor Philipp K. M. Lindmayer ist Trainer bei Lindmayer Training & Beratung für Finanzdienstleister und Mitverfasser des jährlich neu aufgelegten Springer-Buchs „Geldanlage und Steuer“. 
Er studierte Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität Berlin und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. 

Neue Formen der digitalen Geldanlage, die Niedrigzinsphase und neue Marktteilnehmer in der Bankenbranche beeinflussen Kreditinstitute und ihre Kunden im Anlagegeschäft. Was Anleger beachten sollten und wie Beratung sich verändert. Interview Teil I.

Springer Professional: Was würden Sie Anlegern im Hinblick auf Strategien zur Geldanlage angesichts der aktuellen Situation am Geld- und Kapitalmarkt raten?

Philipp Lindmayer: Bezüglich des Portfolios ist es ratsam, Kurs zu halten – trotz der zahlreichen makroökonomischen Risiken und der Unsicherheit bezüglich der Zeitpunkte weiterer Erhöhungen des US-Leitzinses. Wir raten zu gezielten Investitionen in Aktien und Immobilien. Denn Investitionen in Sachwerte können in der derzeitigen Niedrigzinsphase ein geeignetes Chance-/Risikopotenzial bieten.
Eine Anlagemöglichkeit bilden Aktien in den Industrieländern. Aktienfonds und insbesondere die kostengünstigen börsengehandelten Indexfonds (ETFs) stehen besonders im Fokus. Aufgrund der Risiken im Jahr 2016 sind ETFs, die den Ansatz einer geringen Volatilität verfolgen, eine gute Investitionsmöglichkeit. Geringe Volatilität stellt einen der so genannten Smart-Beta-Faktoren dar.
Eine weitere Investitionsmöglichkeit besteht bei Immobilien in Deutschland. Insbesondere bei Etagenwohnungen in Metropolen sind die Preise bereits stark gestiegen, so dass auch bei Immobilien möglichst eine Diversifikation angestrebt werden sollte. Offene Immobilienfonds stellen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) eine besondere Assetklasse dar, bei der bestimmte Regelungen zu beachten sind. Keinesfalls sollten offene Immobilienfonds als liquide Anlage betrachtet werden.

Welche Risiken sollten Anleger bei der langfristigen Vermögensplanung besonders beachten?

Wir empfehlen eine strategische Finanzplanung, die auf vier Säulen ruht. Wichtig ist zunächst eine ausreichende Liquiditätsreserve. Die Absicherung der Basisrisiken ist die zweite Säule einer langfristigen Vermögensplanung. Zur Absicherung sollten besonders eine Privat- oder Familienhaftpflichtversicherung und, soweit möglich, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Risikolebensversicherung abgeschlossen werden.

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Geldanlage und Steuer 2016

Erfolgreich bei wechselnden Rahmenbedingungen agieren

Dieses Standardwerk ist unverzichtbarer Ratgeber zur Überprüfung Ihres Anlageportfolios, getreu dem Motto: „Vermögen optimieren, Steuern minimieren“. Schwerpunkte aller Kapitel sind deshalb der Vermögensaufbau sowie die Sicherung und der systematische Ausbau des Ersparten.

Die Altersvorsorge bildet die dritte Säule, um dem Risiko einer möglichen Altersarmut aktiv entgegenzuwirken. Es sollten die Möglichkeiten der drei Schichten des Alterseinkünftegesetzes, also Basisversorgung, kapitalgedeckte Zusatzversorgung und Kapitalanlageprodukte, genutzt werden.
Die vierte Säule umfasst die Steuersparmöglichkeiten und das Vererben. Es sollten alle Freibeträge und Freigrenzen der Einkommensteuer für jedes Familienmitglied genutzt werden, beispielsweise durch Schenkungen zu Lebzeiten. Eine kontinuierliche Erfolgskontrolle in regelmäßigen Abständen, mindestens durch eine jährliche Vermögensbilanz, bildet den Grundstein für die langfristige Planung.

Sie sprechen bei Anlageentscheidungen auch vom „magischen Viereck“ – was bedeutet das konkret?

Das magische Viereck der Geldanlage umfasst die vier Anlageziele. Diese sind Sicherheit, Rendite, Liquidierbarkeit und Steueroptimierung. Zwischen den Zielen können allerdings Zielkonflikte bestehen. Wir empfehlen Anlegern als oberste Priorität die Sicherheit mit dem Minimalziel des Kapitalerhalts.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Vor der Finanzkrise haben zahlreiche Privatanleger aus Deutschland Sichteinlagen in Form von Tagesgeld bei isländischen Banken angelegt. Zu dieser Zeit haben isländische Banken die teils höchsten Zinssätze für Tagesgeld versprochen. Die beiden Ziele Rendite und Liquidierbarkeit konnten für eine Geldanlage damit sehr gut erreicht werden. Allerdings berücksichtigten viele Anleger das Ziel der Sicherheit nur unzureichend.

Was hat sich im Umgang mit Kreditinstituten für Privatkunden in der Anlageberatung verändert, zum Beispiel durch die Digitalisierung und neue Marktteilnehmer?

Wir sehen bereits große Veränderungen im Privatkundenbereich. Durch die bisherige digitale Transformation und neue Marktteilnehmer hat sich für Privatkunden eine größere Transparenz ergeben.
Es entstehen derzeit zahlreiche Fintechs, die mit neuen Dienstleistungen Teile der Finanzwelt entsprechend der „Digitalen Disruption“ vollständig verdrängen wollen. Für Privatkunden entstehen dadurch neue Dienste, bei denen abzuwarten bleibt, welche sich durchsetzen werden. Im Bereich des Crowdlendings ermöglichen Plattformen beispielsweise die Kreditvergabe einer Gruppe von Privatpersonen an Privatpersonen („Peer-2-Peer-Lending“) oder von Privatpersonen an Unternehmen („Peer-2-Business-Lending“). Durch Crowdinvesting sind Finanzierungen von Startups möglich. Eine weitere neue Art der Geldanlage ist das „Social Trading“, bei dem Privatanleger die Trades anderer Händler über Plattformen wie soziale Netzwerke oder spezialisierte Anbieter verfolgen und replizieren können. Alle diese Plattformen kommen ohne Filialen aus.

Wie wird sich die Kundenberatung dadurch wandeln?

Die digitale Entwicklung hat sicher auch im Bereich der Geldanlage noch Überraschungen parat, etwa wenn die Beratung durch digitale automatisierte Beratung, sogenanntes Robo Advisory, verstärkt und teilweise ersetzt werden wird.

Um steuerliche Aspekte, das Bankgeheimnis und den gläsernen Steuerbürger geht es im zweiten Teil des Interviews zum Buch "Geldanlage & Steuer 2016" mit Springer-Autor Hans-Ulrich Dietz.

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