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25-09-2020 | Anlageberatung | Im Fokus | Article

Junge Anleger bevorzugen nachhaltige Finanzanlagen

Author:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 min reading time

Umwelt- und Klimaschutz ist nicht nur ein Thema aktueller Nachrichten, sondern auch eines für Anleger, zeigt eine Studie. Vor allem junge Privatkunden interessieren sich sehr für Sustainable Finance. Doch häufig sind entsprechende Produkte der Banken ihren Kunden nicht bekannt.

Für 80 Prozent der für die "Privatkundenstudie Sustainable Finance" befragten Menschen ist Nachhaltigkeit kein Modethema, sondern bedeutet einen langfristigen gesellschaftlichen Wandel. Wie das Beratungshaus Pwc in der im Juni und Juli 2020 durchgeführten repräsentativen Umfrage unter mehr als 4.000 Bundesbürgern herausfand, sind für 67 Prozent Nachhaltigkeitsaspekte in den vergangenen fünf Jahren bei Kaufentscheidungen wichtiger geworden. Das gelte vor allem für Elektrogeräte, Lebensmittel und Pkw, in zunehmendem Maße aber auch beim Erwerb von Immobilien und Finanzprodukten.

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Nachhaltige Bankprodukte zu wenig bekannt

Doch obwohl Klima- und Umweltschutzaspekte auch bei der Geldanlage eine zunehmende Rolle spielen, kennen viele von ihnen das Angebot ihrer Bank an solchen Produkten nicht. "Die Haltung zum Thema Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Differenzierungsfaktor. Für fast 50 Prozent der Kunden spielt der Umgang mit Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle bei der Auswahl ihrer Bank", erläutert Co-Studienautor Daniel Wildhirt von Pwc Deutschland. 

81 Prozent sind der Meinung, dass das eigene Geldinstitut nicht nur nachhaltige Produkte anbieten, sondern auch sich selbst an Nachhaltigkeitskriterien orientieren sollte. Allerdings wissen rund sechs von zehn Kunden (59 Prozent) nicht, ob ihre Bank dies auch wirklich umsetzt.

Es ist offensichtlich, dass aus der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise zu wenig gelernt und zu wenig Wissen breitenwirksam geteilt wurde. Banken postulieren mehr und mehr nachhaltiges Verhalten, doch die Botschaft kommt bei Kunden, Partnern und Politik nicht an. Welche Relevanz Nachhaltigkeitsthemen im Kerngeschäft der Finanzinstitute hat, ist schlecht einzuschätzen, viele wissen noch zu wenig von den Wirkungen ihrer Finanzanlagen", beschreiben Yvonne Zwick und Robert Böhnke das Problem im Buchkapitel "Von nachhaltigem Konsum über CSR zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex und Sustainable Finance: Wie der Rat für Nachhaltige Entwicklung nachhaltiges Wirtschaften vorantreibt" auf Seite 176.

Die Pwc-Studie belegt, dass 57 Prozent der befragten Privatkunden den Begriff Nachhaltige Finanzprodukte nicht kennt oder sich zumindest nichts darunter vorstellen kann. Demnach hat nur jeder sechste eine gute oder sehr gute Vorstellung davon, was sich dahinter verbirgt. 24 Prozent wünschen sich deshalb mehr Informationen über das gesamte Angebot ihrer Bank und weitere 24 Prozent transparentere Angaben zu einzelnen Produkten.

Hub for Sustainable Finance soll für mehr Transparenz sorgen

"Daher hat der Nachhaltigkeitsrat an der Schnittstelle zum Finanzmarkt von 2017 bis 2019 den Hub for Sustainable Finance initiiert. Im politischen Kontext der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, den UN-Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten und dem Klimaschutzabkommen von Paris, verstand sich der Hub als ein innovativer, offener Diskursraum und eine Koalition derer, die sich für eine grundlegende Transformation des Finanzsystems einsetzen", betonen die Springer-Autoren. 

In diesem offenen Netzwerk hätten sich neue Akteure zusammengeschlossen, die bislang noch kaum im Dialog miteinander standen: Wirtschaft und Finanzwirtschaft mit und ohne Pioniergeist in Sachen Nachhaltigkeit, politische und zivilgesellschaftliche Akteure. Deren Ziel sei, den "breiten gesellschaftlichen Dialog über Sinn und Ziel einer nachhaltigen Marktwirtschaft zum Tragen zu bringen und gemeinsam mit Praktikern Lösungen zu erarbeiten, die transformativen Charakter haben".

"Eine reine Erweiterung des bestehenden Angebots an nachhaltigen Finanzprodukten reicht nicht aus. Um das Geschäftspotenzial zu heben, müssen Banken solche Produkte aktiv vertreiben", sagt Thomas K. Otto, Director bei PwC Deutschland. So erwartet auch gut die Hälfte der Studienteilnehmer, dass die Institute ihnen nachhaltige Finanzprodukte anbieten. "Insbesondere die jungen, digital-affinen Privatkunden zwischen 18 und 39 Jahren sind sehr stark an nachhaltigen Finanzprodukten interessiert", ergänzt Wildhirt. Deutlich mehr als die Hälfte dieser befragten Altersgruppe wählt grün (65 Prozent) oder hat einen (Fach-)Hochschulabschluss (58 Prozent).

Anleger nehmen bisweilen schlechtere Konditionen in Kauf

Wichtig ist 38 Prozent der Befragten bei ihrer Anlageentscheidung, sozial verantwortlich handelnde Unternehmen und Staaten zu unterstützen, aber auch etwas für den Klimaschutz zu tun (35 Prozent). Der Gedanke, die Welt "ein bisschen besser zu machen", spielt dabei für 47 Prozent der Privatkunden eine wichtige Rolle beim Erwerb nachhaltiger Finanzprodukte. 

"Solche Impact Investments sind für Anleger deutlich attraktiver als solche mit negativen Ausschluss- oder positiven Einschlusskriterien", erläutert Wildhirt. Jeder vierte Besitzer oder Interessierte gibt sogar an, dass er bei Investitionen in Unternehmen, die etwa ökologische Technologien entwickeln oder gesellschaftliche Probleme lösen, etwas schlechtere Konditionen in Kauf nehmen würde.

Doch stehen sich in Sachen Aufklärung und Transparenz die Akteure selbst im Weg, meinen Zwick und Böhnke. Auf Seite 177 schreiben sie: 

Um wirksame Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung zu erarbeiten, ist es essenziell, Schnittstellen zwischen verschiedenen Themenkreisen zu bearbeiten. In ihrer Verknüpfung und dem Austausch unterschiedlicher Perspektiven werden Zielkonflikte offenbar und können Zielstellungen ausgehandelt werden. Eine Bereitschaft zur Offenheit und Transparenz ist dafür essenziell. Es gibt sie leider immer noch zu wenig. Das Hüten von Geschäftsgeheimnissen, Ansätzen und Methoden steht für viele Akteure noch an erster Stelle."

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